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S.
16. 3. 14.
PROF. DR. FREUD WIEN, IX. BERGGASSE 19.Lieber Freund
Ich schicke Ihnen morgen den Narzißmus,
der eine schwere Geburt war und alle
Deformationen einer solchen zeigt. Er
gefällt mir natürlich nicht besonders,
aber ich kann jetzt nichts anderes geben.
Er bedarf noch sehr der Retouche. (Sie
merken, wo meine Gedanken weilen.)
Die Stelle, an der ich Ihre erste Arbeit (Salz-
burg) einzufügen habe, bitte ich selbst
auszusuchen, wie ich überhaupt für alle
Arten von Einreden dankbar bin. Ihre
Bemerkungen zu den Beiträgen werden
in deren Korrektur zur Beachtung kommen.
Ihr Vorschlag einer Aggression gegen
Jung soll morgen abend mit Rank
u Sachs diskutiert werden. Ich bin am
meisten auf die Antwort von London
gespannt, wo sich leicht Schwierigkeiten
ergeben könnten.
Im Hambg soll es sehr gut gehen, meine
Tochter sich fortgesetzt tapfer und
verständig benehmen. Sie hat bereits
Nahrung aber der kleine Wurm
trinkt noch nicht ordentlich. Sonderbar,
daß auch diese lebenswichtigen Instinkte -
S.
so schwer erwachen! Ich habe einmal geglaubt, die
Rede des Mephistopheles zum Schüler „So
nimmt ein Kind der Mutter Brust im Anfang
widerwillig an - „ sei unrichtig. Es ist aber
doch wahr, hoffentlich auch die Fortsetzung:
Doch bald ernährt es sich mit Lust.
Ihr Bild wird morgen vom Rahmen
zurückkommen und dann den Platz von
Jung einnehmen. Es wird Ihnen nicht ganz
gerecht. Aber ich danke Ihnen sehr dafür.
Deuticke hat vor Ihrer Tätigkeit als
Redakteur einen ordentlichen Respekt
bezeugt. Wir haben jetzt alle wirklich
mit dem Aufgebot aller Kräfte gear-
beitet. Ich muß Ihnen noch sagen, wie aus-
gezeichnet Ihr lokomotor. Aufsatz ist.
Auch in der Sexualtheorie fand ich kein
besseres Argument für die „Muskel-
erotik“ als die Analyse der Abasien,
die in der Ph Erinnerung gipfeln, auf
dem Leib der Mutter (Erde) die
ersten Gehversuche zu machen.
Ich grüße Sie u Ihre liebe Frau
herzlich Ihr Freud
Berggasse 19
Wien 1090
Austria
Rankestraße 24
wien 10789
Germany
C14F27