S.
Architektur der Hysterie
Wahrscheinlich so: Einzelne der Scenen sind direkt zugänglich,
andere nur über vorgelegte Phantasien.Die Scenen sind
nach steigendem Widerstand geordnet, die leichter ver-
drängten kom̄en zuerst nur unvollständig wegen der
Association mit den schwer verdrängten. Der Arbeitsweg geht
in Schleifen zuerst den Scenen herunter oder bis in ihre
Nähe, dannzuvon einem Symptom ein Stück weiter herab,
dan̄ wieder von Symptom abwärts. Da in den wenigen Symptomen
die meisten Scenen vereinigt sind, so beschreibt man dabei
wiederholte Schleifen durch die Hintergedanken derselben
Symptome.Scenen
Tiefe der Ver-
grängungSymptome
Arbeit [Editorische Anmerkung: mit rotem Stift geschrieben, ebenso wie die punktierten Linien]
Arbeit besteht aus einzelnen
solchen tiefer u tiefer
tauchenden StückenVerdrängung
Die Vermuthg geht dahin, daß das eigentlich verdrängende
Element stets das Weibliche ist u wird dadurch bestätigt, daß
die Frauen sowol wie die Männer leichter die Erlebnisse
mit Frauen hergeben als die mit Männern. Was die Männer
eigentlich verdrängen ist das paederastische Element.Phantasien.
Die Phantasien entstehen durch unbew Zusam̄enfügung von
Erlebnissen u Gehörtem nach gewissen Tendenzen. Diese
Tendenzen sind die Er unzugänglich zu machen, aus der
Symptome entstanden sind oder entstehen könnten.
Die Phantasiebildg geschieht durch Verschmelzung und Entstellg
analog der Zersetzg eines chemischen Körpers mit einem
anderen zusam̄engesetzten. Die erste Art der Entstellg ist
nämlich die Erinnerungsfälschg durch Zertheilg, wobei gerade
die zeitlichen Verhältniße vernachläßigt werden [. Das
zeitliche Corrigiren scheint gerade an der Thätigkeit des
Bewußts. systems zu hängen.] Das eine Theilstück der
gesehenen Scene wird dan̄ mit einem Theilstück der
gehörten zur Phantasie vereinigt, während das frei
gewordene Theilstück eine andere Verbindung eingeht.S.
Damit ist ein ursprüngl Zusam̄enhang unauffindbar gemacht.
Durch die Bildg solcher Phantasien (in Erregungszeiten) hören
die Ersymptome auf. Dafür sind unbew. Dichtungen vorhanden,
die der Abwehr nicht unterlegen sind. Wächst nun die
Intensität einer solchen Phantasie soweit, daß sie sich den
Zugang ins Bew erzwingen mußte, so unterliegt die
Phantasie der Verdrängung und es entsteht ein Symptom
durch Rückdrängung von ihr auf die constit. Erin̄erungen.
Aller Angstsymptome (Phobien) sind aus Phantasien
so abgeleitet. Im̄erhin werden die Symptome so vereinfacht.
Ein dritter Vorstoß u dritte Art der Symptombildg geht
viellicht von Impulsbildung aus.Arten der Compromißverschiebg:
Associationsverschiebg: Hy
Ähnlichkeits (begriffsverschiebg) Zw.
Causalversschiebung: ParanoiaFür Ort der Abwehr character.
(vielleicht auch f. Zeit.Typischer Ablauf.
Ein guter Verdacht, daß die Erweckg des Verdrängten nicht
dem Zufall überlassen ist, sondern Entwicklgsgesetzen folgt.
Ferner, daß Verdrängg vom recenten nach rückwärts
schreitet u die letzten Ereigniße zuerst betrifft.Unterschied d. Phantasie bei Hy u Par.
Letztere systematisch, alle in Cartell, erstere von einander unab-
hängg auch widersprechend; also vereinzelt, sind wie automatisch
(auf chemischem Weg) entstanden. Dies u Vernachlässigg
des Zeitcharacters wol wesentlich f. Unterschied zwischen
Thätigkeit im Vorbw u Unbewusst.Verdrängg im Unbew.
Es genügt nicht, die Verdr. zwischen Vorb u Unb in Betracht
zu ziehen, sondern auch die normale Verdrängg innerhalb
des Systems Unbew. selbst. Sehr bedeutungsvoll, noch sehr dunkel.Es ist die schönste Hoffnung, die Anzal und Art der Phantasien
ebenso vorher zu bestim̄en wie mit Scenen möglich. Ein
Entfremdungsroman (v. Paran.) regelmäßig dabei; dient der
Illegitimirg der genan̄ten Verwandten. Agoraphobie
scheint an Prostitutroman zu hängen, der selbst wieder
auf diesen Familienroman zurückgeht. Frau die
nicht allein ausgehen will, behauptet also Untreue der Mutter.
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[Manuskript M] Architektur der Hysterie
1897-102/1897