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14. 6. 14
PROF. DR. FREUD WIEN, IX. BERGGASSE 19.Lieber Freund
Nachdem ich heute fast sämtliche Fahnen
des neuen Jahrbuches gelesen, drängt
es mich, Ihnen für die außerordentliche
Mühewaltung Dank zu sagen, der Sie sich
im Interesse unserer Sache unterzogen
haben. Es wird eine imposante Kundgebung
unserer kleinen Gemeinde werden,
der es an Totsagungen in nächster Zeit
gewiß nicht fehlen wird.
Die meisten der Referate sind sehr gut,
einige vortrefflich. Ich brauche nicht
herauszuheben, welche. Wohltuend wirkt
die gleichartige Richtung in allen. Viel-
leicht sind einige der sehr guten zu kurz
ausgefallen, in der Dimension der
Behandlung fehlt noch die Gleich-
förmigkeit. Sadger krittelt zuviel,
wie immer, die Hug kann nicht anders
als etwas weitschweifig sein. Dem
Tausk habe ich schriftlich nahegelegt,
die Andeutg über die Beziehung
der beiden p Systeme zu Raum
und Zeit zurückzuziehen. Es ist eine
Bemerkung, die ich im Verein fallen
gelassen habe die mir für eine -
S.
spätere Arbeit wichtig ist, und die überhaupt
nicht in ein Referat gehört. Die Voreilig-
keit und Prioritätssucht dieses Menschen
ist leider sehr groß. Sie würde ich bitten,
den Passus über meine Äußerg in der
Schreberanalyse, ob man den Libidobegriff
verändern müsse, etwas vorsichtiger zu
fassen, so daß sein Wortlaut nicht Jung‘s
Mißdeutung zu berechtigen scheint. Ich
habe ja die Frage bloß dialektisch aufge-
worfen, um sie verneinen zu können,
wie Ferenczi richtig interpretiert hat.
Damit sind meine Bedenken aber wirkl-
ich erschöpft.
Wir warten natürlich jetzt die Wirkung
der „Bombe“ ab, die noch nicht gelegt
ist. Deuticke hat äußerste Beschleunigg
versprochen. Von mir kann ich Ihnen
berichten, daß ich mich wieder ganz
wohl fühle. Ich arbeite der Not der Zeit
gehorchend von 8 h früh bis 9 h abends.
Der Spielrein, die mir einen ambi-
valenten Brief geschrieben, habe ich mit
einer Aufforderung, sich glatt zu entscheiden,
geantwortet.
Herzlichen Gruß u Dank
Ihr Freud
Berggasse 19
Wien 1090
Austria
Rankestraße 24
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C14F27