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Auch das Material dieses Buches, diese zum größten Teil durch
die Ereignisse entwerteten oder überholten eigenen Träume, an denen
ich die Regeln der Traumdeutung erläutert hatte, erwies bei der Revision
ein Beharrungsvermögen, das sich eingreifenden Änderungen widersetzte.
Für mich hat dieses Buch nämlich noch eine andere subjektive Bedeutung,
die ich erst nach seiner Beendigung verstehen konnte. Es erwies sich mir
als ein Stück meiner Selbstanalyse, als meine Reaktion auf den Tod meines
Vaters, also auf das bedeutsamste Ereignis, den einschneidendsten Verlust
im Leben eines Mannes. Nachdem ich dies erkannt hatte, fühlte ich mich
unfähig, die Spuren dieser Einwirkung zu verwischen. Für den Leser mag
es aber gleichgültig sein, an welchem Material er Träume würdigen und
deuten lernt.Wo ich eine unabweisbare Bemerkung nicht in den alten Zusammen-
hang einfügen konnte, habe ich ihre Herkunft von der zweiten
Bearbeitung durch eckige Klammern angedeutet*.Berchtesgaden, im Sommer 1908.
Vorwort zur dritten Auflage
Während zwischen der ersten und der zweiten Auflage dieses Buches
ein Zeitraum von neun Jahren verstrichen ist, hat sich das Bedürfnis einer
dritten bereits nach wenig mehr als einem Jahre bemerkbar gemacht. Ich
darf mich dieser Wandlung freuen; wenn ich aber vorhin die Vernach-
lässigung meines Werkes von Seite der Leser nicht als Beweis für dessen
Unwert gelten lassen wollte, kann ich das nunmehr zu Tage getretene
Interesse auch nicht als Beweis für seine Trefflichkeit verwerten.Der Fortschritt wissenschaftlicher Erkenntnis hat auch die „Traum-
deutung“ nicht unberührt gelassen. Als ich sie 1899 niederschrieb, bestand
die „Sexualtheorie“ noch nicht, war die Analyse der komplizierteren Formen
von Psychoneurosen noch in ihren Anfängen. Die Deutung der Träume
sollte ein Hilfsmittel werden, um die psychologische Analyse der Neurosen
zu ermöglichen; seither hat das vertiefte Verständnis der Neurosen auf die
Auffassung des Traumes zurückgewirkt. Die Lehre von der Traumdeutung
selbst hat sich nach einer Richtung weiterentwickelt, auf welche in der
ersten Auflage dieses Buches nicht genug Akzent gefallen war. Durch eigene
Erfahrung wie durch die Arbeiten von W. Stekel und anderen habe
ich seither den Umfang und die Bedeutung der Symbolik im Traume
(oder vielmehr im unbewußten Denken) richtiger würdigen gelernt. So hat
sich im Laufe dieser Jahre vieles angesammelt, was Berücksichtigung ver-
langte. Ich habe versucht, diesen Neuerungen durch zahlreiche Einschaltungen* Diese wurden in den folgenden Auflagen wieder fallen gelassen.
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in den Text und Anfügung von Fußnoten Rechnung zu tragen. Wenn diese
Zusätze nun gelegentlich den Rahmen der Darstellung zu sprengen drohen,
oder wenn es doch nicht an allen Stellen gelungen ist, den früheren Text
auf das Niveau unserer heutigen Einsichten zu heben, so bitte ich für diese
Mängel des Buches um Nachsicht, da sie nur Folgen und Anzeichen der
nunmehr beschleunigten Entwicklung unseres Wissens sind. Ich getraue
mich auch vorherzusagen, nach welchen anderen Richtungen spätere Auf-
lagen der Traumdeutung — falls sich ein Bedürfnis nach solchen ergeben
würde — von der vorliegenden abweichen werden. Dieselben müßten einer-
seits einen engeren Anschluß an den reichen Stoff der Dichtung, des Mythus,
des Sprachgebrauchs und des Folklore suchen, anderseits die Beziehungen
des Traumes zur Neurose und zur Geistesstörung noch eingehender, als
es hier möglich war, behandeln.Herr Otto Rank hat mir bei der Auswahl der Zusätze wertvolle
Dienste geleistet und die Revision der Druckbogen allein besorgt, Ich bin
ihm und vielen anderen für ihre Beiträge und Berichtigungen zu Dank
verpflichtet.Wien, im Frühjahr 1911.
Vorwort zur vierten Auflage
Im Vorjahre (1913) hat Dr. A. A. Brill in New York eine eng-
lische Übersetzung dieses Buches zu Stande gebracht. [The interpretation
of dreams. G. Allen & CY., London.]Herr Dr. Otto Rank hat diesmal nicht nur die Korrekturen besorgt,
sondern auch den Text um zwei selbständige Beiträge bereichert. (Anhang
zu Kap. VI.)Wien, im Juni 1914.
Vorwort zur fünften Auflage
Das Interesse für die „Traumdeutung“ hat auch während des Welt-
krieges nicht geruht und noch vor Beendigung desselben eine neue Auf-
lage notwendig gemacht. In dieser konnte aber die neue Literatur seit 1914
du voll berücksichtigt werden; soweit sie fremdsprachig war, kam sie
überhaupt nicht zu meiner und Dr. Rank’s Kenntnis.
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Die Traumdeutung 1900-001/1930