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Editorische Anmerkung:
Dies ist ein Bericht aus 2. Hand, verfasst von Dr. Wilhelm Knöpfemacher, in dem zwei Vorträge Freuds auf Seite 376 Erwähnung finden.[…]
Entstehungsgeschichte und Chronik
der Vereinigung „Wien“ B’nai B’rith
in Wien.Vom Ehren-Vize-Großpräsidenten des österreichischen Distriktes
XII. U. O. B. B. Dr. Wilhelm Knöpfmacher.
(8. Fortsetzung).In der Sitzung vom 13. März wurde beschlossen, dem Ver-
eine „Ferienheim“ den Betrag von 300 K als einmalige Spende
und außerdem einen Jahresbeitrag von 100 K für das Jahr 1900,
weiters dem „Dr. Brecher’schen Siechenhause“ einen Jahres-
beitrag von 20 K zu widmen.Behufs Ermöglichung der Herausgabe eines im Manuskript
vorgelegenen Werkes über die Alexandrinische Epoche von Dr.
Weinstein „Zur Genesis der Agada II, die alexandrinische
Agada“, wurde der Betrag von 300 K durch private Sammlung
unter den Brüdern aufgebracht.An der Einweihungsfeier des neuen Logenhauses in Karls-
bad beteiligte sich unsere Vereinigung mit einer dreigliedrigen
Deputation, bestehend aus dem Expräs. Dr. Gustav Langstein,
Prof. Dr. Ehrmann und Gottlieb Lederer.Am 8. Mai wurde die vom Präs. Dr. Knöpfmacher aus-
gearbeitete „Geschäftsordnung für das Unterstützungs-Komitee“
nach Vorberatung in diesem Komitee auf Grund eines vom
Br. Heinrich Teltscher erstatteten Referates en bloc ange-
nommen.In derselben Sitzung wurden über die vom Br. Dr. Edmund
Kohn bereits früher angeregte Frage betreffend die Gründung
einer zweiten Zweigvereinigung in Wien, bezw. die Stellung-
nahme unserer Vereinigung zu einer derartigen Gründung nach
eingehender Debatte folgende zwei Beschlüsse gefaßt:S.
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1. „Die Vereinigung ,Wien‘ beschließt für den Fall, als sich
in Wien eine zweite Zweigvereinigung unseres Bundes bilden
sollte, dieser ihre Vereinslokalitäten gegen einen später
festzustellenden Beitrag zum Zins und zur Erhaltung zur
Verfügung zu stellen“.
2. „Daß allen für diese Vereinigung angemeldeten Kandidaten,
falls sie in die Vereinigung ,Wien‘ eingeführt werden
sollten, die Eintrittsgebühren nach Konstituierung der
neuen Vereinigung zurückerstattet werden.“Durch diese Beschlüsse sollte die Bahn für eine, die Grün-
dung einer zweiten Bundesvereinigung in Wien abzielende Aktion
geebnet und deren Inangriffnahme im Laufe des Sommers 1900
ermöglicht werden.Da die Bewegung aber in den Sand zu verlaufen drohte,
mußte die Frage der 2. Logengründung im November 1900
neuerlich erörtert werden, da in der Sitzung vom 11. November
1900 eine Zuschrift des s. w. Verbandes zur Verlesung kam, in
welcher die Inangriffnahme dieser Logengründung dringend
empfohlen wurde.Es wurde ein Komitee zur eingehenden Beratung dieser
Frage bestellt und nach eingehender Diskussion in der Sitzung
vom 18. Dezember beschlossen, daß die Vereinigung „Wien“
im Prinzip mit der Gründung einer zweiten Vereinigung einver-
standen sei und den Modus procedendi einer späteren Beschluß-
fassung vorbehalte.Infolge des steten Anwachsens der Mitgliederzahl und des
stetig guten Besuches der Sitzungen war das Bedürfnis nach
einer räumlichen Ausdehnung des Sitzungssaales und nach Ein-
richtung einer gut funktionierenden Ventilation in demselben akut
geworden, ebenso hatte sich anläßlich der provisorischen Ein-
führung gemeinsamer Imbisse kalter Speisen in den Vereinsloka-
litäten gezeigt, welch ein erfreuliches Bedürfnis nach längerem
geselligen Zusammensein unter den Mitgliedern bestand.Es wurde daher vom Präsidenten ein besonderes Komitee
bestellt, welches in mehrfachen Sitzungen über alle diese Fragen
Beratungen pflog und dank der eifrigen Mitwirkung eines geni-
alen Baukünstlers, des Mitgliedes Architekten F l e i s c h e r, eine
überraschend befriedigende Lösung derselben herbeiführte.In der Sitzung vom 11. November wurden nach dem Refe-
rate des Architekten folgende Vorschläge des Komitees ange-
nommen:
1. Die Vergrößerung des Beratungssaales durch Wegnahme
einer Wand (die Ausführung dieses Beschlusses wurde
über nachträglichen Antrag des Beamtenrates auf spätere
Zeit verschoben).
2. Die Einrichtung einer Ventilation im Beratungssaale.
3. Die Herstellung eines großen Speisesaales durch Vereini-
gung mehrerer Nebenräume.S.
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Durch diese Beschlüsse, deren Ausführung nahezu drei Mo-
nate in Anspruch nahm und mit großen materiellen Opfern ver-
bunden war, wurde das Vereinslokal vollkommen zweck-
entsprechend umgestaltet und insbesondere die Möglichkeit ge-
schaffen, die für die Entfaltung der Geselligkeit und Freund-
schaft unter den Vereinsmitgliedern besonders wichtigen Bruder-
mahle in den Vereinsräumen selbst regelmäßig abzuhalten.Von der Vereinsbetätigung nach außen ist noch hervor-
zuheben der in der Sitzung vom 27. November von Br. Direktor Wil-
helm K u x gestellte Antrag, daß die Vereinigung „Wien“ den in Wien
bereits bestehenden, aber gewissermaßen stagnierenden „Verein
zur unentgeltlichen Verpflegung Brustleidender auf dem Lande“
unter seine Fittige nehme.Dieser Antrag wurde im Beamtenrate einer eingehenden Be-
ratung unterzogen, es wurde hiebei festgestellt, daß der Beteili-
gung unserer Vereinigung an dem genannten Vereine vorerst eine
vollständige Umgestaltung desselben im Wege einer gründlichen
Statutenänderung vorausgehen müßte.Es wurde hierüber mit dem Vorstande des genannten Ver-
eines unterhandelt und nach prinzipiellem Einverständnisse des-
selben zur Vornahme der erforderlichen Statutenänderung wurden
auf Grund eines vom Br. Dr. Wilh. K n ö p f m a c h e r ausgear-
beiteten Statutenentwurfes diese neuen Statuten im Wege fort-
gesetzter längerer Beratungen, an welchen sich außer dem Vor-
stande des genannten Vereines unsere Mitglieder Expräs. Dr.
K o h n, Dr. K u h, Präs. Dr. K n ö p f m a c h e r, Dir. Wilh. K u x,
Baurat S t i a s n y, Eduard G l a s e r und Eduard S c h w a r z be-
teiligten, festgestellt und der Statthalterei zur Genehmigung
überreicht.Außer dieser Betätigung der Vereinigung nach außen und
innen wurde in der VIII. Amtsperiode auch auf dem Gebiete der
geistigen Interessen eine eifrige Tätigkeit entfaltet. Es wurden im
Laufe derselben 10 selbständige Vorträge, darunter 4 in beson-
deren Versammlungen abgehalten, und zwar:1. Am 23. Jänner 1900 von Br. Architekt Fleischer „Über
Bruderschaftsbündnisse“.2. Am 9. Februar 1900 von Br. Prof. Freud vor Damen
„Über das Seelenleben des Kindes“.3. Am 27. Februar von Br. Bernhard Jerusalem „Über
die landwirtschaftliche Aktion des zu gründenden Hilfs-
vereines für Galizien“.4. Am 8. März von Br. Architekten Fleischer vor Damen
„Aus meinen Erinnerungen an den Wiener Rathausbau“.5. Am 27. März von Prof. Ehrmann über „Jüdische Denker
zu Beginn unserer Zeitrechnung“.6. Am 24. April von Br. Prof. Freud „Über Fecondité von
Zola“.7. Am 11. November von Br. Dr. Josef Jerusalem „Über
Haeckels Welträtsel“.S.
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8. Am 22. November von Br. Dr. Josef Pollak vor Damen
„Über Friedrich Nietzsche“.
9. Am 4. Dezember von Br. Dr. Flax von der Cremieux-
Loge in Borlak (Rumänien) „Über die Aussichten der
Juden in Rumänien“.
10. Am 11. Dezember von Br. Dr. Moritz Friedländer
vor Damen über „Die jüdische Sybille“.Leider hatte die Vereinigung im Jahre 1900 den überaus
schmerzlichen Verlust von drei ausgezeichneten Mitgliedern zu
beklagen, dreimal in kurzer Aufeinanderfolge mußten die Mit-
glieder zu feierlichen Trauersitzungen einberufen werden, ins-
besondere hat das ganz unvermittelte, plötzliche Hinscheiden des
ob seiner seltenen Tugenden allgemein beliebten und verehrten
Br. Sigm. Rosenfeld einen geradezu erschütternden und be-
sonders nachhaltigen Eindruck auf die Vereinigung „Wien“ und
deren Mitglieder hervorgerufen und es wurde zur ewigen Erinne-
rung an dieses ausgezeichnete Mitglied in der Sitzung vom
9. Oktober 1900 beschlossen, daß der Humanitäts-Fond, welcher
der Initiative des Dahingeschiedenen seine Entstehung verdankt,
für alle Zeiten den Namen Sigmund Rosenfeld-Fond zu tragen
habe.Im Laufe des Jahres 1900 wurden 18 ordentliche Vereins-
sitzungen, darunter 3 Trauerversammlungen, und überdies 4 außer-
ordentliche Vortragsabende mit Zuziehung der Damen abgehalten.Der Besuch dieser Versammlungen war sehr erfreulich, in-
dem durchschnittlich 96 Mitglieder, d. i. 60% der Brüder, an
jeder Versammlung teilnahmen.In derselben Zeit wurden 22 neue Mitglieder in die Ver-
einigung eingeführt, 1 Mitglied (Sigmund Weiss) trat aus, so
daß sich die Mitgliederzahl der Vereinigung bei Berücksichtigung
der 3 Todesfälle am Ende des Jahres 1900 auf 169 stellte.Folgende Mitglieder sind der Vereinigung „Wien“ während
des Jahres 1900 beigetreten :Dr. Gustav A r e n s, Kaufmann in Wien.
Paul L e m b e r g e r, Kaufmann in Wien.
David R o t t e r, Vertreter der I. C. A. in Wien.
Ludwig A b e l e s, Kaufmann in Mistelbach.
Dr. Franz S c h m i t z, Advokat in Mistelbach.
Alois F i s c h l, Kaufmann in Klosterneuburg.
Emil K o c h, Kaufmann in Wien.
Carl H i r s c h, Kaufmann in Wien.
Isidor M a u t h n e r, Fabrikant in Wien.
Med. Dr. Josef P o l l a k, Univ.-Dozent in Wien.
Bernhard T a u s s i g, Kaufmann in Linz.
Dr. Moritz F r i e d l ä n d e r, Privatgelehrter in Wien.
Adolf S c h w a r z, kais. Rat in Wien.
Rudolf W i n t e r n i t z, Kaufmann in Wien.
Ferdinand G o l d s c h m i d t, Kaufmann in Wien.S.
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Kais. Rat Dr. Theodor L i e b e n, I. Sekretär der Isr. Kultus-
gemeinde in Wien.
Dr. Béla T a u s s i g, Bankier in Wien.
Dr. Wilhelm P a p p e n h e i m, Advokat in Wien.
Adolf F ü r s t, Kaufmann in Linz.
Dr. Benjamin G o m p e r z, Univ.-Dozent in Wien.
Julius G r a n i c h s t ä d t e n, Kaufmann in Wien.
Med. Dr. Ludwig B r a u n, Univ.-Dozent in Wien.[…]
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[Vortrag] Das Seelenleben des Kindes
1899-001/1932
1899-001/1932