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S.
Falzeder:
4. 4. 21
Lieber Herr Doktor
Ich antworte zuerst auf Ihre Frage nach Ihrer ältesten Schwester, auch darum, weil ich es gerne tue. Sie ist mir ungemein lieb, es geht vorläufig sehr gut, ihr Ernst und ihre Intelligenz sind sehr erwünschte Helfer. Natürlich stehen grosse Schwierigkeiten irgendwo bevor, sie sollen uns aber nicht schrecken. Die Vorbehandlung bei Dr. Simonis hat ihr gewiss nicht geschadet, wenigstens habe ich den Nutzen davon, denn sie hat viel Verständnis mitgebracht. Die Behandlung konnte nicht gelingen 1) weil Dr. S. ein junger Mann ist, vor dem sie sich zu viel genierte, 2) weil er den ganzen ersten Rückstoss des Widerstands auszuhalten hatte, 3) weil sie eine zur Vaterübertragung geeignete Person brauchte. Vielleicht hat er ihr auch zuviel in zu kurzer Zeit eröffnet.
Aus der theoretisch ausgezeichneten Schilderung Ihres Patienten kann ich nur entnehmen, dass er als "einfache Depression" aufgefasst werden darf. Die Affektion ist wenig studiert muss aber der Analyse zugänglich sein. Versuchen Sie's geduldig weiter. Als Vermutung möchte ich's aussprechen, dass es sich um einfache Mutterfixierung hohen Grades handelt, die er zeitweilig von sich weist, so dass er dann gar nichts hat. Die Schwierigkeit Ihrer Stellung liegt wohl darin, dass er diese Beziehung vor Ihnen -- als Mann, Vaterersatz -- geheimhalten muss. Technisch wird das so gemacht, dass der Patient sich einen Einfall absichtlich zurückbehält, womit dann die Analyse stillsteht. Lassen Sie sich durch kein Leugnen von seiner Seite von dieser Behauptung abbringen; es kommt häufiger vor, als wir erwarten. Es wird mich interessieren zu erfahren, ob Sie aus diesen Andeutungen etwas machen können.
Es freut mich zu hören, dass die Publikation der Vorlesungen gesichert ist.
Mit herzlichem Gruss
Ihr
Freud
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S.