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S.
PROF. DR. FREUD
WIEN, IX., BERGGASSE 19.11.XI.1928
Lieber Herr Doktor
Sie haben Recht, diese Ringe
waren einmal Vorrecht
und Abzeichen einer Gruppe
von Personen, die sich
in der Hingabe an die
Analyse einig wußten,
versprochen hatten, als „ge-
heimes Comité“ deren Ent-
wicklung zu überwachen
und unter einander eine
Art von analytischer Brüder-
lichkeit zu pflegen; Rank
hat dann den Zauber
gestört – sein Abfall und
Abraham’s Tod das Comité
aufgelöst.Als ich angesichts des Abschieds
von Tegel dem Bedürfnis
Ausdruck gab, die ganz
außerordentliche Liebens-
würdigkeit durch Sie, eine
für mich schwere Zeit fast
in eine Zeit des Behagens
zu verwandeln, durch irgend
ein Andenken anzuerken̄en,
hat mich meine Tochter bewogen,
den alten Brauch an
Ihnen zu erneuern. Und
wirklich wüsste ich, von -
S.
meiner persönlichen Verpflichtung
gegen Sie abgesehen, in
Berlin niemand, der durch
die Echtheit und Intensität
seiner Gesinnung die Auf-
nahme in jenen Kreis
– wenn er noch bestünde
so verdienen würde wie
Sie.Indeß, Formen mögen vergehen,
ihr Sinn kann sie überleben
u sich andere Formen suchen.
Lassen Sie sich also nicht durch
den Umstand stören, daß
dieser Ring eigentlich
einer Regression auf nicht
mehr Lebendes entspricht,
und tragen Sie ihn
durch lange Jahre als Er-
innerung an den Ihnen
herzlich ergebenen
FreudPS. Die wärmsten Grüße
an Dr Wulff u Frau Dr Schalit
und unsere zärtliche
Hausmutter.