Ergebnisse, Ideen, Probleme.London Juni [Notizen Juni -September 1938] 1938-111/1938

Freud, Sigmund (1938-111/1938): Ergebnisse, Ideen, Probleme.London Juni [Notizen Juni -September 1938]

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  • S.

    Ergebnisse, Ideen, Probleme. London Juni

    16/6 Interessant daß von frühen Erlebnißen,
    im Gegensatz zu später, alle verschiedenen
    Reaktionen sich erhalten, natürlich auch
    gegensätzliche. Anstatt der Entscheidung,
    die später der Erfolg wäre. Erklärung:
    Schwäches der Synthese, Erhaltung des Char-
    akters der Primärvorgänge.
    Beispiel: Dorothy in erster Verliebtheit mit James
    den Gärtner
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    24/6 Die einzige Anlehnung an die Graphologie,
    1909, 53 J alt in New York trat plötzlich bei
    mir Prostataschwellung mit unpulsirend.
    Harndrang auf; gleichzeitig was mir völlig
    neu war, ein Schreibkrampf, der nach
    Wochen (oder Monaten?) verschwand. Gegen-
    wartig bei neuem stärkeren Anfall
    derselben Affektion bemerke ich die
    ganz auffällige Verschlechterung und Er-
    schwerung meiner Handschrift. Die alte
    Harnsymbolik des Schreibens setzt sich durch.
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    12/7 In Ersatz des Penisneides Identifizierung mit
    Klitoris, schönster Ausdruck der Minderwer-
    tigkeit, Quelle aller Hemmungen. Dabei – bei
    Dorothy Verleugnung der Entdeckung, daß
    auch die anderen Frauen keinen Penis haben.

    -Haben und Sein beim Kind. Das Kind drückt
    die Objektbeziehung gern durch die Identifizierg aus:
    ich bin das Objekt. Das Haben ist die
    spätere, fällt nach Objektverlust ins Sein
    zurück. Muster: Brust. Die Brust ist ein
    Stück von mir, ich bin die Brust. Später
    nur: ich habe sie, dh ich bin sie nicht usw
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    12/7 Beim Neurotiker ist man wie in einer
    praehistorischen Landschaft zB im Jura. Die
    grossen Saurier thum̄eln sich noch herum
    u die Schachtelhalme sind palmenhoch (?)
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    20/7 Die Annahme von Erspuren im Es ändert
    sozusagen unsere Ansichten darüber
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    20/7 Dass das Individuum an seinen in̄eren Konflikten
    zu Grunde geht, die Art im Kampf mit Außen-
    welt, an die sie nicht mehr angepaßt ist,
    verdient Aufnahme im Moses.
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    3/8 Schuldbw entsteht auch aus unbefriedigter Liebe.
    Wie Haß. Wirklich haben wir aus diesem
    Stoff alles mögliche herstellen müßen wie
    die autarken Staaten in ihren “Ersatz-
    produkten”.

     

    [Editorische Anmerkung CD zu 20/7:
    Siehe auch Abriß der psychoanalyse, 2. Kapitel, drittletzter Absatz.]

  • S.

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    3/8 Letzter Grund aller intellekt. 
    u Arbeitshem̄scheint die Hem̄ung der kindl Onanie zu sein.
    Aber vielleicht geht es tiefer, nicht deren
    Hem̄ung durch äußere Einflüße, sondern
    deren unbefriedigende Natur an sich. Es
    fehlt im̄er etwas zur vollen Entlastung und
    Befriedigg – en attendant toujours quelque
    chose qui ne venait point – und dieses
    fehlende Stück, die Reaktion des Orgasmus,
    äußert sich in Aequivalenten auf anderen
    Gebieten, Absencen, Ausbrüchen von Lachen,
    Weinen (Anna), u vielleicht anderem. –
    Die infantile Sexualität hat hier wieder
    einmal ein Vorbild fixirt.
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    22/8 Räumlichkeit mag die Projektion der Aus-
    dehnung des Y Apparats sein. Keine andere
    Ableitung wahrscheinlich. Anstatt Kant's
    a priori Bedingungen unseres YApparats.
    Psyche ist ausgedehnt, weiß nichts davon.
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    22/8 Für Ursprung des Eros – Moglichkeit, daß
    mit Entstehung des Lebenden gleichzeitig
    Zerfall in m u f Substanz geschah, die sich
    wie Plato vermutet, seither vereinigen
    wollen. Obwohl nicht alles dazu stim̄t.
    Ursprung von Eros u Tod wäre also der geleiche.
    Aber woher die Gleichzeitigkeit der beiden
    Ereigniße?
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    22/8 Mystik die dunkle Selbstwahrnehmung
    des Reiches ausserhalb des Ichs, des Es.
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