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    11. 1. 1929
    PROF. DR. FREUD WIEN IX., BERGGASSE 19

    Lieber Herr Doktor
    Vielen Dank xx für ihren Neujahrsbrief mit seinen erfreulichen Nachrichten! Ganz abweichend von so vielen anderen haben Sie nicht zugelassen daß Ihre intellektuelle Entwicklung die Sie meinem Einfluß immer mehr entrückten, auch unsere persönlichen Beziehungen zerstören, und Sie wißen nicht wie sehr eine solche Feinheit dem Menschen woltut: - trotz der von Ihnen gerühmten Indifferenz, die das Alter mit sich bringt.
    Ich bestätige gerne Ihre Vermutung, daß ich gegenwärtig keine gesundheitlichen Sorgen in der Familie zu verfolgen habe. Selbst meine bald voll 94 jährige Mutter erhält sich auf guten Niveau, sparrt mir so allergings den Weg, den ein alter Mann offen haben sollte. In materieller Hinsicht hat die Familie die Schäden

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    des großes Krieges nicht überwunden. Mit sinkender Kraft muß ich noch für eine Anzal jüngerer Leute Miterwerben. Unter meinen 7 Enkelkinderm ist manches reizende Stück, an das 1923 verlorene kann ich nicht vergessen.
    Diesen Sommer wollen wir nicht mehr auf dem Semmering verbringen, wißen aber nicht, wohin wir gehen sollen. Unsere Symbiose mit meiner amerikanischen Familie (ohne Mann), deren Kinder meine Tochetr mit fester Hand analytisch großzieht, befestigt sich immer mehr so daß aich unsere Bedürfniße für den Sommer gemeinsam sind. Unsere beiden Hunde, der treue Wolf und die sanfte Chinesin Lun Yug, sind die jüngste Vergrößerung der Familie.
    Herzliche Wünsche für Sie, Ihre liebe Frau und die hoffnungsvolle Kinderschaar, und Wolergehen im 1929, ob ich Sie nun in diesem wiedersehe oder nicht.
    Ihr Freud