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S.
[Briefkopf Wien] 28. XI. 20.
Lieber Freund
Auf Grund Ihres zustimmenden Gutachtens habe ich mit Reik gesprochen und ihm die Funktion eines Literaturdirektors mit Verantwortlichkeit für Referate und Jahresbericht angetragen, kein Hehl aus der Kritik an seiner Tätigkeit im Verlag gemacht und unter Berufung auf seine Psychologie die Hoffnung auf bessere Leistung in unabhängiger Stellung ausgesprochen. Er zeigte sich bereit, sie vom Neujahr 1921 an anzunehmen und verstand, daß persönliche Rücksichten nicht hindern werden, sie ihm wegzunehmen, wenn er sich ihr nicht gewachsen zeigte. Sein Gehalt bleibt derselbe wie früher, allerdings sehr bescheiden, aber er hat vier Analysen, mit denen er sich über Wasser hält.
Nun kommt noch ein zweiter Punkt in Betracht. Er ist auch bereit, ja willig, nach Berlin zu übersiedeln, wo er im Anschluß an die Poliklinik allerlei Erleichterungen für seine Aufgabe fände. Die Poliklinik selbst würde dabei ihre Stellung als Zentrale der psychoanalytischen Bewegung nur festigen. Ich frage Sie nun, haben Sie neben Sachs, der nicht verkürzt werden darf, noch Raum für Reik als einen, der Ärzteanalysen zugewiesen bekommt und Vorträge halten kann? Wenn dies möglich ist, so übersiedelt er in kurzer Zeit, der Verlag nimmt ihm hier seine Wohnung ab und wir haben wiederum einen der unsrigen aus dem Wiener Sumpf gerettet. -
S.
Da Reik eine kleine Familie hat, ergäbe sich noch die Aufgabe, ihm in Berlin ein Dach über seinem Haupt zu versorgen. Über all dies erbitte ich mir Ihre Antwort.
Ich bin wie gewöhnlich stark in Anspruch genommen; das Besondere ist diesmal aber, daß ich vier bis sechs Stunden täglich eine fremde Sprache sprechen und hören muß, worauf ich meine völlige Leistungsunfähigkeit zurückführe. Es ist eine erschöpfende Arbeit. Das »Jenseits« werden Sie in wenigen Tagen erhalten; wenn meine Tochter zurückkommt, kann ich mich wieder mit der Massenpsychologie beschäftigen. Ihr Buch wird sehr bald fertig sein, von sonstigen Absichten wissen Sie durch die vielleicht lästigen, aber gewiß sehr nützlichen Rundbriefe.
Ich grüße Sie und Ihre liebe Frau herzlich und hoffe, daß die Kinder die ländliche Situation auch im Winter genießen.
Ihr Freud
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