• S.

           10. 1. 09
    PROF. DR. FREUD        WIEN, IX. BERGGASSE 19.

    Lieber Herr Kollege,
    Ich sagte Ihnen unlängst, Sie hätten bei mir etwas gut. Daran erinnere ich mich, wenn ich Ihnen heute schreibe, obwohl Ihr langes Stillschweigen dahin deutet, daß Sie sich durch die Kritik meines letzten Briefes arg verletzt fühlen. Sie wissen, daß diese Kritik sich mit den freundschaftlichsten Gefühlen für Sie verträgt, vielmehr aus ihnen entsprungen ist, denn aus meiner Sympathie für Sie habe ich mir das Recht abgeleitet, Sie auf einen falschen Gefühlsweg aufmerksam zu machen, den ich Sie einschlagen sah. Lassen Sie mich hoffen, daß Sie Offenheit nicht dauernd

  • S.

    übel nehmen können, und zeigen Sie dies bald
    Ihrem herzlich ergebenen
           Freud