S.

[Briefkopf Eitingon-Schild]a Leipzig, 17. III. 22.

Lieber Herr Professor,

Ich hoffe, daß mein Brief aus den Zwanzigern vorigen Monats in Ihren Besitz gelangt ist; daß ich, gegen Ihre sonstige Art, so lange ohne Ihre Antwort bin, läßt einigen Zweifel daran aufkommen. Zu sehr würde ich es bedauern, wenn gerade dieser Brief von mir verlorengegangen wäre.

Mirra und ich sind für einige Tage wieder in Leipzig, aus mehreren Familienanlässen: meine jüngere Schwester ist am vergangenen Montag mit einem Mädchen – wie gewünscht von den Großeltern –, dem zweiten Kinde, niedergekommen,1 und meine Eltern reisen am Mittwoch, den 21. d. M., nach New York auf 4-6 Wochen, zum dritten Todestag meines Bruders.2 Seine Witwe übrigens hat vor einem Monat etwa, schon während der Reisevorbereitungen meiner Eltern, sich wieder verheiratet. In der ersten Maihälfte kommen sie dann mit unsern New Yorkern zurück.

Von unsern Sommerplänen steht noch gar nichts fest, außer einer Reise nach Wien zum 6. Mai, wenn Sie nicht dagegen protestieren werden, lieber Herr Professor.

Mit den wärmsten Grüßen an Sie und die Ihrigen von Mirra und mir

Ihrem herzlich ergebenen

Max Eitingonb

 

a Gedruckter Briefkopf: Eitingon-Schild Co., Inc., Fur Merchants, 45-51 West 25th Street, New York.

b Am Fuß der Seite (von Eitingons Hand): 7500 Rbl.