Gedankenassoziation eines vierjährigen Kindes 1920-003/1924
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    GEDANKENASSOZIATIONEN EINES VIER-
    JÄHRIGEN KINDES

    Zuerst erschienen in der „Internationalen Zeit-
    schrift für Psychoanalyse“, VI, 1920.

    Aus dem Brief einer amerikanischen Mutter: „Ich muß Dir 
    erzählen, was die Kleine gestern gesagt hat. Ich kann mich noch 
    gar nicht fassen darüber. Kousine Emily sprach davon, daß sie 
    sich eine Wohnung nehmen wird. Da sagte das Kind: Wenn 
    Emily heiratet, wird sie ein Baby bekommen. Ich war sehr über-
    rascht und fragte sie: Ja, woher weißt du denn das? Und sie 
    darauf: Ja, wenn jemand heiratet, dann kommt immer ein Baby. 
    Ich wiederholte: Aber wie kannst du das wissen? Und die 
    Kleine: Oh, ich weiß noch sehr viel, ich weiß auch, daß die 
    Bäume in der Erde wachsen (in the ground). Denke Dir die 
    sonderbare Gedankenverbindung! Das ist ja gerade das, was ich 
    ihr eines Tages zur Aufklärung sagen will. Und dann setzt sie 
    noch fort: Ich weiß auch, daß der liebe Gott die Welt schafft 
    (makes the world). Wenn sie solche Reden führt, kann ich mir’s 
    kaum glauben, daß sie noch nicht einmal vier Jahre alt ist.“

    Es scheint, daß die Mutter den Übergang von der ersten 
    Äußerung des Kindes zur zweiten selbst verstanden hat. Das 
    Kind will sagen: ich weiß, daß die Kinder in der Mutter 
    wachsen, und drückt dies Wissen nicht direkt, sondern symbolisch 
    aus, indem es die Mutter durch die Mutter Erde ersetzt. Wir 
    haben bereits aus vielen unzweifelhaften Beobachtungen erfahren, 
    wie frühzeitig sich die Kinder der Symbole zu bedienen wissen. 

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    Aber auch die dritte Äußerung der Kleinen verläßt den Zusammen-
    hang nicht. Wir können nur annehmen, daß das Kind als ein 
    weiteres Stück seines Wissens über die Herkunft der Kinder 
    mitteilen wollte: Ich weiß auch, das ist alles das Werk des 
    Vaters. Aber diesmal ersetzt sie den direkten Gedanken durch 
    die dazugehörige Sublimierung, daß der liebe Gott die Welt 
    schafft.

Freud, Sigmund (): Gedankenassoziation eines vierjährigen Kindes. GS 5:244-245.