[Manuskript M] Architektur der Hysterie 1897-102/1897

Freud, Sigmund (1897-102/1897): [Manuskript M] Architektur der Hysterie

Zurück zum Werk
  • S.

    Architektur der Hysterie

    Wahrscheinlich so: Einzelne der Scenen sind direkt zugänglich, 
    andere nur über vorgelegte Phantasien.Die Scenen sind 
    nach steigendem Widerstand geordnet, die leichter ver-
    drängten kom̄en zuerst nur unvollständig wegen der 
    Association mit den schwer verdrängten. Der Arbeitsweg geht 
    in Schleifen zuerst den Scenen herunter oder bis in ihre 
    Nähe, dann zu von einem Symptom ein Stück weiter herab, 
    dan̄ wieder von Symptom abwärts. Da in den wenigen Symptomen 
    die meisten Scenen vereinigt sind, so beschreibt man dabei 
    wiederholte Schleifen durch die Hintergedanken derselben 
    Symptome.

    Scenen

    Tiefe der Ver-
    grängung

     

    Symptome

    Arbeit [Editorische Anmerkung: mit rotem Stift geschrieben, ebenso wie die punktierten Linien]

    Arbeit besteht aus einzelnen 
    solchen tiefer u tiefer 
    tauchenden Stücken

    Verdrängung

    Die Vermuthg geht dahin, daß das eigentlich verdrängende 
    Element stets das Weibliche ist u wird dadurch bestätigt, daß 
    die Frauen sowol wie die Männer leichter die Erlebnisse 
    mit Frauen hergeben als die mit Männern. Was die Männer 
    eigentlich verdrängen ist das paederastische Element.

    Phantasien.

    Die Phantasien entstehen durch unbew Zusam̄enfügung von 
    Erlebnissen u Gehörtem nach gewissen Tendenzen. Diese 
    Tendenzen sind die Er unzugänglich zu machen, aus der 
    Symptome entstanden sind oder entstehen könnten. 
    Die Phantasiebildg geschieht durch Verschmelzung und Entstellg 
    analog der Zersetzg eines chemischen Körpers mit einem 
    anderen zusam̄engesetzten. Die erste Art der Entstellg ist 
    nämlich die Erinnerungsfälschg durch Zertheilg, wobei gerade 
    die zeitlichen Verhältniße vernachläßigt werden [. Das 
    zeitliche Corrigiren scheint gerade an der Thätigkeit des 
    Bewußts. systems zu hängen.] Das eine Theilstück der 
    gesehenen Scene wird dan̄ mit einem Theilstück der 
    gehörten zur Phantasie vereinigt, während das frei 
    gewordene Theilstück eine andere Verbindung eingeht.

  • S.

    Damit ist ein ursprüngl Zusam̄enhang unauffindbar gemacht. 
    Durch die Bildg solcher Phantasien (in Erregungszeiten) hören 
    die Ersymptome auf. Dafür sind unbew. Dichtungen vorhanden, 
    die der Abwehr nicht unterlegen sind. Wächst nun die 
    Intensität einer solchen Phantasie soweit, daß sie sich den 
    Zugang ins Bew erzwingen mußte, so unterliegt die 
    Phantasie der Verdrängung und es entsteht ein Symptom 
    durch Rückdrängung von ihr auf die constit. Erin̄erungen. 
    Aller Angstsymptome (Phobien) sind aus Phantasien 
    so abgeleitet. Im̄erhin werden die Symptome so vereinfacht. 
    Ein dritter Vorstoß u dritte Art der Symptombildg geht 
    viellicht von Impulsbildung aus. 

    Arten der Compromißverschiebg:

    Associationsverschiebg: Hy
    Ähnlichkeits (begriffsverschiebg) Zw.
    Causalversschiebung: Paranoia

    Für Ort der Abwehr character.
    (vielleicht auch f. Zeit.

    Typischer Ablauf.

    Ein guter Verdacht, daß die Erweckg des Verdrängten nicht 
    dem Zufall überlassen ist, sondern Entwicklgsgesetzen folgt. 
    Ferner, daß Verdrängg vom recenten nach rückwärts 
    schreitet u die letzten Ereigniße zuerst betrifft.

    Unterschied d. Phantasie bei Hy u Par.

    Letztere systematisch, alle in Cartell, erstere von einander unab-
    hängg auch widersprechend; also vereinzelt, sind wie automatisch 
    (auf chemischem Weg) entstanden. Dies u Vernachlässigg 
    des Zeitcharacters wol wesentlich f. Unterschied zwischen 
    Thätigkeit im Vorbw u Unbewusst.

    Verdrängg im Unbew.

    Es genügt nicht, die Verdr. zwischen Vorb u Unb in Betracht 
    zu ziehen, sondern auch die normale Verdrängg innerhalb 
    des Systems Unbew. selbst. Sehr bedeutungsvoll, noch sehr dunkel.

    Es ist die schönste Hoffnung, die Anzal und Art der Phantasien 
    ebenso vorher zu bestim̄en wie mit Scenen möglich. Ein 
    Entfremdungsroman (v. Paran.) regelmäßig dabei; dient der 
    Illegitimirg der genan̄ten Verwandten. Agoraphobie 
    scheint an Prostitutroman zu hängen, der selbst wieder 
    auf diesen Familienroman zurückgeht. Frau die 
    nicht allein ausgehen will, behauptet also Untreue der Mutter.