Reik, Theodor (1919-514/1919): Protokoll der (XVIII. / 1.) Sitzung der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung am 2. November 1919. Theodor Reik: Ödipus und die Sphinx
S.
Sitzung am 2. November 1919.
Anwesend: Dr Nunberg, Dr Bernfeld, Dr Rank, Dr Nepallek, Dr Weiss,
Dr Ferenczi, Dr Sadger, Frau Dr Klein (als Gast), Dr Forsyth (als
Gast), Dr Winterstein, Dr Hitschmann, Prof. Dr Freud, Anna Freud
(als Gast), Dr Kaplan, Dr Fokschaner, Dr Schilder, Frau Dr Deutsch,
Frau Fokschaner, Dr Friedjung.
Prof. Freud begrüßt die Gäste. Spricht über Persönlichkeit Dr Tausks,
seinen edlen Charakter und seine Arbeit. Nächstes Mal Generalversammlung.
Dr Ferenczi zeigt seine zeitweilige Demission wegen der politischen Ver-
hältnisse in Budapest an. und Prof. Jones übernimmt Präsidium, hat
zu seinem Sekretär Dr Flügel bestellt. Nächstes
Dr Sadger kündigt an, daß er Kurs über jüdische Medizin für Pa hält.
Dr Hitschmann wird Ärztekurse ho über Pa halten.
Dr Rank berichtet über Pa Verlag und die Schwierigkeiten. Refere For-
dert zur Mitarbeiterschaft für Referate auf. Kündigt Herausgabe
einer engl. Zeitschrift an. „International Journal of Psychoanalysis“
Engl. Filiale des Verlags existiert.
Generalversammlung in 4 Wochen. Vortrag.
Dr Reik hält einen Vortrag: „Ödipus und die Sphinx“
Diskussion: Dr Ferenczi: sadistisch-masochistische Element ist nicht nur in
Familien.
Dr Bernfeld glaubt, griechischer Charakter in Sphinxfigur. Ägyptische Kunst-
werke. Vergriechlichung der Sage = Deutung der Griechen.
Dr Fokschaner: Sexualforschung des Kindes.
Dr Rank: mehr zu suchen. Zur Arbeit: Vielleicht war Sphinx ursprünglich doch
ein Mutteridol. Chrysippossage ist ist sekundär. Zu Sexualneugierde: Rätsel
ist sehr spät. Zorn des Kindes, daß es mit Sexualforschung erinnert zerschlägt.
Hitschman Dr Hitschmann: Umkehrung des Ödipus in Knabenzeitaltern.
Identifiziert sich mit Vater, kommt zum Vater zurück. Weist auf Literatur.
Dr Ferenczi: Vagina dentata. Darstellung der Vagina mit Angriffswaffen oft
vorkommend. Geht auf biologische Tatsache. Feindliche Elemente wirklich
im Sexualverkehr.
Prof Dr Hitschmann erzählt von Homosexuellen, der phantasiert, der Mann
erleide Schmerz bei Defloration.
Dr Nunberg erzählt einen ähnlichen Fall
Prof. Freud mahnt zur Vorsicht. Eindruck: Verschiebung des Akzents. Kern
hängt als Schale daran. Vorwurf: Monotonie. Im Neuen das Banale.