• S.

    Allenstein, 2. 12. 17. Lieber Herr Professor, Es war mir recht schmerzlich, einen so trüb gestimmten Brief von Ihnen zu erhalten. Es wäre unpsychoanalytisch, wollte ich dieser Ihrer Stimmung mit Gegenargumenten zu Leibe gehen. Ich will also nur einer Ihrer Besorgnisse entgegentreten. Sie meinen, mit unsern Zeitschriften sei es demnächst vorbei. Ich habe heute an Sachs geschrieben und ihn gebeten, Sie von einem Vorschlag in Kenntnis zu setzen, der mir zeitgemäß erscheint. Wenn Sie beide zustimmen, wäre wohl Rat zu schaffen. Ich hoffe, Sie haben auch weiter von der Front gute Nachrichten und sind auch daheim alle bei guter Gesundheit.

     

  • S.

    Sehr hat mich der wissenschaftliche Inhalt Ihres Briefes beschäftigt (La- marck). Sie wissen wohl noch, daß ich mich mehrere Jahre mit Entwicklungsgeschichte, Vererbungslehre usw. befaßt habe und daher diesen Fragen ein besonderes Interesse entgegenbringe. Zwar kann ich nach den kurzen Andeutungen, die Sie mir machten, nicht Stellung zu der Theorie nehmen. Aber ich beneide die recht gründlich, die zu öfterem Gedankenaustausch mit Ihnen Gelegenheit haben, während ich hier nur meine Epistulae ex Ponto schreiben kann. Die letzten politischen Ereignisse in Rußland scheinen mir doch sehr beachtenswert, so skeptisch ich auch gegenüber einem nahen Frieden bin. Kommt

  • S.

    er, dann wird unsre Wissenschaft sicher einen ungekannten Aufschwung nehmen. Nachdem jahrelang das Interesse sich gezwungenermaßen dem Kriege, der Politik und den Ernährungsfragen zugewandt hat, wird ein Heißhunger nach Wissenschaft eintreten, und, wie ich glaube, auch manches Vorurteil geschwunden sein. Ich kann mir nicht anders helfen – besser als Casimiro geht es uns doch. Für heute nur noch eilige Grüße von Haus zu Haus. Ihr Karl Abraham