A. Analytischer Teil1905-003/1925/M1
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    [97]

    III

    DIE TENDENZEN DES WITZES

    Als ich zu Ende des vorigen Abschnittes den Heineschen
    Vergleich des katholischen Priesters mit einem Angestellten einer
    Großhandlung und des protestantischen mit einem selbständigen
    Kleinhändler niederschrieb, verspürte ich eine Hemmung, die mich
    bestimmen wollte, dieses Gleichnis nicht zu verwenden. Ich sagte
    mir, daß sich unter meinen Lesern wahrscheinlich einige befinden
    würden, denen nicht nur die Religion, sondern auch deren Regie
    und Personal ehrwürdig sind, diese Leser würden sich nur über
    den Vergleich entrüsten und in einen Affektzustand geraten, der
    ihnen jedes Interesse für die Unterscheidung raubt, ob das Gleichnis
    an sich oder nur infolge irgend welcher Zutaten witzig erscheint.
    Bei anderen Gleichnissen, z. B. dem benachbarten von dem ange-
    nehmen Mondlicht, welches eine gewisse Philosophie auf die
    Gegenstände wirft, wäre eine solche für unsere Untersuchung
    störende Beeinflussung eines Teiles der Leser nicht zu besorgen.
    Der frommgläubigste Mann bliebe in der Verfassung, sich ein
    Urteil über unser Problem zu bilden.

    Es ist leicht, den Charakter des Witzes zu erraten, mit welchem
    die Verschiedenheit der Reaktion auf den Witz beim Hörer zu-
    sammenhängt. Der Witz ist das eine Mal Selbstzweck und dient
    keiner besonderen Absicht, das andere Mal stellt er sich in den

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    Der Witz

    Dienst einer solchen Absicht; er wird tendenziös. Nur derjenige
    Witz, welcher eine Tendenz hat, läuft Gefahr, auf Personen zu
    stoßen, die ihn nicht anhören wollen.

    Der nichttendenziöse Witz ist von Th. Vischer als „ab-
    strakter“ Witz bezeichnet worden; ich ziehe es vor, ihn „harm-
    losen“ Witz zu nennen.

    Da wir vorhin den Witz nach dem Material, an dem seine
    Technik angreift, in Wort- und Gedankenwitz unterschieden haben,
    obliegt es uns, die Beziehung dieser Einteilung zur neu vorge-
    brachten zu untersuchen. Wort- und Gedankenwitz einerseits,
    abstrakter und tendenziöser Witz anderseits stehen nun in keiner
    Relation der Beeinflussung zueinander; es sind zwei voneinander
    völlig unabhängige Einteilungen der witzigen Produktionen. Viel-
    leicht könnte jemand den Eindruck empfangen haben, als seien
    die harmlosen Witze vorwiegend Wortwitze, während die kom-
    pliziertere Technik des Gedankenwitzes meist von starken Ten-
    denzen in Dienst genommen wird; allein es gibt harmlose Witze,
    die mit Wortspiel und Gleichklang arbeiten, und ebenso harmlose,
    die sich aller Mittel des Gedankenwitzes bedienen. Nicht minder
    leicht zu zeigen ist, daß der tendenziöse Witz der Technik nach
    nichts anderes als ein Wortwitz zu sein braucht. So z. B. sind
    Witze, die mit Eigennamen „spielen“, häufig von beleidigender,
    verletzender Tendenz, sie gehören selbstredend zu den Wortwitzen.
    Die harmlosesten aller Witze sind aber auch wieder Wortwitze,
    z. B. die neuerdings beliebt gewordenen Schüttelreime, in denen
    die mehrfache Verwendung desselben Materials mit einer ganz
    eigentümlichen Modifikation die Technik darstellt:

    „Und weil er Geld in Menge hatte,
    lag stets er in der Hängematte.“

    Es wird hoffentlich niemand in Abrede stellen, daß das Wohl-
    gefallen an dieser Art von sonst anspruchslosen Reimen das näm-
    liche ist, an dem wir den Witz erkennen.

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    Die Tendenzen des Witzes99

    Gute Beispiele von abstrakten oder harmlosen Gedankenwitzen
    findet man reichlich unter den Lichtenbergschen Vergleichen,
    von denen wir einige bereits kennengelernt haben. Ich füge
    einige weitere hinzu:

    „Sie hatten ein Oktavbändchen nach Göttingen ge-
    schickt und an Leib und Seele einen Quartanten
    wieder bekommen.“

    „Um dieses Gebäude gehörig aufzuführen, muß vor
    allen Dingen ein guter Grund gelegt werden, und da
    weiß ich keinen festeren, als wenn man über jede
    Schicht pro gleich eine Schicht kontra aufträgt.“

    „Einer zeugt den Gedanken, der andere hebt ihn
    aus der Taufe, der dritte zeugt Kinder mit ihm, der
    vierte besucht ihn auf dem Sterbebette und der
    fünfte begräbt ihn.“ (Gleichnis mit Unifizierung.)

    „Er glaubte nicht allein keine Gespenster, sondern
    er fürchtete sich nicht einmal davor.“ Der Witz liegt
    hier ausschließlich an der widersinnigen Darstellung, die das ge-
    wöhnlich für geringer Geschätzte in den Komparativ setzt, das für
    bedeutsamer Gehaltene zum Positiv nimmt. Mit Verzicht auf diese
    witzige Einkleidung hieße es: es ist viel leichter, sich mit dem
    Verstand über die Gespensterfurcht hinwegzusetzen, als sich ihrer
    bei vorkommender Gelegenheit zu erwehren. Dies ist gar nicht
    mehr witzig, wohl aber eine richtige und noch zu wenig ge-
    würdigte psychologische Erkenntnis, die nämliche, der Lessing
    in den bekannten Worten Ausdruck gibt:

    „Es sind nicht alle frei, die ihrer Ketten spotten.“

    Ich kann die Gelegenheit, die sich hier bietet, ergreifen, um
    ein immerhin mögliches Mißverständnis wegzuräumen. „Harm-
    loser“ oder „abstrakter“ Witz soll nämlich keineswegs gleich-
    bedeutend sein mit „gehaltlosem“ Witz, sondern eben nur den
    Gegensatz zu den später zu besprechenden „tendenziösen“ Witzen
    bezeichnen. Wie obiges Beispiel zeigt, kann ein harmloser, d. i.
    ?*

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    100

    tendenzloser Witz auch sehr gehaltvoll sein, etwas Wertvolles
    aussagen. Der Gehalt eines Witzes ist aber vom Witz unabhängig
    und ist der Gehalt des Gedankens, der hier durch eine besondere
    Veranstaltung witzig ausgedrückt wird. Freilich so wie die Uhr-
    macher ein besonders gutes Werk auch mit einem kostbaren
    Gehäuse auszustatten pflegen, mag es auch beim Witz vorkommen,
    daß die besten Witzleistungen gerade zur Einkleidung der gehalt-
    vollsten Gedanken benützt werden.

    Wenn wir nun scharf auf die Unterscheidung von Gedanken-
    gehalt und witziger Einkleidung beim Gedenkenwitz achten, so
    gelangen wir zu einer Einsicht, welche uns viel Unsicherheit in
    unserem Urteil über Witze aufzuklären vermag. Es stellt sich
    nämlich, was doch überraschend ist, heraus, daß wir unser Wohl-
    gefallen an einem Witz nach dem summierten Eindruck von
    Gehalt und Witzleistung abgeben und uns durch den einen Faktor
    über das Ausmaß des anderen geradezu täuschen lassen. Erst die
    Reduktion des Witzes klärt uns die Urteilstäuschung auf.

    Das nämliche trifft übrigens auch beim Wortwitz zu. Wenn
    wir hören: „Die Erfahrung besteht darin, daß man erfährt, was
    man nicht wünscht erfahren zu haben“ — so sind wir ver-
    blüfft, glauben eine neue Wahrheit zu vernehmen, und es dauert
    eine Weile, bis wir in dieser Verkleidung die Plattheit: „Durch
    Schaden wird man klug“ (K. Fischer) erkennen. Die treffliche
    Witzleistung, die „Erfahrung“ nahezu allein durch die Anwendung
    des Wortes „erfahren“ zu definieren, täuscht uns so, daß wir
    den Gehalt des Satzes überschätzen. Ebenso ergeht es uns bei
    dem Lichtenbergschen Unifizierungswitz vom „Januarius“
    (S. 70), der uns weiter nichts zu sagen hat, als was wir längst
    wissen, daß Neujahrswünsche so selten in Erfüllung gehen wie
    andere Wünsche, und in vielen ähnlichen Fällen.

    Das Gegenteilige erfahren wir bei anderen Witzen, in denen
    offenbar das Trefiende und Richtige des Gedankens uns gefangen-
    nimmt, so daß wir den Satz einen glänzenden Witz heißen, während

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    nur der Gedanke glänzend, die Witzleistung oft schwächlich ist.
    Gerade bei den Lichtenbergschen Witzen ist der Gedanken-
    kern häufig weit wertvoller als die Witzeinkleidung, auf welche
    wir dann die Schätzung vom ersteren her unberechtigterweise
    ausdehnen. So ist z. B. die Bemerkung über die „Fackel der
    Wahrheit“ (S. 89) ein kaum witziger Vergleich, aber sie ist so
    treffend, daß wir den Satz als einen besonders witzigen hervor-
    heben möchten.

    Die Lichtenbergschen Witze sind vor allem durch ihren
    Gedankeninhalt und ihre Treffsicherheit hervorragend. Goethe
    hat mit Recht von diesem Autor gesagt, daß seine witzigen und
    scherzhaften Einfälle geradezu Probleme verbergen, richtiger: an
    die Lösung von Problemen streifen. Wenn er z. B. als witzigen
    Einfall aufzeichnet:

    „Er las immer Agamemnon anstatt angenommen, so
    sehr hatte er den Homer gelesen“ (technisch): Dummheit +
    Wortgleichklang, so hat er damit nichts weniger als das Geheimnis
    des Verlesens selbst aufgedeckt.1 Ähnlich ist der Witz, dessen
    Technik (S. 62) uns wohl recht unbefriedigend erschienen ist:

    „Er wunderte sich, daß den Katzen gerade an der
    Stelle zwei Löcher in den Pelz geschnitten wären,
    wo sie die Augen hätten
    .“ Die Dummheit, die hier zur
    Schau getragen wird, ist nur eine scheinbare; in Wirklichkeit
    steckt hinter dieser einfältigen Bemerkung das große Problem
    der Teleologie im tierischen Aufbau; es ist gar nicht so selbst-
    verständlich, daß die Lidspalte sich dort öffnet, wo die Hornhaut
    freiliegt, bis die Entwicklungsgeschichte uns dieses Zusammen-
    treffen aufklärt.

    Wir wollen es im Gedächtnis behalten, daß wir von einem
    witzigen Satz einen Gesamteindruck empfangen, in dem wir den
    Anteil des Gedankeninhalts von dem Anteil der Witzarbeit nicht

    1) Vgl. meine „Psychopathologie des Alltagslebens“. 1904. 10. Aufl., 1923 [Ges.
    Schriften, Bd. IV].

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    102

    Der Witz

    zu sondern vermögen; vielleicht findet sich später hiezu eine noch
    bedeutsamere Parallele.

    *

    Für unsere theoretische Aufklärung über das Wesen des Witzes
    müssen uns die harmlosen Witze wertvoller sein als die tenden-
    ziösen, die gehaltlosen wertvoller als die tiefsinnigen. Harmlose
    und gehaltlose Wortspiele etwa werden uns das Problem des
    Witzes in seiner reinsten Form entgegenbringen, weil wir bei
    ihnen der Gefahr der Verwirrung durch die Tendenz und der
    Urteilstäuschung durch den guten Sinn entgehen. An solchem
    Material kann unsere Erkenntnis einen neuen Fortschritt machen.

    Ich wähle ein möglichst harmloses Beispiel von Wortwitz:

    Ein Mädchen, welches während seiner Toilette die Ankündigung
    eines Besuches erhält, klagt: „Ach wie schade, gerade wenn man
    am anziehendsten ist, darf man sich nicht sehen lassen.“¹

    Da mir aber Bedenken aufsteigen, ob ich diesen Witz für
    einen tendenzlosen auszugeben das Recht habe, ersetze ich ihn
    durch einen anderen, herzlich einfältigen, der von solcher Ein-
    wendung frei sein dürfte.

    In einem Hause, wo ich zu Gast geladen bin, wird zum Schluß
    der Mahlzeit die Roulard genannte Mehlspeise gereicht, deren
    Herstellung einiges Geschick bei der Köchin voraussetzt. „Zu
    Hause gemacht?“ fragt darum einer der Gäste, und der Haus-
    herr antwortet: „Ja, gewiß, ein Home-Roulard“ (Home-Rule).

    Wir wollen diesmal nicht die Technik des Witzes untersuchen,
    sondern gedenken unsere Aufmerksamkeit einem anderen, dem
    wichtigsten Momente zwar, zuzuwenden. Das Anhören dieses
    improvisierten Witzes bereitete den Anwesenden ein — von mir
    wie in ungezählten anderen Fällen kann die Lustempfindung des
    Hörers nicht von der Tendenz und nicht vom Gedankeninhalt

    1) R. Kleinpaul, Die Rätsel der Sprache, 1890.

  • S.

      Die Tendenzen des Witzes   103

    des Witzes herrühren; es bleibt nichts übrig als diese Lust-
    empfindung mit der Technik des Witzes in Zusammenhang zu
    bringen. Die von uns vorhin beschriebenen technischen Mittel des
    Witzes — die Verdichtung, Verschiebung, indirekte Darstellung usw.
    — haben also das Vermögen, beim Hörer eine Lustempfindung
    hervorzurufen, wenngleich wir noch gar nicht einsehen können,
    wie ihnen dies Vermögen zukommen mag. Auf so leichte Art
    gewinnen wir den zweiten Satz zur Aufklärung des Witzes; der
    erste lautete (S. 15), daß der Charakter des Witzes an der Aus-
    drucksform hängt. Besinnen wir uns noch, daß der zweite Satz
    uns eigentlich nichts Neues gelehrt hat. Er isoliert nur, was
    bereits in einer früher von uns gemachten Erfahrung enthalten
    war. Wir erinnern ja, wenn es gelang, den Witz zu reduzieren,
    d. h. mit sorgfältiger Erhaltung des Sinnes dessen Ausdruck durch
    einen anderen zu ersetzen, so war damit nicht nur der Witz-
    charakter, sondern auch der Lacheffekt, also das Vergnügen am
    Witze, aufgehoben.

    Wir können hier nicht weitergehen, ohne uns vorerst mit
    unseren philosophischen Autoritäten auseinanderzusetzen.

    Die Philosophen, welche den Witz dem Komischen zurechnen
    und das Komische selbst in der Ästhetik abhandeln, charakterisieren
    das ästhetische Vorstellen durch die Bedingung, daß wir dabei
    nichts von und mit den Dingen wollen, die Dinge nicht brauchen,
    um eines unserer großen Lebensbedürfnisse zu befriedigen, sondern
    uns mit der Betrachtung derselben und dem Genuß der Vor-
    stellung begnügen. „Dieser Genuß, diese Vorstellungsart ist die
    rein ästhetische, die nur in sich beruht, nur in sich ihren Zweck
    hat und keine anderen Lebenszwecke erfüllt“ (K. Fischer, S. 68).

    Wir setzen uns nun kaum in Widerspruch mit diesen Worten
    K. Fischers, übersetzen vielleicht nur seinen Gedanken in unsere
    Ausdrucksweise, wenn wir hervorheben, daß die witzige Tätigkeit
    doch keine zweck- oder ziellose genannt werden darf, da sie sich
    unverkennbar das Ziel gesteckt hat, Lust beim Hörer hervorzurufen.

  • S.

    104

    Ich zweifle, ob wir irgend etwas zu unternehmen imstande sind,
    wobei eine Absicht nicht in Betracht. kommt. Wenn wir unseren
    seelischen Apparat gerade nicht zur Erfüllung einer der unent-
    behrlichen Befriedigungen brauchen, lassen wir ihn selbst auf Lust
    arbeiten, suchen wir Lust aus seiner eigenen Tätigkeit zu ziehen.
    Ich vermute, daß dies überhaupt die Bedingung ist, der alles
    ästhetische Vorstellen unterliegt, aber ich verstehe zu wenig von
    der Ästhetik, um diesen Satz durchführen zu wollen; vom Witz
    jedoch kann ich auf Grund der beiden vorhin gewonnenen Ein-
    sichten behaupten, daß er eine Tätigkeit ist, welche darauf abzielt,
    Lust aus den seelischen Vorgängen — intellektuellen oder an-
    deren — zu gewinnen. Es gibt gewiß noch andere Tätigkeiten,
    die dasselbe bezwecken. Vielleicht unterscheiden sie sich darin,
    aus welchem Gebiete seelischer Tätigkeit sie Lust schöpfen wollen,
    vielleicht durch die Methode, deren sie sich dabei bedienen. Wir
    können das gegenwärtig nicht entscheiden; wir halten aber daran
    fest, daß nun die Witztechnik und die sie teilweise beherrschende
    ersparende Tendenz (S. 45) in Beziehung gebracht sind zur Er-
    zeugung von Lust.

    Ehe wir aber darangehen, das Rätsel, wie die technischen
    Mittel der Witzarbeit Lust beim Hörer erregen können, zu lösen,
    wollen wir uns erinnern, daß wir zum Zwecke der Vereinfachung
    und besseren Durchsichtigkeit die tendenziösen Witze ganz zur
    Seite geschoben haben. Wir müssen doch aufzuklären suchen,
    welches die Tendenzen des Witzes sind, und in welcher Weise
    er diesen Tendenzen dient.

    Wir werden vor allem durch eine Beobachtung gemahnt, den
    tendenziösen Witz bei der Untersuchung nach der Herkunft der
    Lust am Witze nicht beiseite zu lassen. Die Lustwirkung des
    harmlosen Witzes ist zumeist eine mäßige; ein deutliches Wohl-
    gefallen, ein leichtes Lächeln ist zumeist alles, was er beim Hörer
    zu erreichen vermag, und von diesem Effekt ist etwa noch ein
    Teil auf Rechnung seines Gedankeninhalts zu setzen, wie wir

  • S.

    105

    an geeigneten Beispielen (S. 99) bemerkt haben. Fast niemals
    erzielt der tendenzlose Witz jene plötzlichen Ausbrüche von Ge-
    lächter, die den tendenziösen so unwiderstehlich machen. Da die
    Technik bei beiden die nämliche sein kann, darf in uns die
    Vermutung rege werden, daß der tendenziöse Witz kraft seiner
    Tendenz über Quellen der Lust verfügen müsse, zu denen der
    harmlose Witz keinen Zugang hat.

    Die Tendenzen des Witzes sind nun leicht zu übersehen. Wo
    der Witz nicht Selbstzweck, d. h. harmlos ist, stellt er sich in
    den Dienst von nur zwei Tendenzen, die selbst eine Vereinigung
    unter einen Gesichtspunkt zulassen, er ist entweder feind-
    seliger
    Witz (der zur Aggression, Satire, Abwehr dient) oder
    obszöner Witz (welcher der Entblößung dient). Von vorn-
    herein ist wieder zu bemerken, daß die technische Art des
    Witzes — ob Wort- oder Gedankenwitz — keine Relation zu
    diesen beiden Tendenzen hat.

    Weitläufiger ist es nun, darzulegen, auf welche Weise der
    Witz diesen Tendenzen dient. Ich möchte bei dieser Untersuchung
    nicht den feindseligen, sondern den entblößenden Witz voran-
    stellen. Dieser ist zwar weit seltener einer Untersuchung ge-
    würdigt worden, als hätte sich hier eine Abneigung vom Stofflichen
    aufs Sachliche übertragen, allein wir wollen uns hiedurch nicht
    beirren lassen, da wir alsbald auf einen Grenzfall des Witzes
    stoßen werden, der uns Aufklärung über mehr als einen dunklen
    Punkt zu bringen verspricht.

    Man weiß, was unter der „Zote“ verstanden wird: Die be-
    absichtigte Hervorhebung sexueller Tatsachen und Verhältnisse
    durch die Rede. Indes diese Definition ist nicht stichhaltiger als
    andere Definitionen. Ein Vortrag über die Anatomie der Sexual-
    organe oder über die Physiologie der Zeugung braucht trotz
    dieser Definition nicht einen einzigen Berührungspunkt mit der
    Zote gemein zu haben. Es gehört noch dazu, daß die Zote an
    eine bestimmte Person gerichtet werde, von der man sexuell

  • S.

        106     Der Witz

        erregt wird, und die durch das Anhören der Zote von der Er-
        regung des Redenden Kenntnis bekommen und dadurch selbst
        sexuell erregt werden soll. Anstatt dieser Erregung mag sie auch
        in Scham oder Verlegenheit gebracht werden, was nur eine
        Reaktion gegen ihre Erregung und auf diesem Umwege ein
        Eingeständnis derselben bedeutet. Die Zote ist also ursprünglich
        an das Weib gerichtet und einem Verführungsversuch gleichzu-
        setzen. Wenn sich dann ein Mann in Männergesellschaft mit dem
        Erzählen oder Anhören von Zoten vergnügt, so ist die ursprüng-
        liche Situation, die infolge sozialer Hemmnisse nicht verwirklicht
        werden kann, dabei mit vorgestellt. Wer über die gehörte Zote
        lacht, lacht wie ein Zuschauer bei einer sexuellen Aggression.

        Das Sexuelle, welches den Inhalt der Zote bildet, umfaßt mehr
        als das bei beiden Geschlechtern Besondere, nämlich noch überdies
        das beiden Geschlechtern Gemeinsame, auf das die Scham sich
        erstreckt, also das Exkrementelle in seinem ganzen Umfang. Dies
        ist aber der Umfang, den das Sexuelle im Kindesalter hat, wo
        für die Vorstellung gleichsam eine Kloake existiert, innerhalb
        deren Sexuelles und Exkrementelles schlecht oder gar nicht ge-
        sondert werden.1 Überall im Gedankenbereich der Neurosen-
        psychologie schließt das Sexuelle noch das Exkrementelle ein,
        wird es im alten, infantilen, Sinne verstanden.

        Die Zote ist wie eine Entblößung der sexuell differenten
        Person, an die sie gerichtet ist. Durch das Aussprechen der
        obszönen Worte zwingt sie die angegriffene Person zur Vorstellung
        des betreffenden Körperteiles oder der Verrichtung und zeigt ihr,
        daß der Angreifer selbst sich solches vorstellt. Es ist nicht zu
        bezweifeln, daß die Lust, das Sexuelle entblößt zu sehen, das
        ursprüngliche Motiv der Zote ist.

        Es kann der Klärung nur förderlich sein, wenn wir hier bis
        auf die Fundamente zurückgehen. Die Neigung, das Geschlechts-

        1) Siehe meine gleichzeitig erscheinenden „Drei Abhandlungen zur Sexual-
        theorie“, 1905 [Ges. Schriften, Bd. V].

  • S.

    Die Tendenzen des Witzes107

    besondere entblößt zu schauen, ist eine der ursprünglichen Kom-
    ponenten unserer Libido. Sie ist selbst vielleicht bereits eine
    Ersetzung, geht auf eine als primär zu supponierende Lust, das
    Sexuelle zu berühren, zurück. Wie so häufig, hat das Schauen
    das Tasten auch hier abgelöst.1 Die Schau- oder Tastlibido ist
    bei jedermann in zweifacher Art, aktiv und passiv, männlich und
    weiblich, vorhanden, und bildet sie sich je nach dem Überwiegen des
    Geschlechtscharakters nach der einen oder der anderen Richtung
    überwiegend aus. Bei jungen Kindern kann man die Neigung
    zur Selbstentblößung leicht beobachten. Wo der Keim dieser
    Neigung nicht das gewöhnliche Schicksal der Überlagerung und
    Unterdrückung erfährt, da entwickelt er sich zu der als Exhi-
    bitionsdrang bekannten Perversion erwachsener Männer. Beim
    Weibe wird die passive Exhibitionsneigung fast regelmäßig durch
    die großartige Reaktionsleistung der sexuellen Schamhaftigkeit
    überlagert, aber nicht ohne daß ihr in der Kleidung ein Ausfalls-
    pförtchen gespart bliebe. Wie dehnbar und nach Konvention und
    Umständen variabel dann das der Frau als erlaubt verbliebene
    Maß von Exhibition ist, brauche ich nur anzudeuten.

    Beim Manne bleibt ein hoher Grad dieser Strebuung als Teil-
    stück der Libido bestehen und dient zur Einleitung des Geschlechts-
    aktes. Wenn diese Strebuung sich bei der ersten Annäherung an
    das Weib geltend macht, muß sie sich aus zwei Motiven der
    Rede bedienen. Erstens um sich dem Weibe anzuzeigen, und
    zweitens weil die Erweckung der Vorstellung durch die Rede das
    Weib selbst in die korrespondierende Erregung versetzen und die
    Neigung zur passiven Exhibition bei ihr erwecken kann. Diese
    werbende Rede ist noch nicht die Zote, geht aber in sie über. Wo
    nämlich die Bereitschaft des Weibes sich rasch einstellt, da ist
    die obszöne Rede kurzlebig, sie weicht alsbald der sexuellen
    Handlung. Anders, wenn auf die rasche Bereitschaft des Weibes
    nicht zu rechnen ist, sondern an deren Statt die Abwehrreaktionen

    1) Molls Kontrektationstrieb (Untersuchungen über die Libido sexualis, 1898).

  • S.

     

        108     Der Witz  

     

    desselben auftreten. Dann wird die sexuell erregende Rede als Zote
        Selbstzweck; da die sexuelle Aggression in ihrem Fortschreiten
        bis zum Akt aufgehalten ist, verweilt sie bei der Hervorrufung
        der Erregung und zieht Lust aus den Anzeichen derselben beim
        Weibe. Die Aggression ändert dabei wohl auch ihren Charakter
        in dem nämlichen Sinne wie jede libidinöse Regung, der sich
        ein Hindernis entgegengestellt; sie wird direkt feindselig, grausam,
        ruft also die sadistische Komponente des Geschlechtstriebes gegen
        das Hindernis zur Hilfe.

     

    Die Unnachgiebigkeit des Weibes ist also die nächste Be-
        dingung für die Ausbildung der Zote, allerdings eine solche, die
        bloß einen Aufschub zu bedeuten scheint und weitere Bemühung
        nicht aussichtslos erscheinen läßt. Der ideale Fall eines der-
        artigen Widerstandes beim Weibe ergibt sich bei der gleichzeitigen
        Anwesenheit eines anderen Mannes, eines Dritten, denn dann ist
        das sofortige Nachgeben des Weibes so gut wie ausgeschlossen.
        Dieser Dritte gelangt bald zur größten Bedeutung für die Ent-
        wicklung der Zote; zunächst ist aber von der Anwesenheit des
        Weibes nicht abzusehen. Beim Landvolk oder im Wirtshaus des
        kleinen Mannes kann man beobachten, daß erst das Hinzutreten
        der Kellnerin oder der Wirtin die Zote zum Vorschein bringt;
        auf höherer sozialer Stufe erst tritt das Gegenteil ein, macht die
        Anwesenheit eines weiblichen Wesens der Zote ein Ende; die
        Männer sparen sich diese Art der Unterhaltung, die ursprünglich
        ein sich schämendes Weib voraussetzt, auf, bis sie allein „unter
        sich“ sind. So wird allmählich anstatt des Weibes der Zuschauer,
        jetzt Zuhörer, die Instanz, für welche die Zote bestimmt ist, und
        diese nähert sich durch solche Wandlung bereits dem Charakter
        des Witzes.

     

    Unsere Aufmerksamkeit kann von dieser Stelle an von zwei
        Momenten in Anspruch genommen werden, von der Rolle des
        Dritten, des Zuhörers, und von den inhaltlichen Bedingungen
        der Zote selbst.

  • S.

    Die Tendenzen des Witzes109

    Der tendenziöse Witz braucht im allgemeinen drei Personen,
    außer der, die den Witz macht, eine zweite, die zum Objekt der
    feindseligen oder sexuellen Aggression genommen wird, und eine
    dritte, an der sich die Absicht des Witzes, Lust zu erzeugen,
    erfüllt. Die tiefere Begründung für diese Verhältnisse werden wir
    später aufzusuchen haben, vorläufig halten wir uns an die Tat-
    sache, die sich ja darin bekundet, daß nicht, wer den Witz macht,
    ihn auch belacht, also dessen Lustwirkung genießt, sondern der
    untätige Zuhörer. In der nämlichen Relation befinden sich die
    drei Personen bei der Zote. Man kann den Hergang so be-
    schreiben: Der libidinöse Impuls des Ersten entfaltet, sowie er
    die Befriedigung durch das Weib gehemmt findet, eine gegen
    diese zweite Person feindselige Tendenz und ruft die ursprünglich
    störende dritte Person zum Bundesgenossen auf. Durch die zotige
    Rede des Ersten wird das Weib vor diesem Dritten entblößt, der
    nun als Zuhörer — durch die mühelose Befriedigung seiner eigenen
    Libido — bestochen wird.

    Es ist merkwürdig, daß solcher Zotenverkehr beim gemeinen
    Volke so überaus beliebt und eine nie fehlende Betätigung heiterer
    Stimmung ist. Beachtenswert ist aber auch, daß bei diesem kom-
    plizierten Vorgang, der so viele Charaktere des tendenziösen Witzes
    an sich trägt, an die Zote selbst keiner der formellen Ansprüche,
    welche den Witz kennzeichnen, gestellt wird. Die unverhüllte
    Nudität auszusprechen bereitet dem Ersten Vergnügen und macht
    den Dritten lachen.

    Erst wenn wir zu feiner gebildeter Gesellschaft aufsteigen,
    tritt die formelle Witzbedingung hinzu. Die Zote wird witzig und
    wird nur geduldet, wenn sie witzig ist. Das technische Mittel,
    dessen sie sich zumeist bedient, ist die Anspielung, d. h. die
    Ersetzung durch ein Kleines, ein im entfernten Zusammenhang
    Befindliches, welches der Hörer in seinem Vorstellen zur vollen und
    direkten Obszönität rekonstruiert. Je größer das Mißverhältnis
    zwischen dem in der Zote direkt Gegebenen und dem von ihr

  • S.

    110 Der Witz

    im Hörer mit Notwendigkeit Angeregten ist, desto feiner wird der
    Witz, desto höher darf er sich dann auch in die gute Gesellschaft
    hinaufwagen. Außer der groben und der feinen Anspielung stehen
    der witzigen Zote, wie leicht an Beispielen gezeigt werden kann,
    alle anderen Mittel des Wort- und Gedankenwitzes zur Verfügung.

    Hier wird endlich greifbar, was der Witz im Dienste seiner
    Tendenz leistet. Er ermöglicht die Befriedigung eines Triebes
    (des lüsternen und feindseligen) gegen ein im Wege stehendes
    Hindernis, er umgeht dieses Hindernis und schöpft somit Lust
    aus einer durch das Hindernis unzugänglich gewordenen Lust-
    quelle. Das im Wege stehende Hindernis ist eigentlich nichts
    anderes als die der höheren Bildungs- und Gesellschaftsstufe ent-
    sprechend gesteigerte Unfähigkeit des Weibes, das unverhüllte
    Sexuelle zu ertragen. Das in der Ausgangssituation als anwesend
    gedachte Weib wird eben weiterhin als anwesend beibehalten,
    oder ihr Einfluß wirkt auch in ihrer Abwesenheit auf die Männer
    einschüchternd fort. Man kann beobachten, wie Männer höherer
    Stände durch die Gesellschaft niedrigstehender Mädchen sofort
    veranlaßt werden, die witzige Zote in die einfache zurücksinken
    zu lassen.

    Die Macht, welche dem Weibe und in geringerem Maße auch
    dem Manne den Genuß der unverhüllten Obszönität erschwert
    oder unmöglich macht, heißen wir die „Verdrängung“ und er-
    kennen in ihr denselben psychischen Vorgang, der in ernsten
    Krankheitsfällen ganze Komplexe von Regungen mitsamt deren
    Abkömmlingen vom Bewußtsein fernehält, und sich als ein
    Hauptfaktor der Verursachung bei den sogenannten Psychoneurosen
    herausgestellt hat. Wir gestehen der Kultur und höheren Er-
    ziehung einen großen Einfluß auf die Ausbildung der Verdrängung
    zu und nehmen an, daß unter diesen Bedingungen eine Verän-
    derung der psychischen Organisation zustande kommt, die auch als
    ererbte Anlage mitgebracht werden kann, derzufolge sonst ange-
    nehm Empfundenes nun als unannehmbar erscheint und mit allen

  • S.

    Die Tendenzen des Witzes

    111

    psychischen Kräften abgelehnt wird. Durch die Verdrängungsarbeit
    der Kultur gehen primäre, jetzt aber von der Zensur in uns verwor-
    fene, Genußmöglichkeiten verloren. Der Psyche des Menschen wird
    aber alles Verzichten so sehr schwer, und so finden wir, daß der
    tendenziöse Witz ein Mittel abgibt, den Verzicht rückgängig zu
    machen, das Verlorene wieder zu gewinnen. Wenn wir über einen
    feinen obszönen Witz lachen, so lachen wir über das nämliche,
    was den Bauer bei einer groben Zote lachen macht; die Lust
    stammt in beiden Fällen aus der nämlichen Quelle; über die grobe
    Zote zu lachen, brächten wir aber nicht zustande, wir würden
    uns schämen, oder sie erschiene uns ekelhaft; wir können erst
    lachen, wenn uns der Witz seine Hilfe geliehen hat.

    Es scheint sich uns also zu bestätigen, was wir eingangs ver-
    mutet haben, daß der tendenziöse Witz über andere Quellen
    der Lust verfügt als der harmlose, bei dem alle Lust irgendwie
    an die Technik geknüpft ist. Wir können auch von neuem hervor-
    heben, daß wir beim tendenziösen Witz außerstande sind, durch
    unsere Empfindung zu unterscheiden, welcher Anteil der Lust aus
    den Quellen der Technik, welcher aus denen der Tendenz her-
    rührt. Wir wissen also streng genommen nicht, worüber wir
    lachen. Bei allen obszönen Witzen unterliegen wir grellen Urteils-
    täuschungen über die „Güte“ des Witzes, soweit dieselbe von
    formalen Bedingungen abhängt; die Technik dieser Witze ist oft
    recht ärmlich, ihr Lacherfolg ein ungeheurer.

    *

    Wir wollen nun untersuchen, ob die Rolle des Witzes im
    Dienst der feindseligen Tendenz die nämliche ist.
    Von vornherein stoßen wir hier auf dieselben Bedingungen.
    Die feindseligen Impulse gegen unsere Nebenmenschen unterliegen
    seit unserer individuellen Kindheit wie seit den Kinderzeiten
    menschlicher Kultur den nämlichen Einschränkungen, der näm-
    lichen fortschreitenden Verdrängung wie unsere sexuellen Stre-

  • S.

    112                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                         

  • S.

    113

    Wir sind nun auf die Rolle des Witzes bei der feindseligen
    Aggression vorbereitet. Der Witz wird uns gestatten, Lächerliches
    am Feind zu verwerten, das wir entgegenstehender Hindernisse
    wegen nicht laut oder nicht bewußt vorbringen durften, wird also
    wiederum Einschränkungen umgehen und unzugäng-
    lich gewordene Lustquellen eröffnen
    . Er wird ferner
    den Hörer durch seinen Lustgewinn bestechen, ohne strengste
    Prüfung unsere Partei zu nehmen, wie wir selbst andere Male,
    vom harmlosen Witz bestochen, den Gehalt des witzig ausgedrückten
    Satzes zu überschätzen pflegten. „Die Lacher auf seine Seite
    ziehen“, sagt mit vollkommen zutreffendem Ausdruck unsere
    Sprache.

    Man fasse z. B. die über den vorigen Abschnitt zerstreuten
    Witze des Herrn N. ins Auge. Es sind sämtlich Schmähungen.
    Es ist, als wollte Herr N. laut schreien: Aber der Ackerbau-
    minister ist ja selber ein Ochs! Laßt mich in Ruhe mit dem ***;
    der platzt ja vor Eitelkeit! Etwas Langweiligeres als die Aufsätze
    dieses Historikers über Napoleon in Österreich habe ich über-
    haupt noch nicht gelesen! Aber der Hochstand seiner Persön-
    lichkeit macht es ihm unmöglich, diese seine Urteile in dieser
    Form von sich zu geben. Sie nehmen darum den Witz zur
    Hilfe, welcher ihnen eine Aufnahme heim Hörer sichert, die
    sie trotz ihres etwaigen Wahrheitsgehalts in unwitziger Form
    niemals gefunden hätten. Einer dieser Witze ist besonders lehr-
    reich, der vom „roten Fadian“, vielleicht der überwältigendste von
    allen. Was nötigt uns daran zum Lachen und lenkt unser Interesse
    von der Frage, ob dem armen Schriftsteller Unrecht geschehen
    ist oder nicht, so vollständig ab? Gewiß die witzige Form, der
    Witz also; aber über was lachen wir dabei? Ohne Zweifel über
    die Person selbst, die uns als „roter Fadian“ vorgeführt wird,
    und insbesondere über ihre Rothaarigkeit. Körperliche Gebrechen
    zu verlachen hat sich der Gebildete abgewöhnt, auch zählt für
    hn die Rothaarigkeit nicht zu den lachenswürdigen Körperfehlern.

  • S.

    114

    Der Witz

    Wohl aber gilt sie dafür beim Schulknaben und beim gemeinen
    Volk, ja auch noch auf der Bildungsstufe gewisser kommunaler
    und parlamentarischer Vertreter. Und nun hat dieser Witz des
    Herrn N. es auf die kunstvollste Weise ermöglicht, daß wir, er-
    wachsene und feinfühlige Leute, über die roten Haare des Histo-
    rikers X. lachen wie die Schulknaben. Es lag dies gewiß nicht
    in der Absicht des Herrn N.; aber es ist sehr zweifelhaft, ob
    jemand, der seinen Witz walten läßt, dessen genaue Absicht
    kennen muß.

    War in diesen Fällen das Hindernis für die Aggression, welches
    der Witz umgehen half, ein innerliches — die ästhetische Auf-
    lehnung gegen die Schmähung, — so kann es andere Male rein
    äußerlicher Natur sein. So in dem Falle, wenn Serenissimus den
    Fremden, dessen Ähnlichkeit mit seiner eigenen Person ihm
    auffällt, fragt: War seine Mutter einmal in der Residenz? Und
    die schlagfertige Antwort darauf lautet: Nein, aber mein Vater.
    Der Gefragte möchte gewiß den Frechen niederschlagen, der es
    wagt, durch solche Anspielung dem Andenken der geliebten Mutter
    Schmach anzutun; aber dieser Freche ist Serenissimus, den man
    nicht niederschlagen, nicht einmal beleidigen darf, wenn man diese
    Rache nicht mit seiner ganzen Existenz erkaufen will. Es hieße
    also die Beleidigung schweigend herunterwürgen; aber zum Glück
    zeigt der Witz den Weg, sie ungefährdet zu vergelten, indem
    man mit dem technischen Mittel der Unifizierung die Anspielung
    aufnimmt und gegen den Angreifer wendet. Der Eindruck des
    Witzigen wird hier so sehr von der Tendenz bestimmt, daß wir
    angesichts der witzigen Entgegnung zu vergessen neigen, daß die
    Frage des Angreifers selbst durch Anspielung witzig ist.

    Die Verhinderung der Schmähung oder beleidigenden Ent-
    gegnung durch äußere Umstände ist ein so häufiger Fall, daß
    der tendenziöse Witz mit ganz besonderer Vorliebe zur Ermög-
    lichung der Aggression oder der Kritik gegen Höhergestellte, die
    Autorität in Anspruch nehmen, verwendet wird. Der Witz stellt

  • S.

      Die Tendenzen des Witzes   115

    dann eine Auflehnung gegen solche Autorität, eine Befreiung von
    dem Drucke derselben dar. In diesem Moment liegt ja auch der
    Reiz der Karikatur, über welche wir selbst dann lachen, wenn
    sie schlecht geraten ist, bloß weil wir ihr die Auflehnung gegen
    die Autorität als Verdienst anrechnen.

    Wenn wir im Auge behalten, daß der tendenziöse Witz sich
    so sehr zum Angriff auf Großes, Würdiges und Mächtiges eignet,
    das durch innerliche Hemmungen oder äußerliche Umstände gegen
    direkte Herabsetzung geschützt ist, so werden wir zu einer be-
    sonderen Auffassung gewisser Gruppen von Witzen gedrängt, die
    sich mit minderwertigen und ohnmächtigen Personen abzugeben
    scheinen. Ich meine die Heiratsvermittlergeschichten, von denen
    wir einzelne bei der Untersuchung der mannigfaltigen Techniken
    des Gedankenwitzes kennengelernt haben. In einigen derselben,
    z. B. in den Beispielen „Taub ist sie auch“ und „Wer borgt denn
    den Leuten was!“ ist der Vermittler als ein unvorsichtiger und
    gedankenloser Mensch verlacht worden, der dadurch komisch wird,
    daß ihm die Wahrheit gleichsam automatisch entwischt. Aber
    reimt sich einerseits das, was wir von der Natur des tendenziösen
    Witzes erfahren haben, und anderseits die Größe unseres Wohl-
    gefallens an diesen Geschichten mit der Armseligkeit der Personen
    zusammen, über die der Witz zu lachen scheint? Sind das des
    Witzes würdige Gegner? Geht es nicht vielmehr so zu, daß der
    Witz die Vermittler nur vorschiebt, um etwas Bedeutsameres zu
    treffen, daß er, wie das Sprichwort sagt, auf den Sack schlägt,
    während er den Esel meint? Diese Auffassung ist wirklich nicht
    abzuweisen.

    Die obige Deutung der Vermittlergeschichten läßt eine Fort-
    setzung zu. Es ist wahr, daß ich auf dieselbe nicht einzugehen
    brauche, daß ich mich begnügen kann, in diesen Geschichten
    „Schwänke“ zu sehen und ihnen den Charakter des Witzes
    abzusprechen. Eine solche subjektive Bedingtheit des Witzes
    besteht also auch; wir sind jetzt auf sie aufmerksam geworden

    8*

  • S.

     

        116     Der Witz  

     

    und werden sie späterhin untersuchen müssen. Sie besagt, daß
    nur das ein Witz ist, was ich als einen Witz gelten lasse. Was
    für mich ein Witz ist, kann für einen anderen bloß eine komische
    Geschichte sein. Gestattet aber ein Witz diesen Zweifel, so kann
    es nur daher rühren, daß er eine Schauseite, eine — in unseren
    Fällen komische — Fassade hat, an welcher sich der Blick des
    einen ersättigt, während ein anderer versuchen kann, hinter die-
    selbe zu spähen. Der Verdacht darf auch rege werden, daß diese
    Fassade dazu bestimmt ist, den prüfenden Blick zu blenden, daß
    solche Geschichten also etwas zu verbergen haben.

     

    Jedenfalls, wenn unsere Vermittlergeschichten Witze sind, so
    sind sie um so bessere Witze, weil sie dank ihrer Fassade im-
    stande sind zu verbergen, nicht nur, was sie zu sagen haben,
    sondern auch, daß sie etwas — Verbotenes — zu sagen haben.
    Die Fortsetzung der Deutung aber, welche dies Verborgene auf-
    deckt und diese Geschichten mit komischer Fassade als tendenziöse
    Witze entlarvt, wäre folgende: Jeder, der sich die Wahrheit so
    in einem unbewachten Moment entschlüpfen läßt, ist eigentlich
    froh darüber, daß er der Verstellung ledig wird. Das ist eine
    richtige und tief reichende psychologische Einsicht. Ohne solche
    innerliche Zustimmung läßt sich niemand von dem Automatismus,
    der hier die Wahrheit an den Tag bringt, übermannen.¹ Hiemit
    wandelt sich aber die lächerliche Person des Schadchen in eine
    bedauernswert sympathische. Wie selig muß der Mann sein, die
    Last der Verstellung endlich abwerfen zu können, wenn er sofort
    die erste Gelegenheit benützt, um das letzte Stück der Wahrheit
    herauszuschreien! Sowie er merkt, daß die Sache verloren ist,
    daß die Braut dem jungen Manne nicht gefällt, verrät er gern,
    daß sie noch einen versteckten Fehler hat, der jenem nicht auf-
    gefallen ist, oder er bedient sich des Anlasses, ein für ein Detail

     

        1 Es ist derselbe Mechanismus, der das „Versprechen“ und andere Phänomene des
    Selbstverrats beherrscht. Siehe „Zur Psychopathologie des Alltagslebens“ [Ges.
    Schriften, Bd. IV].  

  • S.

    Die Tendenzen des Witzes 117

    entscheidendes Argument anzuführen, um dabei den Leuten, in
    deren Dienst er arbeitet, seine Verachtung auszudrücken: Ich
    bitt' Sie, wer borgt denn den Leuten was! Die ganze Lächerlichkeit
    fällt nun auf die in der Geschichte nur gestreiften Eltern,
    die solchen Schwindel für gestattet halten, um nur ihre Töchter
    an den Mann zu bringen, auf die Erbärmlichkeit der Mädchen,
    die sich unter solchen Veranstaltungen verheiraten lassen, auf die
    Unwürdigkeit der Ehen, die nach solchen Einleitungen geschlossen
    werden. Der Vermittler ist der richtige Mann, der solche Kritik
    zum Ausdruck bringen darf, denn er weiß am meisten von diesen
    Mißbräuchen, er darf sie aber nicht laut verkünden, denn er ist
    ein armer Mann, der gerade nur von deren Ausnützung leben
    kann. In einem ähnlichen Konflikt befindet sich aber auch der
    Volksgeist, der diese und ähnliche Geschichten geschaffen hat;
    denn er weiß, die Heiligkeit der geschlossenen Ehen leidet arg
    durch den Hinweis auf die Vorgänge bei der Eheschließung.

    Erinnern wir uns auch der Bemerkung bei der Untersuchung
    der Witztechnik, daß Widersinn im Witz häufig Spott und Kritik
    in dem Gedanken hinter dem Witz ersetzen, worin es die Witzarbeit
    übrigens der Traumarbeit gleichtut; wir finden diesen Sachverhalt
    hier von neuem bestätigt. Daß Spott und Kritik nicht
    der Person des Vermittlers gelten, der in den vorigen Beispielen
    nur als der Prügelknabe des Witzes auftritt, wird durch eine
    andere Reihe von Witzen erwiesen, in denen der Vermittler ganz
    im Gegenteile als überlegene Person gezeichnet ist, deren Dialektik
    sich jeder Schwierigkeit gewachsen erweist. Es sind Geschichten
    mit logischer anstatt der komischen Fassade, sophistische Gedankenwitze.
    In einer derselben (S. 66) weiß der Vermittler den Fehler
    der Braut, daß sie hinkt, hinwegzudisputieren. Es sei wenigstens
    eine „fertige Sache“, eine andere Frau mit geraden Gliedern sei
    hingegen in beständiger Gefahr hinzuzufallen und sich ein Bein
    zu brechen, und dann kämen die Krankheit, die Schmerzen, die
    Behandlungskosten, die man sich bei der bereits Hinkenden erspare.

  • S.

      118   Der Witz

    Oder in einer anderen Geschichte weiß er eine ganze Reihe von
    Ausstellungen des Bewerbers an der Braut, jede einzeln mit guten
    Argumenten, zurückzuweisen, um ihm dann bei der letzten,
    unbeschönbaren, entgegenzuhalten: Was wollen Sie, gar kein'
    Fehler soll sie haben?, als ob von den früheren Einwendungen
    nicht doch ein notwendiger Rest übrig geblieben wäre. Es ist
    nicht schwer, bei beiden Beispielen die schwache Stelle in der
    Argumentation nachzuweisen; wir haben dies auch bei der Unter-
    suchung der Technik getan. Aber nun interessiert uns etwas
    anderes. Wenn der Rede des Vermittlers so starker logischer
    Schein geliehen wird, der sich bei sorgfältiger Prüfung als Schein
    zu erkennen gibt, so ist die Wahrheit dahinter, daß der Witz
    dem Vermittler recht gibt; der Gedanke getraut sich nicht, ihm
    ernsthaft recht zu geben, ersetzt diesen Ernst durch den Schein,
    den der Witz vorbringt, aber der Scherz verrät hier wie so häufig
    den Ernst. Wir werden nicht irregehen, wenn wir von all den
    Geschichten mit logischer Fassade annehmen, daß sie das wirklich
    meinen, was sie mit absichtlich fehlerhafter Begründung behaupten.
    Erst diese Verwendung des Sophismas zur versteckten Darstellung
    der Wahrheit verleiht ihm den Charakter des Witzes, der also
    hauptsächlich von der Tendenz abhängt. Was in beiden Geschichten
    angedeutet werden soll, ist nämlich, daß der Bewerber sich wirk-
    lich lächerlich macht, wenn er die einzelnen Vorzüge der Braut
    so sorgsam zusammensucht, die doch alle hinfällig sind, und wenn er
    dabei vergißt, daß er vorbereitet sein muß, ein Menschenkind mit
    unvermeidlichen Fehlern zu seinem Weibe zu machen, während doch
    die einzige Eigenschaft, welche die Ehe mit der mehr oder minder
    mangelhaften Persönlichkeit der Frau erträglich machen würde, die
    gegenseitige Zuneigung und Bereitwilligkeit zur liebevollen An-
    passung wäre, von der bei dem ganzen Handel nicht die Rede ist.

    Die in diesen Beispielen enthaltene Verspottung des Ehewerbers,
    bei welcher nun der Vermittler ganz passend die Rolle des Über-
    legenen spielt, wird in anderen Geschichten weit deutlicher zum

  • S.

    Die Tendenzen des Witzes

    119

    Ausdruck gebracht. Je deutlicher diese Geschichten sind, desto
    weniger von Witztechnik enthalten sie; sie sind gleichsam nur
    Grenzfälle des Witzes, mit dessen Technik sie nur mehr die
    Fassadenbildung gemeinsam haben. Infolge der gleichen Tendenz
    und des Versteckens derselben hinter der Fassade kommt ihnen
    aber die volle Wirkung des Witzes zu. Die Armut an technischen
    Mitteln läßt außerdem verstehen, daß viele Witze dieser Art das
    komische Element des Jargons, das ähnlich der Witztechnik wirkt,
    nicht ohne starke Einbuße entbehren können.

    Eine solche Geschichte, die bei aller Kraft des tendenziösen
    Witzes nichts mehr von dessen Technik erkennen läßt, ist die
    folgende: Der Vermittler fragt: „Was verlangen Sie von Ihrer
    Braut?“ — Antwort: „Schön muß sie sein, reich muß sie sein
    und gebildet.“ — „Gut,“ sagt der Vermittler, „aber daraus mach’
    ich drei Partien.“ Hier wird der Verweis dem Manne direkt er-
    teilt, nicht mehr in der Einkleidung eines Witzes.

    In den bisherigen Beispielen richtete sich die verhüllte Aggression
    noch gegen Personen, in den Vermittlerwitzen gegen alle Parteien,
    die an dem Handel der Eheschließung beteiligt sind: Braut,
    Bräutigam und deren Eltern. Die Angriffsobjekte des Witzes können
    aber ebensowohl Institutionen sein, Personen, insofern sie Träger
    derselben sind, Satzungen der Moral oder der Religion, Lebens-
    anschauungen, die ein solches Ansehen genießen, daß der Ein-
    spruch gegen sie nicht anders als in der Maske eines Witzes, und
    zwar eines durch seine Fassade gedeckten Witzes auftreten kann.
    Mögen der Themata wenige sein, auf die dieser tendenziöse Witz
    abzielt, seine Formen und Einkleidungen sind äußerst mannig-
    faltig. Ich glaube, wir tun recht, diese Gattung von tendenziösem
    Witz durch einen besonderen Namen auszuzeichnen. Welcher Name
    der geeignete ist, wird sich ergeben, nachdem wir einige Beispiele
    dieser Gattung gedeutet haben.

    Ich erinnere an die beiden Geschichten vom verarmten Gour-
    mand, der bei „Lachs mit Mayonnaise“ betroffen wird, und vom

  • S.

    120

    trunksüchtigen Lehrer, die wir als sophistische Verschiebungswitze
    kennen gelernt haben, und führe deren Deutung fort. Wir haben
    seitdem gehört, daß, wenn der Schein der Logik an die Fassade
    einer Geschichte geheftet ist, der Gedanke wohl im Ernst sagen
    möchte: Der Mann hat recht, des entgegenstehenden Widerspruches
    wegen aber sich nicht getraut, dem Menue anders recht zu
    geben als in einem Punkte, in dem sein Unrecht leicht nach-
    zuweisen ist. Die gewählte „Pointe“ ist das richtige Kompromiß
    zwischen seinem Recht und seinem Unrecht, was freilich keine
    Entscheidung ist, aber wohl dem Konflikt in uns selbst entspricht.
    Die beiden Geschichten sind einfach epikureisch, sie sagen: Ja,
    der Mann hat recht, es gibt nichts Höheres als den Genuß, und
    es ist ziemlich gleichgültig, auf welche Art man sich ihn ver-
    schafft. Das klingt furchtbar unmoralisch und ist wohl auch nicht
    viel besser, aber im Grunde ist es nichts anderes als das „Carpe
    diem
    “ des Poeten, der sich auf die Unsicherheit des Lebens
    und auf die Unfruchtbarkeit der tugendhaften Entsagung beruft.
    Wenn die Idee, daß der Mann im Witz von „Lachs mit Mayonnaise“
    recht haben soll, auf uns so abstoßend wirkt, so rührt dies nur
    von der Illustration der Wahrheit an einem Genuß niedrigster
    Art, der uns sehr entbehrlich scheint, her. In Wirklichkeit hat
    jeder von uns Stunden und Zeiten gehabt, in denen er dieser
    Lebensphilosophie ihr Recht zugestenden und der Morallehre
    vorgehalten hat, daß sie nur zu fordern verstand, ohne zu ent-
    schädigen. Seitdem die Anweisung auf das Jenseits, in dem sich
    alle Entsagung durch Befriedigung lohnen soll, von uns nicht mehr
    geglaubt wird — es gibt übrigens sehr wenig Fromme, wenn man
    die Entsagung zum Kennzeichen des Glaubens macht, — seitdem
    wird das „Carpe diem“ zur ernsten Mahnung. Ich will die Be-
    friedigung gern eufschieben, aber weiß ich denn, ob ich morgen
    noch da sein werde?

    „Di doman’ non c’è certezza.“1

    1) Lorenzo dei Medici.

  • S.

    Die Tendenzen des Witzes

    101

    Ich will gern auf alle von der Gesellschaft verpönten Wege
    der Befriedigung verzichten, aber bin ich sicher, daß mir die
    Gesellschaft diese Entsagung lohnen wird, indem sie mir — wenn
    auch mit einem gewissen Aufschub — einen der erlaubten Wege
    öffnet? Es läßt sich laut sagen, was diese Witze flüstern, daß
    die Wünsche und Begierden des Menschen ein Recht haben, sich
    vernehmbar zu machen neben der anspruchsvollen und rücksichts-
    losen Moral, und es ist in unseren Tagen in nachdrücklichen und
    packenden Sätzen gesagt worden, daß diese Moral nur die eigen-
    nützige Vorschrift der wenigen Reichen und Mächtigen ist, welche
    jederzeit ohne Aufschub ihre Wünsche befriedigen können. So-
    lange die Heilkunst es nicht weiter gebracht hat, unser Leben
    zu sichern, und solange die sozialen Einrichtungen nicht mehr
    dazu tun, es erfreulicher zu gestalten, so lange kann die Stimme
    in uns, die sich gegen die Moralanforderungen auflehnt, nicht
    erstickt werden. Jeder ehrliche Mensch wird wenigstens bei sich
    dieses Zugeständnis endlich machen. Die Entscheidung in diesem
    Konflikt ist erst auf dem Umwege über eine neue Einsicht
    möglich. Man muß sein Leben so an das anderer knüpfen, sich so
    innig mit anderen identifizieren können, daß die Verkürzung der
    eigenen Lebensdauer überwindbar wird, und man darf die
    Forderungen der eigenen Bedürfnisse nicht unrechtmäßig erfüllen,
    sondern muß sie unerfüllt lassen, weil nur der Fortbestand so
    vieler unerfüllter Forderungen die Macht entwickeln kann, die
    gesellschaftliche Ordnung abzuändern. Aber nicht alle persönlichen
    Bedürfnisse lassen sich in solcher Art verschieben und auf andere
    übertragen, und eine allgemein- und endgültige Lösung des
    Konflikts gibt es nicht.

    Wir wissen nun, wie wir Witze wie die letztgedeuteten zu
    benennen haben; es sind zynische Witze, was sie verhüllen,
    sind Zynismen.

    Unter den Institutionen, die der zynische Witz anzugreifen
    pflegt, ist keine wichtiger, eindringlicher durch Moralvorschriften

  • S.

    122 Der Witz

    geschützt, aber dennoch zum Angriff einladender als das Institut
    der Ehe, dem also auch die meisten zynischen Witze gelten.
    Kein Anspruch ist ja persönlicher als der auf sexuelle Freiheit,
    und nirgends hat die Kultur eine stärkere Unterdrückung zu üben
    versucht als auf dem Gebiete der Sexualität. Für unsere Ab-
    sichten mag ein einziges Beispiel genügen, die auf S. 84 erwähnte
    „Eintragung in das Stammbuch des Prinzen Karneval“:
    „Eine Frau ist wie ein Regenschirm — man nimmt sich
    dann doch einen Komfortabel.“
    Die komplizierte Technik dieses Beispiels haben wir bereits
    erörtert: ein verblüffender, anscheinend unmöglicher Vergleich,
    der aber, wie wir jetzt sehen, an sich nicht witzig ist, ferner eine
    Anspielung (Komfortabel = öffentliches Fuhrwerk) und als stärk-
    stes technisches Mittel eine die Unverständlichkeit erhöhende
    Auslassung. Die Vergleichung wäre in folgender Art auszuführen:
    Man heiratet, um sich gegen die Anfechtungen der Sinnlichkeit
    zu sichern, und dann stellt sich doch heraus, daß die Ehe keine
    Befriedigung eines etwas stärkeren Bedürfnisses gestattet, gerade-
    so wie man einen Regenschirm mitnimmt, um sich gegen den
    Regen zu schützen, und dann im Regen doch naß wird. In
    beiden Fällen muß man sich um stärkeren Schutz umsehen, hier
    öffentliches Fuhrwerk, dort für Geld zugängliche Frauen nehmen.
    Jetzt ist der Witz fast völlig durch Zynismus ersetzt. Daß die
    Ehe nicht die Veranstaltung ist, die Sexualität des Mannes zu
    befriedigen, getraut man sich nicht laut und öffentlich zu sagen,
    wenn man nicht etwa von der Wahrheitsliebe und dem Reform-
    eifer eines Christian v. Ehrenfels1 dazu gedrängt wird.
    Die Stärke dieses Witzes liegt nun darin, daß er es doch — auf
    allerlei Umwegen — gesagt hat.
    Ein für den tendenziösen Witz besonders günstiger Fall wird
    hergestellt, wenn die beabsichtigte Kritik der Auflehnung sich

    1) S. dessen Aufsätze in der Politisch-anthropologischen Revue II, 1905.

  • S.

       

    Die Tendenzen des Witzes

       

    123

    gegen die eigene Person richtet, vorsichtiger ausgedrückt, eine
    Person, an der die eigene Anteil hat, eine Sammelperson also,
    das eigene Volk zum Beispiel. Diese Bedingung der Selbstkritik
    mag uns erklären, daß gerade auf dem Boden des jüdischen Volks-
    lebens eine Anzahl der trefflichsten Witze erwachsen sind, von
    denen wir ja hier reichliche Proben gegeben haben. Es sind
    Geschichten, die von Juden geschaffen und gegen jüdische Eigen-
    tümlichkeiten gerichtet sind. Die Witze, die von Fremden über
    Juden gemacht werden, sind zu allermeist brutale Schwänke, in
    denen der Witz durch die Tatsache erspart wird, daß der Jude
    den Fremden als komische Figur gilt. Auch die Judenwitze, die
    von Juden herrühren, geben dies zu, aber sie kennen ihre wirklichen
    Fehler wie deren Zusammenhang mit ihren Vorzügen, und der
    Anteil der eigenen Person an dem zu Tadelnden schafft die sonst
    schwierig herzustellende subjektive Bedingung der Witzarbeit. Ich
    weiß übrigens nicht, ob es sonst noch häufig vorkommt, daß sich
    ein Volk in solchem Ausmaß über sein eigenes Wesen lustig macht.

    Als Beispiel hierfür kann ich auf die S. 86 erwähnte Geschichte
    hinweisen, wie ein Jude in der Eisenbahn sofort alle Dezens des
    Betragens aufgibt, nachdem er den Ankömmling im Coupé als
    Glaubensgenossen erkannt hat. Wir haben diesen Witz als Beleg
    für die Veranschaulichung durch ein Detail, Darstellung durch
    ein Kleinstes, kennengelernt; er soll die demokratische Denkungs-
    art der Juden schildern, die keinen Unterschied von Herren und
    Knechten anerkennt, aber leider auch Disziplin und Zusammen-
    wirken stört. Eine andere, besonders interessante Reihe von Witzen
    schildert die Beziehungen der armen und der reichen Juden zu
    einander; ihre Helden sind der „Schnorrer“ und der mildtätige
    Hausherr oder der Baron. Der Schnorrer, der alle Sonntage in
    demselben Haus als Gast zugelassen wird, erscheint eines Tages
    in Begleitung eines unbekannten jungen Mannes, der Miene macht,
    sich mit zu Tische zu setzen. Wer ist das? fragt der Hausherr
    und erhält die Antwort: Das ist mein Schwiegersohn seit voriger

  • S.

    124

    Woche; ich hab' ihm die Kost versprochen das erste Jahr. Die
    Tendenz dieser Geschichten ist stets die niimliche; sie wird in
    folgender am deutlichsten hervortreten: Der Schnorrer bettelt
    beim Baron um das Geld für eine Badereise nach Ostende; der
    Arzt hat ihm wegen seiner Beschwerden ein Seebad empfohlen.
    Der Baron findet, Ostende sei ein besonders kostspieliger Auf-
    enthalt; ein wohlfeilerer würde es auch tun. Aber der Schnorrer
    lehnt den Vorschlag mit den Worten ab: Herr Baron, für meine
    Gesundheit ist mir nichts zu teuer. Das ist ein prächtiger Ver-
    schiebungswitz, den wir als Muster für seine Gattung hätten
    nehmen können. Der Baron will offenbar sein Geld ersparen,
    der Schnorrer antwortet aber, als sei das Geld des Barons sein
    eigenes, das er dann allerdings minder hochschätzen darf als seine
    Gesundheit. Man wird hier aufgefordert, über die Frechheit des
    Anspruchs zu lachen, aber diese Witze sind ausnahmsweise nicht
    mit einer das Verständnis irreführenden Fassade ausgestattet. Die
    Wahrheit dahinter ist, daß der Schnorrer, der das Geld des
    Reichen in Gedanken wie eigenes behandelt, nach den heiligen
    Vorschriften der Juden wirklich fast das Recht zu dieser Verwechs-
    lung hat. Natürlich richtet sich die Auflehnung‚ die diesen Witz
    geschaffen hat, gegen das selbst den Frommen schwer bedrückende
    Gesetz.

    Eine andere Geschichte erzählt: Ein Schnorrer begegnet auf
    der Treppe des Reichen einen Genossen im Gewerbe, der ihm
    abrät, seinen Weg fortzusetzen. „Geh heute nicht hinauf, der
    Baron ist heute schlecht aufgelegt, er gibt niemand mehr als
    einen Gulden.“ — „Ich werde doch hinaufgehen“, sagt der erste
    Schnorrer. „Warum soll ich ihm den einen Gulden schenken?
    Schenkt er mir ’was ?“

    Dieser Witz bedient sich der Technik des Widersinnes, indem
    er den Schnorrer in demselben Moment behaupten läßt, der
    Baron schenke ihm nichts, in dem er sich anschickt, um das
    Geschenk zu betteln. Aber der Widersinn ist nur ein scheinbarer;

  • S.

    Die Tendenzen des Witzes 125

    es ist beinahe richtig, daß ihm der Reiche nichts schenkt, da er
    durch das Gesetz verpflichtet ist, ihm Almosen zu geben, und
    ihm, strenge genommen, dankbar sein muß, daß er ihm die
    Gelegenheit zum Wohltun verschafft. Die gemeine, bürgerliche
    Auffassung des Almosens liegt hier mit der religiösen im Streit;
    sie revoltiert offen gegen die religiöse in der Geschichte vom
    Baron, der, durch die Leidenserzählung des Schnorrers tief ergriffen,
    seinen Dienern schellt: Werfts ihn hinaus; er bricht mir das
    Herz! Diese offene Darlegung der Tendenz stellt wieder einen
    Grenzfall des Witzes her. Von der nicht mehr witzigen Klage:
    „Es ist wirklich kein Vorzug, ein Reicher unter Juden zu sein.
    Das fremde Elend läßt einen nicht zum Genuß des eigenen
    Glückes kommen“, entfernen sich diese letzten Geschichten fast
    nur durch die Veranschaulichung in einer einzelnen Situation.

    Von einem tief pessimistischen Zynismus zeugen andere Ge-
    schichten, die technisch wiederum Grenzfalle des Witzes darstellen,
    wie die nachstehende: Ein Schwerhöriger konsultiert den Arzt,
    der die richtige Diagnose macht, der Patient trinke wahrscheinlich
    zu viel Branntwein und sei darum taub. Er rät ihm davon ab,
    der Schwerhörige verspricht den Rat zu beherzigen. Nach einer
    Weile trifft ihn der Arzt auf der Straße und fragt ihn laut, wie
    es ihm gehe. Ich danke, ist die Antwort. Sie brauchen nicht so
    zu schreien, Herr Doktor, ich habe das Trinken aufgegeben und
    hör' wieder gut. Nach einer weiteren Weile wiederholt sich die
    Begegnung. Der Doktor fragt mit gewöhnlicher Stimme nach
    seinem Befinden, merkt aber, daß er nicht verstanden wird. Wie?
    Was? — Mir scheint, Sie trinken wieder Branntwein, schreit
    ihm der Doktor ins Ohr, und darum hören Sie wieder nichts.
    Sie können recht haben, antwortet der Schwerhörige. Ich hab'
    wieder angefangen zu trinken Branntwein, aber ich will Ihnen
    sagen: warum. Solange ich nicht getrunken hab', hab' ich gehört;
    aber alles, was ich gehört, war nicht so gut wie der Branntwein. —
    Technisch ist dieser Witz nichts anderes als eine Veranschaulichung;

  • S.

    126

    Der Witz

    der Jargon, die Künste der Erzählung müssen dazu dienen, das
    Lachen zu erwecken, aber dahinter lauert die traurige Frage:
    Hat der Mann mit seiner Wahl nicht recht?

    Es ist das mannigfaltige hoffnungslose Elend des Juden, auf
    welches diese pessimistischen Geschichten anspielen, die ich
    dieses Zusammenhanges wegen dem tendenziösen Witz an-
    reihen muß.

    Andere in ähnlichem Sinne zynische Witze, und zwar nicht
    nur Judengeschichten, greifen religiöse Dogmen und den Gottes-
    glauben selber an. Die Geschichte vom „Kück des Rabbi“, deren
    Technik in dem Denkfehler der Gleichstellung von Phantasie und
    Wirklichkeit bestand (auch die Auffassung als Verschiebung wäre
    haltbar), ist ein solcher zynischer oder kritischer Witz, der sich
    gegen die Wundertäter und gewiß auch gegen den Wunderglauben
    richtet. Einen direkt blasphemischen Witz soll Heine in der
    Situation des Sterbenden gemacht haben. Als der freundliche
    Priester ihn auf Gottes Gnade verwies und ihm Hoffnung machte,
    daß er bei Gott Vergebung für seine Sünden finden werde, soll
    er geantwortet haben: Bien sûr, qu'il me pardonnera; c'est son
    métier. Das ist ein herabsetzender Vergleich, technisch etwa
    nur vom Werte einer Anspielung, denn ein métier, Geschäft oder
    Beruf, hat etwa ein Handwerker oder ein Arzt, und zwar hat
    er nur ein einziges métier. Die Stärke des Witzes liegt aber in
    seiner Tendenz. Er soll nichts anderes sagen als: Gewiß wird
    er mir verzeihen, dazu ist er ja da, zu keinem anderen Zweck
    habe ich ihn mir angeschafft (wie man sich seinen Arzt, seinen
    Advokaten hält). Und so regt sich noch in dem machtlos daliegenden
    Sterbenden das Bewußtsein, daß er sich Gott erschaffen und ihn
    mit Macht ausgestattet hat, um sich seiner bei Gelegenheit zu
    bedienen. Das vermeintliche Geschöpf gibt sich noch kurz vor
    seiner Vernichtung als den Schöpfer zu erkennen.

    *

  • S.

    Die Tendenzen des Witzes

    127

    Zu den bisher behandelten Gattungen des tendenziösen Witzes,

    dem entblößenden oder obszönen,

    dem aggressiven (feindseligen),

    dem zynischen (kritischen, blasphemischen),

    möchte ich als vierte und seltenste eine neue anreihen, deren
    Charakter durch ein gutes Beispiel erläutert werden soll.

    Zwei Juden treffen sich im Eisenbahnwagen einer galizischen
    Station. „Wohin fährst du?“ fragt der eine. „Nach Krakau“, ist
    die Antwort. „Sieh’ her, was du für Lügner bist“, braust der
    andere auf. „Wenn du sagst, du fährst nach Krakau, willst du
    doch, daß ich glauben soll, du fährst nach Lemberg. Nun weiß
    ich aber, daß du wirklich fährst nach Krakau. Also warum
    lügst du?“

    Diese kostbare Geschichte, die den Eindruck übergroßer Spitz-
    findigkeit macht, wirkt offenbar durch die Technik des Wider-
    sinnes. Der Zweite soll sich Lüge vorwerfen lassen, weil er mit-
    geteilt, er fahre nach Krakau, was in Wahrheit sein Reiseziel ist!
    Dieses starke technische Mittel — der Widersinn — ist aber hier mit
    einer anderen Technik gepaart, der Darstellung durch das Gegen-
    teil, denn nach der unwidersprochenen Behauptung des Ersten
    lügt der andere, wenn er die Wahrheit sagt, und sagt die Wahr-
    heit mit einer Lüge. Der ernstere Gehalt dieses Witzes ist aber
    die Frage nach den Bedingungen der Wahrheit; der Witz deutet
    wiederum auf ein Problem und nützt die Unsicherheit eines
    unserer gebräuchlichsten Begriffe aus. Ist es Wahrheit, wenn
    man die Dinge so beschreibt, wie sie sind, und sich nicht darum
    kümmert, wie der Hörer das Gesagte auffassen wird? Oder ist
    dies nur jesuitische Wahrheit, und besteht die echte Wahrhaftig-
    keit nicht viel mehr darin, auf den Zuhörer Rücksicht zu nehmen,
    und ihm ein getreues Abbild seines eigenen Wissens zu vermitteln?
    Ich halte Witze dieser Art für genug verschieden von den anderen,
    um ihnen eine besondere Stellung anzuweisen. Was sie angreifen,
    ist nicht eine Person oder eine Institution, sondern die Sicherheit

  • S.

    128

    unserer Erkenntnis selbst, eines unserer spekulativen Güter. Der
    Name „skeptische“ Witze würde also für sie der ent-
    sprechende sein.

    *

    Wir haben im Verlaufe unserer Erörterungen über die Ten-
    denzen des Witzes vielleicht mancherlei Aufklärungen gewonnen
    und gewiß reichliche Anregungen zu weiteren Untersuchungen
    gefunden; aber die Ergebnisse dieses Abschnittes setzen sich mit
    denen des vorigen zu einem schwierigen Problem zusammen.
    Wenn es richtig ist, daß die Lust, die der Witz bringt, einerseits
    an der Technik, anderseits an der Tendenz haftet, unter welchem
    gemeinsamen Gesichtspunkt lassen sich etwa diese zwei so ver-
    schiedenen Lustquellen des Witzes vereinen?