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günstig die Ausbildung und das Hervortreten der assoziativen Be-
wegungsreaktion im Ernstfall.10. Ebenso günstig ist die Ablenkung durch eine andere Tätig-
keit für die Bildung der assoziativen motorischen Reaktion.11. Ungleichmässige Intervalle zwischen den Reizen waren in
einer Reihe von Versuchen ungünstig für die Entstehung der assozia-
tiven Bewegungsreaktion. Jedoch wirkte diese Ungleichmässigkeit
der Intervalle bei einem der Untersuchungsobjekte als anregendes
Moment auf die Ausbildung dieser Reaktion.12. Die Individualität spielt bei derartigen Untersuchungen eine
grosse Rolle. Vor allem hängt die Minimalzahl der zur Erzeugung
assoziativer Bewegungsreaktionen erforderlichen Kombinationen in
hohem Grade von den jeweiligen individuellen Bedingungen ab.
Andererseits hängt auch die Lebhaftigkeit der Reaktion, von allen
vorher erwähnten Bedingungen abgesehen, von den individuellen
Eigentümlichkeiten der Versuchsperson ab. Ferner äussert sich die
Individualität in einer mehr oder weniger ungleichen Wirkung be-
stimmter Versuchsbedingungen, wie z. B. voraufgehender kurz-
oder
langdauernder Lichtreizung, Ungleichmässigkeit der Intervalle zwischen
den Reizen usw.Allgemeines über den hysterischen Anfall.
Von Prof. Dr. Sigm. Freud, Wien.
A. Wenn man eine Hysterika, deren Leiden sich in Anfällen
äussert, der Psychoanalyse unterzieht, so überzeugt man sich leicht,
dass diese Anfälle nichts anderes sind als ins Motorische übersetzte,
auf die Motilität projizierte, pantomimisch dargestellte Phantasien.
Unbewusste Phantasien zwar, aber sonst von derselben Art, wie man
sie in den Tagträumen unmittelbar erfassen, aus den nächtlichen
Träumen durch Deutung entwickeln kann. Häufig ersetzt ein Traum
einen Anfall, noch häufiger erläutert er ihn, indem die nämliche
Phantasie zu verschiedenartigem Ausdruck im Traume wie im Anfall
gelangt. Man sollte nun erwarten, durch die Anschauung des An-
falls zur Kenntnis der in ihm dargestellten Phantasie zu kommen;
allein dies gelingt nur selten. In der Regel hat die pantomimische
Darstellung der Phantasie unter dem Einfluss der Zensur ganz
analoge Entstellungen wie die halluzinatorische des Traumes erfahren,
so dass die eine wie die andere zunächst für das eigene Bewusstsein
wie für das Verständnis des Zuschauers undurchsichtig geworden ist.S.
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Der hysterische Anfall bedarf also der gleichen deutenden Bearbei-
tung, wie wir sie mit den nächtlichen Träumen vornehmen. Aber
nicht nur die Mächte, von denen die Entstellung ausgeht, und die
Absicht dieser Entstellung, auch die Technik derselben ist die näm-
liche, die uns durch die Traumdeutung bekannt geworden ist.1. Der Anfall wird dadurch unverständlich, dass er in demselben
Material gleichzeitig mehrere Phantasien zur Darstellung bringt,
also durch Verdichtung. Die Gemeinsamen der beiden (oder
mehrerer) Phantasien bilden wie im Traume den Kern der Dar-
stellung. Die so zur Deckung gebrachten Phantasien sind oft von
ganz verschiedener Art, z. B. ein rezenter Wunsch und die Wieder-
belebung eines infantilen Eindrucks; dieselben Innervationen dienen
dann beiden Absichten, oft in der geschicktesten Weise. Hysteriker,
die sich der Verdichtung im grossen Ausmasse bedienen, finden etwa
mit einer einzigen Anfallsform ihr Auslangen; andere drücken eine
Mehrheit von pathogenen Phantasien auch durch Vervielfältigung
der Anfallsformen aus.2. Der Anfall wird dadurch undurchsichtig, dass die Kranke
die Tätigkeiten beider in der Phantasie auftretenden Personen aus-
zuführen unternimmt, also durch mehrfache Identifizierung.
Vgl. etwa das Beispiel, welches ich in dem Aufsatze „Hysterische
Phantasien und ihre Beziehung zur Bisexualität“ in Hirschfelds
Zeitschrift für Sexualwissenschaft, Bd. I, Nr. 1, erwähnt habe, in
dem die Kranke mit der einen Hand (als Mann) das Kleid herunter-
reisst, während sie es mit der anderen (als Weib) an den Leib presst.3. Ganz ausserordentlich entstellend wirkt die antagonistische
Verkehrung der Innervationen, welche der in der Traum-
arbeit üblichen Verwandlung eines Elementes in sein Gegenteil analog
ist, z. B. wenn im Anfall eine Umarmung dadurch dargestellt wird,
dass die Arme krampfhaft nach rückwärts gezogen werden, bis sich
die Hände über der Wirbelsäule begegnen. – Möglicherweise ist der
bekannte Arc de cercle der grossen hysterischen Attacke nichts
anderes als eine solche energische Verleugnung einer für den sexuellen
Verkehr geeigneten Körperstellung durch antagonistische Innervation.4. Kaum minder verwirrend und irreführend wirkt dann die
Umkehrung in der Zeitfolge innerhalb der dargestellten Phan-
tasie, was wiederum sein volles Gegenstück in manchen Träumen
findet, die mit dem Ende der Handlung beginnen, um dann mit
deren Anfang zu schliessen. So z. B. wenn die Verführungsphantasie
einer Hysterika zum Inhalt hat, wie sie lesend in einem Park sitzt,
das Kleid ein wenig gehoben, so dass der Fuss sichtbar wird, ein
Herr sich ihr nähert, der sie anspricht, sie dann mit ihm an einenS.
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andern Ort geht und dort zärtlich mit ihm verkehrt, und sie diese
Phantasie im Anfalle derart spielt, dass sie mit dem Krampfstadium
beginnt, welches dem Koitus entspricht, dann aufsteht, in ein anderes
Zimmer geht, sich dort hinsetzt, um zu lesen und dann auf eine
imaginäre Anrede Antwort gibt.Die beiden letztangeführten Entstellungen können uns die
Intensität der Widerstände ahnen lassen, denen durch das Verdrängte
noch bei seinem Durchbruch im hysterischen Anfall Rechnung ge-
tragen werden muss.B. Das Auftreten der hysterischen Anfälle folgt leichtverständ-
lichen Gesetzen. Da der verdrängte Komplex aus Libidobesetzung
und Vorstellungsinhalt (Phantasie) besteht, kann der Anfall wach-
gerufen werden: 1. assoziativ, wenn der (genügend besetzte) Kom-
plexinhalt durch eine Anknüpfung des bewussten Lebens angespielt
wird, 2. organisch, wenn aus inneren somatischen Gründen und
durch psychische Beeinflussung von aussen die Libidobesetzung über
ein gewisses Mass steigt, 3. im Dienste der primären Tendenz,
als Ausdruck der „Flucht in die Krankheit“, wenn die Wirklichkeit
peinlich oder schreckhaft wird, also zur Tröstung, 4. im Dienste
der sekundären Tendenzen, mit denen sich das Kranksein ver-
bündet hat, sobald durch die Produktion des Anfalls ein dem Kranken
nützlicher Zweck erreicht werden kann. Im letzteren Fall ist der
Anfall für gewisse Personen berechnet, kann für sie zeitlich ver-
schoben werden und macht den Eindruck bewusster Simulation.C. Die Erforschung der Kindergeschichte Hysterischer lehrt,
dass der hysterische Anfall zum Ersatz einer ehemals geübten und
seither aufgegebenen autoerotischen Befriedigung bestimmt ist.
In einer grossen Zahl von Fällen kehrt diese Befriedigung (die Mastur-
bation durch Berührung oder Schenkeldruck, die Zungenbewegung
u. dgl.) auch im Anfalle selbst unter Abwendung des Bewusstseins
wieder. Das Auftreten des Anfalles durch Libidosteigerung und im
Dienst der primären Tendenz als Tröstung wiederholt auch genau
die Bedingungen, unter denen diese autoerotische Befriedigung seiner-
zeit vom Kranken mit Absicht aufgesucht wurde. Die Anamnese
der Kranken ergibt folgende Stadien: a) autoerotische Befriedigung
ohne Vorstellungsinhalt, b) die nämliche im Anschluss an eine Phan-
tasie, welche in die Befriedigungsaktion ausläuft, c) Verzicht auf die
Aktion mit Beibehaltung der Phantasie, d) Verdrängung dieser Phan-
tasie, die sich dann entweder unverändert oder modifiziert und neuen
Lebenseindrücken angepasst, im hysterischen Anfalle durchsetzt und
e) eventuell selbst die ihr zugehörige, angeblich abgewöhnte Be-
friedigungsaktion wiederbringt. Ein typischer Zyklus von infantilerS.
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Sexualbetätigung – Verdrängung – Missglücken der Verdrängung
und Wiederkehr des Verdrängten.Der unwillkürliche Harnabgang darf gewiss nicht für unver-
einbar mit der Diagnose des hysterischen Anfalls gehalten werden;
er wiederholt bloss die infantile Form der stürmischen Pollution.
Uebrigens kann man auch den Zungenbiss bei unzweifelhafter Hysterie
antreffen; er widerspricht der Hysterie so wenig wie dem Liebes-
spiel; sein Auftreten im Anfall wird erleichtert, wenn die Kranke
durch ärztliche Erkundigung auf die differentialdiagnostischen Schwie-
rigkeiten aufmerksam gemacht worden ist. Selbstbeschädigung im
hysterischen Anfall kann (häufiger bei Männern) vorkommen, wo sie
einen Unfall des kindlichen Lebens (den Erfolg einer Rauferei z. B.)
wiederholt.Der Bewusstseinsverlust, die Absence des hysterischen Anfalls
geht aus jenem flüchtigen, aber unverkennbaren Bewusstseinsentgang
hervor, der auf der Höhe einer jeden intensiven Sexualbefriedigung
(auch der autoerotischen) zu verspüren ist. Bei der Entstehung
hysterischer Absencen aus den Pollutionsanwandlungen junger weib-
licher Individuen ist diese Entwicklung am sichersten zu verfolgen.
Die sogenannten hypnoiden Zustände, die Absencen während der
Träumerei, die bei Hysterischen so häufig sind, lassen die gleiche
Herkunft erkennen. Der Mechanismus dieser Absencen ist ein relativ
einfacher. Zunächst wird alle Aufmerksamkeit auf den Ablauf des
Befriedigungsvorganges eingestellt, und mit dem Eintritt der Befriedi-
gung wird diese ganze Aufmerksamkeitsbesetzung plötzlich aufge-
hoben, so dass eine momentane Bewusstseinsleere entsteht. Diese
sozusagen physiologische Bewusstseinslücke wird dann im Dienste
der Verdrängung erweitert, bis sie all das aufnehmen kann, was die
verdrängende Instanz von sich weist.D. Die Einrichtung, welche der verdrängten Libido den Weg
zur motorischen Abfuhr im Anfall weist, ist der bei jedermann, auch
beim Weibe, bereitgehaltene Reflexmechanismus der Koitusaktion,
den wir bei schrankenloser Hingabe an die Sexualtätigkeit manifest
werden sehen. Schon die Alten sagten, der Koitus sei eine „kleine
Epilepsie“. Wir dürfen abändern: der hysterische Krampfanfall ist
ein Koitusäquivalent. Die Analogie mit dem epileptischen Anfall
hilft uns wenig, da dessen Genese doch unverstandener ist als die
des hysterischen.Im ganzen setzt der hysterische Anfall, wie die Hysterie über-
haupt, beim Weibe ein Stück Sexualbetätigung wieder ein, das in
den Kinderjahren bestanden hatte und damals exquisit männlichen
Charakter erkennen liess. Man kann es häufig beobachten, dassS.
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gerade Mädchen, die bis in die Jahre der Vorpubertät bubenhaftes
Wesen und Neigungen zeigten, von der Pubertät an hysterisch werden.
In einer ganzen Reihe von Fällen entspricht die hysterische Neurose
nur einer exzessiven Ausprägung jenes typischen Verdrängungsschubes,
welcher durch Wegschaffung der männlichen Sexualität das Weib
entstehen lässt. (Vgl.: Drei Abhandlungen über Sexualtheorie, 1905.)
Apperzeptive Sehschwäche bei manisch-
depressivem
Irresein.Von Dr. R. Vogt, Dozent der Psychiatrie, Kristiania.
Die 48 jährige Bauernfrau A. O. L. leidet an manisch-depressivem
Irresein. Vor 24 und 14 Jahren hat sie melancholische Anfälle durch
gemacht. Jetzt leidet sie wieder seit 10 Monaten an Melancholie.
– Sie ist besonnen, gibt bereitwillig Auskunft und zeigt ein be-
sonderes Vermögen für Selbstbeobachtung. Während des letzten
Anfalles hat sie keine Sinnestäuschungen dargeboten. Aengstliche
Befürchtungen allerlei Art drängen sich heran: sie habe gegen den
heiligen Geist gesündigt; ihre Kinder werden sich ihretwegen er-
tränken; sie werde niemals gesund u. s. w. Dabei zeigt sie das Bild
der ausgeprägten psychischen Anästhesie: ihr Körper und ihre Hände
seien wie Holz; das Herz schlage nur äusserst schwach; sie habe
keinen Geist, keine Gefühle, kein Leben, keine Denkkraft oder Willens-
kraft; der Kopf sei wie Stein; sie empfinde weder Hunger noch
Sättigung; die Dinge machen überhaupt keinen Eindruck mehr; sie
kenne sich selbst beinahe nicht wieder… Sie habe keine Ge-
danken mehr, nur Erinnerungen, die ohne ihr Zutun wie gerollt
kommen und sich dabei wie „innere“ Gesichtsbilder darbieten. –
Die Schmerzempfindlichkeit ist ein wenig herabgesetzt; das Tast- und
Lokalisationsvermögen sind aber intakt. Hyperästhesie für Geräusche,
Geruch und Geschmack sind ihrer Angabe nach herabgesetzt. Sie
zeigt geringgradige Myopie bei guter Sehschärfe; liest fliessend und
fehlerlos. – Seit den letzten Monaten klagt sie über undeutliches
Sehen: „Meine Augen sind sonderbar, fremdartig. Ich sehe über
das ganze mit einmal; auf keinem einzelnen Punkte kann ich klar
sehen; ich kann das Buch im Fenster nicht deutlich sehen, ich sehe
viel mehr als das Buch u. s. w.“ Sonst haben die Dinge dasselbe
Aussehen wie früher.Resümee: Die apperzeptiven Vorgänge sind erstens herabgesetzt
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1909-001/1909
1909-001/1909