S.
Vorwort des Uebersetzers.
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Ein Unternehmen wie das vorliegende, welches bezweckt,
den Lehren eines klinischen Meisters Eingang in weitere ärzt-
liche Kreise zu verschaffen, wird wohl keiner Rechtfertigung
bedürfen. Ich gedenke daher nur wenige Worte über die Ent-
stehung dieser Uebersetzung sowie über den Inhalt der darin
wiedergegebenen Vorlesungen zu sagen.Als ich im Winter 1885 zu fast halbjährigem Aufenthalte
nach der Salpêtrière kam, fand ich, dass der — mit 60 Jahren in
voller Jugendfrische arbeitende — Prof. Charcot sich von dem
Studium der in organischen Veränderungen begründeten Nerven-
krankheiten abgewendet habe, um sich ausschliesslich der Er-
forschung der Neurosen — und zwar besonders der Hysterie —
zu widmen. Diese Wandlung hatte an die in der Eröffnungs-
vorlesung dieses Buches geschilderten Veränderungen an-
geknüpft, welche im Jahre 1882 in den Arbeits- und Lehr-
bedingungen Charcot’s eingetreten waren.Nachdem ich das anfängliche Befremden über die Er-
gebnisse der neueren Untersuchungen Charcot’s überwunden
und die hohe Bedeutung derselben würdigen gelernt hatte, bat
ich Herrn Prof. Charcot um die Erlaubniss, die Vorlesungen,
in welchen diese neuen Lehren enthalten sind, in’s Deutsche
zu übertragen. Ich habe ihm an dieser Stelle nicht nur für die
Bereitwilligkeit zu danken, mit welcher er mir diese Erlaubniss
ertheilte, sondern auch für seine weitere Unterstützung, durch
die es möglich wurde, die deutsche Ausgabe sogar mehrere
Monate vor der französischen der Öffentlichkeit zu übergeben.S.
Eine kleine Anzahl von Anmerkungen — zumeist Nachträge zu
der Geschichte der im Texte behandelten Kranken — habe ich
im Auftrage des Verfassers hinzugefügt.Den Kern des Buches bilden die meisterhaften und
grundlegenden Vorlesungen über Hysterie, von denen man mit
dem Verfasser die Herbeiführung einer neuen Epoche in der
Würdigung der wenig bekannten und dafür arg verleumdeten
Neurose erwarten darf. Ich habe daher im Einverständnisse
mit Prof. Charcot den Titel des im Französischen als „Leçons
sur les maladies du système nerveux. Tome troisième“ be-
zeichneten Buches verändert, und die Hysterie unter den darin
behandelten Gegenständen hervorgehoben.Wen diese Vorlesungen zu weiterem Eingehen auf die
Forschungen der französischen Schule über Hysterie anregen,
den darf ich auf das 1885 in zweiter Auflage erschienene, in
mehr als einer Hinsicht bemerkenswerthe Buch von P. Richer,
„Études cliniques sur la grande hystérie“, verweisen.Wien, 18. Juli 1886.
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Vorwort des Uebersetzers
1886-061/1886
1886-061/1886