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und Angstbereitschaft gegen beide, seine
mühsam aufrecht erhaltene Überheblichkeit
entlarvt. DiesesUrteil hat seither einen starkenBild
Widerhall in der psychoanalytischen Literatur
gefunden. Zalreiche Stimmen betonen ein-
dringlich die Schwäche des Ichs gegen das Es,
des Rationellen gegen das Daemonische in
uns und schicken sich an, diesen Satz zu einem
Grundpfeiler einer psychoanalytischen „Welt-
anschauung“ zu machen. Sollte nicht die Ein-
sicht in die Wirkungsweise der Verdräng-
ung gerade den Analytiker von so
extremer Parteinahme zurückhalten?Ich bin überhaupt nicht für die Fabrik-
ation von „Weltanschauungen“. Die über-
lasse manden Philosophen, diegestrost
eingestandener Maßen die Lebensreise
ohne einen solchen Baedeker, der über
alles Auskunft giebt, nicht ausführbar finden.
Nehmen wir demütig die Verachtung auf uns,
mit der die Philosophen vom Standpunkt
ihrer höheren Bedürftigkeit auf uns herab-
schauen. Da auch wir unseren narzißtischen
Stolz nicht verleugnen können, wollen
wir unseren Trost in der Erwägungsuchen,finden
daß alle diese „Lebensführer“ rasch veralten,
daß es gerade unsere kurzsichtig beschränkte
Kleinarbeit ist, welche deren Neuauflagen
notwendig macht, und daß selbst die modern-
sten dieser Baedeker Versuche sind, den
alten, so bequemen und so vollständigen
Katechismus zu ersetzen. Wir wissen genau,
wie wenig Licht die Wissenschaft bisher
überdie Rätsel dieser Welt verbreitenauf
konnte; alles Poltern der Philosophen
kann daran nichts ändern, nur geduldige
Fortsetzung der Arbeit, die alles der einen
Forderungnach Gewißheit unterordnet,der
kann langsam Wandel schaffen. Wenn
der Wanderer in der Dunkelheit singt,
verleugnet er seine Ängstlichkeit, aber
er sieht darum um nichts heller.III
Um zum Problem des Ichs zurückzu-
kehren: Der Anschein des Widerspruches kom̄t
daher, daß wir Abstraktionen zu starr
nehmen und aus einem komplizirten
Sachverhalt bald die eine, bald die andere
Seite allein herausgreifen. Die Scheidung
des Ichs vom Es scheint gerechtfertigt, sie wird
uns durch bestim̄te Verhältniße aufgedrängt.S.
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Aber anderseits ist das Ich mit dem Es identisch, nur
ein besonders differenzirter Anteil desselben.
Stellen wir dieses Stück in Gedanken dem
Ganzen gegenüber, oder hat sich ein wirklicher
Zwiespalt zwischen den beiden ergeben,
so wird uns die Schwäche dieses Ichs offenbar.
Bleibt das Ich aber mit dem Es verbunden, von
ihm nicht unterscheidbar, so zeigt sich seine
Stärke.Ähnlich ist dasFür den Fall der
Verhältnis des Ichs zum Überichs. Für viele
Situationen fließen uns die beiden zu-
sammen; meistens können wir sie nur
unterscheiden, wenn sich eine Spannung,
ein Konflikt zwischen ihn hergestellt hat.
Für den Fall der Verdrängung wird die Tat-
sache entscheidend, daß das Ich eine Organisation
ist, das Es aber keine; das Ich ist eben der
organisirte Anteil des Es. Es wäre ganz
ungerechtfertigt, wenn man sich vorstellte, Ich
und Es seien wie zwei verschiedene Heerlager;
durch die Verdrängung suche das Ich ein
Stück des Es zu unterdrücken, nun kom̄e
das übrige Es dem Angegriffenen zu Hilfe
und messe seine Stärke mit der des Ichs.
Das magoft genug zustande kom̄en, aber esauch einmal
ist gewiß nicht die Eingangssituation der Ver-
drängung;in der Regel bleibt dieist de
zu verdrängende Triebregung isolirt.
Hat der Akt der Verdrängung uns die
Stärke des Ichs gezeigt, so legt er doch in einem
auch Zeugnis ab für dessen Ohnmacht und für
die Unbeeinflußbarkeit der einzelnen Trieb-
regung des Es. Denn der Vorgang, der durch
die Verdrängung zum Symptom geworden
ist, behauptet nun seine Existenz außerhalb
der Ichorganisation und unabhängig von ihr.
Und nicht er allein, auch alle seine Abköm̄-
linge genießen das selbe Vorrecht, man möchte
sagen: der Exterritorialität, und wo sie mit
Anteilen der Ichorganisation assoziativ zusam̄en
treffen,wird es fraglich, ob sie diese nichtbleibt
zu sich herüberziehen und sich mit diesem
Gewinn auf Kosten des Ichs ausbreiten
werden. Ein uns längst vertrauter Ver-
gleich betrachtet das Symptom als einen
Fremdkörper, der unaufhörlich Reiz‑ und
Reaktionserscheinungen in dem Gewebe
unterhält, in das er sich eingebettet hat.Der Abwehrkampf des Ichs gegen die unliebsameTriebregung ist darum durch denie Verdräng-ungsakt nicht zu Ende gebracht. zumeistschließt sich an diesen ersten AktS.
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einn langes und qualvolles Nachspiel.Es kommt zwar
vor, daß der Abwehrkampf gegen die unliebsame
Triebregung durch die Symptombildung abgeschloßen
wird; soweit wir sehen, ist dies am ehesten bei
der hysterischen Konversion möglich, aber in
der Regel ist der Verlauf ein anderer;
nach dem ersten Akt der Verdrängung
folgt ein langwieriges oder nie zu beenden-
des Nachspiel, der Kampf gegen die Triebregung
findet seine Fortsetzung in dem Kampf
gegen das Symptom.Dieser sekundäre Abwehrkampf zeigt uns zwei
Gesichter – mit widersprechendem Ausdruck. Einer-
seits wird das Ich durch seine Natur genötigt etwas
zu unternehmen, was wir als Herstellungs‑ oder
Versöhnungsversuch beurteilen müßen. Das Ich
ist eine Organisation, es beruht auf dem freien
Verkehr und der Möglichkeit gegenseitiger
Beeinflußung unter all seinen Bestandteilen,
seine desexualisirte Energie bekundet ihre
Herkunft in dem Streben nach Bindung und
Vereinheitlichung und dieser Zwang zur
Synthese nim̄t immer mehr zu, je kräftiger
sich das Ich entwickelt. So wird es verständlich,
daß das Ich auch versucht, die Fremdheit und
Isolirung des Symptoms aufzuheben, indem
es alle Möglichkeiten ausnützt, es irgendwie
an sich zu binden und durch solche Bande
seiner Organisation einzuverleiben. Wir
wissen, daß ein solches Bestreben bereits
den Akt der Symptombildung beeinflußt.
Ein klassisches Beispiel dafür sind jene hysterischen Symptome,
diederen Naturuns als Kompromiß zwischen
Befriedigungsersatz‑ und Strafbedürfnisvedurchsichtig geworden sind. Als Erfüllungen
einer Forderung des Überichs haben solche
Symptome von vorne herein Anteil am
Ich, während sie anderseits Positionen des
Verdrängten und Einbruchsstellen des-
selben in die Ichorganisation bedeuten;
sie sind sozusagen Grenzstationen mit
gemischter Besetzung. Ob alle primären
hysterischen Symptome so gebaut sind, ver-
diente eine sorgfältige Untersuchung.
Im weiteren Verlaufe benim̄t sich das Ich so,
als ob es von der Erwägung geleitet würde:
das Symptom ist einmal da und kann nicht
beseitigt werden; nun heißt es, sich mit
dieser Situation befreunden und den
größtmöglichen Vorteil aus ihr ziehen. Es
findet eine Anpassung an das ichfremde
Stück der Innenwelt statt, das durchS.
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das Symptom repraesentirt wird, wie sie das Ich
sonst normaler Weise gegen die reale Außen-
weltzu Stande bringt. An Anläßen hiezu fehlt es nie.leistet
Die Existenz des Symptoms mag eine gewiße Behind-
erung der Leistung mit sich mitbringen, mit der man eine
Anforderung des Überichs beschwichtigen oder
einen Anspruch der Außenwelt zurückweisen
kann. So wird das Symptom allmälich mit
der Vertretung wichtiger Interessen betraut,
es erhält einen Wert für die Selbstbehaupt-
ung, verwächst im̄er inniger mit dem Ich
wirdimmmihm immer unentbehrlicher. Nur in
ganz seltenen Fällen kann der Prozeß der
Einheilung eines Fremdkörpers etwas
ähnliches wiederholen. Man kann die Bedeut-
ung dieser sekundären Anpassung an das
Symptom auch übertreiben, indem manbe-
aussagthauptet, das Ich habe sich das Symptom über-
haupt nur angeschafft, um dessen Vorteile
zu genießen. Das ist dann so richtig oder
so falsch, wie wenn man die Ansicht ver-
tritt, der Kriegsverletzte habe sich das
Bein nur abschießen lassen, um dann
arbeitsfrei von seiner Invalidenrente
zu leben.Andere Symptomgestaltungen, die der Zwangs-
neurose und der Paranoia, bekom̄en einen
hohen Wert für das Ich, nicht weil sie ihm
Vorteile, sondern weil sie ihm eine sonst
entbehrte narzißtische Befriedigung bringen.
Die Systembildungen der Zwangsneurotiker
schmeichelnderihrer Eigenliebe durch die Vorspiegel-
ung, sie seien als besonders reinliche
oder gewissenhafte Menschen besser als
andere; die Wahnbildungen der Paranoia
eröffnen dem Scharfsinn und der Phantasie
dieser Kranken eine GelegeFeld zur Be-
tätigung, das ihnen nicht leicht ersetzt werden
kann. Aus all den erwähnten Beziehungen
resultirt, was uns als der (sekundäre)
Krankheitsgewinn der Neurose bekannt
ist. Er kom̄t dem Bestreben des Ichs, sich das
Symptom einzuverleiben zu Hilfe und ver-
stärkt die Fixirung des letzteren. Wenn wir
dann den Versuch machen, dem Ich in seinem
Kampf gegen das Symptom analytischen Bei-
stand zu leisten, finden wir diese ver-
söhnlichen Bindungen zwischen Ich und
Symptom auf der Seite der Widerstände
wirksam. Es wird uns nicht leicht gemacht, sie
zu lösen. Die beiden Verfahren, die das Ich
gegen das Symptom anwendet, stehen wirk-
lich in Widerspruch zu einander.S.
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Das andere Verfahren hat weniger freund-
lichen Charakter, es setzt die Richtung der
Verdrängung fort. Aber es scheint, daß wir
das Ich nicht mit dem Vorwurf der Inkon-
sequenz belasten dürfen. Das Ich ist fried-
fertig und möchte sich das Symptom einver-
leiben, es in sein Ensemble aufnehmen,
die Störung geht vom Symptom aus, das als
richtiger Ersatz und Abköm̄ling der ver-
drängten Regung deren Rolle weiterspielt,
deren Befriedigungsanspruch immer wieder
erneuert und so das Ich nötigt, wiederum
das Unlustsignal zu geben und sich zur
Wehre zu setzen.Der sekundäre Abwehrkampf gegen das Symptom
ist vielgestaltig, spielt sich auf verschiedenen
Schauplätzen ab und bedient sich mannigfaltiger
Mittel. Wir werden nicht viel über ihn
aussagen können, wenn wir nicht die einzelnen
Fälle der Symptombildung zum Gegenstand
der Untersuchung nehmen. Dabei werden wir
Anlaß finden, auf das Problem der Angst
einzugehen, das wir längst wie im Hintergrunde
lauernd verspüren. Es empfiehlt sich von den
Symptomen, welche die hysterische Neurose
schafft, auszugehen; auf die Voraussetzungen
der Symptombildung bei der Zwangsneurose,
Paranoia und anderen Neurosen sind wir
noch nicht vorbereitet.IV
Der erste Fall, den wir betrachten, sei der einer
infantilen hysterischen Thierphobie, also zB der
gewiß in allen Hauptzügen typische Fall
der Pferdephobie des „Kleinen Hans“.x) Schon
der erste Blick läßt uns erkennen, daß die
Verhältnisse eines realen Falles von neur-
otischer Erkrankung weit komplizirter
sind als unsere Erwartung, solange wir mit
Abstraktionen arbeiten, sich vorstellt. Es
gehört einige Arbeit dazu, sich zu orientiren,
welches die verdrängte Regung, was ihr
Symptomsatz ist, wo das Motiv der Ver-
drängung kenntlich wird.Der kleine Hans weigert sich, auf die Straße
zu gehen, weil er Angst vor dem Pferd
hat. Dies ist der Rohstoff. Was ist nun daran
das Symptom: die Angstentwicklung, die
Wal des Angstobjekts, oder der Verzicht
auf die freie Beweglichkeit, oder mehreres
davon zugleich? Wo ist die Befriedigung,x)Siehe: Analyse der Phobie eines fünfjährigen Knaben. (Ges.
Schriften, Bd. VIII.)
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Hemmung, Symptom und Angst1926-001/1926.01
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