S.
[Briefkopf III Berlin] 6. IV. 20 Leipzig
Lieber Herr Professor,
Nur mit größtem Widerstreben fügten wir uns den Schwierigkeiten, die wir in so kurzer Zeit nicht überwinden konnten, alle schöne Menschlichkeit unsres österreichischen Konsuls in Berlin vermochte uns nicht zu helfen. Jetzt, nach den Feiertagen, würden wir ja Jones und Ferenczi nicht mehr antreffen, und außerdem verbietet wie Abraham so auch mir die Arbeit gerade jetzt eine längere Unterbrechung.
Sehr gern hätte ich den Auftrag Ernsts ausgeführt, zu seinem „wie immer zu kurz geratenen Brief“ über seine Verlobung einen längeren mündlichen Kommentar zu liefern. Die junge Dame, die wiederholt schon bei uns gewesen ist, hat auf mich und auf meine Frau gleich vom ersten Male einen überaus günstigen Eindruck gemacht, den eines feinen und klugen und zu Ernst sehr gut passenden Menschen. In ihrem ganzen sympathischen Wesen verrät sich ihre anscheinend sehr gute Herkunft. Die Photographie, die ich überbringen sollte, dürfte inzwischen wohl auch bald in Ihren Händen sein.
Alle Meinigen gratulieren herzlichst und wünschen Ernst viel Glück, Ihnen und Ihrer Familie viel Freude an den jungen Leuten. –
Oliver werde ich erst nach meiner Rückkehr nach Berlin Positiveres über seine Berliner Aussichten berichten können; Hirsch1 versprach mir, inzwischen alle Möglichkeiten noch einmal genau zu prüfen, seit Weihnachten, resp. Februar, haben sich die Verhältnisse sehr verschlechtert.
Wann dürfen wir Fraua Professor in Deutschland erwarten?2
Mit mir grüßen alle Unsrigen Sie und Ihre Familie herzlichst
Ihr M. Eitingon.
a Nachträglich eingefügt.