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INTERNATIONALE ZEITSCHRIFT FÜR
ÄRZTLICHE PSYCHOANALYSE
Herausgegeben von Professor Dr Sigm. Freud
Schriftleitung: Dr. S. Ferenczi, Budapest, VII. Elisabethring 54
/ Dr. Otto Rank, Wien IX/4, Simondenkgasse 8
Verlag Hugo Heller & Co, Wien, I. Bauernmarkt No 3
Abonnementspreis: ganzjährig (6 Hefte, 36‑40 Bogen) K 21.60 = Mk. 18.‑====================================================================
Wien am 17.2.1913A
Lieber Freund
Jungs Brief (mit Dank retour) enthält zwei kostbare Eingeständnisse, erstens die Erkenntnis seiner bisher abgeleugneten Verwandtschaft mit Adler, zweitens die Beichte, daß er mit seinem Widerspruch eine neurotische Kraft‑ und Liebesprobe bei mir anstellen wollte, die er nun allerdings mißglückt sieht. Natürlich ist der Wert als Instrument der voranstehende, den als Person muß man sich durch sonstige Leistungen erwerben. Wenn man so deutlich selbstsüchtig und so wenig verläßlich ist, braucht man nicht sehr enttäuscht zu sein, wenn es nicht anders ausgeht.
Ihre Antwort (gleichfalls retour) ist vortrefflich. Die Sicherheit, mit der Sie Adler aburteilen, kann nicht übertroffen werden, auch gegen Jung finden Sie die Gesichtspunkte der Überlegenheit und Klarheit, was angesichts seiner unaufhörlichen Vermengung von Persönlichem und Sachlichem befreiend wirkt. Ich werde mich enthalten, Ihnen eine Abänderung Ihrer Reaktion vorzuschlagen.
Von Jungs Unaufrichtigkeit selbst in unwichtigen Dingen wird Ihnen Rank ein rezentes Beispiel mitteilen.
Ihren Beitrag konnte ich noch nicht lesen. Er sieht sehr korrigiert aus.
Ihren Ausflug nach Korfu haben Sie sehr verdient. Obwohl ich nicht mithalten kann, nehme ich viel Anteil an ihm. Wahrscheinlich werde ich zur gleichen Zeit Anna aus Meran abholen.1 Ich bitte Sie aber sehr, vorher noch einmal nach Wien zu kommen, am liebsten recht bald, denn wir haben den Kontrakt für die Inter[nationale] Zeitsch[rift] miteinander zu besprechen, was brieflich nicht gut geht, eigentlich gar nicht geht. Von allen anderen Interessen abgesehen.
+Scientia*, eine vornehme internationale Revue, die in Mailand erscheint, hat mich dringend zu einem Artikel über die -A aufgefordert.2 Dazu eine Vorrede für Pfisters Buch3 und ein Geleitwort zu einer kleinen Schrift von Steiner4 als nächste Arbeiten.
Die Abnützung der intellektuellen Mechanismen ist aber so groß, daß ich mich nächstens doch zu einer Schreibmaschine entschließen werde.
Von Brill ein sehr kluger und erfreulicher Brief.
Herzliche Grüße Ihr
Freud
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A Siehe Brief 358 Fer, Anm. A.
1 Anna hielt sich mit einer Schwägerin von Mathilde in Meran auf. Freud traf sie am 22. März in Bozen und die beiden fuhren dann über Verona nach Venedig, von wo sie fünf Tage später nach Wien zurückkehrten (Jones II, S. 125); siehe unten 385 F.
2 >Das Interesse an der Psychoanalyse< (Freud 1913j); Scientia, 1913, 14: S. 240-250 und 369-384.
3 >Geleitwort< zu: Oskar Pfister, Die psychanalytische Methode - erfahrungswissenschaftlich-systematische Darstellung, Leipzig 1913 (Freud 1913b).
4 >Vorwort< zu: Maximilian Steiner, Die psychischen Störungen der männlichen Potenz, Leipzig 1913 (Freud 1913e).
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S.
Berggasse 19
Wien 1090
Oostenryk
VII Erzsebét-kőrút 54
Budapest 1073
Hongarye
http://data.onb.ac.at/rec/AC16572878 Autogr. 1053/16(1-10) HAN MAG