Zehnter Vortragsabend am 23. Dezember 1908. „Züchterisches Reformprogramm“ Prof. v. Ehrenfels aus Prag 1908-532/1908

Rank, Otto (1908-532/1908): Zehnter Vortragsabend am 23. Dezember 1908. „Züchterisches Reformprogramm“ Prof. v. Ehrenfels aus Prag

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    / Zehnter Vortragsabend
    am 23 Dez. 1908.



     

    Züchterisches Reformprogramm.


     

    Prof. v. Ehrenfels aus Prag.

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    Der Herr Vortragende bemerkt zunächst, daß der Titel nicht ganz ent-
    sprechend sei. Er habe nicht nur Vorschläge zu machen, die das
    Konstitutionelle, sondern auch das Kulturelle Leben sollen. Dieser
    von Freud hervorgehobene Gegensatz, müsse seiner Wichtigkeit
    wegen kurz präzisiert werden. Unter Konstitution verstehen wir die
    Merkmale eines Organismus, die er angeboren hat und die er durch
    physiologische Zeugung vererben kann. Alles andere gehört zum Kulturellen.
    Dieser Unterschied stammt eigentlich von Darwin und wurde dann
    von Weismann näher präzisiert.

    Das Wesentliche des Vorschlags selbst ist: Bekämpfung der Mono-
    gamie aus Konstitutionellen und aus Kulturellen Gründen (eine
    Würdigung der positiven Leistungen dieser Institution finde sich
    in der „Sexual-Ethik“).

    Der erste Teil des Vortrags sollte die negative Seite, das Schuld-
    buch der Monogamie auf konstitu. + kult. Gebiet vorführen.

    Der zweite Teil soll einen Reformvorschlag auf polygynen
    Grundlagen bieten und

    der drittedritte soll kurz den Weg weisen, um zu einer solchen Ordnung
    gelangen zu können. —

    ad I. Die konstitutionellen Schäden der Monogamie offenbaren sich,
    wenn man sich klar macht, was Auslese ist und was sie leistet. — Beim
    Kulturmenschen ist daraus eine Auslosung gemacht; bei ihm wird
    die scharfe Auslese gemildert durch Hu Humanität und Hygiene. Die sexuelle
    Auslese ist viel mehr eine virile durch die Monogamie. Und diese Mil-
    derung der Auslese findet sich gerade dort, wo die Veränderung der Le-
    bensbedingungen (Industrie etc.) ihre Verschärfung notwendig machen
    würde. Daraus ist ein starker konstitutioneller Niedergang zu erwarten.
    Dieser Gedankengang ist ein deduktiver. Er erhält aber seine induk-
    tive Bestätigung, wenn wir unsere kulturelle Entwicklung vergleichen
    mit der der Chinesen, einem älteren Kulturvolk, das in physio-
    logischer Beziehung eher fortgeschritten ist. Der Grund ihrer Konstit.

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    Überlegenheit sind ihre günstigen Ausleseverhältnisse. Diese
    wird schließlich auch, wenn an dem bisherigen Regime festgehalten
    wird, zur Aufreibung der weißen Rasse durch die gelbe führen.
    Im Zusammenhang mit ihrer Konstit. Überlegenheit steht ihr be-
    wußter Trieb nach Fortpflanzung. Ein anderer Grund ist ihre Vermeidung
    von Präventivmitteln, wodurch wir es zustande gebracht haben den
    vollen Genuß zu erreichen und den Zeugungseffekt zu verhindern. Der
    dritte Grund schließt an Wittels Ausführungen an: dass die Bekämpfung
    der Geschlechtskrankheiten so lange erfolglos bleiben müsse, so lange
    der Geschlechtsakt außer der Ehe sittlich geächtet sei. Die Aufhebung
    dieser moralischen Verurteilung sei aber momentan unmöglich, weil
    sich dann ein viel zu geringer Teil fortpflanzen würde. Ein Untergehen
    in Hetärentum wäre die Folge. So ist also der bewußte Trieb nach Fort-
    pflanzung die Vorbedingung für die Bekämpfung der Geschlechtskrank-
    heiten. Das Streben nach Fortpflanzung wird aber durch die Monogamie
    im Grunde erstickt.

    Ein weiterer Schaden der Monogamie ist, dass sie nicht nur die
    Auslese herabmildert und auch die Minderwertigen zur Fortpflan-
    zung zulässt, sondern dass sie eine Kontraselektion herbeiführt.
    Eine weitere Schädigung ist die rein sanitäre, die durch die Einschrän-
    kung des sexuellen Lebens überhaupt herbeigeführt wird.

    Auch die kulturellen Schäden der Monogamie seien nicht
    gering. Vor allem seien die wirtschaftlichen Kräfte der Frau brach gelegt.
    Dann ist die Monogamie die Ursache der „doppelten Moral“. 3. verlangt
    die Monogamie die Festsetzung erblicher Familien-Privilegien.
    Die Monog. legt jedem die Pflicht auf (nicht nur den Wunsch) da-
    für zu sorgen, dass seine Nachkommen in derselben bevorzugten
    Stellung weiterleben können. Dieses Prinzip sei ungerecht, denn
    es seien nicht immer wertvolle Qualitäten, die den Betreffenden
    so hoch hinaufbrachten u. die sich weitervererben.

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    Es erhebe sich nun die Frage: wie macht man es besser. Dass
    die wertvollsten Menschen auch die höhere Macht und den Reichtum be-
    sitzen. Die einzige vorläufige Möglichkeit einer Opposition da-
    gegen liegt in der Forderung nach sozialem Nivellismus.
    Diese ganz unsinnige Forderung, die mit der Tatsache der Un-
    gleichheit der Menschen nicht rechnet, erscheint uns in ide-
    alem verklärten Licht. So sehen wir in unserem sozialen
    Leben diese beiden Gegensätze, aber das gesunde Prinzip, die Ver-
    teilung von Macht und Gut an die Befähigsten, das meritokratische
    Prinzip, wird zwischen beiden zerrieben. Es fehlt die enge
    Assoziation der intellektuellen Arbeiter, die bewussten Vertreter des merit. Prinzips die noch nicht zum
    Bewusstsein des Rechtes ihrer Forderungen gekommen sind.
    Dasselbe sehen wir auf dem Gebiet des politischen Machtkampfes.
    In unser Vertrauen gehören eigentlich auch die Intellektuellen. —

    Zum Schluss möchte ich hervorheben: wir müssen zu einer anderen
    sexuellen Verfassung übergehen, nicht nur getrieben durch
    die konstitutionelle Notwendigkeit, sondern auch wenn wir zu
    einer höheren und dabei dauernden Kultur uns aufschwingen
    wollen. So weit die Kritik.

    ad II lautet nun die Frage: wie hätten wir uns eine soziale
    Verfassung zu denken, die diese Forderungen erfüllen würde.
    Vor allem die ihre sexuelle Grundlage. Da muss man sich klar ma-
    chen, dass die Schäden der Monogamie im wesentlichen ver-
    knüpft sind mit dem Prinzip der Lebensgemeinschaft zwischen
    Mann und Frau und den Kindern. Dieses Prinzip muss aber aufgehoben
    werden. — Die Frauen aber müssten sich dann untereinander asso-
    ziieren zur Sicherung ihrer familiären und wirtschaftlichen
    Aufgaben. Zur Erhaltung dieser Assoziationen sind die Männer
    verpflichtet, die mit den Frauen verkehren, von denen sie Kinder ha-
    ben. Damit wäre aber eine ersprießliche Grundlage für die Auslese
    noch nicht gegeben, denn es bedürfen dann die Reichsten die

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    meisten Chancen zur Fortpflanzung. Es müssten die präsumtiven
    Leistungen maßgebend werden und ein Mittel um schon in jungen
    Jahren eine derartige Auswahl zu treffen wäre die Auslese in der
    Schule, hervorgegangen durch eine Vereinigung der Lehrer- und Mit-
    schülervotums. Es handelt sich nicht um die Züchtung von Genies
    sondern um Keime, die etwas Überragendes herauszufinden durch
    dieses Selbstfichtertun, das dann weiter ausgebildet und auch im
    späteren Leben festgehalten werden müsste durch Bildung von
    ähnlich organisierten Berufsgenossenschaften etc.

    ad III sei noch die Hauptfrage zu beantworten, wie man dahin
    gelangen könne. Es könne biologisch und moralisch gerechtfertigt werden,
    wenn ein Mann mit mehreren Frauen verkehre, aber nicht das Umge-
    kehrte. Der einzige Weg um von unserer Eheform zu der wünschenswer-
    testen Organisation zu gelangen sei der Abschluss eines sexuellen
    Vertrags mit einer einseitigen Bindung; die Gegenleistung des
    Mannes ist die Verpflichtung zur materiellen Erhaltung der Kinder.
    Da eine gesetzliche Approbation dieses Verhältnisses nicht durchsetzbar
    sei, müsse es fürs als eheähnliches Verhältnis nicht legal gesetzt werden. Da
    würde sich aber zeigen, dass die Frau der einzige leidende Teil ist,
    der allein so vielen Kampf zu bestehen hätte. Es bleibt also nichts
    übrig als legal zu heiraten mit dem Zusatzvertrag als Zusatz, dem
    dem Mann das Recht gewahrt bleibt, unter günstigen Auspizien
    Kinder mit anderen Frauen in die Welt zu setzen. — Auch müsste die
    Frau im Hause der Eltern bleiben. — Es erhebt sich aber der Ein-
    wand, dass, um sich so ausleben zu können, Geld nötig ist. Es
    könnte also nur wenige diesen Weg geben. Was aber sollten die an-
    dern machen? Denen könnte man nur raten ihren sexuellen
    Trieb auf sexuellem Gebiete auszuleben: sie sollten ab-
    stinieren aber unter Protest (Freud). Ein solches kulturelles Ab-
    reagieren wäre zunächst unter Schulwesen möglich etc. —
    Alles das könnte man jetzt schon in Angriff nehmen; früh in der

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    bezeichneten Weise heiraten, Einführung des Selbstfichtertums in
    der Schule und die Assoziierung der Intellektuellen als einer be-
    wussten solidaren Gruppe. —

    Ich sage nicht: es wird so kommen. Wir sind vielleicht durch
    unsere human-christliche Auffassung zu sehr verweichlicht. Aber
    ich sehe keinen andern Weg, um dem sicheren Untergang im
    Kulturkampf mit der mongolischen Rasse zu entgehen.

    Diskussion.

    Adler versucht zunächst die Stellung dieser Vorschläge im Rahmen
    der Wissenschaft zu charakterisieren. Sie scheinen ihm die
    Ergebnisse eines idealistischen Philosophen, eines Mannes, der
    auf spekulative Weise herangeht, Vorschläge zu unterbreiten, von denen
    er meine, dass sie verschiedene Missstände beheben würden.

    Besondere Besprechung verdiene das Hinweggehen über die Be-
    deutung der nivellistischen Weltanschauung. Es liege gar nicht
    die Tendenz zu einer allgemeinen Nivellierung in so umfangreichem
    Sinne. Angestrebt werde nur die durch die Marxische Doktrin ge-
    forderte Umgestaltung der Verhältnisse, aber nicht auf Grund einer
    Idee sondern im Hinblick auf Hinblick auf die Wirklichkeit;
    die Erreichung des gleichen Rechtes für alle. Die sexuelle Sklaverei,
    die den Ausgang der Erwägungen gebildet hat, würde ein er-
    trägliches Maß erreichen, wenn diese Doktrin sich als richtig erweist
    und wenn wir zu einer Einschränkung der kapitalistischen Wirt-
    schaftsweise gelangen. —

    Ein nur zwischen den Zeilen angedeuteter Punkt verdient
    stärkere Hervorhebung. Die Sicherung des Erbrechts und die Er-
    haltung der Familie würde in Zusammenhang gebracht mit der
    Abneigung sich herabsetzen zu lassen. Das scheint eine not-
    wendige Begleiterscheinung der Kultur zu sein. In einem
    für die nächste Zeit angekündigten Vortrag über die Psychologie

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    des Klassenkampfes, komme er zu dem Ergebnis, dass der Antrieb, der
    hinter ihm steckt, die gleiche Furcht vor Degradierung sei, die das
    Erbrecht aufrechterhalte. Von diesem Standpunkt aus könne man
    zweierlei folgern: 1. dass diese Nivellierungstendenz durch die
    Furcht vor Degradierung erzwungen wird, und 2. dass dieselbe Kultur,
    diese diese Furcht in den Bevorzugten erzeugt hat, die gleiche Furcht
    auch in der Frau erzeugt. Und es könnte nur auf dem Wege der Gewalt
    gelingen, der Frau eine noch ungünstigere Stellung anzuweisen als
    sie bereits hat. — Diese Furcht, die auch die Emanzipationsbestre-
    bungen der Frau lenkt, hängt mit organischen Bedingungen zu-
    sammen und wird getragen durch die rapide technische Entwicklung.

    Rau erhebt den Einwand, dass beim Züchtungsprinzip der Vergleich
    zwischen Kulturmensch und Tier nicht ohne weiteres angewendet
    werden könne. Das Wort von der Auslese gelte nur für den Menschen
    im Urzustand. — Wenn man die Monogamie für die Herabsetzung
    der Fortpflanzungsmöglichkeit verantwortlich mache, sei zu be-
    denken, ob es sich dabei nicht um ein Hysteron-proteron
    handle; ob sie nicht in dieser Beziehung regulatorisch wirken sollte.

    Ein ähnlicher Einwand müsse bezüglich der Privilegien erhoben
    werden. — Die einseitige Bindung halte er für ungerecht.

    Sadger erhebt nach einzelnen kritischen Bemerkungen das
    Bedenken, ob das vorgeschlagene Verhältnis zwischen Mann und Frau
    durchführbar sei: Was den Mann zur Eheschließung verleite sei
    eben häufig gerade die Lebensgemeinschaft mit der Frau.

    Es sei hinter der ganzen Auffassung eine persönliche Note
    zu vermuten, wahrscheinlich die Unzufriedenheit darüber wie der
    V. mit seiner eigenen Sexualität fertiggeworden sei: das Ganze
    scheine ihm eine sexuelle Pubertäts-Phantasie zu sein.

    Federn meint, dass die Gefahren einer so willkürlichen Auslese, wie
    der durch das Selbstfichtertum vorgeschlagenen, größer wären als
    die der natürlichen, die stets trotz aller Milderungen und Schranken
    doch immer lebenskräftig durchsetze.

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    Wittels fühlt sich als Antipode der vorgetragenen Ansichten. Als
    das wichtigste für seinen Standpunkt könne er die Ehrlich-Er-
    klärung der Geschlechtskrankheiten hervorheben. Einzuwenden
    wäre, dass der Mann, der 365 Kinder im Jahr in die Welt setzen könne,
    während die Frau nur eines gebären kann, das Recht haben sollte viele
    Frauen zu lieben, während die Frau mit ihrem unbegrenzten
    Lustvermögen, das mehrere Männer erfordert, auf einen einzigen
    angewiesen sein soll. Was soll aus diesen nur als Brutmaschinen
    geltenden Frauen werden? Die Menschen sind auch in jedem Sinne
    mehr auf ihren Lustgewinn bedacht, als auf die Gefahren der
    Mongolisierung. — Und auch die Frauen würden sich einer solchen
    Reform aus vielen Gründen widersetzen. Zwänge man sie aber, dann
    hätten die Männer unter diesem Zwange mehr zu leiden, weil sich
    die Frauen durch die Hysterie rächen würden.

    Urbantschitsch fasst seinen ersten Eindruck dahin zusammen,
    dass er glaube, es werde doch nie zu einer solchen Reform kommen;
    am Kommen können dazu in unserer Kultur in jeder Beziehung
    zu konträr.

    Hitschmann würde demgegenüber nicht sofort eine Unmöglichkeit
    der Realisierung anerkennen. Zu bezweifeln sei nur, dass dieses
    Evangelium eine genügend große, tragfähige Anhänger-
    schaft finden werde. — Auch sei zu bedenken ob unsere Kultur
    nicht doch manches leisten könnte, was den Untergang einer
    Rasse aufhalten könnte. Abgesehen also davon, dass der Sieg der
    Mongolen sehr fraglich sei, könne es kein so großes Unglück
    darin erblickt werden, wenn sie die Welt beherrschen. Das
    müsste ja nicht durch Gewalt und Ausrottung sondern könnte
    ganz allmählich durch Assimilation erfolgen.

    Unangenehm falle die Nichtbeachtung der Frauen als Mensch und Wohl-
    auf; das ganze sei eine Männer-Philosophie. — Auch die Familie, auf
    die da verzichtet werden soll ist organisch entstanden und hat

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    einen tiefen Sinn. — Auch wäre diese rein weibliche Erziehung
    den Kindern abträglich. Auch das Selbstfichtertum in der
    Schule wäre mit Rücksicht auf die spätere Veränderung
    der Individuen im Leben nicht verlässlich.

    Rie möchte einige Fragen zur Präzisierung in der Diskussion
    stellen. Ob die Mongolen mit unserer Kultur nicht auch
    unsere Degenerationsmöglichkeiten übernähmen? & dass
    die Gefahr in 400 Jahren nicht mehr so groß wäre? — Dann habe
    er die Schlussfolgerung vermisst: die gründliche Änderung des
    Ehegesetzes.

    Professor Freud hebt schließlich eine Schwierigkeit hervor, die nur
    von Hitschmann gestreift wurde. Es ist nämlich in der An-
    knüpfung an die Gegenwart zu wenig Rücksicht genommen
    auf das Gefühlsleben oder die Verteilung der Libido in un-
    serer Gesellschaft, die auf sublimierte homosexuelle Gefühle ge-
    stellt sei. Diese Libido-Verteilung hätten wir erworben und sie
    werde durch die Kinder-Eindrücke fortwährend vererbt, so dass
    kaum möglich sein werde, dagegen etwas auszurichten.

    Professor Ehrenfels dankt zunächst für die Einwendungen, die er
    gesucht habe und stellt dann fest, dass fast mit Einstimmig-
    keit eingewendet wurde: es sei nicht möglich. So weit die
    Einwendungen nur des Sagen-wollen, habe er nichts darauf zu
    erwidern. Dann wird eben die andere Konsequenz eintreten.
    Er wende sich nun Einzelheiten zu gegen die manches zu bemerken
    wäre. —

    So meine er nicht, dass wir aus Angst vor dem Mongolentum
    unser ganzes bisheriges Regime ändern sollten; sondern — und
    hier komme er auf die persönliche Grundlage zu sprechen —
    sondern aus innerem Bedürfnis der Männer heraus, sich aus-
    zuleben, ein Bedürfnis, dass er selbst auch hätte und mit
    dem er sich in vollkommenstem Gegensatz zu unserer Moral

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    gesehen hat. Und sein Vorschlag sei erwachsen als er sich klar
    geworden sei darüber, dass nicht er die Triebe zu unterdrücken
    habe, sondern dass die ganze Moral eine Verirrung sei. Und seine
    Hoffnungen dabei stützen sich auf die in andern Männern ebenso
    wirksamen Triebe.

    Prof. Freud bringt schließlich noch die Einwendung, dass seiner Meinung
    nach das Familienleben die Basis des Fortpflanzungsstrebens sei;
    mit Aufhebung des Familienlebens müsse auch dieses erlöschen.
    Aus Liebesbindung des Vaters kann im Sohn der Wunsch nach Nach-
    kommen entstehen; fällt mit dem Vater fällt auch dieser
    Wunsch weg.


     

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