S.
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angeben, wie sich eine solche Umwandlung
vollzieht.Woher schöpfte ich überhaupt die Idee
einer solchen
dieser Umsetzung? Zur Zeit, als es uns noch sehr
ferne lag, zwischen Vorgängen im Ich und Vor-
gängen im Es zu unterscheiden, aus dem Studium
der Aktualneurosen. Ich fand, daß bestim̄te
sexuelle Praktiken, wie Coitus interruptus,
frustrane Erregung, erzwungene Abstinenz
Angstausbrüche und eine allgemeine Angstbereit-
schaft erzeugen, also immer wenn die Sexual-
erregung in ihrem Ablauf zur Befriedigung
gehemmt, aufgehalten oder abgelenkt wird.
Da die Sexualerregung der Ausdruck libidinöser
Triebregungen ist, schien es nicht gewagt, anzu-
nehmen, daß die Libido sich durch die Einwirkung
solcher Störungen in Angst verwandelt. Nun
istdiese Beobachtung auch heute noch giltig,auch
anderseits ist nicht abzuweisen, daß die Libido
der Es‑Vorgänge durch die Anregung der
Verdrängung eine Störung erfährt; es
kann also noch immer richtig sein, daß
sich bei der Verdrängung Angst aus
derLibidobesetzung der Triebregungen¿¿¿¿¿
bildet. Aber wie soll man dieses Ergebnis
mit dem anderen zusam̄enbringen, daß
die Angst der Phobien eine Ich‑Angst ist,
im Ich entsteht, nicht aus der Verdrängung
hervorgeht, sondern die Verdrängung hervor-
ruft? Das scheint ein Widerspruch und nicht
einfach zu lösen. Die Reduktion der beiden
Ursprünge der Angst auf einen einzigen läßt
sich nicht durchsetzen. Man kann es mit der An-
nahme versuchen, daß das Ich in der Situation
des gestörten Coitus, der unterbrochenen Erregung,
der Abstinenz,Gefahren wittert, auf dieeine
es mit Angst reagirt, aber es ist nichts damit
zu machen. Anderseits scheint die Analyse der
Phobien, die wir vorgenom̄en haben, eine
Berichtigung nicht zuzulassen. Non liquet!V
Wir wollten die Symptombildung und
den sekundären Kampf des Ichs gegen das Symptom
studiren, aber wir haben offenbar mit der
Wal der Phobien keinen glücklichen Griff
gethan. Die Angst, welche im Bild dieser
Affektionen vorherrscht, erscheint uns
nun als eine den Sachverhalt verhüllende
Komplikation. Es giebt reichlich Neurosen, bei
denen sich nichts von Angst zeigt. Die echte
Konversionshysterie ist von solcher Art,
deren schwerste Symptome ohne BeimischungS.
23
von Angst gefunden werden. Schon diese Tatsache
müßte uns warnen, die Beziehungen zwischen
Angst und Symptombildung nicht allzu fest zu
knüpfen. Den Konversionshysterien stehen
die Phobien sonst so nahe, daß ich mich
für berechtigt gehalten habe,sieihnen diese als
„Angsthysterie“ anzureihen. Aber niemand hat
noch die Bedingung angeben können, die darüber
entscheidet, ob ein Fall die Form einer
Konversionshysterie oder einer Phobie an-
nim̄t, niemand also die Bedingung der Angst-
entwicklung bei der Hysterie ergründet.Die häufigsten Symptome der Konversions-
hysterie, eine motorische Lähmung, Kontraktur
oder unwillkürliche Aktion oder Entladung,
ein Schmerz, eine Halluzination sind entweder
permanent festgehaltene oder intermittirende
Besetzungsvorgänge, was der Erklärung neue
Schwierigkeiten bereitet. Man weiß eigentlich
nicht viel über solche Symptome zu sagen. Durch
die Analyse kann man erfahren, welchen gestörten
Erregungsablauf sie ersetzen. Zumeist ergiebt sich,
daß sie selbst einen Anteil an diesem haben,
so als ob sich die gesamte Energie desselben
auf dies eine Stück konzentrirt hätte. Der
Schmerz war in der Situation, in welcher die
Verdrängung vorfiel, vorhanden; die Halluz-
ination war damals Wahrnehmung, die motor-
ische Lähmung ist die Abwehr einer Aktion, die
in jener Situation hätte ausgeführt werden
sollen, aber gehemmt wurde, die Kontraktur
gewöhnlich eine Verschiebung für eine damals
intendirte Muskelinnervation an anderer
Stelle, der Krampfanfall Ausdruck eines
Affektausbruchs, der sich der normalen Kontrolle
des Ichs entzogen hat. In ganz auffälligem Maße
wechselnd ist die Unlustempfindung, die das
Auftreten der Symptome begleitet. Bei den
permanenten, auf die Motilität verschobenen
Symptomen, wie Lähmungen und Kontrakturen,
fehlt sie meistens gänzlich das Ich¿¿ Ichverhält
sich gegen sie wie unbeteiligt; bei den
intermittirenden und den Symptomen der
sensorischen Sphäre werden in der Regel
deutliche Unlustempfindungen verspürt,
die sich im Falle des Schmerzsymptom zu
exzessiver Höhe steigern können. Es ist sehr
schwer, in dieser Mannigfaltigkeit das
Moment herauszufinden, das solche Differ-
enzen ermöglicht und sie doch einheitlich er-
klären läßt. Auch vom Kampf des Ichs gegen
das einmal gebildete Symptom ist bei der
Konversionshysterie wenig zu merken. Nur wennS.
24
die Schmerzempfindlichkeit einer Körperstelle zum
Symptom geworden ist, wird diese in den Stand
gesetzt, eine Doppelrolle zu spielen. Das Schmerz-
symptom tritt ebenso sicher auf, wenn diese
Stelle von außen berührt wird, wie wenn
die von ihr vertretene pathogeneESituation
von innen her assoziativ aktivirt wird, und
das Ich ergreift Vorsichtsmaßregeln, um
die Erweckung des Symptoms durch äußere
Wahrnehmung hintanzuhalten. Woher die
besondere Undurchsichtigkeit der Symptombild-
ung bei der Konversionshysterie rührt,
können wir nicht erraten, aber sie giebt
uns ein Motiv, das unfruchtbare Gebiet
bald zu verlassen.Wir wenden uns zur Zwangsneurose in der
Erwartung, hier mehr über die Symptom-
bildung zu erfahren. Die Symptome der
Zwangsneurose sind im Allgemeinen von
zweierlei Art und entgegengesetzter Tendenz.
Es sind entweder Verbote, Vorsichtsmaßregeln,
Bußen, also negativer Natur, oder im Gegenteil
Ersatzbefriedigungen, sehr häufig in symbolischer
Verkleidung. Von diesen zwei Gruppen ist
die negative, abwehrende, strafende die ältere;immit der Dauer des Krankseins nehmen
aber die aller Abwehr spottenden Befriedig-
ungen überhand. Es ist ein Triumph der Symptom-
bildung, wenn es gelingt, das Verbot mit
der Befriedigung zu verquicken, so daß das
ursprünglich abwehrende Gebot oder Verbot
auch die Bedeutung einer Befriedigung be-
kom̄t, wozu oft sehr künstliche Verbindungs-
wege in Anspruch genom̄en werden. In dieser
Leistung zeigt sich die Neigung zur Synthese,
die wir dem Ich bereits zuerkannt haben.Im rIn extremen Fällenhabringt es der
Kranke zustande, daß die meisten seiner
Symptome zu ihrer ursprünglichen Bedeutung
auch die des direkten Gegensatzes erworben
haben, ein Zeugnis für die Macht der
Ambivalenz, die, wir wissen nicht recht,
warum, in der Zwangsneurose eine so
große Rolle spielt. Im rohesten Fall
ist das Symptom zweizeitig, d.h auf die
Handlung, die eine gewiße Vorschrift aus-
führt, folgt unmittelbar eine zweite,
die sie aufhebt oder rückgängig macht,
wenngleich sie noch nicht wagt, ihr Gegenteil
auszuführen.Zwei Eindrücke ergeben sich sofort aus dieser
flüchtigen Überschau der Zwangssymptome.
Der erste, daß hier ein fortgesetzter Kampf
gegen das Verdrängte unterhalten wird,
der sich immer mehr zu ungunsten der ver-
drängenden Kräfte wendet, und zweitens
daß Ich und Überich hier einen besonders großenS.
25
Anteil an der Symptombildung nehmen.
Die Zwangsneurose ist wol das interessanteste und dank-
barste Objekt der analytischen Untersuchung, aber
noch immer als Problem unbezwungen. Wollen
wir in ihr Wesen tiefer eindringen, so müßen
wir eingestehen, daß unsichere Annahmen und
unbewiesene Vermutungen noch nicht entbehrt
werden können. Die Ausgangssituation der
Zwangsneurose ist wol keine andere als die
der Hysterie, die notwendige Abwehr der libidin-
ösen Ansprüche des Oedipuskomplexes. Auch
scheint sich bei jeder Zwangsneurose eine unterste
Schicht sehr früh gebildeter hysterischer Symptome
zu finden. Dann aber wirddie Situation
weitere Gestaltung durch einen konstitution-
ellen Faktor entscheidend verändert. Die
genitale Organisation der Libido erweist sich
als schwächlich und zu wenig resistent. Wenn
das Ich sein Abwehrstreben beginnt, so er-
zielt esdenals ersten Erfolg, daß die Genital-
organisation (der phallischen Phase) ganz oder
teilweise auf die frühere sadistisch‑anale
Stufe zurückgeworfen wird. Diese Tatsache der
Regression bleibt für alles folgende bestim-
mend.Man kann noch eine andere Möglichkeit in
Erwägung ziehen. Vielleicht ist die Regression
nicht die Folge eines konstitutionellen,
sondern eines zeitlichen Faktors. Sie wird
nicht darum ermöglicht werden, weil die Genitalorgan-
isation der Libido zu schwächlich geraten,
sondern weil das Sträuben des Ichs zu früh-
zeitig, noch während der Blüte der sadistischen
Phase eingesetzt hat. Einer sicheren Entscheid-
ung getraue ich mich auch in diesem
Punkte nicht, aber die analytische Beob-
achtung begünstigt diese Annahme nicht.
Sie zeigt eher, daß bei der Wendung zur
Zwangsneurose die phallische Stufe bereits
erreicht ist. Auch ist das Lebensalter für
den Ausbruch dieser Neurose ein späteres
als das der Hysterie (die zweite Kindheits-
periode, nach dem Termin der Latenzzeit)
und in einem Fall von sehr später Ent-
wicklung dieser Affektion, den ich studiren
konnte, ergab es sich klar, da߿eine reale
Entwertung des bis dahin intakten Genital-
lebens die Bedingung für die Regression
und die Entstehung der Zwangsneurose schuf.x)Die metapsychologische Erklärung der Regression
suche ich in einer „Triebentmischung“, in der
Absonderung der erotischen Komponenten,
die mit Beginn der genitalen Phase zu den
destruktiven Besetzungen der sadistischen
Phase hinzugetreten waren.x)S. Die Disposition zur Zwangsneurose. Ges. Schriften,
Bd. V.S.
26
Die Erzwingung der Regression bedeutet den
ersten Erfolg des Ichs im Abwehrkampf gegen
den Anspruch der Libido. Wir unterscheiden
hier zweckmäßig die allgemeinere Tendenz
der „Abwehr“ von der „Verdrängung“, die nur
einer der Mechanismen ist, deren sich die
Abwehr bedient. Vielleicht noch klarer als bei
normalen und hysterischen Fällen erkennt
man bei der Zwangsneurose als den Motor
der Abwehr den Kastrationskomplex, als
das Abgewehrte die Strebungen des Oedipus-
komplexes. Wir befinden uns nun zu Beginn
der Latenzzeit, die durch den Untergang des
Oedipuskomplexes, die Schöpfung oder Konsolid-
irung des Überichs und dieBildungAufrichtung der
ethischen und aesthetischen Schranken im Ich
gekennzeichnet ist. Diese Vorgänge gehen bei
der Zwangsneurose über das normale
Maß hinaus; zur Zerstörung des Oedipuskom-
plexes tritt die regressive Erniedrigung
der Libido hinzu, das Überich wird besonders
strenge und lieblos, das Ich entwickelt im
Gehorsam gegen das Überich hohe Reaktions-
bildungen von Gewissenhaftigkeit, Mitleid,
Reinlichkeit. Mit unerbittlicher, darum nicht im̄er
erfolgreicher, Strenge wird die Versuchung
zur Fortsetzung der frühinfantilen Onanie
verpönt, die sich nunalsan regressive (sadist-
isch‑anale) Vorstellungen anlehnt, aber doch
den unbezwungenen Anteil der phallischen
Organisation reprarsentirt. Es liegt ein innerer
Widerspruch darin, daß gerade im Interesse
der Erhaltung der Männlichkeit (Kastrat-
ionsangst) jede Betätigung dieser Männlichkeit
verhindert wird, aber auch dieser Widerspruch
wird bei der Zwangsneurose nur über-
trieben, er haftet bereits an der normalen
Art der Beseitigung des Oedipuskomplexes.
Wie jedes Übermaß den Keim zu seiner
Selbstaufhebung in sich trägt, wird sich auch
an der Zwangsneurose bewähren, indem
gerade die unterdrückte Onanie sich
in der Form der Zwangshandlungen eine
immer weiter gehende Annäherung an
die Befriedigung erzwingt.Die Reaktionsbildungen im Ich,
dider Zwangsneurot-
iker, die wir als Übertreibungen der normalen
Charakterbildung erkennen, dürfen wir als
einen neuen Mechanismus der Abwehr
neben die Regression und die Verdrängung
hinstellen. Sie scheinen bei der Hysterie zu
fehlen oder weit schwächer zu sein. Rück-
schauend gewinnen wir so eine Vermutung,
wodurch der Abwehrvorgang der Hysterie
ausgezeichnet ist. Es scheint, daß er sich auf
die Verdrängung einschränkt, indem dasS.
27
Ich sich von der unliebsamen Triebregung abwendet
sie dem Ablauf im Unbewußten überläßt und
an ihren Schicksalen keinen weiteren Anteil
nimmt. So ganz ausschließend richtig kann das zwar
nicht sein, denn wir kennen ja den Fall, daß
das hysterische Symptom gleichzeitig die Erfüllung
einer Strafanforderung des Überichs bedeutet,
aber es mag einen allgemeinen Charakter
im Verhalten des Ichs bei der Hysterie¿¿¿¿¿
beschreiben.Man kann es einfach als Tatsache hinnehmen, daß
sich bei der Zwangsneurose ein so strenges
Überich bildet, oder man kann daran denken, daß
der fundamentale Zug dieser Affektion die
Libidoregression ist, und versuchen, auch den Charakter
des Überichs mit ihr zu verknüpfen. In der Tat
kann ja das Überich, das aus dem Es stammt, sich der
dort eingetretenen Regression und Trieb-
entmischung nicht entziehen. ziehen. Es wäre nicht zu verwun-
dern, wenn es seinerseits härter, quälerischer, lieb-
loser würde als bei normaler Entwicklung.Während der Latenzzeit scheint die Abwehr
der Onanieversuchung als Hauptaufgabe behandelt
zu werden. Dieser Kampf erzeugt eine Reihe von
Symptomen, die bei den verschiedensten Personen
in typischer Weise wiederkehren und im allge-
meinen den Charakter des Zeremoniells tragen.
Es ist sehr zu bedauern, daß sie noch nicht gesam̄elt
und systematisch analysirt worden sind; als früheste¿¿Leistungen der Neurose würden sie über
den hier verwendeten Mechanismus der Symptombildung am
ehesten Licht verbreiten. Sie zeigen bereits die
Züge, welche in einer späteren schweren Er-
krankung so verhängnisvoll hervortreten
werden: die Unterbringung an den Verricht-
ungen, die später wie automatisch¿¿¿ausge-
führt werden sollen, am Schlafengehen
Waschen und Ankleiden, an der Lokomotion,
die Neigung zur Wiederholung und zum
Zeitaufwand. Warum das so geschieht, ist noch
keineswegs verständlich; die Sublimirung
analerotischer Komponenten spielt dabei eine
deutliche Rolle.Die Pubertät macht in der Entwicklung der
Zwangsneurose einen entscheidenden Abschnitt.
Die in der Kindheit abgebrochene Genitalorganis-
ation setzt nun mit großer Kraft wieder
ein. Wir wissen aber, daß die Sexualentwick-
lung der Kinderzeit auch für den Neubeginn
der Pubertätsjahre die Richtung vorschreibt.
Es werden also einerseits die aggressiven Reg-
ungen der Frühzeit wieder erwachen,
anderseits muß ein mehr oder minder
großer Anteil der neuen libidinösen
Regungen – in bösen Fällen deren Ganzes –S.
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die durch die Regression vorgezeichneten Bahnen
einschlagen und als aggressive und destruktive
Absichten auftreten. Infolge dieser Verkleidung
der erotischen Strebungen und der starken
Reaktionsbildungen im Ich, wird nun der
Kampf gegen die Sexualität unter ethischer
Flagge weitergeführt. Das Ich sträubt sich
verwundert gegen grausame und gewalt-
tätige Zumutungen, die ihm vom Es her ins
Bewußtsein geschickt werden, und ahnt
nicht, daß es dabei erotische Wünsche be-
kämpft, darunter auch solche, die sonst
seinem Einspruch entgangen wären. Das
überstrenge Überoch besteht um so energischer
auf der Unterdrückung der Sexualität,
da sie so abstoßende Formen angenom̄en
hat. So zeigt sich der Konflikt bei der Zwangs-
neurose nach zwei Richtungen verschärft,
dasAbwehrende ist intoleranter, dasVerdrängende
zuAbzuwehrende unerträglicher geworden;Verdräng
beides durch den Einfluß des einen
Moments, der Libidoregression.Man könnte einen Widerspruch
gegen manche¿¿
unserer Voraussetzungen darin finden, daß
die unliebsame Zwangsvorstellung überhaupt
bewußt wird. Allein es ist kein Zweifel, daß
sie vorher den Prozeß der Verdrängung durch-
gemacht hat. In den meisten ist der eigent-
liche Wortlaut der aggressiven Triebreg-
ung dem Ich überhaupt nicht bekannt. Es gehört
ein gutes Stück analytischer Arbeit dazu,
um ihn bewußt zu machen. Was zum Be-
wußtsein durchdringt, ist in der Regel nur
ein entstellter Ersatz entweder von einer
verschwom̄enen, traumhaften Unbestim̄t-
heit, oder unken̄tlich gemacht durch eine
absurde Verkleidung. Wenn die Verdräng-
ung nicht den Inhalt der aggressiven Trieb-
regung angenagt hat, da hat sie doch gewiß
den sie begleitenden Affektcharakter
beseitigt. So erscheint die Aggression dem Ich nicht als
ein Impuls, sondern, wie die Kranken
sagen, als ein bloßer „Gedankeninhalt“,
der einen kalt lassen sollte. Das Merk-
würdige ist, daß dies doch nicht der Fall
ist.Der bei der Wahrnehmung der Zwangsvorstell-
ung ersparte Affekt kom̄t nämlich an
anderer Stelle zum Vorschein. Das Überich
benimmt sich so, als hätte keine Verdräng-
ung stattgefunden, als wäre ihm die aggress-
ive Regung in ihrem richtigen Wortlaut
und mit ihrem vollen Affektcharakter
bekannt, und behandelt das Ich auf Grund
dieser Voraussetzung. Das Ich, das sichS.
29
einerseits schuldlos weiß, muß anderseits ein
Schuldgefühl verspüren und eine Verantwortlich-
keit tragen, die es sich nicht zu erklären
weiß. Das Rätsel, das uns hiemit aufgegeben wird,
ist aber nicht so groß, als es zuerst erscheint. Das
Verhalten des Überichs ist durchaus verständlich,
der Widerspruch im Ich beweistesuns nur, daß es
sich mittels der Verdrängung gegen das Es ver-
schloßen hat, während es den Einflüßen aus
dem Überich voll zugänglich geblieben ist. Der
weiteren Frage, warum das Ich sich nicht auch der
peinigenden Kritik des Überichs zu entziehen
sucht, macht die Nachricht ein Ende, daß dies
wirklich in einer großen Reihe von Fällen
so geschieht. Es gibt auch Zwangsneurosen ganz
ohne Schuldbewußtsein; soweit wir es verstehen,
hat sich das Ich die Wahrnehmung desselben
durch eine neue Reihe von Symptomen, die
Bußhandlungen, Einschränkungen zur Selbstbe-
strafung, erspart. Diese Symptome bedeuten
aber gleichzeitig Befriedigungen masochistischer
Triebregungen, diegleichebenfalls aus der Regression
eine Verstärkung bezogen haben.Die Mannigfaltigkeit in den Erscheinungen
der Zwangsneurose ist eine so großartige, daß
es noch keiner Bemühung gelungen ist, eine
zusam̄enhängende Synthese aller ihrer Variationen
zu geben. Man ist bestrebt, typische Beziehungen
herauszuheben und dabei immer in Sorge,
andere, nicht minder wichtige, Regelmäßigkeiten
zu übersehen.Die allgemeine Tendenz der Symptombildung bei der
Zwangsneurose habe ich bereits beschrieben. Sie geht
dahin der Ersatzbefriedigung immer mehr Raum auf
Kosten der Versagung zu schaffen. Dieselben Symptome,
die ursprünglich Einschränkungen des Ichs bedeuteten,
nehmen dank der Neigung des Ichs zur Synthese,
später auch die von Befriedigungen an, und
es ist unverkennbar, daß die letztere Be-
deutung allmälich die wirksamere wird. Ein
äußerst eingeschränktes Ich, das darauf angewiesen
ist, seine Befriedigungen in den Symptomen
zu suchen, wird das Ergebnis dieses Prozesses,
der sich immer mehr dem völligen Fehlschlagen des
anfänglichen Abwehrstrebens nähert. Die Ver-
schiebung des Kräfteverhältnißes zu Gunsten
der Befriedigung kann zu dem gefürchteten
Endausgang der Willenslähmung des Ichs führen,
das für jede Entscheidung beinahe ebenso starke
Antriebe von der einen wie von der anderen
Seite findet. Der überscharfe Konflikt zwischen
Es und Überich, der die Affektion von An-
fang an beherrscht, kann sich so sehr ausbreiten,
daß keine der Verrichtungen des zur Ver-
mittlung unfähigen Ichs der Einbeziehung
in diesen Konflikt entziehengehen kann.
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Hemmung, Symptom und Angst1926-001/1926.01
1926-001/1926.01/5