Prof. Dr. Freud
IX., Berggasse 19.
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PROF. Dr. SIGM. FREUD
IX. BERGGASSE 19.
10. XII. 06
Geehrter Herr Kollege
Ich freue mich jedesmal, wenn ich höre, daß eine junge Kraft, von dem Wahrheitsgehalt unserer Lehren angezogen, bereit ist, unseren Arbeiten näher zu treten.
Die Kranke, von der Sie schreiben, müßte – etwa persönliche Umstände abgerechnet – ein vortreffliches Objekt für psychoanalytische Behandlung sein. Ihre Übersiedlung nach Wien wollen Sie aber auch von folgendem Standpunkt aus betrachten. Wien ist ein sehr teurer Boden, und wenn
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sie wegen Unzuverlässigkeit eine Zeitlang in einem Sanatorium untergebracht werden muß, so sind die materiellen Verhältnisse der Kranken maßgebender als ihre psychischen. Besteht nach dieser Hinsicht kein Hindernis, so kann sie von mir übernommen werden (wenn ich Zeit habe) oder von einem meiner Schüler. Die Kosten der Kur dürften auf alle Fälle beträchtlich sein.
Mit kollegialem Gruß
Ihr Dr. Freud