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S.
Berlin 18.2.24
Liebe Freunde,
Ich habe mit der Niederschrift dieses Briefes auf die An-
kunft Eurer Briefe vom 15. Febr. gewartet, weil ich darin Antwort auf
Ernests & meine Vorschläge für den Kongreß erhoffte. Tatsächlich ist
bereits eine Karte von Sándor eingetroffen, außerdem der Brief von
Herrn Prof. allein. Da ich nicht weiss, ob ihm noch andere Mitteilungen
von Otto folgen, so soll der Brief nun nicht länger ungeschrieben blei-
ben. Auf Ihr Schreiben, l. Herr Prof., ist heute noch kein Eingehen mög
lich, da Hanns es noch nicht gesehen hat und wir beide uns über den
Inhalt natürlich eingehend besprechen müssen. Heute also nur wärmsten
Dank!Den heutigen Brief muß eine traurige Mitteilung einleiten,
die ich nach Wien zur Publikation in der Zeitschrift schon mitgeteilt
habe. Es ist der unerwartete Tod unseres Mitgliedes Dr. Foerster in
Hamburg. Die näheren Umstände erfahrt Ihr aus dem Nachruf in der Z.,
die nach Ottos Mitteilung schon bald versandt wird. Bei der Bestät-
tung mußte ich mich krankheitshalber durch Sachs vertreten lassen.Da Sándor auf das Referat verzichtet, nehme ich an, daß Otto
es allein übernimmt; nach ihm kommt Hanns als Korreferent, dann die
weitere Diskussion. Unsre Ankündigung, daß nur 15 Vorträge statt-
finden können, hat einen ausgezeichneten Erfolg gehabt; es sind nur
17 angemeldet, von welchen wahrscheinlich 1 oder 2 noch zurückgezogen
werden. So sind wir der unangenehmen Auswahl ganz überhoben. Das Ver-
zeichnis stelle ich in diesen Tagen zusammen und sende es zunächst an
Ernest. Du, l. Otto, fragst nach Aufsätzen für Imago. Von den Kongreß-
vorträgen werden 3 (Reik, Róheim, Bernfeld) für Imago geeignet sein.
Ohne Nachricht bin ich noch darüber, ob wir von Ihnen, l. Herr Prof.,
einen Vortrag erwarten dürfen. Wir freuten uns so sehr, daß wir in
Imago 2 neue Aufsätze von Ihnen angekündigt sahen. So hoffen wir auch
auf einen Vortrag, wenn dem nicht Gründe entgegenstehen. Auf jeden Fall
wüßte ich gern, ob ich Sie aufs Progr. setzen darf, eventuell mit Thema
„vorbehalten“.Eine besondere Bitte habe ich noch im Gesamtinteresse. Ich
habe vor mehr als 14 Tagen Bernfeld angefragt, ob Wien die lokalen Vor-
bereitungen in Salzburg übernehmen könne. Bis heute keine Antwort! Nur
durch ein Telefongespräch, das Frau Dr. Deutsch mit ihrem Manne führte,
erfuhr ich heute, daß ein Komitee gebildet ist. Könnte nicht dafür
gesorgt werden, daß die Korrespondenz prompter geht? Ich habe in jedem
Quartal die Plage mit Wien wegen des Berichtes für das Korr.-Blatt.
Die sehr reichliche Arbeit des Zentralsekretärs könnte erleichtert
werden, wenn der Wiener Schriftführer einmal um etwas schnellere Er-
ledigung ersucht würde.Der „rote Zettel“ mit dem Hinweis auf Adressierung der Briefe
ist sehr gut. Ich möchte aber, wie schon früher, darauf hinweisen, daß
eine Irreführung der Korrespondierenden erfolgt, wenn sie Briefe vom
Verlag mit einem Aufdruck des Couverts erhalten, der garnicht der
absendenden Stelle entspricht. Bei Korrekturen z. B. weiss man niemals,
wohin sie gehen sollen. Ein Stempel auf der Korrektur wäre praktisch.
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S.
Gern vernahmen wir, daß in Budapest endlich wieder eine gewisse
Tätigkeit nach außen einsetzen kann, ebenso von der außerordent-
lichen Unterrichtstätigkeit in Wien. Interessant ist, daß auch London
eben jetzt mit Kursen auf den Plan tritt.Auch ich (A) habe von Dr. Herford ein Angebot bekommen, mein neues
Buch zu übersetzen. Ich habe ihr aufschiebend geantwortet, da ich
zunächst Ernest darüber hören möchte. Ich schreibe Dir in diesen Tagen
hierüber und über verschiedene andere Punkte. Daß der Prof. Brown
in Oxford in die Analyse gegangen ist, bedeutet wirklich einen inter-
essanten Erfolg. Auf dem Kongreß im letzten Sommer sah ich ihn noch
als Gegner.Vereins- und Unterrichtstätigkeit sind hier in gutem Gange.
Mit herzlichen Grüssen
Abraham Sachs
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S.