• S.

    15. 7. 1932
    PROF. DR. FREUD WIEN IX., BERGGASSE 19

    Meine liebe Jeanne

    Die Wiederkehr der Reizzustände bei Hans ist gewiss ärgerlich und die Tatsache, dass er, wenn er sich gefasst hat, doch wieder nur dasselbe erfährt, nicht befriedigend.  Gut, dass er die Analyse fortsetzt.  Vielleicht wird doch das Wasserquantum erreicht, das den Stein höhlt.  Sie können kommen, wann Sie wollen.  Sie wisen, ich bin ziemlich frei in richtigen Ferien.  Ich schreibe emsig, finde es nicht leicht, meine Arbeitshemmung dürfte recht gut physiologisch begründet sein.  Ich ärgere mich auch jedesmal, wenn ich Worte auslasse oder entstelle.  Dergleichen gab es früher einmal nicht.

    Von den Vorlesungen ist die letzte, Weltanschauung, im Entwurf fertig, muss aber rein geschrieben werden,

  • S.

    die beiden ersten, Revision der Traumlehre, Traum u das Okkulte, sind in endgil¬tiger Fassung bei Seite gelegt.  An der schwierigen dritten, Zerlegung der Persönlichkeit, arbeite ich eben.  Als vierte ist in Aussicht, Angst und Triebleben.  Was dann noch folgt, ist derzeit recht nebelhaft, fest steht, dass ich in Poetzl nicht mit der Aufgabe zu Ende komme.  Heute ist grade die Hälfte unserer Sommerzeit um.  Es war bisher sehr schön.

    Dass Sie so gut arbeiten können, freut mich ungemein, aber verwechseln Sie gut nicht mit leicht.  Alles der Art ist schwer.

    Der Zufall hat Martin's Familie mit Oli u seiner Familie in Mallnitz zusammengebracht.

    Mit herzlichen Wünschen für Ihren schönen Sommer

    Ihr Freud