S.
[Briefkopf Wien] 13. 4. 26.
Lieber Max
Gestern war Rank bei mir – zum definitiven Abschied. Er übersiedelt zunächst nach Paris, ein späteres Ziel ist angeblich die Schweiz, wahrscheinlich doch in der Ferne Amerika. Die Frau geht mit, holt das Kind im Herbst nach; es ist leicht zu erraten, daß auch dieses Stück von R.s Zukunft nicht sicher steht.
Der Dämon in ihm hat jetzt auf langsamem, ruhigem Weg durchgesetzt, was er zuerst im Krankheitsanfall erstürmen wollte. Der Krankheitsgewinn in Gestalt der materiellen Unabhängigkeit war dabei sehr groß. Ich gebe zu, daß ich mich in der Prognose des Falles sehr getäuscht habe – ein wiederholtes Schicksal; anderseits hat Abrahams frühzeitige Diagnose den Ablauf gewiß beschleunigt und begünstigt.
Daß R. noch vor meinem Geburtstag abgeht (sich so von allem ausschließt), ist symptomatisch sehr interessant, erweckt sonst bei mir kein Bedauern. Anna hat einmal ganz richtig gesagt: Wenn man einem verziehen hat, ist man bald mit ihm fertig. Theoretisch scheint R. nichts zurückzunehmen, unser Gespräch über mein letztes Angstbuch enthüllte unüberbrückbare Differenzen. Praktisch scheint er an seiner Technik festzuhalten. Überdies deutete er an, daß er sehr viel weiter in seinen Einsichten gekommen ist, obwohl er – seinen Zustand richtig als einen neuen manischen erkennt.
Im ganzen wiederum ein: Requiescat1! Der Friede dürfte noch lange ausbleiben.
Herzlichst Ihr Freud