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S.
PROF. DR. FREUD
WIEN, IX. BERGGASSE 19.24. 1. 1915
Hochgeehrter Herr
Ihrer Einladung Ihnen auf Ihre Bemerkungen
zum Moses auch zu antworten, komme
ich an diesem leeren Sonntag gerne nach.
Sie reizten mich nicht dazu, weil ich im
Allgemeinen von Diskussionen weniger
erwarte als von einfacher Gegenüberstel-
lung verschiedener Ansichten. Aber da
Sie es wünschen, kann ich mitthun.Im Wesentlichen besteht zwischen uns der
bekannte Gegensatz in der Würdigg
von Form u Inhalt des Kunstwerkes.
Ich trete dafür ein, daß es der Inhalt
ist, dem das Werk seine Wirkung ver-
dankt, allerdings der latente Inhalt,
von dem sich ein Stück in Form aus-
drückt. Daß dies ein literarischer
Standpunkt ist, gebe ich nicht zu. Sie denken
als Künstler anders.Die Bemerkung zu p 22 daß es eine große
einwandfreie Wirkg machen würde,
wenn von 4 oder 6 ruhig versam̄elten
Figuren eine den Eindruck des Weg-
stürmens machte, hat mich sehr über-
rascht u scheint mir sehr merkwürdig.
Kennen Sie ein solches Beispiel, das ein
Künstler wirklich ausgeführt hat? -
S.
Zu Ihren kleineren Anfragen
1). Warum nur eine Halbfigur des Moses
gegeben ist? Weil unsere Vorlagen uns
nur diese Halbfigur gaben, die zur Dar-
stellung der in Rede stehenden Details
auch ausreichen. Die Figuren 1-3 geben fast
die volle Ansicht. Der Verleger spart
gerne mit Darstellungen, aus den banalsten
Motiven.2). Warum von 3 Abbildgen gesprochen wird,
während es 4 sind? Die 3 Abbildungen
sollen die drei Phasen des supponirten
Vorgangs darstellen. Fig 4 ist ein Detail
zum großen Blatt u deshalb mit D be-
zeichnet. Also hier wie dort kein tieferer
Sinn. Eine Sache kann auch klein u doch
bedeutungslos sein, zugegeben!3). Zugegeben auch, daß die Folgerung von
der Selbstüberwindung nicht zum
biblischen Moses paßt (S 31). Will aber
gerade darlegen, daß M. A. sich nicht an
den biblischen Moses hält.4) Was die richtige Übersetzg des Wortes
für „Siegestanz“ an den Einwendungen
meines¿¿¿Textes gegen die biblische Erzälung
ändert, vermag ich nicht zu sehen. Die
Bemühungen, die Einheit des biblischen
Textes zu retten u gegen die (nicht von
mir herrührende) Kritik zu verteidigen
scheinen mir erfolglos. Das ist keine
zusammenhängende Erzählung. -
S.
Endlich, was Sie so zaghaft als
ganz dicke Frechheit be-
zeichnen, streift meine
Absichten gar nicht. Das
Misverständnis, aus dem
die Hörner des Moses
stammen, ist längst bekannt
u aufgeklärt. Es fällt nicht
M. A. zur Last, da alle
Darstellungen Mosis vor
ihm dieselben Hörner zeigen.
Ich hätte also kein
Motiv, mich in der Dis-
kussion des Moses des
M. A. mit diesem kon-
ventionellen Attribut
zu befassen.Wie Sie sehen, ist die Duplik
weit weniger interessant
als die Replik. Darum -
S.