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S.
Berlin 15.4.22
Liebe Freunde,
Es freut uns sehr zu hören, dass aus Wien
ebenso wie aus Budapest eine starke Beteiligung am Kongress zu erwar-
ten ist. Wir hoffen, dass auch England und die andern Länder gut vertre-
ten sein werden. Die Vorbereitungen zum Kongress sind bereits über das
erste Stadium hinaus. Wir haben uns sehr geeignete Räume für den Kon-
gress gesichert. Wir hatten ursprünglich die Kunsthochschule in Aussicht ge-
nommen, aber sie wird zum Herbst teilweise zu einem Theater umgebaut
und steht uns daher nicht zur Verfügung. Heute habe ich (A) nun im
Haus des „Brüdervereins“ vorzügliche Lokalitäten fest bestellt. Wir
können den Empfangsabend, die Verhandlungen und das Bankett alle dort
veranstalten. Ein sehr grosser Saal und zwei kleinere stehen zu unserer
Verfügung. Die Lage (., Kurfürstenstrasse) ist so günstig, wie unter
den hiesigen Verhältnissen denkbar. Die für die Gäste in Frage kommenden
Hotels u. Pensionen liegen nahe, auch die Wohnungen der Mitglieder,
die Gäste bei sich aufnehmen, sind alle (bis auf meine) nicht weit.
Der Kongress wird durch die sehr schönen Räume einen guten Rahmen er-
halten.Bezüglich der Kosten des Banketts ist jetzt wohl Einigkeit
erzielt. Selbstverständlich soll niemand zur Teilnahme genötigt werden,
dagegen hoffen wir denjenigen, denen die Teilnahme finanziell schwer-
fällt, behilflich sein zu können.Wie ich privat hörte, ist unser Schweizer Mitglied Dr.
Rorschach gestorben. Vermutlich hat die Schweizer Gruppe schon eine
Anzeige für die Zeitschrift gesandt. Auf jeden Fall wollte ich darauf auf-
merksam machen.London: Von den Drucksachen hat uns der gute Scherz aus
Oxford am meisten erfreut. Was unsere Korrespondenz betrifft, so diffe-
riert Dein neuer Vorschlag, l. Jones, recht wenig von dem bereits be-
nommenen. Es kommt im Jahr auf diese Weise höchstens zwei Briefe mehr
heraus als bei zweimaligem Briefwechsel im Monat. Wir fügen uns also
ohne Weiteres, falls Wien oder Bpest dafür eintreten.Die Praxis ist hier dauernd lebhaft. Dass der Januar ein
besonderer Monat ist, weiss ich seit Beginn meiner Praxis. Die Neurotiker
fangen da das „neue Leben“ an und drängen förmlich zur Behandlung. Meist
beginnt diese lebhafte Nachfrage einige Tage vor Neujahr. Eine zweite
Welle kommt alljährlich im September, wenn die Patienten ohne nachhalti-
gen Nutzen aus Bädern & Sanatorien heimgekehrt sind.(Übrigens ist Mrs. Powers seit einigen Tagen bei mir in
Analyse)Wien: Eitingon bittet um Details über die Organisation der dort.
Poliklinik.Eitingon weiss aus Erfahrung, dass Briefe nach Russland
ziemlich zuverlässig gehen, auch Pakete erreichen meist ihre Adresse.
Kürzlich war hier eine Ärztin aus Odessa mit dem Auftrag, für eine
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psychiatr. Klinik psa. Literatur zu besorgen. Sie hat eine Anzahl von
Neuerscheinungen aus unserem Bücherlager erhalten.Bei meinem Aufenthalt in Wien hörte ich von der geplanten
Sammlung von Kinder-Zeichnungen. Hierzu einige Fragen: Werden schon Bei-
träge angenommen? Erhalten die Einsender die Zeichnungen später zurück?
Können auch farbige Zeichn. reproduziert werden?Ein sehr gründlicher Leser hat mir ein Verzeichnis von
Druckfehlern übergeben, die er in der Taschenausgabe der Vorlesungen
gefunden hat. Wenn eine Korrektur in der Neuauflage (gegossener Platten?)
nicht möglich ist, kann vielleicht ein Fehlerblatt beigelegt werden, da einige Fehler immerhin den Sinn stören.Das Manuskr. von Brauchbar sehe ich in den Ostertagen
durch, glaube aber kaum, es verwenden zu können. – Von Stärcke ist das
avisierte MS nicht eingetroffen.Ihnen, l. Herr Prof., bestätige ich dankend Brief und
Drucksache. Ich antworte gelegentlich besonders darauf.Mit unsern besten Grüßen
Abraham Sachs Eitingon