[Diskussionsbemerkungen Freuds zu:] Tausk ›Ein Beitrag zur Psychologie des Masochismus‹ 1911-423/1911.01

Rank, Otto (1911-423/1911.01): [Diskussionsbemerkungen Freuds zu:] Tausk ›Ein Beitrag zur Psychologie des Masochismus‹

Zurück zum Werk
  • S.

    -1-

            Prof .Freud macht den Vorschlag die auf dem Kongress angeregte
    gemeinsame Symbolforschung wieder aufzunehmen, um durch Sammlung be-
    sonders beweiskräftiger Beispiele, die einem aus unserer Mitte zur
    Sichtung und fortlaufenden Veröffentlichung übergeben werden sollen,
    diese in manchen Punkten noch so strittige aber wichtige Symbolik
    so weit sie gesichert erscheint festzustellen.

            Auf Vorschlag Prof.Freuds wird der Sekretär mit dieser Aufgabe
    betraut.

            Als ersten Beitrag teilt Prof. Freud einen Beitrag mit, der eine
    anscheinend willkürliche Behauptung Stekels in glänzender Weise be-
    stätigt und wo gerade die Nebenumstände die Deutung wertvoll machen.
    Ein Pat.der jetzt seinen Kastrations-Komplex zum Vorschein bringt,
    träumt, dass er seiner Schwester begegnet mit zwei Freundinnen, die
    selbst wieder Schwestern sind. Er gibt den zwei Freundinnen die Hand,
    der Schwester nicht. Es stellt sich heraus, dass die zwei Freundinnen
    die Brüste sind und dass der Traum besagt, er berühre die Brüste der
    Schwester. Gewähr für die Richtigkeit dieser symbolischen Deutung 
    bringt dann sein unmittelbarer Einfall, er habe als Kind die Theorie
    gehabt, dass bei den Mädchen der Penis sich erst später entwickelt
    wie die Brüste.

            Tausk erwähnt, dass er zweimal in die Lage kam, Schwestern als
    Symbole der Hoden zu deuten, wozu Prof. Freud bemerkt, dass dies Ste-
    kels Formel von der Identität aller paarigen Organe entspreche.

            Auch Dr. Sachs ist bereits in drei Fällen in die Lage gekommen,
    ähnliche Deutungen von Stekel zu bestätigen.

            Prof. Freud hebt schliesslich noch als den unmittelbaren Anlass
    zur Wiederaufnahme der gemeinsamen Symbolforschung ein böswilliges
    und verständnisloses Referat von Kurt Mendel über Stekels Traumbuch
    hervor und gibt der Hoffnung Ausdruck, dass es gelingen werde, durch
    die gemeinsame Arbeit die Stekelsche Symbolik nachzuprüfen und ihre
    Schwächen auszugleichen.

            Dr. Tausk bringt zur Kenntnis, dass Samstag um 1/2 6 Uhr die Vor-
    besprechung für den von ihm angekündigten Kurs über Psychoanalyse
    stattfinden werde, der jeden Dienstag und Donnerstag von 1/2 8-9 Uhr
    abgehalten wird.

    . . . . . . . . . . . . . . . . : . . . . . . . . . . . . . . . .

            Der Vortragende hebt eingangs hervor, dass er sich seine Ausfüh-
    rungen zur Psychologie des Masochismus nur auf die Erfahrung aus ei-
    nem einzelnen Fall stützen und folglich nur einen Beitrag zu diesem
    Thema liefern können.

            Es wird zunächst der Charakter des Pat. geschildert, wie er sich
    nach aussen präsentierte. Es ist ein Mensch, der sich dümmer stellen
    muss als er ist, der verbergen will, dass er etwas weiss. Tatsächlich
         h
    handelt es sich um einen Menschen, der seit seinem 5. Lebensjahr bewusst
    sexuell lebt und das verbergen musste. Allerdings hat er seine ganze
    Sexualität in masochistischen Phantasien ausgelebt und noch nicht
    koitiert, als er in Behandlung trat. Später stellte sich eine sehr
    diffuse Zwangsneurose heraus, die ihn auch etwas aufgehalten hat. Der
                             h
    Vortragende hebt hier als wichtig hervor die Scheidung der Erschei-
    nungen, welche zur Neurose gehören und derjenigen, welche zur Perver-
    sion gehören, da er im Rahmen seiner heutigen Ausführungen nur die
    letzteren behandeln könne.

  • S.

    -8-

    Rosenstein findet, dass Grüner einen völlig unberechtigten aus
         M                                   Tausk
    dem aterial gar nicht folgenden Vorwurf gegen erhoben
    habe und

            Freud meint, es sei nicht die richtige Verwendung der von
                                                    V
    Adler und Stekel ausgegangenen Anregungen, wenn man wie Grüner
    überall, wo die Gegensätze männlich und weiblich oder das Schuld
    gefühl nur genannt werden, Adler und Stekel als die Erfinder die-
    ser Tatsachen preise.

            Tausk geht in seinem Schlusswort auch auf diese Fragen ein
    Er habe von Mann-oder Weib-sein wollen nicht gesprochen. Psycho-
    logisch habe es vollständig genügt, die ausgesprochenen Konse-
    quenzen zu ziehen. Von Adler habe er nur den Minderwertigkeits-
    gedanken gelernt, der ihm sehr nützlich geworden sei.

                                     F
            Dass die Analerotik, wie edern hervorhob, sich auch sa-
    distisch benehmen könne, sei ihm bekannt gewesen; das Defäzieren
    vor oder auf Frauen sei sadistisch.

            Pat. habe die Frau mit dem Pelz dahin erklärt, dass es sich
    dabei um die Felle von getöteten Tieren handle; er assoziiert,
                              H
    dass ihm aus seiner aut Schürzen gemacht werden, welche die
    Domina trägt.

            Sadger habe in seine Darstellung des Fehler hineingebracht
                     P
    als wäre at. durch seine strenge Mutter masochistisch geworden.
    Er war masochistisch schon im 6. Lebensjahr, während die Mutter
    erst in seinem 9. Jahr streng geworden sei.

            Die Scheidung des Masochismus von der Neurose sei gut be-
    gründet; Masochismus sei nur eine Art der sexuellen Betätigung
                         N
    und wirke für die eurose nur wie irgend eine andere Art der-
    selben, liefere nur Material.

            Dass der Masochismus eintrete, wenn der Sadist in die pas-
    sive Rolle komme (Federn) sei richtig; es komme aber nur ein Ma-
    sochist in diese Einstellung.

    *********************