• S.

    Falzeder:

    PROF. DR. FREUD WIEN IX., BERGGASSE 19

    31. I.24.

     

    Dear Mr. Viereck,

     

    Ich war sehr überrascht zu hören, dass Sie meine scherzhafte Anregung ernst nehmen wollen.  Aber die Überraschung war durchaus angenehmer Natur.  Die Sache ist recht schwierig, aber ich weiss, dass gerade diese Schwierigkeit Sie reizen wird.

     

    Ich werde Ihnen natürlich zuschicken, was Sie gewünscht haben.  Die Taschenausgabe meiner Vorlesungen besitzen Sie ja.  Ein Exemplar der Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie geht in dieser Woche an Sie ab.  Die beiden psychoanalytischen Zeitschriften werde ich bei unserem Verlag für Ihre Privatadresse bestellen.  Eine kleine Schrift "Zur Geschichte der psychoanalytischen Bewegung", welche für die historische Orientierung gut ist, schicke ich gleichfalls an Sie ab.

     

    Ihren Vorschlag, Ihnen die Zusammenstellung durch die Unterstreichung bestimmter Stellen in meinen Büchern zu erleichtern, halte ich für nicht gut ausführbar.  Der Zusammenhang der Dinge ist ein so intimer, dass sich Einzelnes nicht leicht herausheben lässt.  Es bleibt wohl nur der eine Weg, zuerst alles in sich aufzunehmen und es dann auch sich heraus zu reproduzieren.  Ihren andern Vorschlag, Ihnen einen guten Analytiker in Newyork als Helfer namhaft zu machen, finde ich dagegen sehr zweckmässig.  Ich erlaube mir, Ihnen einen jungen Arzt, der ein Jahrlang bei mir in Ausbildung war und ein klarer Kopf ist, Dr. A. K a r d i n e r, 17 East, 38th Street, zu empfehlen.  Dass ich Sie bei ihm einführe, ist natürlich überflüssig; wenn Sie ihm unter Hinweis auf unseren Briefverkehr zu sich einladen, wird er sehr froh sein, kommen zu dürfen.[1]

     

    Ich kann nicht leugnen, dass ich sehr gespannt darauf bin, ob Sie Ihren Vorsatz durchführen können.[2]  Meine Gesundheit, nach der Sie sich so freundlich erkundigen, hat sich gebessert.  Seit Anfang dieses Monats bin ich wieder in Tätigkeit.

     

    Mit vielen achtungsvollen Grüssen auch von meiner Familie

     

    Ihr ergebener

    [signed:] Freud

     

     

     

    [1]                      In einer englischen Übersetzung dieses Briefes, offenbar von Viereck selbst, folgt hier: "(The Doctor refused even to talk to me without a fee, which annoyed Freud considerably.)"

    [2]                      Hier folgt: "(Maybe it was my intention to write a popular book--I do not now remember.  At any rate the article in the Forum and other articles, including several in the Hearst papers and a study of the Loeb-Leopold case from the point of view of psychoanalysis, carried out my intention.)"