S.

Seit dem letzten Brief angelangt: Lond. 82 u. W. 83, Berlin 84.

Bud. 8. am 6.XII. 1920


 

Es wird Euch wohl alle interessieren, daß ich mich bereits so ziemlich erholte und die – allerdings nur 7stündige – Arbeit gut ertrage. Freitag, am 10. reise ich auf 4 Tage zu meiner Mutter5, die ihren 80. Geburtstag feiert. –

Ad B.: Abrahams Vorschlag (Briefwechsel dreimal im Monat, am 1., 11. u 21.) ist entschieden der beste der bisher angeregten.

Ad L.: Ich bin entschieden für das vom Prof. vorgeschlagene Disc.Thema (Telepathie). Die Erfahrungen hierüber machen sich immer auffälliger bemerkbar.6 Auch dürfen wir dieses Thema nicht anderen überlassen (wie wir es mit den Steinach’schen physiolog. Experimenten7 leider tun mußten)8.

Ich bin überzeugt, daß die Psychoanalyse das Kristallisationszentrum ei- ner neuen Weltanschauung bildet, das alle naturwissenschaftlichen und geisteswissenschaftlichen Gebiete zu einer Einheit zusammenfassen wird. Es ist gut, wenn die Vertreter der unverfälschten Psychoanalyse auf jedem Gebiete wenigstens die Direktiven für die Zukunft geben. Das vernachlässigte Gebiet der sog. »occulten« Phänomene dürfte eine ganze Reihe wichtiger Funde liefern, wenn es von den Ps.Analytikern bearbei- tet werden würde. Z. B. den experimentellen Nachweis der Realität des Unbewußten. 

ad Wien: Mit Dick noch nichts erledigt. Ich höre, er machte Dr. Levy einen brieflichen Vorschlag, den ich aber noch nicht sah.

Von wissenschaftlichen Nachrichten ist aus dem Verein eine ausge- zeichnete Analyse der Lagerlöff’schen »Herrenhofsage« von der Sokol- nicka zu melden.9 Als Sonderheft gut brauchbar. – Frau Klein hielt ges- tern einen guten kinder-pädagogischen Vortrag.10 Sie dürfte Anfangs Jänner in Berlin ankommen und an der Poliklinik arbeiten, womöglich bald auch etwas verdienen. Sie ist sehr verläßlich. – Ich bereite eine klei- ne Arbeit zur Frage der Synästhesien vor. Ich vermute, daß die Synästhe- sien bei jeder künstlerischen Produktion eine Rolle spielen.11 Wer kann mir dazu eine Bestätigung geben?

An Rank: Die Geldangelegenheit bitte ich im Sinne Landauers zu erledi- gen. Dank!

An Jones: Der Cheque ist angekommen, ist aber hier nicht auszahlbar. Bitte zahle das Geld in amerik. Valuta bei der americ. Re- lief-Administration, London, Grosvenor Gardens für Mrs. Elma Laurvik (americ. Rel.-Administration Member, Budapest IV, Vaczi utca 31) ein und bitte die Administr. es ihr zu senden. Vielen Dank für Deine Mühe! Deine Anweisung vernichte ich.

Herzlichste Grüße von Eurem

Ferenczi