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    ANALYSE DER PHOBIE
    EINES FÜNFJÄHRIGEN KNABEN

    (1909)

    I) Einleitung

    Die auf den folgenden Blättern darzustellende Kranken-
    und Heilungsgeschichte eines sehr jugendlichen Patienten
    entstammt, streng genommen, nicht meiner Beobachtung. Ich
    habe zwar den Plan der Behandlung im ganzen geleitet und
    auch ein einziges Mal in einem Gespräche mit dem Kna-
    ben persönlich eingegriffen; die Behandlung selbst hat aber
    der Vater des Kleinen durchgeführt, dem ich für die
    Überlassung seiner Notizen zum Zwecke der Veröffent-
    lichung zu ernstem Danke verpflichtet bin. Das Verdienst
    des Vaters reicht aber weiter; ich meine, es wäre einer
    anderen Person überhaupt nicht gelungen, das Kind zu
    solchen Bekenntnissen zu bewegen; die Sachkenntnis, ver-
    möge welcher der Vater die Äußerungen seines 5 jährigen
    Sohnes zu deuten verstand, hätte sich nicht ersetzen lassen,
    die technischen Schwierigkeiten einer Psychoanalyse in so
    zartem Alter wären unüberwindbar geblieben. Nur die Ver-
    einigung der väterlichen und der ärztlichen Autorität in
    einer Person, das Zusammentreffen des zärtlichen Interesses
    mit dem wissenschaftlichen bei derselben, haben es in
    diesem einen Falle ermöglicht, von der Methode eine An-
    wendung zu machen, zu welcher sie sonst ungeeignet ge-
    wesen wäre.

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    Der besondere Wert dieser Beobachtung ruht aber in
    folgendem: Der Arzt, der einen erwachsenen Nervösen
    psychoanalytisch behandelt, gelangt durch seine Arbeit des
    schichtweisen Aufdeckens psychischer Bildungen schließ-
    lich zu gewissen Annahmen über die infantile Sexualität,
    in deren Komponenten er die Triebkräfte aller neurotischen
    Symptome des späteren Lebens gefunden zu haben glaubt.
    Ich habe diese Annahmen in meinen 1905 veröffentlichten
    „Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie“ dargelegt; ich
    weiß, daß sie dem Fernerstehenden ebenso befremdend er-
    scheinen wie dem Psychoanalytiker unabweisbar. Aber auch
    der Psychoanalytiker darf sich den Wunsch nach einem
    direkteren, auf kürzerem Wege gewonnenen Beweise jener
    fundamentalen Sätze eingestehen. Sollte es denn unmög-
    lich sein, unmittelbar am Kinde in aller Lebensfrische jene
    sexuellen Regungen und Wunschbildungen zu erfahren, die
    wir beim Gealterten mit soviel Mühe aus ihren Verschüt-
    tungen ausgraben, von denen wir noch überdies behaupten,
    daß sie konstitutionelles Gemeingut aller Menschen sind
    und sich beim Neurotiker nur verstärkt oder verzerrt
    zeigen?

    In solcher Absicht pflege ich meine Schüler und Freunde
    seit Jahren anzueifern, daß sie Beobachtungen über das
    zumeist geschickt übersehene oder absichtlich verleugnete
    Sexualleben der Kinder sammeln mögen. Unter dem Ma-
    terial, welches infolge dieser Aufforderung in meine Hände
    gelangte, nahmen die fortlaufenden Nachrichten über den
    kleinen Hans bald eine hervorragende Stelle ein. Seine
    Eltern, die beide zu meinen nächsten Anhängern gehörten,
    waren übereingekommen, ihr erstes Kind mit nicht mehr
    Zwang zu erziehen, als zur Erhaltung guter Sitte unbedingt
    erforderlich werden sollte, und da das Kind sich zu einem
    heiteren, gutartigen und aufgeweckten Buben entwickelte,

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    144

    nahm der Versuch, ihn ohne Einschüchterung aufwachsen
    und sich äußern zu lassen, seinen guten Fortgang. Ich gebe
    nun die Aufzeichnungen des Vaters über den kleinen Hans
    wieder, wie sie mir zugetragen wurden, und werde mich
    selbstverständlich jedes Versuches enthalten, Naivität und
    Aufrichtigkeit der Kinderstube durch konventionelle Ent-
    stellungen zu stören.

    Die ersten Mitteilungen über Hans datieren aus der Zeit,
    da er noch nicht ganz drei Jahre alt war. Er äußerte da-
    mals durch verschiedene Reden und Fragen ein ganz be-
    sonders lebhaftes Interesse für den Teil seines Körpers,
    den er als „Wiwimacher“ zu bezeichnen gewohnt war. So
    richtete er einmal an seine Mutter die Frage:

    Hans: „Mama, hast du auch einen Wiwimacher?“
    Mama: „Selbstverständlich. Weshalb?“
    Hans: „Ich hab’ nur gedacht.“

    Im gleichen Alter kommt er einmal in einen Stall und
    sieht, wie eine Kuh gemolken wird. „Schau, aus dem Wiwi-
    macher kommt Milch.“

    Schon diese ersten Beobachtungen machen die Erwartung
    rege, daß vieles, wenn nicht das meiste, was uns der kleine
    Hans zeigt, sich als typisch für die Sexualentwicklung des
    Kindes herausstellen wird. Ich habe einmal ausgeführt,1)
    daß man nicht zu sehr entsetzt zu sein braucht, wenn man
    bei einem weiblichen Wesen die Vorstellung vom Saugen
    am männlichen Gliede findet. Diese anstößige Regung habe
    eine sehr harmlose Abkunft, da sie sich vom Saugen an der
    Mutterbrust ableitet, wobei das Euter der Kuh – seiner
    Natur nach eine Mamma, seiner Gestalt und Lage nach ein
    Penis – eine passende Vermittlung übernimmt. Die Ent-

    1)Bruchstück einer Hysterieanalyse, 1905. (In diesem Band
    S. 5 u. ff.)

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    deckung des kleinen Hans bestätigt den letzten Teil meiner
    Aufstellung.

    Sein Interesse für den Wiwimacher ist indes kein bloß
    theoretisches; wie zu vermuten stand, reizt es ihn auch zu
    Berührungen des Gliedes. Im Alter von 31/2 Jahren wird
    er von der Mutter, die Hand am Penis, betroffen. Diese
    droht: „Wenn du das machst, lass’ ich den Dr. A. kommen,
    der schneidet dir den Wiwimacher ab. Womit wirst du
    dann Wiwi machen?“

    Hans: „Mit dem Popo.“

    Er antwortet noch ohne Schuldbewußtsein, aber er er-
    wirbt bei diesem Anlasse den „Kastrationskomplex“, den
    man in den Analysen der Neurotiker so oft erschließen
    muß, während sie sich sämtlich gegen die Anerkennung
    desselben heftig sträuben. Über die Bedeutung dieses Ele-
    ments der Kindergeschichte wäre viel Wichtiges zu sagen.
    Der „Kastrationskomplex“ hat im Mythos (und zwar nicht
    nur im griechischen) auffällige Spuren hinterlassen; ich habe
    seine Rolle in einer Stelle der „Traumdeutung“ (Ges. Schrif-
    ten, Bd. II, S. 536) und noch anderwärts gestreift.2)

    Etwa im gleichen Alter (31/2 Jahre) ruft er in Schönbrunn

    2)[Zusatz 1923:] Die Lehre vom Kastrationskomplex hat seit-
    her durch die Beiträge von Lou Andreas, A. Stärcke,
    F. Alexander u. a. einen weiteren Ausbau erfahren. Man hat
    geltend gemacht, daß der Säugling schon das jedesmalige Zurück-
    ziehen der Mutterbrust als Kastration, d. h. als Verlust eines be-
    deutsamen, zu seinem Besitz gerechneten Körperteils empfinden
    mußte, daß er die regelmäßige Abgabe des Stuhlgangs nicht anders
    werten kann, ja, daß der Geburtsakt als Trennung von der Mut-
    ter, mit der man bis dahin eins war, das Urbild jeder Kastration
    ist. Unter Anerkennung all dieser Wurzeln des Komplexes habe
    ich doch die Forderung aufgestellt, daß der Name Kastrations-
    komplex auf die Erregungen und Wirkungen zu beschränken sei,
    die mit dem Verlust des Penis verknüpft sind. Wer sich in den
    Analysen Erwachsener von der Unausbleiblichkeit des Kastrations-
    komplexes überzeugt hat, wird es natürlich schwierig finden, ihn

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    vor dem Löwenkäfig freudig erregt aus: „Ich hab’ den
    Wiwimacher vom Löwen gesehen.“

    Die Tiere verdanken ein gutes Stück der Bedeutung, die
    sie im Mythus und im Märchen haben, der Offenheit, mit
    der sie dem kleinen, wißbegierigen Menschenkinde ihre
    Genitalien und ihre sexuellen Funktionen zeigen. Die sexuelle
    Neugierde unseres Hans leidet wohl keinen Zweifel, aber
    sie macht ihn auch zum Forscher, gestattet ihm richtige be-
    griffliche Erkenntnisse.

    Er sieht auf dem Bahnhofe, ¾ Jahre alt, wie aus einer
    Lokomotive Wasser ausgelassen wird. „Schau, die Lokomo-
    tive macht Wiwi. Wo hat sie denn den Wiwimacher?“

    Nach einer Weile setzt er nachdenklich hinzu: „Ein Hund
    und ein Pferd hat einen Wiwimacher; ein Tisch und ein
    Sessel nicht.“ So hat er ein wesentliches Kennzeichen für
    die Unterscheidung des Lebenden vom Leblosen gewonnen.

    Wißbegierde und sexuelle Neugierde scheinen untrennbar
    voneinander zu sein. Hans’ Neugierde erstreckt sich ganz
    besonders auf die Eltern.

    Hans, ¾ Jahre: „Papa, hast du auch einen Wiwimacher?“
    Vater: „Ja, natürlich.“

    Hans: „Aber ich hab’ ihn nie gesehen, wenn du dich ausgezogen
    hast.“


    Ein andermal sieht er gespannt zu, wie sich die Mama
    vor dem Schlafengehen entkleidet. Diese fragt: „Was
    schaust du denn so?“


    auf eine zufällige und doch nicht so allgemein vorkommende An-
    drohung zurückzuführen, und wird annehmen müssen, daß das
    Kind sich diese Gefahr auf die leisesten Andeutungen hin, an
    denen es ja niemals fehlt, konstruiert. Dies ist ja auch das Motiv,
    das den Anstoß gegeben hat, nach den allgemein vorfindlichen
    tieferen Wurzeln des Komplexes zu suchen. Um so wertvoller wird
    es aber, daß im Falle des kleinen Hans die Kastrationsandrohung
    von den Eltern berichtet wird, und zwar aus einer Zeit, da seine
    Phobie noch nicht in Frage kam.

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    147

    Hans: „Ich schau’ nur, ob du auch einen Wiwimacher
    hast?“

    Mama: „Natürlich. Hast du denn das nicht gewußt?“

    Hans: „Nein, ich hab’ gedacht, weil du so groß bist, hast
    du einen Wiwimacher wie ein Pferd.“

    Wir wollen uns diese Erwartung des kleinen Hans mer-
    ken; sie wird später zu Bedeutung kommen.

    Das große Ereignis in Hansens Leben ist aber die Geburt
    seiner kleinen Schwester Hanna, als er genau 31/2 Jahre alt
    war (April 1903 bis Oktober 1906). Sein Benehmen bei
    diesem Anlasse wurde vom Vater unmittelbar notiert:
    „Früh um 5 Uhr, mit dem Beginne der Wehen, wird Hans’
    Bett ins Nebenzimmer gebracht; hier erwacht er um 7 Uhr
    und hört das Stöhnen der Gebärenden, worauf er fragt:
    „Was hustet denn die Mama?“ – Nach einer Pause: „Heut
    kommt gewiß der Storch.“

    „Man hat ihm natürlich in den letzten Tagen oft gesagt,
    der Storch wird ein Mäderl oder Buberl bringen, und er
    verbindet das ungewohnte Stöhnen ganz richtig mit der An-
    kunft des Storches.“

    „Später wird er in die Küche gebracht; im Vorzimmer
    sieht er die Tasche des Arztes und fragt: „Was ist das?“,
    worauf man ihm sagt: „Eine Tasche.“ Er dann überzeugt:
    „Heut kommt der Storch.“ Nach der Entbindung kommt die
    Hebamme in die Küche, und Hans hört, wie sie anordnet,
    man möge einen Tee kochen, worauf er sagt: „Aha, weil
    die Mammi hustet, bekommt sie einen Tee.“ Er wird dann
    ins Zimmer gerufen, schaut aber nicht auf die Mama, son-
    dern auf die Gefäße mit blutigem Wasser, die noch im
    Zimmer stehen, und bemerkt, auf die blutige Leibschüssel
    deutend, befremdet: „Aber aus meinem Wiwimacher kommt
    kein Blut.“

    „Alle seine Aussprüche zeigen, daß er das Ungewöhn-
    10*

  • S.

    148

    liche der Situation mit der Ankunft des Storches in Zu
    sammenhang bringt. Er macht zu allem, was er sieht, eine
    sehr mißtrauische, gespannte Miene, und zweifellos hat
    sich das erste Mißtrauen gegen den Storch bei
    ihm festgesetzt.“

    Hans ist auf den neuen Ankömmling sehr eifersüchtig
    und sagt, wenn irgendwer sie lobt, schön findet usw., so
    fort höhnisch: „Aber sie hat noch keine Zähne.“3) Als
    er sie nämlich zum erstenmal sah, war er sehr überrascht,
    daß sie nicht sprechen kann, und meinte, sie könne nicht
    sprechen, weil sie keine Zähne habe. Er wird in den
    ersten Tagen selbstverständlich sehr zurückgesetzt und er
    krankt plötzlich an Angina. Im Fieber hört man ihn sagen:
    „Aber ich will kein Schwesterl haben!“

    „Nach etwa einem halben Jahre ist die Eifersucht über
    wunden, und er wird ein ebenso zärtlicher wie seiner Über
    legenheit bewußter Bruder.“4)

    „Ein wenig später sieht Hans zu, wie man seine ein
    wöchentliche Schwester badet. Er bemerkt: „Aber ihr Wiwi
    macher ist noch klein“, und setzt wie tröstend hinzu: „Wenn
    sie wächst, wird er schon größer werden.“5)

    3) Wiederum ein typisches Verhalten. Ein anderer, nur um zwei
    Jahre älterer Bruder pflegte unter den gleichen Verhältnissen
    ärgerlich mit dem Ausrufe „zu k(l)ein, zu k(l)ein“ abzuwehren.

    4) „Der Storch soll ihn wieder mitnehmen“, äußerte ein an
    deres, etwas älteres, Kind zum Willkomm des Brüderchens. Ver
    gleiche hierzu, was ich in der „Traumdeutung“ über die Träume
    vom Tode teuerer Verwandter bemerkt habe (Ges. Schriften, Bd. II,
    S. 250 ff.).

    5) Das nämliche Urteil, in den identischen Worten ausgedrückt
    und von der gleichen Erwartung gefolgt, wurde mir von zwei
    anderen Knaben berichtet, als sie den Leib eines kleinen Schwester
    chens zuerst neugierig beschauen konnten. Man könnte über diese
    frühzeitige Verderbnis des kindlichen Intellekts erschrecken. Warum
    konstatieren diese jugendlichen Forscher nicht, was sie wirklich
    sehen, nämlich, daß kein Wiwimacher vorhanden ist? Für unseren

  • S.

    149

    „Im gleichen Alter, zu 3¾ Jahren, liefert Hans die erste
    Erzählung eines Traumes. „Heute, wie ich geschlafen habe,
    habe ich geglaubt, ich bin in Gmunden mit der Mariedl.“

    Mariedl ist die 13jährige Tochter des Hausherrn, die
    oft mit ihm gespielt hat.

    Wie nun der Vater den Traum der Mutter in seiner
    Gegenwart erzählt, bemerkt Hans richtigstellend: „Nicht
    mit der Mariedl, ganz allein mit der Mariedl.“

    Hierzu ist zu bemerken: „Hans war im Sommer 1906 in

    kleinen Hans können wir allerdings die volle Aufklärung seiner
    fehlerhaften Wahrnehmung geben. Wir wissen, er hat sich durch
    sorgfältige Induktion den allgemeinen Satz erworben, daß jedes
    belebte Wesen im Gegensatze zum Unbelebten einen Wiwimacher
    besitzt; die Mutter hat ihn in dieser Überzeugung bestärkt, indem
    sie ihm bejahende Auskünfte über solche Personen gab, die sich
    seiner eigenen Beobachtung entzogen. Er ist nun ganz und gar un-
    fähig, seine Errungenschaft wegen der einen Beobachtung an der
    kleinen Schwester wieder aufzugeben. Er urteilt also, der Wiwi-
    macher ist auch hier vorhanden, er ist nur noch sehr klein, aber
    er wird wachsen, bis er so groß geworden ist wie der eines
    Pferdes.

    Wir wollen zur Ehrenrettung unseres kleinen Hans ein Weiteres
    tun. Er benimmt sich eigentlich nicht schlechter als ein Philosoph
    der Wundtschen Schule. Für einen solchen ist das Bewußtsein
    der nie fehlende Charakter des Seelischen, wie für Hans der Wiwi-
    macher das unentbehrliche Kennzeichen alles Lebenden. Stößt der
    Philosoph nun auf seelische Vorgänge, die man erschließen muß,
    an denen aber wirklich nichts von Bewußtsein wahrzunehmen ist
    – man weiß nämlich nichts von ihnen und kann doch nicht um-
    hin, sie zu erschließen –, so sagt er nicht etwa, dies seien un-
    bewußte seelische Vorgänge, sondern er heißt sie dunkel-
    bewußte. Der Wiwimacher ist noch sehr klein! Und bei diesem
    Vergleiche ist der Vorteil noch auf seiten unseres kleinen Hans.

    Denn wie so häufig bei den Sexualforschungen der Kinder ist auch
    hier hinter dem Irrtume ein Stück richtiger Erkenntnis verborgen.

    Das kleine Mädchen besitzt allerdings auch einen kleinen Wiwi-
    macher, den wir Klitoris heißen, wenn er auch nicht wächst, son-
    dern verkümmert bleibt. (Vgl. meine kleine Arbeit „Über infantile
    Sexualtheorien“, Sexualprobleme, 1908; enthalten in Bd. V der
    Ges. Schriften.)

  • S.

    150

    Gmunden, wo er sich den Tag über mit den Hausherrn-
    kindern herumtrieb. Als wir von Gmunden abreisten, glaub-
    ten wir, daß ihm der Abschied und die Übersiedlung in
    die Stadt schwer fallen würden. Dies war überraschender-
    weise nicht der Fall. Er freute sich offenbar über die Ab-
    wechslung und erzählte durch mehrere Wochen sehr wenig
    von Gmunden. Erst nach Ablauf von Wochen stiegen öfter
    lebhaft gefärbte Erinnerungen an die in Gmunden ver-
    brachte Zeit in ihm auf. Seit etwa 4 Wochen verarbeitet er
    diese Erinnerungen zu Phantasien. Er phantasiert, daß er
    mit den Kindern Berta, Olga und Fritzl spielt, spricht
    mit ihnen, als ob sie gegenwärtig wären, und ist imstande,
    sich stundenlang so zu unterhalten.

    Fig. 1.

    Jetzt, wo er eine Schwester be-
    kommen hat und ihn offenbar das
    Problem des Kinderkriegens beschäf-
    tigt, nennt er Berta und Olga nur
    mehr „seine Kinder“ und fügt ein-
    mal hinzu: „Auch meine Kinder,
    Berta und Olga, hat der Storch ge-
    bracht.“ Der Traum, jetzt nach
    6 monatiger Abwesenheit von Gmun-
    den, ist offenbar als Ausdruck sei-
    ner Sehnsucht, nach Gmunden zu-
    fahren, zu verstehen.“

    So weit der Vater; ich bemerke vorgreifend, daß Hans
    mit der letzten Äußerung über seine Kinder, die der Storch
    gebracht haben soll, einem in ihm steckenden Zweifel laut
    widerspricht.

    Der Vater hat zum Glück mancherlei notiert, was später
    zu ungeahntem Werte kommen sollte. „Ich zeichne Hans,
    der in letzter Zeit öfter in Schönbrunn war, eine Giraffe.
    Er sagt mir: „Zeichne doch auch den Wiwimacher.“ Ich

  • S.

    151

    darauf: „Zeichne du ihn selbst dazu.“ Hierauf fügt er
    an das Bild der Giraffe folgenden Strich (die Zeichnung
    liegt bei), den er zuerst kurz zieht und dem er dann ein
    Stück hinzufügt, indem er bemerkt: „Der Wiwimacher ist
    länger.“

    „Ich gehe mit Hans an einem Pferde vorbei, das uriniert.
    Er sagt: „Das Pferd hat den Wiwimacher unten so wie ich.“

    „Er sieht zu, wie man seine 3 monatige Schwester badet,
    und sagt bedauernd: „Sie hat einen ganz, ganz kleinen
    Wiwimacher.“

    „Er erhält eine Puppe zum Spielen, die er auskleidet. Er
    schaut sie sorgfältig an und sagt: „Die hat aber einen ganz
    kleinen Wiwimacher.“

    Wir wissen bereits, daß es ihm mit dieser Formel mög-
    lich gemacht ist, seine Entdeckung (vgl. S. 148) aufrecht zu
    halten.

    Jeder Forscher ist in Gefahr, gelegentlich dem Irrtume
    zu verfallen. Ein Trost bleibt es, wenn er, wie unser Hans
    im nächsten Beispiele, nicht allein irrt, sondern sich zur
    Entschuldigung auf den Sprachgebrauch berufen kann. Er
    sieht nämlich in seinem Bilderbuche einen Affen und zeigt
    auf dessen aufwärts geringelten Schwanz: „Schau, Vatti, der
    Wiwimacher.“

    In seinem Interesse für den Wiwimacher hat er sich ein
    ganz besonderes Spiel ausgedacht. „Im Vorzimmer ist der
    Abort und eine dunkle Holzkammer. Seit einiger Zeit geht
    Hans in die Holzkammer und sagt: „Ich geh’ in mein
    Klosett.“ Einmal schaue ich hinein, um zu sehen, was er in
    der dunklen Kammer macht. Er exhibiert und sagt: „Ich
    mache Wiwi.“ Das heißt also: er „spielt“ Klosett. Der Spiel-
    charakter erhellt nicht nur daraus, daß er das Wiwi-
    machen bloß fingiert und nicht etwa wirklich ausführt, son-
    dern auch daraus, daß er nicht ins Klosett geht, was eigent-

  • S.

    152

    lich viel einfacher wäre, vielmehr die Holzkammer vor-
    zieht, die er „sein Klosett“ heißt.“

    „Wir würden Hans unrecht tun, wenn wir nur die auto-
    erotischen Züge seines Sexuallebens verfolgten. Sein Vater
    hat uns ausführliche Beobachtungen über seine Liebes-
    beziehungen zu anderen Kindern mitzuteilen, aus denen sich
    eine „Objektwahl“ wie beim Erwachsenen ergibt. Freilich
    auch eine ganz bemerkenswerte Beweglichkeit und poly-
    gamische Veranlagung.

    „Im Winter (33/4 Jahre) nehme ich Hans auf den Eislauf-
    platz mit und mache ihn mit den beiden etwa 10 Jahre
    alten Töchterchen meines Kollegen N. bekannt. Hans setzt
    sich neben sie, die im Gefühle ihres reifen Alters ziemlich
    verächtlich auf den Knirps herabblicken, und schaut sie
    verehrungsvoll an, was ihnen keinen großen Eindruck
    macht. Hans spricht trotzdem von ihnen nur als „meine
    Mäderln“. „Wo sind denn meine Mäderln? Wann kommen
    denn meine Mäderln?“ und quält mich zu Hause einige
    Wochen lang mit der Frage: „Wann geh’ ich wieder auf
    den Eisplatz zu meinen Mäderln?“

    Ein 5 jähriger Cousin von Hans ist bei dem nun 4 jähri-
    gen zu Besuch. Hans umarmt ihn fortwährend und sagt
    einmal bei einer solchen zärtlichen Umarmung: „Ich hab’
    dich aber lieb.“

    Es ist dies der erste, aber nicht der letzte Zug von
    Homosexualität, dem wir bei Hans begegnen werden. Unser
    kleiner Hans scheint wirklich ein Ausbund aller Schlechtig-
    keiten zu sein!

    „Wir sind in eine neue Wohnung eingezogen. (Hans ist
    4 Jahre alt.) Von der Küche führt die Tür auf einen Klopf-
    balkon, von wo aus man in eine vis-à-vis gelegene Hof-
    wohnung sieht. Hier hat Hans ein etwa 7–8 jähriges Mä-
    derl entdeckt. Er setzt sich nun, um sie zu bewundern, auf

  • S.

    153

    die Stufe, die zum Klopfbalkon führt, und bleibt dort
    stundenlang sitzen. Speziell um 4 Uhr p. m., wenn das
    Mäderl aus der Schule kommt, ist er nicht im Zimmer zu
    halten und läßt sich nicht abbringen, seinen Beobachtungs-
    posten zu beziehen. Einmal, als das Mäderl sich nicht zur
    gewohnten Stunde beim Fenster zeigt, wird Hans ganz un-
    ruhig und belästigt die Hausleute mit Fragen: „Wann
    kommt das Mäderl? Wo ist das Mäderl?“ usw. Wenn sie
    dann erscheint, ist er ganz selig und wendet den Blick von
    der Wohnung gegenüber nicht mehr ab. Die Heftigkeit, mit
    der diese „Liebe per Distanz“6) auftrat, findet ihre Er-
    klärung darin, daß Hans keinen Kameraden und keine Ge-
    spielin hat. Zur normalen Entwicklung des Kindes gehört
    offenbar reichlicher Verkehr mit anderen Kindern.“

    „Dieser wird dann Hans zuteil, als wir kurz darauf
    (41/2 Jahre) zum Sommeraufenthalte nach Gmunden über-
    siedeln. In unserem Hause sind seine Spielgefährten die
    Kinder des Hausherrn: Franzl (etwa 12 Jahre), Fritzl
    (8 Jahre), Olga (7 Jahre), Berta (5 Jahre) und überdies
    die Nachbarkinder: Anna (10 Jahre) und noch zwei Mäderl
    im Alter von 9 und 7 Jahren, deren Namen ich nicht mehr
    weiß. Sein Liebling ist Fritzl, den er oft umarmt und seiner
    Liebe versichert. Er wird einmal gefragt: „Welches von
    den Mäderln hast du denn am liebsten?“ Er antwortet:
    „Den Fritzl.“ Gleichzeitig ist er gegen die Mädchen sehr
    aggressiv, männlich, erobernd, umarmt sie und küßt sie ab,
    was sich namentlich Berta ganz gerne gefallen läßt. Als
    Berta eines Abends aus dem Zimmer kommt, umhalst er sie
    und sagt im zärtlichsten Tone: „Berta, du bist aber lieb“,
    was ihn übrigens nicht hindert, auch die anderen zu küssen
    und seiner Liebe zu versichern. Auch die etwa 14 Jahre

    6)W. Busch: Und die Liebe per Distanz,
    Kurzgesagt, mißfällt mir ganz.

  • S.

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    alte Mariedl, ebenfalls eine Tochter des Hausherrn, die mit
    ihm spielt, hat er gerne und sagt eines Abends, als er zu
    Bette gebracht wird: „Die Mariedl soll bei mir schlafen.“
    Auf die Antwort: „Das geht nicht“, sagt er: „So soll sie bei
    der Mammi oder dem Vatti schlafen.“ Man erwidert ihm:
    „Auch das geht nicht, die Mariedl muß bei ihren Eltern
    schlafen“, und nun entwickelt sich folgender Dialog:

    Hans: „So geh’ ich halt hinunter zur Mariedl schlafen.“
    Mama: „Du willst wirklich von der Mammi weggehen, um
    unten zu schlafen?“
    Hans: „No, früh komm’ ich doch wieder herauf zum Kaffee-
    trinken und Aufdieseseitegehen.“
    Mama: „Wenn du wirklich von Vatti und Mammi gehen willst,
    so nimm dir deinen Rock und deine Hose und – adieu!“

    „Hans nimmt wirklich seine Kleider und geht zur Treppe,
    um zur Mariedl schlafen zu gehen, wird natürlich zurück-
    geholt.“

    „(Hinter dem Wunsche: „Die Mariedl soll bei uns schla-
    fen“, steckt der andere: „Die Mariedl, mit der er so gerne
    beisammen ist, soll in unsere Hausgemeinschaft aufgenom-
    men werden. Zweifellos sind aber dadurch, daß Vater und
    Mutter Hans, wenn auch nicht allzu häufig, in ihr Bett
    nahmen, bei diesem Beieinanderliegen erotische Gefühle in
    ihm erweckt worden, und der Wunsch, bei der Mariedl zu
    schlafen, hat auch seinen erotischen Sinn. Bei Vater oder
    Mutter im Bette liegen, ist für Hans wie für alle Kinder
    eine Quelle erotischer Regungen.)“

    Unser kleiner Hans hat sich bei der Herausforderung der
    Mutter benommen wie ein rechter Mann, trotz seiner homo-
    sexuellen Anwendungen.

    „Auch in dem folgenden Falle sagte Hans zu Mammi:
    „Du, ich möcht’ einmal so gerne mit dem Mäderl schla-
    fen.“ Dieser Fall gibt uns reichlich Gelegenheit zur Unter-
     

  • S.

    155

    haltung, denn Hans benimmt sich hier wirklich wie ein
    Großer, der verliebt ist. In das Gasthaus, wo wir zu
    Mittag essen, kommt seit einigen Tagen ein etwa 8 jähriges
    hübsches Mädchen, in das sich Hans natürlich sofort ver-
    liebt. Er dreht sich auf seinem Sessel fortwährend um, um
    nach ihr zu schielen, stellt sich, nachdem er gegessen hat,
    in ihrer Nähe auf, um mit ihr zu kokettieren, wird aber
    feuerrot, wenn man ihn dabei beobachtet. Wird sein Blick
    von dem Mäderl erwidert, so schaut er sofort verschämt
    auf die entgegengesetzte Seite. Sein Benehmen ist natürlich
    ein großes Gaudium für alle Gasthausgäste. Jeden Tag,
    wenn er ins Gasthaus geführt wird, fragt er: „Glaubst du,
    wird das Mäderl heute dort sein?“ Wenn sie endlich
    kommt, wird er ganz rot wie ein Erwachsener im gleichen
    Falle. Einmal kommt er glückselig zu mir und flüstert mir
    ins Ohr: „Du, ich weiß schon, wo das Mäderl wohnt. Dort
    und dort habe ich gesehen, wie sie die Stiege hinaufgegan-
    gen ist.“ Während er sich gegen die Mäderl im Hause
    aggressiv benimmt, ist er hier ein platonisch schmachtender
    Verehrer. Dies hängt vielleicht damit zusammen, daß die
    Mäderl im Hause Dorfkinder sind, diese aber eine kulti-
    vierte Dame. Daß er einmal sagt, er möchte mit ihr schla-
    fen, ist schon erwähnt worden.“

    „Da ich Hans nicht in der bisherigen seelischen Span-
    nung lassen will, in die ihn seine Liebe zu dem Mäderl ver-
    setzt hat, habe ich seine Bekanntschaft mit ihr vermittelt
    und das Mäderl eingeladen, nachmittags zu ihm in den
    Garten zu kommen, wenn er seinen Nachmittagsschlaf ab-
    solviert hat. Hans ist durch die Erwartung, daß das Mäderl
    zu ihm kommen wird, so aufgeregt, daß er zum erstenmal
    am Nachmittage nicht schläft, sondern sich unruhig im Bette
    hin und her wälzt. Die Mama fragt ihn: „Warum schläfst
    du nicht? Denkst du vielleicht an das Mäderl?“, worauf er

  • S.

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    beglückt „ja“ sagt. Er hat auch, als er aus dem Gasthofe
    nach Hause kam, allen Leuten im Hause erzählt: „Du,
    heute kommt mein Mäderl zu mir“, und die 14 jährige Ma-
    riedl berichtet, daß er sie fortwährend gefragt hat: „Du,
    glaubst du, daß sie mit mir lieb sein wird? Glaubst du, daß
    sie mir einen Kuß geben wird, wenn ich sie küß?“ u. dgl.“
    „Nachmittags regnete es aber, und so unterblieb der Be-
    such, worauf sich Hans mit Berta und Olga tröstete.“

    Weitere Beobachtungen noch aus der Zeit des Sommer-
    aufenthaltes lassen vermuten, daß sich bei dem Kleinen
    allerlei Neues vorbereitet.

    „Hans, 41/4 Jahre. Heute früh wird Hans von seiner
    Mama wie täglich gebadet und nach dem Bade abgetrocknet
    und eingepudert. Wie die Mama bei seinem Penis, und zwar
    vorsichtig, um ihn nicht zu berühren, pudert, sagt Hans:“
    „Warum gibst du denn nicht den Finger hin?“
    Mama: „Weil das eine Schweinerei ist.“
    Hans: „Was ist das? Eine Schweinerei? Warum denn?“
    Mama: „Weil es unanständig ist.“
    Hans (lachend): „Aber lustig!“7)

    Ein etwa gleichzeitiger Traum unseres Hans kontrastiert
    recht auffällig mit der Dreistigkeit, die er gegen die Mutter
    gezeigt hat. Es ist der erste durch Entstellung unkennt-
    liche Traum des Kindes. Dem Scharfsinne des Vaters ist
    es aber gelungen, ihm die Lösung abzugewinnen.

    „Hans, 41/4 Jahre. Traum. Heute früh kommt Hans auf
    und erzählt: „Du, heute nachts habe ich gedacht: Einer

    7)Einen ähnlichen Verführungsversuch berichtete mir eine selbst
    neurotische Mutter, die an die infantile Masturbation nicht glau-
    ben wollte, von ihrem 31/2 Jahre alten Töchterchen. Sie hatte der
    Kleinen Unterhöschen anfertigen lassen und probierte nun, ob sie
    nicht im Schritt zu eng seien, indem sie mit ihrer Hand an der
    Innenfläche des Oberschenkels nach aufwärts strich. Die Kleine
    schloß plötzlich die Beine über die Hand zusammen und bat:
    „Mama, laß die Hand doch da. Das tut so gut.“

  • S.

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    sagt: Wer will zu mir kommen? Dann sagt jemand: Ich.
    Dann muß er ihn Wiwi machen lassen.“

    „Weitere Fragen stellten klar, daß diesem Traume alles
    Visuelle fehlt, daß er dem reinen type auditif angehört.
    Hans spielt seit einigen Tagen mit den Kindern des Haus-
    herrn, darunter seine Freundinnen Olga (7 Jahre) und
    Berta (5 Jahre), Gesellschaftsspiele, auch Pfänderauslösen.
    (A.: Wem gehört das Pfand in meiner Hand? B.: Mir.
    Dann wird bestimmt, was B. zu tun hat.) Diesem Pfänder-
    spiele ist der Traum nachgebildet, nur wünscht Hans,
    daß derjenige, der das Pfand gezogen hat, nicht zu den
    usuellen Küssen oder Ohrfeigen verurteilt werde, sondern
    zum Wiwimachen, oder genauer: jemand muß ihn Wiwi
    machen lassen.“

    „Ich lasse mir den Traum noch einmal erzählen; er er-
    zählt ihn mit denselben Worten, nur setzt er anstatt: „dann
    sagt jemand“ – „dann sagt sie“. Diese „sie“ ist offenbar
    Berta oder Olga, mit denen er gespielt hat. Der Traum
    lautet also übersetzt: Ich spiele mit den Mäderln Pfänder-
    auslösen. Ich frage: Wer will zu mir kommen? Sie (Berta
    oder Olga) antwortet: Ich. Dann muß sie mich Wiwi
    machen lassen. (Beim Urinieren behilflich sein, was Hans
    offenbar angenehm ist.)“

    „Es ist klar, daß das Wiwimachenlassen, wobei dem
    Kinde die Hose geöffnet und der Penis herausgenommen
    wird, für Hans lustbetont ist. Auf Spaziergängen ist es ja zu-
    meist der Vater, der dem Kinde diese Hilfe leistet, was An-
    laß zur Fixierung homosexueller Neigung auf den Vater gibt.“

    „Zwei Tage vorher hat er, wie berichtet, die Mama beim
    Waschen und Einpudern der Genitalgegend gefragt: „War-
    um gibst du nicht den Finger hin?“ Gestern, als ich Hans
    auf die Seite gehen ließ, sagte er mir zum erstenmal, ich
    solle ihn hinters Haus führen, damit niemand zuschauen

  • S.

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    könne, und fügte hinzu: „Voriges Jahr, wie ich Wiwi ge-
    macht habe, haben mir die Berta und die Olga zugesehen.“
    Ich meine, das heißt, voriges Jahr war ihm dieses Zu-
    schauen der Mädchen angenehm, jetzt aber nicht mehr. Die
    Exhibitionslust unterliegt jetzt der Verdrängung. Daß der
    Wunsch, Berta und Olga mögen ihm beim Wiwimachen zu-
    schauen (oder ihn Wiwimachen lassen), jetzt im Leben ver-
    drängt wird, ist die Erklärung für dessen Auftreten im
    Traume, in dem er sich die hübsche Einkleidung durch das
    Pfänderspiel geschaffen hat.—Ich beobachtete seither wieder-
    holt, daß er beim Wiwimachen nicht gesehen werden will.“

    Ich bemerke hierzu nur, daß auch dieser Traum sich der
    Regel fügt, die ich in der „Traumdeutung“ (Ges. Schrif-
    ten, Bd. II, S. 348 f.) gegeben habe: Reden, die im Traume
    vorkommen, stammen von gehörten oder selbstgehaltenen
    Reden der nächstvorigen Tage ab.

    Aus der Zeit bald nach der Rückkehr nach Wien hat der
    Vater noch eine Beobachtung fixiert: „Hans (41/2 Jahre)
    sieht wieder zu, wie seine kleine Schwester gebadet wird,
    und fängt an zu lachen. Man fragt ihn: „Warum lachst du?“
    Hans: „Ich lache über den Wiwimacher der Hanna.“ –
    „Warum?“ – „Weil der Wiwimacher so schön ist.“
    „Die Antwort ist natürlich eine falsche. Der Wiwimacher
    kam ihm eben komisch vor. Es ist übrigens das erstemal,
    daß er den Unterschied zwischen männlichem und weib-
    lichem Genitale in solcher Weise anerkennt, anstatt ihn zu
    verleugnen.“

    II) Krankengeschichte und Analyse

    „Geehrter Herr Professor! Ich sende Ihnen wieder ein
    Stückchen Hans, diesmal leider Beiträge zu einer Kranken-
    geschichte. Wie Sie daraus lesen, hat sich bei ihm in den