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S.
Noordwijk, 22. 8. 10
PROF. DR. FREUD WIEN, IX. BERGGASSE 19.Lieber Freund
Ich muß Ihre letzte Arbeit zum Anlaß nehmen, um Ihnen einmal zu all den Beiträgen, die Sie der Sache der Psychoanalyse leisten, herzlich zu gratulieren. An Klarheit, innerer Festigkeit und Beweiskraft wüßte ich diesen wirklich nichts an die Seite zu stellen. Ich bin überzeugt, daß alle Leser von unserer Seite denselben Eindruck haben. Die anderen, Ziehen an der Spitze, mögen zuschauen, wie sie damit fertig werden.
Mein Aufenthalt in N., wo ich garnichts arbeiten konnte, nähert sich seinem Ende. Dr. Jones, der zweieinhalb Tage lang mein Gast war, hat mich ein wenig aufgerüttelt. Ich hörte von ihm und brieflich von Putnam, daß die amerikanische Ortsgruppe zustande kommen wird. Am 27. trifft Ferenczi hier ein, mit dem ich den September über auf Reisen sein werde. Wir wollen ein paar Städte in Belgien sehen und dann über Basel, Rom nach Sizilien fahren. Dabei wird viel Psychoanalyse gearbeitet werden. Ich freue mich sehr darauf, denn ich vertrage die Untätigkeit bereits schlecht. -
S.
Die erwarteten Nachrichten von Ihrem Hause wollen Sie mir durch Vermittlung meiner Frau zuschicken, die bis zum 15. September etwa in Holland bleibt. Am 1. Oktober gehe ich wieder in die Arbeit, mit der man nach langer Unterbrechung wieder ausgesöhnt ist.
Unsere Sache steht, glaube ich, im ganzen sehr gut, und sie steht jetzt nicht mehr allein auf meinen vier Augen. Fortschritte werden jetzt allerdings schwieriger, das Oberflächliche ist abgeschöpft, die letzten entscheidenden Ergebnisse sind vielleicht noch nicht deutlich sichtbar, und die Verteidigung ist nicht nur gegen Feinde, sondern auch gegen voreilige Mitarbeiter erforderlich. Vielleicht habe aber nur ich den Eindruck der notwendigen Verlangsamung, während es bei den Jüngeren energisch vorwärts gehen wird.Ich grüße Sie und Ihr liebes Haus
herzlich Ihr
Freud
Pension Noordzee
Noordwijk 2200 AG
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