Jenseits des Lustprinzips 1920-004/1919

Freud, Sigmund (1920-004/1919): Jenseits des Lustprinzips

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  • S.

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    Jenseits des Lustprinzips

    von
    Sigm. Freud

    I.

    In der psychoanalytischen Theorie nehmen wir unbedenklich an,
    daß der Ablauf der seelischen Vorgänge automatisch
    durch das Lustprinzip regulirt wird. Das heißt, wir glauben,
    daß er jedesmal durch eine unlustvolle Spannung ange-
    regt wird und dann in eine solche Richtung einschlägt,
    daß sein Endergebnis mit einer Herabsetzung oder Auf-
    hebung dieser Span̄ung, also mit einer Vermeidung
    von der Unlust oder Erzeugung von Lust zusam̄enfällt.

    Wenn wir die von uns studirten seelischen Prozeße mit
    Rücksicht auf diesen Ablauf betrachten, führen wir
    den oekonomischen Gesichtspunkt in unsere Arbeit
    ¿ ein. Wir meinen, eine Darstellung, die neben
    dem topischen und dem dynamischen Moment noch
    dies oekonomische zu würdigen versuche, sei die
    vollständigste, die wir uns derzeit vorstellen können,
    und verdiene es, durch den Namen einer metapsycholog-
    ischen
    hervorgehoben zu werden.

    Es hat dabei für uns kein Interesse zu untersuchen, in wie weit
    wir uns mit der Aufstellung des Lustprinzips einerm
    bestim̄ten, historisch festgelegten, philosophischen Theorie System
    angenähert oder angeschloßen haben. Wir gelangen
    zu solchen spekulativen Annahmen bei dem Bemühen,
    von den Tatsachen der täglichen Beobachtung auf unserem
    Gebiet Beschreibung und Rechenschaft zu geben. Priorität
    und Originalität gehören nicht zu den Zielen, die
    der psychoanalytischen Arbeit gesetzt sind, und die
    Eindrücke, welche der Aufstellung dieses Prinzips zu
    Grunde liegen, sind so augenfällig, daß es kaum
    möglich ist, sie zu übersehen. Dagegen würden wir uns
    gerne zur Dankbarkeit gegen eine philosophische
    oder psychologische Theorie bekennen, die uns
    zu sagen wüßte, welches was die Bedingungen der
    für uns so imperativen Lust‑ und Unlustempfin-
    dungen sind. Leider wird uns hier nichts Brauch-
    bares geboten. Es ist das dunkelste und unzugänglich-
    ste Gebiet des Seelenlebens, und wenn wir un-
    möglich vermeiden können, es zu berühren, so wird
    die lockerste Annahme darüber, meine ich,
    die beste sein. Wir haben uns entschloßen, Lust und
    Unlust mit der Quantität der im Seelenleben
    vorhandenen – und nicht irgendwie gebundenen –
    Erregung in Beziehung zu bringen, solcher Art,
    daß Unlust einer Steigerung, Lust einer Verringerung

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    dieser Quantität entspricht. Wir denken dabei nicht
    an ein einfaches Verhältnis zwischen der Stärke der
    Empfindungen und den Veränderungen, auf die sie be-
    zogen werden; am wenigsten – nach allen Erfahrungen
    der Psychophysiologie – an direkte Proportionalität;
    wahrscheinlich ist das Maß der Verringerung oder Ver-
    mehrung in der Zeit das für die Empfindung ent-
    scheidende Moment. Das Experiment fände hier mög-
    licher Weise Zutritt, für uns Analytiker ist weiteres
    Eingehen in diese Probleme nicht gebotenraten, so lange
    nicht ganz bestim̄te Beobachtungen uns leiten
    können.

    Die Tatsachen, die uns veranlaßt haben, an die Herrschaft
    des Lustprinzips im Seelenleben zu glauben, finden
    auch ihren Ausdruck in der Annahme, daß es ein
    Bestreben des seelischen Apparats sei, die in ihm
    vorhandene Quantität von Erregung möglichst niedrig
    oder wenigstens konstant zu erhalten. Es ist das-
    selbe, nur in andere Fassung gebracht.

    Dann müßen wir aber sagen, es sei eigentlich unrichtig
    von einer Herrschaft des Lustprinzips über den Ab-
    lauf der seelischen Prozeße zu reden. Wenn eine
    solche bestände, müßte die übergroße Mehrheit
    unserer Seelenvorgänge von Lust begleitet sein
    oder und zur Lust führen, während doch die allgemeinste
    Erfahrung dieser Folgerung energisch widerspricht.
    Es kann also nur so sein, daß eine starke Tendenz
    zum Lustprinzip in der Seele besteht, der sich aber
    gewiße andere Kräfte oder Verhältniße wider-
    setzen, so daß der Endausgang nicht immer der Lusttendenz
    entsprechen kann. Wenn wir uns nun
    der Frage zuwenden, welche Umstände die Durch-
    setzung des Lustprinzips zu vereiteln vermögen,
    dann betreten wir wieder sicheren, uns bekannten
    Boden und können unsere analytischen Erfahrungen
    in reichem Ausmaß zur Beantwortung heranziehen.

    Der erste Fall einer solchen Hemmung des Lust-
    prinzips ist uns als ein gesetzmäßiger vertraut. Wir
    wissen, daß das Lustprinzip einer primären Arbeits-
    weise des seelischen Apparats eignet, und daß es
    für die Selbsterhaltungbehauptung des Organismus unter den
    Schwierigkeiten der Außenwelt so recht von Anfang
    an unbrauchbar, ja in hohem Grade gefährlich ist.

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    Unter dem Einfluß der Selbsterhaltungstriebe des Ichs wird
    es vom Realitätsprinzip abgelöst, welches ohne die
    Absicht endlicher Lustgewinnung aufzugeben, doch
    den Aufschub der Befriedigung, den Verzicht auf
    mancherlei Möglichkeiten einer solchen, und die zeit-
    weilige Duldung der Unlust auf dem langen
    Umwege zur Lust fordert und durchsetzt. Das Lust-
    prinzip bleibt dann noch lange Zeit die Arbeitsweise
    der schwerer „erziehbaren“ Sexualtriebe, und es
    kom̄t immer wieder vor, daß es, sei es von diesen
    letzteren aus, sei es im Ich selbst, das Realitäts-
    prinzip zum Schaden des ganzen Organismus über-
    wältigt.

    Es ist indeß unzweifelhaft, daß die Ablösung des Lustprinzips durch das Realitätsprinzip nur
    für einen geringen und nicht für den intensivsten
    Teil der Unlusterfahrungen verantwortlich gemacht
    werden kann. Eine andere, nicht weniger gesetzmäßige,
    Quelle der Unlustentbindung ergiebt sich aus den
    Konflikten und Spaltungen im seelischen Apparat, während
    das Ich seine Entwicklung zu höher zusam̄engesetzten
    Organisationen durchmacht. Fast alle Energie, die den
    Apparat erfüllt, stam̄t aus den mitgebrachten Trieb-
    regungen, aber diese werden nicht alle zur den gleichen Ent-
    wicklungsphasen zugelassen. Unterwegs geschieht es
    immer wieder, daß einzelne Triebe oder Trieban-
    teile sich in ihren Zielen oder Ansprüchen als un-
    verträglich mit den übrigen erweisen, die sich zu
    der umfassenden Einheit des Ichs zusam̄enschließen
    können. Sie werden dann von dieser Einheit durch
    den Prozeß der Verdrängung abgespalten,
    auf niedrigeren Stufen der psychischen Entwicklung
    zurückgehalten und zunächst von der Möglichkeit
    einer Befriedigung abgeschnitten. Gelingt es ihnen
    dann, was bei den verdrängten Sexualtrieben so leicht
    geschieht, sich auf Umwegen zu einer direkten oder
    Ersatzbefriedigung durchzuringen, so wird dieser Erfolg,
    der sonst eine Lustmöglichkeit gewesen wäre,
    vom Ich als Unlust empfunden. Infolge des alten in
    die Verdrängung auslaufenden Konflikts hat
    das Lustprinzip einen neuerlichen Durchbruch er-
    fahren, gerade während gewiße Triebe am Werke
    waren, in Befolgung des Prinzips neue Lust zu gewinnen.

    Die Einzelheiten des Vorganges, durch welchen die Verdrängung

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    eine Lustmöglichkeit in eine Unlustquelle ver-
    wandelt, sind noch nicht gut verstanden oder nicht klar
    darstellbar, aber sicherlich ist alle neurotische Unlust
    von solcher Art, ist Lust, die nicht als solche empfunden
    werden kann.

    Die beiden hier angezeigten Quellen der Unlust decken
    noch lange nicht die Mehrzal unserer Unluster-
    lebniße, aber vom Rest wird man mit einem Anschein
    von gutem Recht behaupten, daß sein Vorhanden-
    sein der Herrschaft des Lustprinzips nicht wider-
    spricht. Die meiste Unlust, die wir verspüren, ist ja Wahr-
    nehmungsunlust, entweder Wahrnehmung des Drängens
    unbefriedigter Triebe oder äußere Wahrnehmung, sei
    es, daß diese an sich peinlich ist, oder daß sie un-
    lustvolle Erwartungen im seelischen Apparat erregt
    von ihm als „Gefahr“ erkannt wird. Die Reaktion
    auf diese Triebansprüche und Gefahrdrohungen, in
    der sich die eigentliche Tätigkeit des seelischen Apparats
    äußert, kann dann in korrekter Weise vom Lust-
    prinzip oder dem es modifizirenden Realitäts-
    prinzip geleitet werden. Somit scheint es nicht not-
    wendig, eine weitergehende Einschränkung des Lust-
    prinzips anzuerkennen, und doch kann gerade
    die Untersuchung der seelischen Reaktion auf
    die äußerliche Gefahr neuen Stoff und neue
    Fragestellungen zu derm hier behandelten Frage Problem liefern.

    II.

    Nach schweren mechanischen Erschütterungen, Eisenbahn-
    zusam̄en­stößen und anderen mit Lebensgefahr ver-
    bundenen Unfällen ist seit langem ein Zustand
    beschrieben worden, dem dann der Name „trau-
    matische Neurose“ verblieben ist. Der schreckliche,
    eben jetzt abgelaufene Krieg hat eine große Anzal
    solcher Erkrankungen entstehen lassen und wenig-
    stens der Versuchung ein Ende gesetzt, sie auf organ-
    ische Schädigung des Nervensystems durch Einwirkung
    mechanischer Gewalt zurückzuführenx). Das Zustandsbild 

    der traumatischen Neurose nähert sich der Hysterie
    durch seinen Reichtum an ähnlichen motorischen Symptomen,
    übertrifft diese aber in der Regel durch die stark ausgebildeten
    Anzeichen subjektiven Leidens, etwa wie bei einer
    Hypochondrie oder Melancholie, und durch die Be-
    weise einer weit umfassenderen allgemeinen

    x) Vgl. Zur Psychoanalyse der Kriegsneurosen, mit Beiträgen
    von Ferenczi, Abraham, Simmel und E. Jones. Band
    I der Internat. psychoanalytischen Bibliothek, 1919

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    Schwächung und Zerrüttung der seelischen Leistungen. Ein Ver-
    ständnis ist bisher weder für die Kriegsneurosen noch für
    die traumatischen Neurosen des Friedens erzielt worden.
    Bei den Kriegsneurosen wirkte es einerseits aufklärend,
    aber doch wiederum verwirrend, daß dasselbe
    Krankheitsbild gelegentlich ohne Mithilfe einer groben
    mechanischen Gewalt zu Stande kom̄en konnte; an
    der gemeinen traumatischen Neurose heben sich zwei
    Züge hervor, an welche die Überlegung anknüpfen konnte,
    erstens daß das Hauptgewicht der Verursachung
    auf das Moment der Überraschung, auf den
    Schreck, zu fallen schien, und zweitens, daß eine
    gleichzeitig erlittene Verletzung oder Wunde zumeist
    der Entstehung der Neurose entgegenwirkte.

    Schreck, Furcht, Angst werden mit Unrecht wie synonyme Aus-
    drücke gebraucht; sie lassen sich in ihrer Beziehung zur
    Gefahr gut auseinanderhalten. Angst bezeichnet einen
    gewißen bestim̄ten Zustand von Erwartung der Gefahr und
    Vorbereitung auf dieselbe, mag sie auch eine un-
    bekannte sein; Furcht verlangt ein bestim̄tes Objekt,
    vor dem man sich fürchtet; Schreck aber benennt den
    Zustand, in den man gerät, wenn man in Gefahr
    kom̄t, ohne auf sie vorbereitet zu sein, betont das
    Moment der Überraschung. Ich glaube nicht, daß die
    Angst eine traumatische Neurose erzeugen kann;
    an der Angst ist etwas, was gegen den Schreck
    und also auch gegen die Schreckneurose schützt. Wir
    werden auf diesen Satz später zurückkom̄en.

    Das Studium des Traumes dürfen wir als den zuver-
    lässigsten Weg zur Erforschung der seelischen Tiefen-
    vorgänge betrachten. Nun zeigt das Traumleben
    der traumatischen Neurose den Charakter, daß
    es den Kranken immer wieder in die Situation
    seines Unfalles zurückführt, aus der er mit
    neuem Schreck erwacht. Darüber verwundert
    man sich viel zu wenig. Man meint, es sei eben
    ein Beweis für die Stärke des Eindrucks, den
    das traumatische Erlebnis gemacht hat, daß dies
    es sich dem Kranken sogar im Schlaf im̄er wieder
    aufdrängt. Der Kranke sei an das Trauma
    sozusagen psychisch fixirt. Solche Fixirungen an
    das Erlebnis, welches die Erkrankung ausgelöst
    hat, sind uns seit langem bei der Hysterie be-
    kannt. Breuer und Freud äußerten 1893: Die
    Hysterischen leiden großenteils an Re-
    miniszenzen. Auch bei den Kriegsneurosen haben

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    Beobachter wie Ferenczi und Simmel manche motorische
    Symptome durch Fixirung an den Moment des
    Traumas erklären können.

    Allein es ist mir nicht bekannt, daß die an traumatischer
    Neurose Krankenden sich im Wachleben viel mit
    der Erinnerung an ihren Unfall beschäftigen.
    Vielleicht bemühen sie sich eher, nicht an ihn zu
    denken. Wenn man es als selbstverständlich hinnim̄t,
    daß der nächtliche Traum sie wieder in die krank-
    machende Situation versetzt, so verkennt man die Natur
    des Traumes. Dieser würde es eher entsprechen
    dem Kranken Bilder aus der Zeit der Gesundheit
    oder der erhofften Genesung vorzuführen. Sollen
    wir durch die Träume der Unfallsneurotiker nicht
    an der wunscherfüllenden Tendenz des Traumes
    irre werden, so bleibt uns etwa noch die Aus-
    kunft, bei diesem Zustand sei wie so vieles andere
    auch die Traumfunktion erschüttert und von
    ihren Absichten abgelenkt worden.

    Ich habe nun die Absicht mache nun den Vorschlag, das 
    dunkle und düstere Thema der traumatischen Neurose
    zu verlassen und die Arbeitsweise des seelischen Apparats
    an einer sehr seiner frühzeitigsten normalen Betätigungen
    zu studieren. Ich meine das Kinderspiel.

    Die verschiedenen Theorien des Kinderspiels sind erst
    kürzlich von S. Pfeiffer in der Imago zusam̄en-
    gestellt und analytisch gewürdigt worden; ich kann hier
    auf diese Arbeit verweisen. Diese Theorien bemühen
    sich, die Motive des Spielens der Kinder zu erraten,
    ohne daß dabei der oekonomische Gesichtspunkt,
    die Rücksicht auf Lustgewinn, in den Vordergrund
    gerückt würde. Ich habe, ohne das Ganze dieser Er-
    scheinungen umfassen zu wollen, eine Gelegenheit
    ausgenützt, die sich mir bot, um das erste selbstgeschaf-
    fene Spiel eines Knaben im Alter von 1½ Jahren
    aufzuklären. Es war mehr als eine flüchtige Beobachtung,
    denn ich lebte durch einige Wochen mit dem Kinde und
    dessen Eltern unter einem Dach, und es dauerte
    ziemlich lange, bis das rätselhafte und ausdauernd
    wiederholte Thun mir seinen Sinn verriet.

    Das Kind war in seiner intellektuellen Entwicklung
    keineswegs voreilig, es sprach mit 1½ Jahren erst
    wenige verständliche Worte und verfügte außerdem
    über mehrere bedeutungsvolle Laute, die von der
    Umgebung verstanden wurden. Aber es war in
    gutem Rapport mit den Eltern und dem einzigen Dienst
    mädchen 

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    und wurde wegen seines „anständigen“ Charakters ge-
    lobt. Es störte die Eltern nicht zur Nachtzeit, befolgte gewis-
    senhaft die Verbote, manche Gegenstände zu berühren
    und in gewiße Räume zu gehen, und vor allem anderen,
    es weinte nie, wenn die Mutter es für Stunden ver-
    ließ, obwol es dieser Mutter zärtlich anhieng, die das
    Kind nicht nur selbst genährt, sondern auch ohne jede
    fremde Beihilfe gepflegt und betreut hatte. Dieses
    brave Kind zeigte nun die gelegentlich störende
    Gewohnheit, alle kleinen Gegenstände, deren es
    habhaft wurde, weit weg von sich in eine Zim̄erecke,
    unter ein Bett us.w zu schleudern, so daß das Zusam̄en-
    suchen seines Spielzeugs oft keine leichte Arbeit
    war. Dabei brachte es mit dem Ausdruck von Interesse
    und Befriedigung ein lautes, lang gezogenes
    o‑o‑o‑o hervor, das nach dem übereinstim̄enden
    Urteil der Mutter und des Beobachters keine Interjektion war sondern „Fort“
    bedeutete. Ich merkte endlich, daß das ein Spiel sei,
    und daß all das Kind all seine Spielsachen nur
    dazu benütze, mit ihnen „sie sind fort“ „fortsein“ zu spielen.

    Eines Tages machte ich dann die Beobachtung, die
    meine Auffassung bestätigte. Das Kind hatte eine
    Holzspule, die mit einem Bindfaden umwickelt war. Es
    wurde fiel ihm nie ein, zB.
    sie zB. am Boden hinter sich herzuziehen, also Wagen mit ihr zu spielen; sondern
    es warf die am Faden gehaltene Spule mit großem
    Geschick über den Rand seines verhängten Bettchens,
    sagte d so daß sie darin verschwand, sagte dazu
    sein bedeutungsvolles o‑o‑o‑o und zog dann die
    Spule am Faden wieder aus dem Bett heraus,
    begrüßte aber deren Erscheinen jetzt mit einem freudigen:
    Da. Das war also das komplette Spiel, Verschwinden
    und Wiederkom̄en, wovon man zumeist nur den
    ersten Akt zu sehen bekam, und dieser wurde
    für sich allein unermüdlich als Spiel wiederholt, ob-
    wol die größere Lust unzweifelhaft dem zweiten
    Akt anhieng.

    Die Deutung des Spieles lag dann nahe. Es war im Zusam̄en-
    hang mit der großen kulturellen Leistung des
    Kindes, mit dem von ihm zu Stande gebrachten Trieb-
    verzicht (Verzicht auf Triebbefriedigung), das Fortgehen
    der Mutter ohne Sträuben zu gestatten. Es ent-
    schädigte sich gleichsam dafür, indem es dasselbe Ver-
    schwinden und Wiederkom̄en selbst mit den ihm

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    erreichbaren Gegenständen selbst in Szene setzte. Für die
    affektive Einschätzung dieses Spieles ist es natürlich
    gleichgiltig, ob das Kind es selbst erfunden oder 
    sich infolge einer Anregung zu eigen gemacht hatte. Unser
    Interesse wird sich einem anderen Punkte zuwenden.
    Das Fortgehen der Mutter kann dem Kinde unmöglich
    angenehm oder auch nur gleichgiltig gewesen sein.
    Wie stim̄t es also zum Lustprinzip, daß es dieses ihm
    peinliche Erlebnis als Spiel wiederholt? Man wird
    vielleicht antworten wollen, das Fortgehen müßte
    als Vorbedingung des erfreulichen Wiederer-
    scheinens gespielt werden, im letzteren sei die
    eigentliche Spielabsicht gelegen. Dem würde die
    Beobachtung widersprechen, daß der erste Akt, das
    Fortgehen, für sich allein als Spiel inszenirt wurde
    und zwar ungleich häufiger als das bis zum lust-
    vollen Ende fortgeführte Ganze.

    Die Analyse eines solchen einzelnen Falles ergiebt keine
    sichere Entscheidung. Bei unbefangener Betrachtung
    gewinnt man den Eindruck, daß das Kind das Er-
    lebnis aus einem anderen Motiv als Spiel wiederholt:
    Es war dabei passiv, wurde vom Erlebnis betroffen
    und bringt sich nun in eine aktive Rolle, indem es
    dasselbe, trotzdem es unlustvoll war, als Spiel
    wiederholt. Dieses Bestreben könnte man einem
    Bemächtigungstrieb zurechnen, der sich davon
    unabhängig macht, ob die Erin̄erung an sich lustvoll
    war oder nicht. Man kann aber auch eine andere
    Deutung versuchen. Das Wegwerfen des Gegen-
    standes, so daß er „fort“ ist, könnte die Befriedig-
    ung eines im Leben unterdrückten Ha Racheim-
    pulses gegen die Mutter sein, weil sie vom
    Kinde fortgegangen ist, und dann die trotzige
    Bedeutung haben: Ja, geh nur fort, ich brauch
    dich nicht, ich schick dich selber weg. Diesselbe
    Kind, das ich mit 1½ Jahren bei seinem ersten
    Spiel beobachtete, pflegte ein Jahr später ein
    Spielzeug, über das es sich geärgert hatte, auf
    den Boden zu werfen und dabei zu sagen:
    Geh in K(r)ieg! Man hatte ihm damals erzält,
    der abwesende Vater befinde sich im Krieg,
    und es vermißte den Vater gar nicht, sondern
    gab die deutlichsten Anzeichen von sich, daß es
    im Alleinbesitz der Mutter nicht gestört
    werden wolle. Wir wissen auch von anderen 

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    Kindern, daß sie ähnliche feindselige Regungen durch
    das Wegschleudern von Gegenständen, an Stelle der
    Personen, auszudrücken vermögen.x) Man gerät so

    in Zweifel, ob der Drang etwas Eindrucksvolles psychisch
    zu verarbeiten, sich seiner voll zu bemächtigen, sich
    primär und unabhängig vom Lusttrieb äußern kann.
    Im hier diskutirten Falle könnte er einen unangenehmen
    Eindruck doch nur darum im Spiel wiederholen,
    weil mit dieser Wiederholung ein andersartiger,
    aber direkter Lustgewinn verbunden ist.

    Auch die weitere Verfolgung des Kinderspiels hilft
    diesem unseren Schwanken zwischen zwei Auf-
    fassungen nicht ab. Man sieht, daß die Kinder
    alles im Spiel wiederholen, was ihnen im Leben
    großen Eindruck gemacht hat, daß sie dabei die
    Stärke des Eindrucks abreagiren und sich sozusagen
    zu Herren der Situation machen. Aber anderseits
    ist es klar genug, daß all ihr Spielen unter dem
    Einfluß des Wunsches steht, der diese ihre Zeit
    dominirt, des Wunsches: groß zu sein und so
    thun zu können wie die Großen. Man macht
    auch die Beobachtung, daß der Unlustcharakter
    des Erlebnißes es nicht immer für das Spiel
    unbrauchbar macht. Wenn der Doktor dem
    Kind in den Hals geschaut oder eine kleine Opera-
    tion an ihm gemacht hat, so wird dies erschreck-
    ende Erlebnis ganz gewiß zum Inhalt des
    nächsten Spieles werden, aber der Lustgewinn aus
    anderer Quelle ist dabei nicht zu übersehen. In-
    dem das Kind aus der Passivität des Erlebens
    in die Aktivität des Spieles übergeht, fügt
    es einem Spielgefährten das Unangenehme zu, das
    ihm selbst widerfahren war, und rächt sich so
    an der Person dieses Stellvertreters.

    Aus diesen Erörterungen geht im̄erhin hervor, daß
    die Annahme eines besonderen Nachahmungs-
    triebes als Motiv des Spielens überflüßig
    ist. Schließen wir noch die Mahnung an, daß das
    künstlerische Spielen und Nachahmen der Erwachsenen,
    das zum Unterschied vom Verhalten des Kindes, auf
    die Person des Zuschauers zielt, diesem
    die schmerzlichsten Eindrücke zB. in der Tragödie

    x) Vgl: Eine Kindheitserinnerung aus „Dichtung und Wahr-
    heit", Imago 1917, Sam̄lg kl. Schr. zur Neurosenlehre.
    IV. Folge.

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    nicht erspart, und doch von ihm als hoher Genuß empfunden
    werden kann. Wir werden so davon überzeugt, daß
    es auch unter der Herrschaft des Lustprinzips
    Mittel und Wege genug giebt, um das an sich
    Unlustvolle zum Gegenstand der Erinnerung und
    seelischen Bearbeitung zu machen. Mag sich mit
    diesen in endlichen Lustgewinn auslaufenden
    Fällen und Situationen eine oekonomisch gerichtete
    Aesthetik befassen; für unsere Absichten leisten
    sie nichts, denn sie setzen Existenz und Herrschaft
    des Lustprinzips voraus, und zeugen nicht für
    die Wirksamkeit von Tendenzen jenseits
    des Lustprinzips, d.h. solcher die ursprünglicher als
    dies und von ihm unabhängig wären.

    III.

    Fünfundzwanzig Jahre intensiver Arbeit haben es mit
    sich gebracht, daß die nächsten Ziele der psychoanalytischen
    Technik heute ganz andere sind als zu Anfang. Zuerst
    konnte der analysirende Arzt nichts anderes eranstreben,
    als das dem Kranken verborgene Unbewußte erraten,
    zusam̄ensetzen und zur rechten Zeit mitteilen. Die
    Psychoanalyse war vor allem eine Deutungskunst.
    Da die therapeutische Aufgabe dadurch nicht gelöst war,
    trat sofort die nächste Absicht auf, den Kranken
    zur Bestätigung desr Konstruktion durch seine
    eigene Erinnerung zu bewegen nötigen. Bei diesem Bemühen
    fiel das Hauptgewicht auf die Widerstände des
    Kranken; die Kunst war jetzt, diese baldigst auf-
    zudecken, dem Kranken zu zeigen und ihn durch
    menschliche Beeinflußung (hier die Stelle für die
    als durch „Übertragung“ wirkende Suggestion) zum Auf-
    geben der Widerstände zu bewegen.

    Dann aber wurde es immer deutlicher, daß das gesteckte
    Ziel, die Bewußtwerdung des Unbewußten, auch auf
    diesem Wege nicht voll erreichbar ist. Der Kranke kann
    von dem in ihm Verdrängten nicht alles erinnern,
    vielleicht gerade das Wesentliche nicht, und erwirbt
    so keine Überzeugung von der Richtigkeit der
    ihm mitgeteilten Konstruktion. Er ist vielmehr
    genötigt, das Verdrängte als gegenwärtiges Erlebnis
    zu wiederholen, anstatt es, wie der Arzt es lieber
    sähe, als ein Stück der Vergangenheit zu erinnern.

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    Diese mit unerwünschter Treue auftretende Reproduktion
    hat immer ein Stück des infantilen Sexuallebens, also
    des Oedipuskomplexes und seiner Ausläufer, zum Inhalt,
    und spielt sich regelmäßig auf dem Gebiet der Über-
    tragung, d. h. der Beziehung zum Arzt ab. Hat man es in
    der Behandlung so weit gebracht, so kann man sagen, die
    frühere Neurose sei nun durch eine frische Übertrag-
    ungsneurose ersetzt. Der Arzt hat sich bemüht, das den Bereich
    dieser Übertragungsneurose möglichst einzuschränken,
    möglichst viel in die Erinnerung zu drängen und möglichst
    wenig zur Wiederholung zuzulassen. Das Verhältnis
    das sich zwischen Erinnerung und Reproduktion herstellt,
    ist für jeden Fall ein anderes. In der Regel kann der
    Arzt dem Analysirten diese Phase der Kur nicht er-
    sparen; er muß ihn diese ein gewißes Stück seines
    vergessenen Lebens wiedererleben lassen und hat
    dafür zu sorgen, daß ein Maß von Überlegenheit
    erhalten bleibt, kraft dessen die anscheinende Realität
    doch im̄er wieder als Spiegelung einer vergessenen
    Vergangenheit erkannt wird. Gelingt dies, so ist die
    Überzeugung des Kranken und der von ihr abhängige
    therapeutische Erfolg gewonnen.

    Um diesen „Wiederholungszwang“, der sich während der
    psychoanalytischen Behandlung der Neurotiker äußert,
    begreiflicher zu finden, muß man sich vor allem von
    dem Irrtum frei machen, man habe es bei der Bekämpfung
    der Widerständes mit dem „Widerstand des Unbewußten“
    zu thun. Das Unbewußte d. h. das Verdrängte leistet
    den Bemühungen der Kur überhaupt keinen Wider-
    stand, es strebt ja selbst nichts anderes an, als sich
    gegen den auf ihm lastenden Druck zum Bewußtsein
    oder und zur Abfuhr durch die reale That durchzudringen.
    Der Widerstand in der Kur geht denselben höheren
    Schichten und Systemen des Seelenlebens aus, die
    seinerzeit die Verdrängtenung durchgeführt haben.
    Da aber die Motive der Widerstände, ja diese
    selbst erfahrungsmäßig in der Kur zunächst unbewußt
    sind, werden wir gemahnt, eine Unzweckmäßigkeit
    unserer Ausdrucksweise zu verbessern. Wir ent-
    gehen der Unklarheit, wenn wir nicht das Be-
    wußte und das Unbewußte, sondern das zusam̄en-
    hängende Ich und das Verdrängte in Gegensatz
    zu einander bringen. Vieles am Ich mag selbst unbewußt

  • S.

    12

    sein; wahrscheinlich nur einen Teil davon decken wir mit dem
    Namen des Vorbewußten. Nach dieser Ersetzung
    einer blos deskriptiven Ausdrucksweise durch eine
    systematische oder dynamische können wir sagen, der
    Widerstand der Analysirten gehe von ihrem Ich aus,
    und dann erfassen wir sofort, der Wiederholungszwang
    ist dem unbewußten Verdrängten zuzuschreiben. Er
    konnte sich wahrscheinlich nicht eher äußern, als bis die
    entgegenkom̄ende Arbeit der Kur die Verdrängung
    gelockert hatte.

    Es ist kein Zweifel, daß der Widerstand des bewußten und
    vorbewußten Ichs im Dienste des Lustprinzips steht,
    er will ja die Unlust ersparen, die durch das Freiwerden
    des Verdrängten erregt würde, und unsere Bemühung
    geht dahin, solcher Unlust unter Berufung auf das Real-
    itätsprinzip Zulassung zu erwirken. In welcher Beziehung
    zum Lustprinzip steht aber der Wiederholungszwang,
    die Kraftäußerung des Verdrängten? Es ist klar, daß
    das Meiste, was der Wiederholungszwang wiederer-
    leben läßt, dem Ich Unlust bringen muß, denn er
    fördert ja ¿¿ Leistungen verdrängter Triebregungen
    zu Tage, aber das ist Unlust, die wir schon gewürdigt
    haben, die dem Lustprinzip nicht widerspricht, Unlust
    für das eine System und gleichzeitig Befriedigung für
    das andere. Die neue und merkwürdige Tatsache
    aber, die wir jetzt zu beschreiben haben, ist, daß der
    Wiederholungszwang auch solche Erlebniße der
    Vergangenheit wiederbringt, die keine Lustmöglichkeit
    enthalten, die auch damals nicht Befriedigungen,
    selbst nicht von seither verdrängten Triebregungen,
    gewesen sein können.

    Die Frühblüte des infantilen Sexuallebens war infolge
    der Unverträglichkeit ihrer Wünsche mit der Realität und
    der Unzulänglichkeit der kindlichen Entwicklungsstufe
    zum Untergang bestimmt. Sie gieng bei den peinlichsten
    Anläßen unter tief schmerzlichen Empfindungen zu
    Grunde; der Liebesverlust und das Mislingen hinterließen
    eine dauernde Beeinträchtigung des Selbstgefüls als nar-
    zißtische Narbe. Die Sexualforschung, der durch die Konstitution körperliche
    Entwicklung
    des Kindes Schranken gesetzt waren, brachte es zu keinem
    befriedigenden Abschluß; daher die spätere Klage: Ich
    kann nichts fertig bringen, mir kann nichts gelingen.
    Die Li zärtliche Bindung, meist an den gegenschlechtlichen Eltern-
    teil, erlag der Enttäuschung, dem vergeblichen Warten 

  • S.

    13

    auf Befriedigung, der Eifersucht bei der Geburt eines neuen
    Kindes, die unzweideutig die Untreue des oder der Ge-
    liebten erwies; das er eigene mit tragischem Ernst unter-
    nom̄ene Versuch, selbst ein solches Kind zu schaffen,
    mislang in beschämender Weise, die Abnahme der
    dem Kleinen gespendeten Zärtlichkeit, der gesteigerte
    Anspruch der Erziehung, ernste Worte und eine geleg-
    entliche Bestrafung hatten endlich den ganzen Umfang
    der ihm zugefallenen Verschmähung enthüllt. Es
    giebt hier einige wenige Typen, die sich regelmäßig
    wiederholenfinden und der typischen Liebe dieser Kinderzeit
    ein Ende setzen.

    Alle diese so unerwünschten Anläße und schmerzlichen
    Affektlagen werden nun vom Neurotiker in der
    Übertragung wiederholt und mit großem Geschick
    neu belebt. Sie streben den Abbruch der unvollendeten
    Kur an, sie wissen sich den Eindruck der Verschmähung
    wieder zu verschaffen, den Arzt zu harten Worten
    und kühlem Benehmen gegen sie nötigen, sie
    finden die geeigneten Objekte für ihre Eifersucht,
    sie ersetzen das heiß begehrte Kind der Urzeit durch
    den Vorsatz oder das Versprechen eines großen Ge-
    schenks, das meist ebensowenig real wird wie jenes.
    Nichts von alledem konnte damals lustbringend sein; man
    sollte meinen, es müßte heute die geringere Unlust
    bringen, wenn es als Erinnerung auftauchte, als wenn
    es sich zum neuen Erlebnis gestaltete. Aber ein
    Zwang drängt zum letzteren.

    Dasselbe, was die Psychoanalyse an den Übertragungs-
    phänomenen der Neurotiker aufzeigt, kann man
    auch im Leben nicht neurotischer Personen wiederfinden.
    Es macht bei diesen den Eindruck eines sie verfolgenden
    Schicksals, eines dämonischen Zuges in ihrem Erleben, und
    die Psychoanalyse hat von Anfang an, solches Schicksal
    für zum großen Teil selbstbereitet und durch
    frühinfantile Einflüße determinirt gehalten. Der
    Zwang, der sich dabei äußert ist vom Wiederholungs-
    zwang der Neurotiker nicht verschieden, wen̄gleich
    diese Personen niemals die Zeichen eines durch
    Symptombildung erledigten neurotischen Konflikts
    geboten haben. So kennt man Personen, bei denen
    jede menschliche Beziehung den gleichen Ausgang
    nim̄t: Woltäter, die von jedem ihrer Schützlinge,
    nach einiger Zeit, im Groll verlassen werden, so verschieden sie sonst auch sein mögen, denen
    also bestim̄t scheint, alle Bitterkeiten des Undanks
    auszukosten; 

  • S.

    14

    Männer, bei denen jede Freundschaft den Ausgang nim̄t,
    daß der Freund sie verrät; andere, die es unbestim̄t
    oft in ihrem Leben wiederholen, eine andere Person
    zur großen Autorität für sich oder auch für die
    Öffentlichkeit zu erheben, und diese Autorität dann
    nach abgemessener Zeit selbst stürzen, um sie durch
    eine neue zu ersetzen; Liebende, bei denen jedes
    zärtliche Verhältnis zum Weib dieselben Phasen
    durchmacht und zum gleichen Ende führt usw usw. Wir
    verwundern uns über diese „ewige Wiederkehr des
    Gleichen
    “ nur wenig, wenn es sich um ein aktives
    Verhalten des Betreffenden handelt, und wenn
    wir den sich gleichbleibenden Charakterzug seines
    Wess Wesens auffinden, der sich in der Wieder-
    holung der nämlichen Ergebniße äußern muß.
    Weit stärker wirken jene Fälle auf uns, bei denen
    die Person etwas passiv zu erleben scheint, worauf
    ihr ein Einfluß nicht zusteht, während sie doch immer
    nur Wiederholungen desselben Schicksals erlebt.
    Man denke zB. an die Geschichte jener Frau die dreimal nach
    einander Männer heiratete, die nach kurzer Zeit erkrankten
    und von ihr zu Tode gepflegt werden mußten.x) Die ergreifendste 

    poetische Darstellung eines solchen Schick-
    salszuges hat Tasso im romantischen Epos „Befreiten Jerusalem“ „Gerusalemme liberata“ gegeben.
    Held Tankred hat unwissentlich die von ihm geliebte Clorinda
    getödtet als sie in der Rüstung eines feindlichen Ritters
    mit ihm kämpfte. Nach ihrem Begräbnis dringt er in den
    unheimlichen Zauberwald ein, der das Heer der Kreuzfahrer
    schreckt. Dort zerhaut er einen hohen Baum mit seinem
    Schwerte, aber aus der Wunde des Baumes strömt
    Blut, und die Stimme Clorinda’s deren Seele in
    diesen Baum gebannt war, klagt ihn an, daß er
    wiederum die Geliebte geschädigt hat.

    Angesichts solcher Beobachtungen aus dem Verhalten in
    der Übertragung und aus dem Schicksal der Menschen
    werden wir den Mut zur Annahme finden, daß es
    im Seelenleben wirklich einen Wiederholungs-
    zwang giebt, der sich über das Lustprinzip hin-
    aussetzt. Wir werden jetzt auch geneigt sein, die
    Träume der Unfallsneurotiker und den An-
    trieb zum Spiel des Kindes auf diesen Zwang zu
    beziehen. Allerdings müßen wir uns sagen, daß wir

    x) Vgl hiezu die treffenden Bemerkungen in dem Aufsatz
    von C. G. Jung, Die Bedeutung des Vaters für das
    Schicksal des Einzelnen, Jahrb. f. Psychoanalyse I 1909

  • S.

    15

    die Wirkungen des Wiederholungszwanges nur in seltenen
    Fällen rein, ohne Mithilfe anderer Motive, erfassen können.
    Beim Kinderspiel haben wir bereits hervorgehoben, welche
    anderen Deutungen seine Entstehung zuläßt, Wiederholungs-
    zwang und direkte lustvolle Triebbefriedigung scheinen
    sich dabei zu intimer Gemeinsamkeit zu verschränken.
    Die Phänomene der Übertragung st stehen offenkundig
    im Dienst des Widerstandes von Seiten des auf der
    Verdrängung beharrenden Ichs; der Wiederholungs-
    zwang ist wird gleichsam von dem Ich, das am Lustprinzip
    festhalten will, zur Hilfe gerufen. An dem, was
    man den Schicksalszwang nennen könnte, scheint
    uns vieles durch rationelle Erwägung verständlich,
    so daß man ein Bedürfnis nach der Aufstellung
    eines neuen geheimnisvollen Motivs Motors nicht
    verspürt. Am unverdächtigsten ist vielleicht der Fall
    der Unfallsträume, aber bei näherer Überlegung
    muß man doch zugestehen, daß auch in den anderen
    Beispielen der Sachverhalt durch die Leistung der
    uns bekannten Motive g nicht gedeckt wird. Es bleibt
    genug übrig, was die Annahme des Wiederholungs-
    zwanges rechtfertigt, und dieser erscheint uns
    ursprünglicher, elementarer, als das triebhafter als
    das von ihm zur Seite geschobene Lustprinzip.

    Wenn es aber einen solchen Wiederholungszwang im
    Seelischen giebt, so möchten wir gerne etwas darüber
    wissen, welcher Funktion er entspricht, unter welchen
    Bedingungen er hervortreten kann, und in welcher
    Beziehung er zum Lustprinzip steht, dem wir doch
    bisher die Herrschaft über den Ablauf der Erreg-
    ungsvorgänge im Seelenleben zugetraut haben.

    IV.

    Was nun folgt, ist Spekulation, oft weitausholende
    Spekulation, die ein jeder nach seiner besonderen Ein-
    stellung würdigen oder vernachläßigen wird.

    Die psychoanalytische Spekulation knüpft an den bei
    der Untersuchung unbewußter Vorgänge empfangenen
    Eindruck an, daß das Bewußtsein nicht der allge-
    meinste Charakter der seelischen Vorgänge, sondern
    nur eine besondere Funktion unter dernselben sein könne.
    In metapsychologischer Ausdrucksweise behauptet sie,
    das Bewußtsein sei die Leistung eines besonderen
    Systems, das sie Bw benennt. Da das Bewußtsein
    im Wesentlichen Wahrnehmungen von Erregungen liefert,

  • S.

    16

    die aus der Außenwelt kom̄en, und Empfindungen von
    Lust und Unlust, die nur aus dem Inneren des seelischen
    Apparates stam̄en können, wird kann dem System Bw=W
    eine räumliche Stellung zu be zugewiesen werden. Es
    muß an der Grenze von außen und innen liegen,
    der Außenwelt zugekehrt sein und die anderen
    psychischen Systeme umhüllen. Wir bemerken dann,
    daß wir mit diesen Annahmen nichts Neues ge-
    wagt, sondern uns der lokalisirenden Hirnanatomie
    angeschlossen haben, welche den „Sitz“ des Bewußtseins
    in die Hirnrinde, in die äußerste, umhüllende
    Schicht des Zentralorgans verlegt.

    Die Hirnanatomie braucht sich keine Gedanken darüber
    zu machen, warum – anatomisch gesprochen – das Bewußt-
    sein gerade an der Oberfläche des Gehirns unter-
    gebracht ist anstatt wolverwahrt irgendwo im
    innersten Inneren desselben zu hausen. Vielleicht
    bringen wir es in der Ableitung einer solchen Lage
    für unser System W=Bw weiter.

    Das Bewußtsein ist nicht die einzige Eigentümlichkeit, die
    wir den Vorgängen in diesem System zuschreiben.
    Wir stützen uns auf die Eindrücke unserer psychoanalyt-
    ischen Erfahrung, wenn wir annehmen, daß alle Vorgänge
    Erregungsvorgänge in den anderen Systemen daselbst
    dauernde Dauerspuren als Grundlage des Gedächtnißes
    hinterlassen, Erinnerungsreste also, die nichts mit dem
    Bewußtwerden zu thun haben. Sie sind oft am stärksten
    und haltbarsten, wo wenn der sie zurücklassende Vorgang
    niemals zum Bewußtsein gekom̄en ist. Wir finden
    es aber beschwerlich zu glauben, daß solche Dauer-
    spuren der Erregung auch im System Bw=W zu
    Stande kom̄en. Sie würden die Eignung des Systems
    zur Aufnahme neuer Erregungen sehr bald einschränken,*)

    Wenn dies auch kein absolut verbindliches Argument
    ist, so mag es uns doch
    wenn sie im̄er bewußt
    blieben; im anderen Falle, wenn sie unbewußt
    würden, stellten sie uns vor die Aufgabe, die
    Existenz unbewußter Vorgänge in einem System zu
    erklären, deßen Funktioniren sonst vom Phänomens
    des Bewußtseins begleitet wird. Wir hätten sozusagen
    durch unsere Annahme, welche das Bewußtwerden
    in ein besonderes System verweist, nichts ver-
    ändert und nichts gewonnen. Wenn dies auch keine
    absolut verbindliche Erwägung sein mag, so kann
    sie uns doch zur Vermutung bewegen, daß Bewußtwerden
    und Hinterlassung einer Gedächtnisspur für dasselbe
    System mit einander unverträglich sind. Wir würden

    *) Dies durchaus nach J. Breuers Auseinandersetzung
    im theoretischen Abschnitt der „Studien über Hysterie", 1895.

  • S.

    17

    so sagen können, im System Bw werde der Erregungsvorgang
    bewußt, hinterlasse aber keine Dauerspur; alle die
    Spuren desselben, auf welche sich die Erin̄erung stützt,
    kämen bei der Fortpflanzung der Erregung auf
    die nächsten in̄eren Systeme in diesen zu Stande. In diesem
    Sinne ist auch das Schema entworfen, welches ich dem
    spekulativen Abschnitt meiner „Traumdeutung“ 1900
    eingefügt habe. Wenn man bedenkt, wie wenig wir
    aus anderen Quellen über die Entstehung des
    Bewußtsein wissen, wird man dem Satze, das Bewußt-
    sein entstehe an Stelle der Erinnerungsspur
    wenig-
    stens die Bedeutung einer irgendwie bestim̄ten
    Behauptung einräumen müßen.

    Das System Bw wäre also durch die Besonderheit ausge-
    zeichnet, daß der Erregungsvorgang in ihm nicht
    wie in allen anderen psychischen Systemen eine
    dauernde Veränderung der ihrer Elemente hinter-
    läßt, sondern gleichsam im Phänomen des Bewußt-
    werdens verpufft. Eine solche Abweichung von
    der allgemeinen Regel fordert eine Erklärung durch
    ein Moment, welches ausschließlich bei diesem einen
    System in Betracht kom̄t, und dies bei den anderen
    Systemen abzusprechende Moment könnte leicht
    die exponirte Lage des Systems Bw sein, sein un-
    mittelbares Anstoßen an die Außenwelt.

    Stellen wir uns den lebenden Organismus in seiner
    größtmöglichen Vereinfachung vor als undifferenzirtes
    Bläschen reizbarer,  lebender Substanz; dann ist seine der Außen-
    welt zugekehrte Oberfläche durch seine ihre Lage selbst
    differenzirt und dient als reizaufnehmendes Organ.
    Die Embryologie als Wiederholung der Entwicklungs-
    geschichte zeigt auch wirklich, daß das Zentralnerven-
    system aus dem Ectoderm hervorgeht, und die
    graue Hirnrinde ist noch im̄er ein Abköm̄ling
    der primitiven Oberfläche und könnte wesentliche
    Eigenschaften derselben durch Erbschaft übernom̄en
    haben. Es wäre dann leicht denkbar, daß durch den
    unausgesetzten Anprall der äußeren Reize an die
    Oberfläche des Bläschens dessen Substanz bis zu in
    eine gewiße Tiefe dauernd verändert wird, so
    daß ihr Erregungsvorgang anders abläuft als in
    tieferen Schichten. Es bildete sich so eine Rinde, die
    endlich durch die Reizwirkung so durchgebrannt
    ist, daß sie der Reizaufnahme die günstigsten Ver-
    hältniße entgegenbringt und einer weiteren
    Modifikation nicht fähig ist. Auf das System Bw

  • S.

    18

    übertragen, würde dies meinen, daß dessen Elemente
    keine Dauerveränderung beim Durchgang der Erregung
    mehr annehmen können, weil sie bereits aufs äußerste
    im Sinne dieser Veränderung Wirkung modifizirt sind. Dann
    sind sie aber befähigt das Bewußtsein entstehen zu
    lassen. Worin diese Modifikation der Substanz
    und des Erregungsvorganges in ihr besteht, darüber
    kann man sich mancherlei Vorstellungen machen,
    die sich der Prüfung derzeit entziehen. Man kann
    annehmen, die Erregung habe bei ihrem Fortgang
    von einem Element zum anderen einen Wider-
    stand zu überwinden, und diese Verringerung
    des Widerstandes setze eben die Dauerspur
    der Erregung (Bahnung); im System Bw bestünde
    also ein solcher Übergangswiderstand zwi von
    einem Element zum anderen nicht mehr. Man
    kann mit dieser Vorstellung die Breuer’sche
    Unterscheidung von ruhender (gebundener) und
    frei beweglicher Besetzungsenergie in den
    Elementen der psychischen Systeme zusam̄enbringenx);

    die Elemente des Systems Bw würden dann keine
    gebundene und nur frei abfuhrfähige Energie führen.
    Aber ich meine, vorläufig ist es besser, wenn man sich
    über diese Verhältniße möglichst unbestim̄t
    äußert. Immerhin hätten wir durch diese Spekulat-
    ionen die Entstehung des Bewußtseins in einen gewißen
    Zusam̄enhang mit der Lage des Systems Bw und demn
    ihm zuzuschreibenden Besonderheiten des Erreg-
    ungsvorganges verflochten.

    An dem lebenden Bläschen mit seiner reizaufnehmenden
    Rindenschichte haben wir noch anderes zu erörtern.
    Dieses Stückchen lebender Substanz schwebt inmitten einer
    mit den stärksten Energien geladenen Außenwelt
    und würde von den Reizwirkungen derselben erschlagen
    werden, wenn es nicht mit einem Reizschutz versehen wäre.
    Es bekommt ihn dadurch, daß seine äußerste Oberfläche
    die dem Lebenden zukommende Struktur aufgiebt, gewißer-
    maßen anorganisch wird und nun als eine besondere
    Hülle oder Membran reizabhaltend wirkt, d. h. veran-
    laßt, daß die Energien der Außenwelt sich nur mit
    einem Bruchteil ihrer Intensität auf die nächsten,
    lebend gebliebenen Schichten fortsetzen können. Diese
    können nun hinter dem Reizschutz sich der Aufnahme
    der durchgelassenen Reizmengen widmen. Die Außen
    schicht

    x) Studien über Hysterie von J. Breuer u S. Freud
    3 Auflage, 1917.

  • S.

    19

    hat aber durch ihr Absterben alle tieferen vor dem
    gleichen Schicksal bewahrt, wenigstens so lange, bis nicht
    Reize von solcher Stärke herankom̄en daß sie den Reiz-
    schutz durchbrechen. Für den lebenden Organismus ist der
    Reizschutz eine beinahe wichtigere Aufgabe als die Reiz-
    aufnahme; er ist mit einem eigenen Energievorrat
    ausgestattet und muß vor allem bestrebt sein, die beson-
    deren Formen der Energieumsetzung, die in ihm spielen,
    vor dem gleichmachenden, also zerstörenden Einfluß der übergroßen, draußen
    arbeitenden Energien zu bewahren. Die Reizaufnahme
    dient vor Allem der Absicht, Richtung und
    Quali Art der äußeren Er Reize zu erfahren, und
    dazu muß es genügen, der Außenwelt kleine Proben
    zu entnehmen, sie in geringen Quantitäten zu ver-
    kosten. Bei den hochentwickelten Organismen hat sich
    die reizaufnehmende Rindenschicht des einstigen
    Bläschens längst in die Tiefe des Körperinnern
    zurückgezogen, aber Anteile von ihr sind an der Ober-
    fläche unmittelbar unter dem allgemeinen Reiz-
    schutz zurückgelassen. Dies sind die Sinnesorgane, die
    im Wesentlichen Einrichtungen zur Aufnahme beson
    spezifischer Reizeinwirkungen enthalten aber außerdem
    besondere Vorrichtungen zum neuerlichem Schutz gegen
    übergroße Reizmengen und zur Abhaltung unange-
    messener Reizarten. Es ist für sie charakteristisch, daß
    sie nur sehr geringe Quantitäten des äußeren
    Reizes verarbeiten, sie nehmen nur Stichproben
    der Außenwelt vor, vielleicht darf man sie
    Fühlern vergleichen, die sich an die Außenwelt
    herantasten und dann im̄er wieder von ihr zu-
    rückziehen.

    Ich gestatte mir an dieser Stelle, ein Thema flüchtig
    zu berühren welches die gründlichsten Behandlung ver-
    dienen würde. Der Kant’sche Satz, daß Zeit und Raum
    notwendige Fo¿ Formen unseres Denkens sind, kann
    heute infolge gewißer psychoanalytischer Erkenntniße
    einer Diskussion unterzogen werden. Wir haben er-
    fahren, daß die unbewußten Seelenvorgänge an
    sich „zeitlos“ sind. Das heißt zunächst, daß sie nicht
    zeitlich geordnet werden, daß die Zeit nichts an ihnen
    verändert, daß man die Zeitvorstellung nicht an
    sie heranbringen kann. Es sind dies negative
    Charaktere, die man sich nur durch Vergleichung
    mit den bewußten seelischen Prozeßen deutlich
    machen kann. Unsere abstrakte Zeitvorstellung
    scheint vielmehr durchaus an von der Arbeitsweise

  • S.

    20

    des Systems Bw=W hergeholt zu sein und einer Selbst-
    wahrnehmung derselben zu entsprechen. Die Bei dieser
    Funktionsweise des Systems dürfte ein anderer Weg
    des Reizschutzes beschritten werden. Ich weiß, daß diese
    Behauptungen sehr dunkel klingen, muß mich aber
    auf solche Andeutungen beschränken. Die andere
    Abstraktion, die sich an das Funktioniren von
    Bw anknüpfen läßt, ist aber nicht Raum, sondern
    Stoff: Substanz.)

    Wir haben bisher ausgeführt, daß das lebende Bläschen
    mit einem Reizschutz gegen die Außenwelt ausge-
    stattet ist. Vorhin hatten wir festgelegt, daß die nächste
    Rindenschicht desselben als Organ zur Reizaufnahme
    von außen differenzirt sein muß. Diese empfindliche
    Rindenschicht, das spätere System Bw, empfängt
    aber auch Erregungen von innen her; die Stellung des
    Systems zwischen außen und ¿r innen, und die Ver-
    schiedenheit der Bedingungen für die Einwirkung
    von der einen und der anderen Seite werden maß-
    gebend für die Leistung des Systems und des ganzen
    seelischen Apparats. Gegen außen giebt es einen
    Reizschutz, die ankom̄enden Erregungsgrößen
    werden nur in verkleinertem Maßstab wirksam;
    nach in̄en zu ist ein Reizschutz unmöglich, die Erregungen
    der tieferen Schichten setzen sich direkt und in un-
    verringertem Maß auf das System fort, indem sie  
    gewiße Charaktere ihres Ablaufs die Reihe
    der Lust‑Unlustempfindungen erzeugen. Aller-
    dings werden die von in̄en kom̄enden Erregungen nach ihrer
    Intensität und nach anderen qualitativen Charak-
    teren (eventuell: nach ihrer Amplitude) der Arbeits-
    weise des Systems adaequater sein als die von
    der Außenwelt zuströmenden Reize. Aber zweier-
    lei ist durch diese Verhältniße entscheidend be-
    stimmt, erstens die Praevalenz der Lust‑Unlust-
    empfundenenindungen, die ein Index für Vorgänge
    im Innern des Apparats sind, über alle äußeren
    Erreg Reize, und zweitens eine Richtung des
    Verhaltens gegen solche innere Erregungen, welche allzu-
    große Unlustvermehrung herbeiführen. Es wird
    sich die Neigung ergeben, sie so zu behandeln, als ob
    sie nicht von außen in̄en sondern von außen her
    einwirkten, um die Abwehrmittel des Reizschutzes
    gegen sie in Anwendung bringen zu können.
    Dies ist die Herkunft der Projektion, der eine
    so große Rolle bei der Verursachung patholog-
    ischer Prozeße vorbehalten ist.

  • S.

    21

    Ich habe den Eindruck, daß wir uns durch die letzten Überleg-
    ungen die Herrschaft des Lustprinzips unserem Ver-
    ständnis angenähert haben; eine Aufklärung jener
    Fälle, die sich ihm widersetzen, haben wir aber nicht
    erreicht. Gehen wir darum einen Schritt weiter.

    Solche Erregungen von Außen, welche stark genug sind, den
    Reizschutz gegen zu durchbrechen heißen
    wir traumatische. Ich glaube, daß der Begriff des
    Traumas eine solche Beziehung auf einen sonst
    wirksame Reizabhaltung erfordert. Ein Vorkom̄-
    nis wie das äußere Trauma wird gewiß eine groß-
    artige Störung im Energiebetrieb des Organismus
    hervorrufen und alle Abwehrmittel in Bewegung
    setzen. Aber das Lustprinzip ist dabei zunächst außer
    Kraft gesetzt. Die Überschwem̄ung des seelischen
    Apparates mit großen Reizmengen ist nicht mehr
    hintanzuhalten; es ergiebt sich vielmehr eine andere
    Aufgabe den Reiz zu bewältigen, die hereingebrochenen Reizmengen psychisch
    zu binden, um sie dann der Erledigung zuzuführen.

    Wahrscheinlich ist die spezifische Unlust des körperlichen Schmerzes
    der Erfolg des R davon, daß der Reizschutz an einer einzelnen in beschränktem
    Stelle Umfang durchbrochen wurde. Von dieser Stelle der Peripherie
    strömen dann dem seelischen Zentralapparat kontinuirliche
    Erregungen zu, wie sie sonst nur aus dem Inneren des Apparats
    kommen konnten.x) Und was können wir als die Reaktion

    des Seelenlebens auf diesen Einbruch erwarten? Von allen
    Seiten her wird die Besetzungsenergie aufgeboten, um
    in der Umgebung der Einbruchstelle entsprechend hohe
    Energiebesetzungen zu schaffen. Es wird eine großartige
    „Gegenbesetzung“ hergestellt, zu deren Gunsten alle anderen
    psychischen Systeme verarmen, so daß eine ausgedehnte
    Lähmung oder Herabsetzung der p sonstigen psychischen
    Leistung erfolgt. Wir suchen aus solchen Beispielen zu
    lernen, unsere metapsychologischen Vermutungen an
    solche Vorbilder anzulehnen. Wir ziehen also aus
    diesem Verhalten den Schluß, daß ein selbst hoch-
    besetztes System im Stande ist, neu hinzu kom̄ende
    strömende Energie aufzunehmen, sie in ruhende Be-
    setzung umzuwandeln, also sie psychisch zu „binden“. Je
    höher die eigene ruhende Besetzung ist, desto größer

    x) Vgl Triebe und Triebschicksale. Sam̄lg kl. Schriften zur
    Neurosenlehre IV. 1918.

  • S.

    22

    wäre auch ihre bindende Kraft; umgekehrt also, je nied-
    riger seine Besetzung ist, desto weniger wird das
    System für die Aufnahme zuströmender Energie
    befähigt sein, desto gewaltsamer müßen dann die Folgen
    eines solchen Durchbruches des Reizschutzes sein. Man
    wird gegen diese Auffassung nicht mit Recht einwenden,
    daß die Erhöhung der GegenbBesetzungen um die Einbruchs-
    stelle sich weit einfacher aus der direkten Fortleitung
    der ankom̄enden Erregungsmengen erkläre. Wenn dem
    so wäre, so würde der seelische Apparat ja nur eine Ver-
    mehrung seiner Energiebesetzungen erfahren, und der
    lähmende Charakter des Schmerzes, die Verarmung
    aller anderen Systeme bliebe unaufgeklärt. Auch Ddie
    sehr heftigen Abfuhrwirkungen des Schmerzes stören
    unsere Erklärung nicht, denn sie gehen reflektorisch
    vor sich, d.h. sie erfolgen ohne Vermittlung des
    seelischen Apparats. Die Unbestim̄theiten all unserer
    Erörterungen, die wir metapsychologische heißen,
    rührt d natürlich daher, daß wir nichts über die
    Natur des Erregungsvorganges in den Elementen
    der psychischen Systeme wissen und uns zu keiner
    Annahme darüber berechtigt fühlen. So operiren
    wir also stets mit einem großen X, welches wir in
    jede neue Formel mit hinübernehmen. Daß dieser
    Vorgang sich mit quantitativ verschiedenen Energien
    vollzieht, ist eine leicht zulässige Forderung, daß er
    auch mehr als eine Qualität (z.B. in der Art einer
    Amplitude) hat, mag uns wahrscheinlich sein; als neu
    haben wir die Aufstellung Breuers b in Betracht
    gezogen, daß es sich um zweierlei Arten Formen
    der Energieerfüllung handelt, so daß eine frei
    strömende, nach Abfuhr drängende und ¿¿¿ eine
    ruhende Besetzung der psychischen Systeme (oder
    ihrer Elemente) zu unterscheiden ist. Vielleicht
    geben wir der Vermutung Raum, daß die
    „Bindung“ der in den seelischen Apparat einström-
    enden Energie in einer Überführung aus
    dem frei strömenden in den ruhenden
    Zustand besteht.

    Ich glaube, man darf den Versuch wagen, die gemeine
    traumatische Neurose als die Folge eines ausgiebigen
    Durchbruchs des Reizschutzes aufzufassen. Damit
    wäre die alte, naive Lehre vom Schok in ihre
    Rechte eingesetzt, anscheinend im Gegensatz zu einer
    späteren und psychologisch anspruchsvolleren, welche

  • S.

    23

    nicht der mechanischen Gewalteinwirkung sondern dem
    Schreck und der Lebensbedrohung die aetiologische Be-
    deutung zuspricht. Allein diese Gegensätze sind nicht un-
    versöhnlich, und die psychoanalytische Auffassung der
    traumatischen Neurose ist mit der rohesten Form
    der Shoktheorie nicht identisch. Versetzt letztere
    das Wesen des Shoks in die direkte Schädigung
    der molekularen Struktur, der 
    oder selbst der
    histologischen Struktur der nervösen Elemente, so
    suchen wir dessen Wirkung aus der Durchbrechung
    des Reizschutzes für das Seelenorgan und aus den
    daraus sich ergebenden Aufgaben zu verstehen. 

    Der Schreck behält seine Bedeutung auch für uns. Seine Beding-
    ung ist das Fehlen der Angstbereitschaft, welche die Über-
    besetzung der den Reiz zunächst aufnehmenden Systeme
    einschließt. In Folge dieser niedrigeren Besetzung sind diese
    Systeme dann nicht gut im Stande die ankom̄enden
    Erregungsmengen zu binden, der Durchbruch des 
    die Folgen der Durchbrechung des Reizschutzes stellen
    sich um sovieles leichter h ein. Wir finden so, daß
    die Angstbereitschaft mit der Überbesetzung der
    aufnehmenden Systeme die letzte Linie des Reizschutzes
    darstellt. Für eine ganze Anzal von Traumen mag
    der Unterschied zwischen demn unvorbereiteten und
    den durch Überbesetzung vorbereiteten Systemen das
    für den Ausgang entscheidende Moment sein; von
    einer gewißen Stärke des Traumas an wird er
    wol nicht mehr ins Gewicht fallen.

    Wenn die Träume der Unfallsneurotiker die
    Kranken so regelmäßige in die Situation des Un-
    falls zurückführen, so dienen sie damit allerdings
    nicht der Wunscherfüllung, deren halluzinatorische
    Herbeiführung ihnen unter der Herrschaft des
    Lustprinzips zur Funktion geworden ist. Aber wir
    dürfen annehmen, daß sie sich dadurch einer anderen
    Aufgabe zur Verfügung stellen, deren Lösung voran-
    gehen muß, ehe das Lustprinzip seine Herrschaft be-
    ginnen kann. Diese Träume suchen die Reizbewäl-
    tigung unter Angstentwicklung nachzuholen, deren
    Unterlassung die Ursache der traumatischen
    Neurose geworden ist. Sie geben uns so einen Aus-
    blick auf eine Funktion des seelischen Apparats,
    welche, ohne dem Lustprinzip zu widersprechen doch
    unabhängig von ihm ist und ursprünglicher scheint als
    die Absicht des Lustgewinns und der Unlustvermeidung.

  • S.

    24

    Von den „Kriegsneurosen“, soweit diese Bezeichnung mehr
    als die Beziehung zur Veranlassung des Leidens bedeutet,
    habe ich an anderer Stelle ausgeführt, daß sie sehr wol
    traumatische Neurosen sein könnten, die durch
    einen Ichkonflikt erleichtert worden sind.x)

    V.

    Der Mangel eines Reizschutzes für die reizaufnehmende
    Rich Rindenschichtes gegen Erregungen von innen
    her wird die Folge haben müßen, daß diese Reiz-
    übertragungen die größere oekonomische Bedeutung
    gewinnen und häufig zu oekonomischen Störungen
    Anlaß geben, die den traumatischen Neurosen
    gleichzustellen sind. Die ausgiebigsten Quellen solch
    innerer Erregung sind die sogenannten Triebe
    des Organismus, die Repraesentanten aller aus
    dem Körperinnern stam̄enden, auf den seelischen
    Apparat übertragenen Kraftwirkungen, selbst
    das wichtigste wie das dunkelste Element der
    psychologischen Forschung.

    Vielleicht finden wir die Annahme nicht zu gewagt,
    daß die von den Trieben ausgehenden Regungen
    nicht den Typus des gebundenen, sondern den
    des frei beweglichen, nach Abfuhr drängenden
    Nervenvorganges einhalten. Das Beste, was wir
    über diese Vorgänge wissen, rührt aus dem Studium
    der Traumarbeit her. Dabei fanden wir, daß
    die Prozeße in den unbewußten Systemen von
    denen in den (vor)bewußten gründlich verschieden
    sind, daß im Unbewußten Besetzungen leicht
    vollständig übertragen, verschoben, verdichtet werden können,
    was nur fehlerhafte Resultate ergeben könnte,
    wenn es an vorbewußtem Material geschähe,
    und was darum auch die bekannten Sonderbarkeiten
    des manifesten Traumes ergiebt, nachdem die
    vorbewußten Tagesreste die Bearbeitung nach
    den Gesetzen des Unbewußten erfahren haben.
    Ich nannte die Art dieser Prozeße im Unbewußten
    den psychischen „Primärvorgang“ zum Unterschied von dem
    für unser normales Wachleben giltigen Sekun-
    därvorgang. Da die Triebregungen alle an den
    unbewußten System angreifen, ist es kaum eine
    Neuerung zu sagen, daß sie dem Primärvorgang

    1) Zur Psychoanalyse der Kriegsneurosen. Einleitung. Inter-
    nationale psychoanalytische Bibliothek Bd I. 1919.

  • S.

    25

    folgen, und anderseits gehört wenig dazu, um den psychischen
    Primärvorgang mit der frei beweglichen Besetzung,
    den Sekundärvorgang mit Veränderungen an der
    gebundenen oder tonischen Besetzung Breuers zu iden-
    tifiziren.x) Es wäre dann die Aufgabe der höheren Schichten 

    des seelischen Apparates, die im Primärvorgang anlang-
    ende Erregung der Triebe zu binden. Das Misglücken
    dieser Bindung würde eine der traumatischen Neurose
    analoge Störung hervorrufen; erst nach erfolgter Bindung
    könnte würde sich die Herrschaft des Lustprinzips (und seiner
    Modifikation zum Realitätsprinzip ungehemmt
    durchsetzen: Bis dahin aber würde die andere Aufgabe
    des Seelenapparats, die Erregung zu bewältigen oder
    zu binden, voranstehen, zwar nicht im Gegensatz zum
    Lustprinzip aber unabhängig von ihm und zum Teil ohne Rück-
    sicht auf dieses.

    Die Äußerungen eines Wiederholungszwanges, die
    wir an den frühen Tätigkeiten des kindlichen Seelen-
    lebens und wie an den Ergebnißen der psychoanalyt-
    ischen Kur beschrieben haben, zeigen im hohen Grad
    den triebhaften, und wo sie sich im Gegensatz zum
    Lustprinzip befinden, den daemonischen Charakter.
    Beim Kinderspiel glauben wir es zu begreifen, daß
    das Kind auch das unlustvolle Erlebnis darum wieder-
    holt, weil es sich durch seine Aktivität eine weit
    gründliche Bewältigung des starken Eindruckes er-
    wirbt, als beim blos passiven Erleben möglich war.
    Jede W neuerliche Wiederholung scheint diese ange-
    strebte Beherrschung zu verbessern, und auch bei
    lustvollen Erlebnißen kann sich das Kind an Wieder-
    holungen nicht genugthun und wird unerbittlich
    auf der Identität des Eindruckes bestehen. Dieser
    Charakterzug ist dazu bestim̄t, späterhin zu ver-
    schwinden. Ein zum zweiten Mal angehörter Witz
    wird fast wirkungslos bleiben, die Wiederholung 
    eine Theateraufführung wird nie mehr zum zweiten
    Mal den Eindruck erreichen, den sie das erste
    Mal hinterließ; ja der Erwachsene wird schwer
    zu bewegen sein, ein Buch, das ihm sehr gefallen
    hat, so bald nochmals durchzulesen. Im̄er wird
    die Neuheit die Bedingung des Genußes sein;
    das Kind wird nicht müde werden, vom Erwachsenen
    die Wiederholung eines ihm gezeigten oder mit
    ihm angestellten Spieles zu verlangen, bis dieser
    erschöpft es verweigert, und wenn man ihm

    x) Vgl. den Abschnitt VII Psychologie der Traumvorgänge in
    meiner „Traumdeutung“.

  • S.

    26

    eine schöne Geschichte erzält hat, will es im̄er wieder
    die nämliche Geschichte anstatt einer neuen hören,
    besteht unerbittlich auf der Identität der Wieder-
    holung und verbessert jede Abänderung, die sich
    der Erzäler zu Schulden kom̄en läßt, mit der
    er sich vielleicht sogar ein neues Verdienst er-
    werben wollte. Dem Lustprinzip wird dabei
    nicht widersprochen; es ist sinnfällig, daß die
    Wiederholung, das Wiederfinden der Iden-
    tität selbst eine Lustquelle bedeutet. Beim
    Analysirten hingegen wird es klar, daß der Zwang,
    die Begebenheiten seiner infantilen Lebensperiode
    in der Übertragung zu wiederholen, sich in jeder
    Weise über das Lustprinzip hinaussetzt. Er
    benim̄t sich dabei völlig wie infantil und zeigt
    uns so, daß die verdrängten Erinnerungsspuren
    seiner urzeitlichen Erlebniße nicht im gebundenen
    Zustande in ihm vorhanden, ja gewißermaßen
    dens Sekundärvorgangs nicht fähig sind. Dieser
    Ungebundenheit verdanken sie auch ihr Vermögen,
    durch W Anheftung an die Tagesreste eine im
    Traum darzustellende Wunschphantasie zu bilden;
    derselbe Wiederholungszwang tritt uns so oft als
    therapeutisches Hindernis entgegen, wenn wir zu
    Ende der Kur die völlige Ablösung vom Arzte
    durchsetzen wollen, und es ist anzunehmen, daß die
    dunkle Angst der mit der Analyse nicht Vertrauten,
    die sich scheuen irgend etwas aufzuwecken, was
    man nach ihrer Meinung besser schlafen ließe,
    im Grunde das Auftreten dieses daemonischen
    Zwanges meint. fürchtet.

    Auf welche Art hängt aber das Triebhafte mit dem
    Zwang zur Wiederholung zusammen? Hier muß
    sich uns die Idee aufdrängen, daß wir einem
    allgemeinen, bisher nicht klar erkannten Charakter
    der Triebe, vielleicht alles organischen Lebens
    überhaupt auf die Spur gekommen sind. Ein Trieb
    wäre also ein dem belebten Organischen inne-
    wohnender Drang zur Wiederherstellung eines
    früheren Zustandes, welchen dies Belebte unter
    dem Einfluß äußerer Störungskräfte aufgeben
    mußte, eine Art von organischer Elastizität, oder
    wenn man will, die Äußerung der Trägheit im
    organischen Leben.

  • S.

    27

    Diese Auffassung des Triebes klingt befremdlich, denn
    wir haben uns daran gewöhnt, im Trieb das zur
    Veränderung und Entwicklung drängende Moment
    zu sehen, und sollen nun das gerade Gegenteil
    in ihm erkennen, den Ausdruck der konservativen
    Natur im des Lebenden. Anderseits fallen uns sehr bald
    jene Beispiele aus dem Thierleben an ein, welche die histor-
    ische Bedingtheit der Triebe zu bestätigen scheinen.
    Wenn gewiße Fische um die Laichzeit beschwer-
    liche Wanderungen unternehmen, um den Laich
    in bestim̄ten Gewässern weit entfernt von ihren
    sonstigen Wohnorten abzulegen so haben sie nach
    der Mein Deutung vieler Biologen nur die
    früheren Wohnstätten ihrer Art aufgesucht, die sie
    im Laufe der Zeit gegen andere vertauscht hatten.
    Dasselbe soll für die Wanderflüge der Zugvögel
    gelten, aber der Suche nach weiteren Beispielen
    enthebt uns bald der die Mahnung, daß wir in
    den Phänomenen der Erblichkeit und in den
    Tatsachen der Embryologie die großartigsten Beweise
    für den organischen Wiederholungszwang haben.

    Wir sehen, der Keim eines lebenden Thieres ist genötigt,
    in seiner Entwicklung die Strukturen all der Formen,
    von denen das Thier abstammt – wennauch in flüchtiger Abkürzung – zu wiederholen,
    anstatt auf dem
    kürzesten Wege zu seiner definitiven Gestaltung
    zu eilen, und können dies Verhalten nur zum
    geringsten Teil mechanisch erklären, dürfen die
    historische Erklärung nicht bei Seite lassen. Und eben-
    so erstreckt sich weit in die Thierreihe hinauf
    ein Reproduktionsvermögen, welches ein verlorenes
    Organ durch die Neubildung eines ihm durchaus
    gleichen ersetzt.

    Der naheliegende Einwand, es verhalte sich wol so,
    daß es außer den konservativen Trieben, die zur
    Wiederholung nötigen, auch andere giebt, die F zur Neu-
    gestaltung und zum Fortschritt drängen, darf gewiß
    nicht unberücksichtigt bleiben. Aber vorher mag
    es uns verlocken, die Annahme, daß alle Triebe
    Früheres wiederherstellen wollen in ihre letzten
    Konsequenzen zu verfolgen. Mag, was dabei
    herauskommt, den Anschein des „Tiefsinnigen“ er-
    wecken oder an Mystisches anklingen, so wissen

  • S.

    28

    wir uns doch von dem Vorwurf frei, etwas derartiges
    angestrebt zu haben. Wir suchen nüchterne Resultate
    der Forschung oder der auf sie gegründeten Über-
    legung, und unser Wunsch möchte diesen keinen anderen
    Charakter als den der Sicherheit verleihen.

    Wenn also alle organischen Triebe konservativ,
    historisch erworben und auf Wiederherstellung von
    Früherem gerichtet sind, so müßen wir alle Erfolge
    der organischen Entwicklung auf die Rechnung
    äußerer, störender und ablenkender Einflüße
    setzen. Das elementare Lebewesen würde sich von
    seinem Anfang an nicht haben ändern wollen,
    hätte unter sich gleichgbleibenden Verhältnißen stets
    nur den nämlichen Lebenslauf wiederholt. Aber
    in der Außenwelt war alles in Veränderung begriffen;
    im letzten Grunde müßte es die Entwicklungsgeschichte
    unserer Erde, und ihres Verhältnißes zur Sonne sein,
    die uns in der Entwicklung der Organismen ihren
    Abdruck hinterlassen hat. Die konservativen organischen
    Triebe haben jede dieser aufgezwungenen Abänderungen
    des Lebenslaufes aufgenom̄en und zur Wiederholung
    aufbewahrt und müßen uns so den täuschenden
    Eindruck von Kräften machen, die nach Veränderung
    und Fortschritt streben, während sie blos ein altes Ziel
    auf alten und neuen Wegen zu erreichen trachten. Auch dieses
    Endziel alles organischen Strebens ließe sich angeben. 

    Der konservativen Natur der Triebe widerspräche es,
    wenn das Ziel des Lebens ein noch nie zuvor erreichter
    Zustand wäre. Es muß vielmehr ein alter, ein
    Ausgangszustand sein, den das Lebende einmal ver-
    lassen hat, und zu dem es über alle Umwege der
    Entwicklung zurückstrebt. Da nach unserer ausnahms-
    losen Erfahrung alles Lebende aus inneren Gründen
    stirbt, ins Unbe Anorganische zurückkehrt, so können
    wir nur sagen: Das Ziel alles Lebens ist der Tod,
    und zurückgreifend: Das Leblose war früher
    da als das Lebende
    .

    Irgend einmal wurden in unbelebter Materie durch
    eine noch ganz unvorstellbare Krafteinwirkung
    die Eigenschaften des Lebenden erweckt. Vielleicht
    war es ein Vorgang vorbildlich ähnlich jenem anderen,
    der in der lebenden einer gewißen Schicht der lebenden
    Materie später das Bewußtsein entstehen ließ.

    Die damals entstandene Spannung in derm vorhin unbelebten
    Stoff trachtete danach sich abzugleichen, es war der erste Trieb gegeben, um zum Leblosen
    zurückzukehren. Die
    damals lebende Substanz hatte das Sterben noch leicht,

  • S.

    29

    es war wahrscheinlich nur ein kurzer Lebensweg zu durch-
    laufen, dessen Richtung durch die chemische Struktur
    des jungen Lebens bestim̄t war. Eine lange Zeit hindurch
    mag so die lebende Substanz im̄er wieder neu geschaffen
    worden und leicht gestorben sein, bis sich maßgebende
    äußere Einflüße so änderten, daß sie die noch überlebende
    Substanz zu immer größeren Ablenkungen vom
    ursprünglichen Lebensweg und zu im̄er komplizirteren
    Umwegen bis zur Erreichung des Todesziels nötigten. 

    Diese Umwege zum Tode, von den konservativen Trieben
    getreulich festgehalten, bieten uns heute das Bild der
    Lebenserscheinungen. Wenn man an der ausschließlich
    konservativen Natur der Triebe festhält, kann
    man zu anderen Vermutungen über Herkunft und
    Ziel des Lebens nicht gelangen.

    Ebenso befremdend wie diese Folgerungen klingt dann,
    was sich für die großen Gruppen von Trieben ergiebt, die

    wir hinter den Lebenserscheinungen der Organismen
    statuieren. Die Aufstellung der Selbsterhaltungstriebe,
    die wir jedem lebenden Wesen zugestehen, steht in
    merkwürdigem Gegensatz zur Voraussetzung, daß das
    gesamte Triebleben der Herbeiführung des Todes
    dient. Die theoretische Bedeutung der Selbsterhaltungs‑ Macht- und Geltungstriebe schrumpft sozusagen ein;
    es sind Partialtriebe, dazu bestim̄t, den eigenen
    Todesweg des Organismus zu sichern und andere
    Möglichkeiten der Rückkehr zum Anorganischen als
    die immanenten fernzuhalten, aber das rätselhafte
    in keinen Zusam̄enhang einfügbare Bestreben des
    Organismus, sich aller Welt zum Trotz zu behaupten,
    entfällt. Es erübrigt, daß der Organismus nur auf seine
    Weise sterben will; auch diese Lebenswächter sind
    ursprünglich Trabanten des Todes gewesen.

    In ein ganz anderes Licht rücken die Sexualtriebe,
    für die welche die Neurosenlehre eine A Sonder-
    stellung in Anspruch genom̄en hat. Nicht alle Organis-
    men sind dem äußeren Zwang unterlegen, der sie
    zu im̄er weiter gehender Entwicklung antreibt. Vielen
    ist es gelungen, sich auf ihrer niedrigen Stufe bis auf
    die Gegenwart zu bewahren; es leben ja noch
    heute, wenn nicht alle, so doch viele Lebewesen, die
    den Vorstufen der höheren Thiere und Pflanzen
    ähnlich sein müßen. Und ebenso machen nicht alle
    Elementarorganismen, welche den komplizirten
    Leib eines höheren Lebewesens ausmachen zusam̄ensetzen, den
    ganzen Entwicklungsweg bis zum natürlichen
    Tode mit. Einige unter ihnen, die Keimzellen, h
    bewahren wahrscheinlich die ursprüngliche Struktur der
    lebenden Substanz und lösen sich, mit allen ererbten und

  • S.

    30

    neu erworbenen Triebanlagen beladen, nach einer
    gewißen Zeit vom ganzen Organismus ab. Vielleicht
    sind es gerade diese beiden Eigenschaften, die ihnen ihre
    selbständige Existenz ermöglichen. Unter günstige Be-
    dingungen gebracht beginnen sie sich zu entwickeln
    d.h. das Spiel, dem sie ihre Entstehung verdanken, zu
    wiederholen, und dies endet damit, daß wieder ein
    Anteil ihrer Substanz die Entwicklung bis zum
    Ende fortführt, während ein anderer als neuer
    Keimrest von Neuem auf den Anfang der Ent-
    wicklung zurückgreift. So arbeiten diese Keimzellen
    dem Sterben der lebenden Substanz entgegen
    und wissen für sie zu erringen was uns als potentielle
    Unsterblichkeit erscheinen muß, wen̄gleich es viel-
    leicht nur eine Verlängerung des Todesweges
    bedeutet. Völlig unverständlich ist uns die Tatsache,
    daß die Keimzelle für diese Leistung durch die Ver-
    schmelzung mit einer anderen, ihr ähnlichen und
    doch von ihr verschiedenen, gekräftigt oder
    überhaupt erst befähigt wird.

    Die Triebe, welche die Schicksale dieser das Einzelwesen
    überlebenden Elementarorganismen beh in Acht nehmen,
    für ihre sichere Unterbringung sorgen, solange sie
    wehrlos gegen die Reize der Außenwelt sind,
    ihr Zusam̄entreffen mit den anderen Keimzellen
    herbeiführen u.s.w. bilden die Gruppe der Sexual-
    triebe. Sie sind in demselben Sinne konservativ
    wie die anderen, indem sie frühere Zustände der
    lebenden Substanz wiederbringen, aber sie sind
    es in stärkerem Maße, indem sie sich als besonders
    resistent gegen äußere Einwirkungen erweisen,
    und dann noch in einem weiteren Sinne, da sie
    das Leben selbst für längere Zeiten auserhalten.

    Sie sind die eigentlichen Lebenstriebe; dadurch, daß
    sie der Absicht der anderen Triebe, welche durch
    die Funktion zum Tode führt, entgegenwirken,
    deutet sich ein Gegensatz zwischen ihnen und den
    übrigen an, den die Neurosenlehre als bedeutungs-
    voll erkannt hat. Es ist wie ein Zauderrythmus
    im Leben der Organismusen; die eine Triebgruppe
    stürmt nach vorwärts, um das Endziel des Lebens
    möglichst bald zu erreichen, die andere schnellt
    an einemr gewißen Punkt Stelle dieses Weges zurück, um
    ihn von einem bestim̄ten Punkt an nochmals zu machen
    und so die Wegstre Dauer des Weges zu verlängern.
    Aber Sexualität und Unterschied der Geschlechter waren
    zu Anfang des Lebens gewiß nicht vorhanden, und
    der geschilderte Ablauf erscheint uns als spätere Komplikation 

  • S.

    31

    eines ursprünglich einfacheren und selbst als
    Wiederholung eines uns unbekan̄ten aber gewiß sehr
    wichtigen Moments in der Geschichte der lebenden
    Substanz, von dem an sie gelernt hat, ihr Leben zu verlängern,
    ein zweites und ein dem ersten entgegengesetzes Ziel
    zu erwerben.

    Greifen wir nun selbst zurück um zu fragen ob nicht
    alle diese Spekulationen der Begründung entbehren:
    Giebt es wirklich keine anderen Triebe als solche, die
    einen früheren Zustand wiederherstellen wollen,
    nicht auch andere, die nach einem noch nie erreichten
    streben? Ich weiß in der organischen Welt kein sicheres
    Beispiel, das unserer vorgeschlagenen Charakteristik
    widerspräche. Ein Trieb zur Höherentwicklung in der
    Thier- und Pflanzenwelt läßt sich gewiß nicht fest-
    stellen, wenn auch eine solche Entwicklungsrichtung
    tatsächlich unbestritten bleibt. Aber einerseits ist es viel-
    fach nur Sache unserer Einschätzung, wenn wir eine
    Entwicklungsstufe für höher als eine andere erklären,
    und anderseits zeigt uns die Wissenschaft des Lebenden,
    daß Höherentwicklung in einem Punkte sehr häufig
    durch Rückbildung in einem anderen erkauft
    oder wettgemacht wird. Auch giebt es Thierformen
    genug, deren Jugendzustände uns erkennen laßen,
    daß ihre Entwicklung vielmehr einen rückschreitenden
    Charakter gewonnen hat. Höherentwicklung wie
    Rückbildung könnten beide Folgen der zur Anpassung
    drängenden äußeren Kräfte sein und die Rolle
    der Triebe könnte sich für beide Fälle darauf
    beschränken, die aufgezwungene Veränderung als
    innere Kraftquelle festzuhalten.

    Vielen von uns mag es auch schwer werden, auf den
    Glauben zu verzichten, daß im Menschen selbst ein
    Trieb zur Vervollkom̄nung wohnt, der ihn bis
    zu auf seine gegenwärtige Höhe geistiger Leistung und
    ethischer Sublimirung gebracht hat, und von dem man
    erwarten darf, daß er seine Entwicklung zum
    Übermenschen besorgen wird. Allein ich glaube nicht an
    einen solchen inneren Trieb und sehe keinen Weg,
    diese schöne wolthuende Illusion zu schonen. Die bisherige
    Entwicklung des Menschen scheint mir keiner anderen
    Erklärung zu bedürfen als die der Thiere, und
    was man an einer Minderzal von menschlichen
    Individuen als rastlosen Drang zu weiterer
    Vervollkom̄nung beobachtet, läßt sich ungezwungen

  • S.

    32

    als Folge der Triebverdrängung verstehen, auf welche
    das Wertvollste an der menschlichen Kultur aufge-
    baut ist. Der verdrängte Trieb giebt es nie auf, nach
    seiner vollen Befriedigung zu streben, die in der
    Wiederholung eines primären Befriedigungser-
    lebnißes bestünde; alle Ersatz‑, Reaktionsbild-
    ungen und Sublimirungen sind ungenügend
    um seine anhaltende Span̄ung aufzuheben, und
    aus der Differenz zwischen der gefundenen und
    der geforderten Befriedigungslust ergiebt sich
    das treibende Moment, welches bei keiner der
    hergestellten Situationen zu verharren gestattet,
    sondern nach des Dichters Worten „ungebändigt
    immer vorwärts dringt
    “ (Mephisto im Faust I Studir-
    zimmer). Der Weg nach rückwärts, zur vollen Be-
    friedigung ist in der Regel durch die Widerstände,
    welche die Verdrängungen aufrecht halten, ver-
    legt, und somit bleibt nichts anderes übrig als in
    der anderen noch freien Entwicklungsrichtung
    fortzuschreiten, allerdings ohne Aussicht, den Prozeß
    abschließen und das Ziel erreichen zu können.

    Die Vorgänge bei der Ausbildung einer neurotischen
    Phobie, die ja nichts anderes als ein Fluchtversuch vor
    einer Triebbefriedigung ist, geben uns das Vorbild
    für die Entstehung dieses anscheinenden „Vervoll-
    kom̄nungstriebes“, den wir aber unmöglich allen
    menschlichen Individuen zuschreiben können. Die
    dynamischen Bedingungen dafür sind zwar ganz
    allgemein vorhanden, aber die oekonomischen
    Verhältniße scheinen dieas Phänomen nur in
    seltenen Fällen zu begünstigen.

    VI.

    Wenn es ein so allgemeiner Charakter der Triebe ist,
    daß sie einen früheren Zustand wiederher stellen wollen,
    so dürfen wir uns nicht darüber verwundern, daß im
    Seelenleben soviele Vorgänge sich unabhängig vom
    Lustprinzip vollziehen. Dieser Charakter würde sich
    jedem Partialtrieb mitteilen und sich in seinem
    Falle auf die Wiedererreichung einer bestim̄ten
    Station des Entwicklungsweges beziehen. Aber
    all dies, worüber das Lustprinzip noch keine Macht
    bekommen hat, brauchte darum noch nicht im Gegen-
    satz zu ihm zu stehen, und die Aufgabe ist noch
    ungelöst, das Verhältnis der triebhaften Wieder-
    holungsvorgänge zur Herrschaft des Lustprinzips
    zu bestimmen.

  • S.

    33

    Wir haben es als eine der frühesten und wichtigsten
    Funktionen des seelischen Apparates erkannt, die anlang-
    enden Triebregungen zu „binden“, den in ihnen herr-
    schenden Primärvorgang durch den Sekundärvorgang
    zu ersetzen, ihre frei bewegliche Besetzungsenergie
    in vorwiegend ruhende (tonische) Besetzung umzu-
    wandeln. Während dieser Umsetzung kann auf die Entwick-
    lung von Unlust nicht Rücksicht genom̄en werden,
    allein das Lustprinzip wird dadurch nicht aufgehoben.
    Die Umsetzung geschieht vielmehr im Dienste des
    Lustprinzips; die Bindung ist ein vorbereitender
    Akt, der die Herrschaft des Lustprinzips einleitet
    und sichert.

    Trennen wir Funktion und Tendenz schärfer von
    einander, als wir es bisher gethan haben. Das Lust-
    prinzip ist dann eine Tendenz, welche im Dienste einer
    Funktion steht, der es zufällt, den seelischen Apparat
    überhaupt erregungslos zu machen, oder den Betrag
    der Erregung in ihm konstant oder möglichst
    niedrig zu erhalten. Wir können uns noch für keine
    dieser Fassungen sicher entscheiden, aber wir merken,
    daß die so bestim̄te Funktion Anteil hätte an
    dem allgemeinsten Streben alles Lebenden, zur
    Ruhe der anorganischen Welt zurückzukehren. Der
    alles seelische Leben beherrschende Lusttrieb
    unterschiede sich in diesem Charakter nicht von den
    anderen organischen Trieben, welche die somatische
    Erregung ans Seelische heranbringen. Wir haben
    alle erfahren, daß die höchste größte uns erreichbare Lust,
    die des Sexualaktes, mit dem momentanen Erlöschen jede einer hoch
    gesteigerten Erregung verbunden ist. Die Bindung
    der Trieberregung wäre aber eine
    vorbereitende Funktion, welche die Erregung
    für ihre endgiltige Erledigung in der Abfuhrlust
    zurichten soll.

    Aus demselben Zusam̄enhang erhebt sich die Frage, ob
    die U Lust‑ und Unlustempfindungen von den
    gebundenen wie von den ungebundenen Erreg-
    ungsvorgängen in gleicher Weise erzeugt werden
    können. Da erscheint es denn ganz unzweifelhaft,
    daß die ungebundenen, die Primärvorgänge weit
    intensivere Empfindungen nach beiden Richtungen
    ergeben als die gebundenen, die des Sekundär-
    vorgangs. Die Primärvorgänge sind auch die zeitlich
    früheren, zu Anfang des Seelenlebens giebt es

  • S.

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    keine anderen, und wir können schließen, wenn das
    Lustprinzip nicht schon bei ihnen in Wirksamkeit wäre,
    könnte es sich überhaupt für die späteren nicht
    herstellen. Wir kom̄en so zu dem im Grunde nicht
    einfachen Ergebnis, daß der Lusttrieb zu Anfang
    des seelischen Lebens sich weit intensiver äußert
    als späterhin, aber nicht so uneingeschränkt; er muß
    sich häufige Durchbrüche gefallen laßen. In reiferen
    Zeiten ist die Herrschaft des Lustprinzips sehr viel
    mehr gesichert, aber der Trieb selbst ist der Bändigung
    so wenig entgangen wie die anderen Triebe.

    Jedenfalls muß das, was am Erregungsvorgang
    die Empfindungen von Lust und Unlust entstehen
    läßt, beim Sekundärvorgang ebenso vorhanden
    sein wie beim Primärvorgang. Vielleicht sind
    die sogenan̄ten Span̄ungsempfindungen, die uns
    das Bewußtsein neben den Lust‑Unlustempfin-
    dungen von innen her vermittelt, eher auf
    die gebundenen, die direkten Lust‑Unlustempfind-
    ungen aber auf die ungebundenen und auf die
    Abfuhrvorgänge zu beziehen. Vielleicht wird
    das Vorkom̄en von lustvoller wie von un-
    lustvoller Spannung durch diese Zuteilung
    unserem Verständnis näher gebracht.

    Ich halte es für überflüßig, die Zaghaftigkeit
    wie die Unsicherheit dieser Spekulationen
    entschuldigen zu wollen. Wer das Tatsächliche
    hinter ihnen herausgreifen würdigen will, der möge
    die Erscheinungen des Wiederholungszwanges
    seiner Aufmerksamkeit würdigen.