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S.
Außerdem 26/8 98
Teurer WilhelmAus Chiavenna kam gestern
die frohe Nachricht von der
Lockerung der Welt- und Lebens-
rätsel, von Denkerfolgen, wie
man sie schöner nicht träumen
konnte. Ob der Weg bis zum
Ziel noch kurz oder länger
sich erweisen wird, worauf Dein
Vorsatz Mathematik zur Hilfe
zu nehmen, deutet, ich ahne
es bei mir daß er Dir offen
steht, u freue mich neuerdings
daß es mir schon vor 11 Jahren
als Nothwendigkeit aufgegangen
ist, Dich zu lieben, um meinen
eigenen Lebensinhalt zu ver-
mehren. Wie werde ich nun
davon erfahren, welches die
neuen Verbindungsglieder
geworden sind? Im Sept. kann
ich Dich kaum sehen u schreiben
kan̄st Du nur program̄artige
Andeutungen. So bleibt es wol -
S.
bis zu einem nächsten Congreß,
auf dem Du den ersten Versuch
machen sollst, einem, der – aber
im Ernst – „ganz dum̄" ist und
alles vergessen hat, – die neue
Wissenschaft im Zusam̄enhange
beizubringen. Geht es mir
im nächsten Herbst nicht zu schlecht,
rauben mir die Ernährungs- und
Analysensorgen nicht völlig die
innere Erhebung, so soll dieser
Congreß ausgedehnt genug werden,
um dem Herrn Lehrer auch
eine Kopfschmerzpause in seinen
Vorträgen zu gönnen –Was ich hier treibe? In Aussee,
dessen Spaziergänge mir ziemlich
bekannt sind, langweile ich mich
ein wenig. Ganz ohne Material
kan̄ ich doch nicht sein. Ich habe
mir die Aufgabe gestellt, zwischen
meiner keimenden Metapsych.
und der in Büchern enthaltenen
die Brücke herzustellen u -
S.
mich darum in das Studium von
Lipps versenkt, in dem ich den
klarsten Kopf unter den heutigen
philos. Schriftstellern ahne. Es
geht bis jetzt mit Verständniß
und Übertragg in meine Annahmen
recht gut. Natürlich ist die Zeit
arm an Aufklärungen. Die
Hy arbeit wird mir in Gedanken
im̄er zweifelhafter, ihr Werth
geringer, als hätte ich noch ein
paar mächtige Faktoren außer
Rechnung, u vor der Wiederauf-
nahme der Arbeiten graut
mir stark.Eine Kleinigkeit lang vermuthet,
habe ich endlich gefaßt. Du
ken̄st den Fall, daß einem
ein Name entfällt u sich
ein Stück eines anderen dafür
einschiebt, auf das man schwören
möchte, obwol es sich jedesmal
als falsch erweist. So ging es
mir unlängst mit dem Namen -
S.
des Dichters, von dem der Andreas
Hofer (Zu Mantua in Banden)
ist. Es muß etwas mit -au sein
Lindau, Feldau. Natürlich heißt
der Mann Julius Mosen, das
„Julius" war mir nicht entfallen.
Nun gelang es mir nachzuweisen,
1) daß ich den Namen Mosen
wegen gewißer Beziehungen
verdrängt habe 2) daß in dieser
Verdrängg infantiles Material
mit gewirkt, u 3) daß die vorge-
schobenen Ersatznamen aus beiden
Materialgruppen wie Symptome
entstanden waren. Die Analyse
fiel ganz lückenlos aus, leider
kan̄ ich sie sowenig wie meinen
großen Traum der Öffentlichkeit
preisgeben. Mit dem Vergeßen
haben wir ja in Berlin (Emil
Ham̄erschlag) etwas ähnliches
erlebt.Leb recht wohl, wie lange dauert es noch bis
zu Paulinen`s Auftreten?
Dein Sigm
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Bad Aussee 8990
Österreich
Von-der-Heydt-Straße 1
Berlin 10785
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C27F6