-
S.
[Briefkopf VI Berlin] 19. 10. 25
Lieber Herr Professor,
Soeben traf Ihr Brief ein. Wahrscheinlich wissen Sie inzwischen aus dem Rundbrief, daß es mir sehr viel besser geht. Der Prozeß in der Lunge scheint nun auszuheilen; das erste Mal im Juni war die Infektion nicht genügend überwunden. Die sehr unangenehme Zugabe der Gallenkoliken hat sich auch verflüchtigt, und nach der letzten Untersuchung hat sich die Leberschwellung zurückgebildet. Ich brauche jetzt noch Schonung und werde wohl gegen Ende des Monats die Arbeit wieder aufnehmen – vorausgesetzt, daß keine Zwischenfälle mehr kommen.
Es tut mir so leid zu hören, daß Sie immer mit gewissen Beschwerden behaftet sind. Soweit ich weiß, handelt es sich um störende Sekretionserscheinungen, und ich habe mir schon überlegt, ob da nicht ein Aufenthalt in einem ganz trocknen Klima Nutzen bringen könnte. Nur weiß ich nicht, ob Sie noch immer in der Nähe Ihres Chirurgen sein müssen. Vielleicht interessiert es Sie zu hören, daß Fließ, der von Ihrer Erkrankung vor zwei Jah- ren wußte, sich bei mir wiederholt mit sehr warmer Teilnahme -
S.
nach Ihrem Ergehen erkundigte. Was mich betrifft, muß ich auch hier noch einmal sagen, daß ich ihm zum allergrößten Dank verpflichtet bin.
Ihren Wink betreffend eine Stelle in meinem Hochstapler-Manuskript akzeptiere ich gern. Ich habe ja das Ausbleiben der Ichideal-Bildung an einer andern Stelle selbst erwähnt, und brauche es nur an der von Ihnen erwähnten etwas mehr zu präzisieren. Was die Publikation betrifft, so hatte Radó das Ms. schon für Nr. 1 der Zeitschrift angenommen. Ich hörte von Sachs, daß Imago Materialmangel habe und erklärte mich mit der Veröffentlichung dort eventuell einverstanden. Dann war Storfer hier und klagte Radó gegenüber, daß das nächste Heft Imago nicht erscheinen könne, weil es nicht zu komplettieren sei. Da gab ihm R. das Manuskript, und ich glaube, es ist bereits im Druck. Wenn ich es jetzt zurückziehe, rufe ich eine Verlegenheit hervor, weiß also nicht, was ich tun soll. Unter diesen Umständen würde ich die Entscheidung gern in Ihre Hände legen. Vielleicht würde Fräulein Anna die Sache mit Storfer telephonisch besprechen, und es findet sich vielleicht ein Ausweg. Ich wäre dafür sehr dankbar. Mir ist natürlich das Erscheinen in der Zeitschrift vollkommen recht.
Mit herzlichsten Grüßen von Haus zu Haus
Ihr Abraham
Bismarckallee 14
Berlin – Grunewald 14193
Germany
Berggasse 19
Wien 1090
Austria
C15F8