Protokoll der (WS 21/ 7.) Sitzung der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung am 21. Dezember 1921. Kleine Mitteilungen 1921-520/1921

N. N. (1921-520/1921): Protokoll der (WS 21/ 7.) Sitzung der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung am 21. Dezember 1921. Kleine Mitteilungen

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  • S.

     

    Sitzung am 21. XII. 1921
             Anwesend: Prof. Freud, Sadger, Schilder, Federn, Weiss,
    Reich, Fenichel, Friedjung, Nepalleck, Hug, Rank,
    Hitschmann, Nunberg, Bernfeld, Jokl, Deutsch,
      Jekels,
    Sarasin, Rickman, Blumgart, Coriat, Meyer,
    Oberndorf.

       Gäste: Mrs Strachey, Frau Rank, Frau Hitschmann,
          Frau Dr Kempner, Schmideberg, Herr Nunberg,
          Dr Kelley (Manchester), Morgenthau, Steinberg,
          Pappenheim, Mrs Harborn, Hartmann, Kauders,
          Bychowski, Markuszewicz, Frl. Hollander,
          Aichhorn  –              (Kommunismus – Neid – Kastrationskomp.)
    I. Frau Dr Deutsch: Zeichnen aus dem Unbewussten.
    II. Dr Federn: Ein Motiv der Seekrankheit
                           (Widerstandslose Einstellung vermeidet S.)
         Diskussion: Nunberg verweist auf Ähnlichkeit mit traumat. Neurose
                          Friedjung nicht überzeugend (Hunde! Suggestiv)
                          Frau Dr Deutsch: Seekranke sind Anhänger d. Seefahrten
                          Bernfeld: Psychische Einstellung mit dabei.
                                       Ärger ist der Anfang (wie auch Federn
                          Blumgart: Horizontallage nicht krank     bemerkte)

  • S.

    Dr Meyer: Kinder nicht seekrank. Eigene Erfahrung, seine 3 jährige
              Schwester nicht krank, freute sich über das Schwanken.
    Prof. Freud: Nicht das einzige Motiv. Viele Motive. Auch
              bei der Eisenbahnangst. – Vielleicht die Erklärung
              auch auf anderes anwenden (Höhenangst)
              Psychische Motive verschiedener Art können bei
              dieser Gelegenheit zum Vorschein kommen.
              Jedem Motiv kann in vielen Fällen Rolle
              spielen. handelt sich auch um die Stärke d.
              Reizes. –
              In der Nausea kommt die Schwangerschaftsfantasie,
              die so häufig lauert, unauffällig zum
              Durchbruch.
    Jekels reist schlecht. Aber als er allein Arzt war auf dem
              Schiff, um den anderen zu helfen (Narzissmus) ging es
              bedeutend besser.
    Jokl: ähnliche Erfahrung aus seinem Leben. Wo er durch
              Willen (Narzissmus) nicht krank würde.
    Federn: weist auf Schadenfreude hin. Galle geht einem
              über (Ärger). –
    Freud: Anpassung an abnorme Reize hängt davon ab, ob
              man sie psychisch brauchen kann oder ablehnt (!)
    Dr Bernfeld: Ein Motiv über die Produktion von Gelegenheitsgedichten
              Samtl. Gelegenheitsgedichte einem einzigen Produktions-
              motiv – vielleicht überhaupt f. satyrische Gedichte
              entstammen: anale Zone („Duliöh!“)
    Federn verweist auf Jones’ Arbeit über Analerotik. –
              Gegensatz zur genitalen Erotik, dass von der
              analen Erotik alles, was von Behagen ab-
              hängt, mit dem analen zusammenhängt. –
              Das Genitale dem Fortschritt, die Anpassung
              zusammenhängen.
    Freud: Geschenk als zärtliche Bedeutung.

  • S.

    Dr Jokl: uüber religiöse Motive in Neurosen.
              Stekel nicht beistimmen, dass die religiösen Motive
              primäre Faktoren in der Neurose seien.
              Verschiedene Fälle, die das zeigen sollen –
              in welcher Form sich relig. Momente in den Mechanismus
              einer Neurose einbauen können. Aber immer durch
              die vor dieser Zeit erworbenen Dispositionen erklärlich
              werden.
         Diskussion: Reich Religiöse Erlebnisse werden verwendet wie andere
                         Erlebnisse aus der Kindheit.
                  Freud: Motiv des Vortrags höchst lobenswert aber ziem-
                         lich überflüssig.

    Frau Dr Hug: Traum eines Kindes, der deutlich homosexuelle
                  Wünsche zeigt.
                  Reich bestätigt bei Stotterern die passiv-anale Einstellung.
                       Stottern bedeutet direkt Hemmung gegen Aussprechen dieser
                       Wünsche. –
                       Fast alle Stotterer stottern schon seit früher Kindheit.
                       Fröschels glaubt, dass es physiologisches Stottern gibt.
                       Verknüpfung von Sach- und Wortvorstellung. Anale Trieb-
                       kräfte vermögen eine solche Verknüpfung zu
                       stören.
              Federn: Kind, das nur bei bestimmten Worten stotterte.
              Jokl: Bei Mädchen, nur dann stotterte, wenn sie etwas
                    zurückhalten will.
              Hug: er stottert beim Wort „klein“, weil er klein sein will
                    (beim Vater schlafen)
              Freud: In solchen Fällen nicht von „homosexueller“ Ein-
                    stellung zu sprechen, weil das keine Wurzel der
                    Homosex. ist. Diese kindliche Einstellung wieder-
                    holt sich nicht ohne Änderung. –
                    „feminine“ Einstellung, die als Widerstand
                    eine grosse Rolle spielt. Das ist es, was
                    Adler den „männlichen pProtest“ genannt hat.
              Das Stottern entsteht durch Anwendung der Analität auf
              die Rede. 1.) Ausdruck d. Trotzes. 2. Analer Genuss. Das
              Stottern von gewissen Worten aus sich verbreitet. Das ur-
              sprüngliche Zentrum ist später freigeworden.

  • S.

    Dr Schilder: Über Wiedergeburtsphantasien im epileptischen
                  Dämmerzustand.
                  Gefühl, dass der Anfall nicht wiederkehren könne ist
                  Wiedergeburtsphantasie. Vorher geht das Gefühl
                  des Sterbens. – Diese Doppelgestalt ist sehr häufig.
                  Biologische Prozesse scheinen sich in diesen Zuständen
                  zu spiegeln. In allen Fällen hat er analyt. Zusammen-
                  hänge gefunden. Schilder findet keine epilept.
                  Amnesien mehr; sie sind dasselbe wie die
                  hyster. Amnesien. –
              Prof. Freud: Auch in den Phantasien Dostojewski diese
                          Zweischlächtigkeit. Es sei nur an der
                          Diagnose „Epilepsie“ zu zweifeln – könne
                          ebensogut schwere Hysterie sein. –