S.

39 Elsworthy Rd
PROF. DR. FREUD WIEN IX., BERGGASSE 19
N W 3
26. 7. 1938

Liebe Jeanne

Dass Sie so brav schreiben, ist ein guter Ersatz für die halbe Stunde am Samstag Vormittag.  Ich hätte es gern, wenn Sie Besseres zu berichten hätten.  Ich werde so intolerant gegen den Hans, wie man es sonst gegen Patienten wird, wenn sie nicht pariren.  Was will der Junge eigentlich noch?  Er hat schon alles gehabt, Diagnose, Prognose, Behandlung, es ist alles klar gelegt worden; warum hört er nicht endlich auf?  Ich verstehe, dass Sie ihm unter diesen Umständen kaum neuerliche Belastung auferlegen wollen.

In Paris werden Sie ja Anna sehen, die sich die Reisemög-lich¬keit von den Behörden mit Mühe verschafft hat.  Wir erwarten, der Kongress wird die endgiltige Lösung von den für uns lästigen Amerikanern bringen und so klare Verhältnisse schaffen.  Diesmal bin auch ich in Absentia durch einen Vortrag vertreten.

Hier geht es sehr lebhaft zu, noch keine Stunde, Langeweile.  Unser Hab und Gut ist noch nicht angekommen; kommt es übhpt oder haben die Räuber eine neue Erpressung vor?

Mit Ärzten bin ich noch nicht recht versorgt, an neuen Zuständen ist kein Mangel.

Herzliche Grüsse Ihr
Freud