• S.

    PROF. DR. FREUD
    WIEN IX., BERGGASSE 19 
    Semmering, 28.7.25

    ad 1) Auf die erste Frage habe ich 
    bereits in meinem Brief 
    an Mr. Bernays geantwortet, 
    indem ich die drei wichtigsten 
    Verwendungen des Fonds 
    anführte.

    ad 2). Der Schaden der Ausübung 
    der Psychoanalyse durch quacks 
    ist selbstverständlich. Niemand 
    würde fragen, worin der Schaden 
    liegt, wenn Leute Wunden 
    behandeln, Kinder unterrichten, 
    Uhren repariren oder Häuser 
    bauen, die es nie ordentlich 
    erlernt haben.

    ad 3). Die Psychoanalyse ist eine 
    Wissenschaft und eine therapeut-
    ische Methode.  Sie braucht nicht 
    mehr popularisirt zu werden 
    als andere Wissenschaften, 
    aber das Publikum sollte 
    über ihr Wesen und ihren 
    Nutzen als Therapie aufgeklärt 
    werden sein.

     ad 4) Meine persönliche Stellung 
    zur Frage der Ausübung der 
    Psychoanalyse durch Nichtärzte 
    hat mit der Schaffung eines 
    psychoanalytischen Fonds nichts

  • S.

    zu thun. Ich vertrete den Stand-
    punkt, daß keiner berechtigt 
    ist, die analytische Therapie 
    auszuüben, der nicht eine 
    gründliche Ausbildung in 
    der Analyse nachweisen 
    kann, gleichgiltig ob er 
    ein ärztliches Diplom 
    besitzt oder nicht.

    Freud