S.
39
V.
Ich unterbreche die Darstellung von dem inneren
Wachstum der Psychoanalyse und wende mich
ihren äußeren Schicksalen zu. Was ich von ihrem
Erwerb bisher mitgeteilt habe, war in großen
Zügen der Erfolg meiner Arbeit, ich habe
aber in den Zusammenhang auch spätere Ergeb-
nisse eingetragen und die Beiträge meiner
Schüler und Anhänger nicht von den eigenen
gesondert.
Durch mehr als ein Jahrzehnt nach der Trennung
von Breuer hatte ich keinen Anhänger. Ich
stand völlig isoliert. In Wien wurde ich gemieden,
das Ausland nahm von mir keine Kenntnis.
Die „Traumdeutung“ 1900 wurde in den Fach-
zeitschriften kaum referiert. Im Aufsatz
„Zur Geschichte der psychoanalytischen Bewegung“
habe ich als Beispiel für die Einstellung
der psychiatrischen Kreise in Wien ein Gespräch mit
einem Assistenten mitgeteilt, der ein
Buch gegen meine Lehren geschrieben aber
die Traumdeutung nicht gelesen hatte. Man
hatte ihm auf der Klinik gesagt, es lohne
nicht der Mühe. Der Betreffende, seither
Extraordinarius geworden, hat sich gestattet
den Inhalt jener Unterredung zu verleug-
nen und überhaupt die Treue meiner
Erinnerung anzuzweifeln. Ich halte jedes
Wort meines damaligen Berichts aufrecht.
Als ich verstanden hatte, mit welchen Not-
wendigkeiten ich zusammengestoßen war, ließ
meine Empfindlichkeit sehr nach. Allmälich
fand auch die Isolierung ein Ende. Zuerst sam-
melte sich in Wien ein kleiner Kreis
von Schülern um mich; nach 1906 erfuhr
man, daß sich die Psychiater in Zürich,
E. Bleuler, sein Assistent C. G. Jung und
andere lebhaft für die Psychoanalyse inter-
essierten. Persönliche Beziehungen knüpften
sich an, zu Ostern 1908 trafen sich die
Freunde der jungen Wissenschaft in Salzburg,verabredeten die regelmäßige Wiederholungsolcher Privatkongresse und die Heraus-gabe einer Zeitschrift, die unter dem Titel„Jahrbuch für psychopathologische und psychoan-alytische Forschungen“ von Jung redigiertwurde. Herausgeber waren Bleuler undich; sie wurde dann mit Beginndes Weltkrieges eingestellt.Gleichzeitig
mit dem Anschluß der Schweizer war
auch überall in Deutschland das Interesse
für die Psychoanalyse erwacht, sie wurde
der Gegenstand zahlreicher literarischer
Äußerungen und lebhafter DiskussionS.
40
auf wissenschaftlichen Kongressen. Die Aufnahme
war nirgends eine freundliche oder wohl-
wollend zuwartende. Nach kürzester Be-
kanntschaft mit der Psychoanalyse war
die deutsche Wissenschaft in ihrer Ver-
werfung einig.
Ich kann natürlich auch heute nicht wissen, wel-
ches das endgültige Urteil der Nachwelt
über den Wert der Psychoanalyse für
Psychiatrie, Psychologie und die Geistes-
wissenschaften überhaupt sein wird. Aber
ich meine, wenn die Phase, die wir durch-
lebt haben, einmal ihren Geschichtsschreiber
findet, wird dieser zugestehen müssen,
daß das Verhalten ihrer damaligen Ver-
treter nicht rühmlich für die deutsche
Wissenschaft war. Ich beziehe mich dabei
nicht auf die Tatsache der Ablehnung oder
auf die Entschiedenheit, mit der sie geschah;
beides war leicht zu verstehen, entsprach
nur der Erwartung und konnte wenig-
stens keinen Schatten auf den Charakter
der Gegner werfen. Aber für das Ausmaß
von Hochmut und gewissenloser Verschmäh-
ung der Logik, für die Roheit
und Geschmacklosigkeit der Angriffe
giebt es keine Entschuldigung. Man
kann mir vorhalten, es sei kindisch, noch
nach 15 Jahren solcher Empfindlichkeit
freien Lauf zu geben. Ich würde es auch
nicht getan, wenn ich nicht noch etwas
anderes hinzuzufügen hätte. Jahre später,
als während des Weltkriegs ein Chor
von Feinden gegen die deutsche Nation
den Vorwurf der Barbarei erhob,
in dem all das Erwähnte zusammen-
trifft, schmerzte es doch tief, daß
man aus eigener Erfahrung dem
nicht widersprechen konnte.
Einer der Gegner rühmte sich laut, daß er seinen
Patienten den Mund verbiete, wenn
sie von sexuellen Dingen zu sprechen
beginnen und leitete aus dieser Technik
offenbar ein Recht ab, über die aetio-
logische Rolle der Sexualität für diedenNeurosen zu urteilen. Abgesehen
von den affektiven Widerständen, die sich
nach der psychoanalytischen Theorie so leicht
erklärten, daß sie uns nicht irre
machen konnten, schien mir das Haupt-
hindernis der Verständigung in demS.
41
Umstand zu liegen, daß die Gegner in der
Psychoanalyse ein Produkt meiner spekulativen
Phantasie sahen und nicht an die lange,
geduldige, voraussetzungslose Arbeit glauben
wollten, die zu ihrem Aufbau aufgewendet
worden war. Da nach ihrer Meinung die Analyse
nichts mit Beobachtung und Erfahrung zu
tun hatte, hielten sie sich auch für berechtigt,
sie ohne eigene Erfahrung zu verwerfen.
Andere, die sich solcher Überzeugung nicht
so sicher fühlten, wiederholten das
klassische Widerstandsmanöver, nicht
in's Mikroskop zu gucken, um das nicht
zu sehen, was sie bestritten hatten. Es
ist überhaupt merkwürdig, wie inkorrekt sich
die meisten Menschen benehmen, wenn
sie in einer neuen Sache auf ihr
eigenes Urteil gestellt sind. Durch
viele Jahre und auch heute noch bekomme
ich von „wohlwollenden“ Kritikern zu
hören, so und so weit habe die Psycho-
analyse Recht, aber an dem Punkte be-
ginne ihr Übermaß, ihre unberechtigte
Verallgemeinerung. Dabei weiß ich, daß
nichts schwieriger ist als über eine solche
Abgrenzung zu entscheiden, und daß die
Kritiker selbst bis vor wenigen Tagen
oder Wochen in voller Unkenntnis
der Sache gewesen waren.
Das offizielle Anathema gegen die Psychoanalyse
hatte zur Folge, daß sich die Analytiker
enger zusammenschlossen. Auf dem zweiten
Kongreß zu Nürnberg 1910 organisierten sie
sich auf Vorschlag von S. Ferenczi zu
einer „Internationalen ps. a. Vereinig-
ung“, die in Ortsgruppen zerfiel und unter
der Leitung eines Präsidenten stand.
Diese Vereinigung hat den Weltkrieg
überstanden, sie besteht heute noch und
umfaßt die Ortsgruppen Wien, Berlin,
Budapest, Zürich, London, Holland, NewYork,
Panamerika, Moskau und Calcutta. Zum
ersten Präsidenten ließ ich C. G. Jung wählen,
ein recht unglücklicher Schritt, wie sich später
herausstellte. Die Psychoanalyse erwarb
damals ein zweites Journal, das „Zentral-
blatt für Psychoanalyse“ redigiert von
Adler und Stekel und bald darauf ein
drittes, die „Imago“, von den Nichtärzten
H. Sachs und O. Rank für die Anwendungen
der Analyse auf die Geisteswissenschaften
bestimmt. Bald darauf veröffentlichteS.
42
Bleuler seine Schrift zur Verteidigung der
Psychoanalyse. (Die Psychoanalyse Freud's 1910).
So erfreulich es war, daß in dem Streit
einmal auch Gerechtigkeit und ehrliche Logik zu
Worte kamen, so konnte mich die Arbeit Bleuler's
doch nicht völlig befriedigen. Sie strebte zu
sehr nach dem Anschein der Unparteilichkeit;
es war kein Zufall, daß man gerade ihrem
Autor die Einführung des wertvollen
Begriffes der „Ambivalenz“ in unsere
Wissenschaft zu danken hatte. In späteren
Aufsätzen hat Bleuler sich so ablehnend
gegen das analytische Lehrgebäude verhalten, so wesent-
liche Stücke desselben bezweifelt oder
verworfen, daß ich mich verwundert fragen
konnte, was für seine Anerkennung
davon erübrige. Und doch hat er auch später nicht
nur die herzhaftesten Äußerungen zu Gunsten
der „Tiefenpsychologie“ getan, sondern auch
seine groß angelegte Darstellung der
Schizophrenien auf sie begründet. Bleuler
verblieb übrigens nicht lange in der
„Internationalen ps. a. Vereinigung“, er
verließ sie infolge von Mißhelligkeiten
mit Jung und das Burghölzli ging
der Analyse verloren.
Der offizielle Widerspruch konnte die Ausbreitung
der Psychoanalyse weder in Deutschland noch
in den anderen Ländern aufhalten. Ich habe
an anderer Stelle („Zur Geschichte der ps. a.
Bewegung“) die Etappen ihres Fortschrittes
verfolgt und dort auch die Männer genannt,
die sich als ihre Vertreter hervortaten. Im
Jahre 1909 waren Jung und ich von G. Stanley
Hall nach Amerika berufen worden, um dort
an der Clark University, Worcester, Mass.,
deren Präsident er war, zur 20jährigen
Gründungsfeier des Instituts eine Woche
lang Vorlesungen (in deutscher Sprache)
zu halten. Hall war ein mit Recht ange-
sehener Psycholog und Pädagog, der die
Psychoanalyse schon seit Jahren in seinen
Unterricht einbezogen hatte; es war etwas
vom „Königsmacher“ in ihm, dem es gefiel,
Autoritäten ein- und wieder abzusetzen.
Wir trafen dort auch James J. Putnam, den
Neurologen von Harvard, der sich trotz
seines Alters für die Psychoanalyse
begeisterte und mit dem ganzen Gewicht
seiner allgemein respektierten Persön-
lichkeit für ihren kulturellen Wert
und die Reinheit ihrer Absichten eintrat.S.
43
An dem ausgezeichneten Mann, der in Reaktion auf
eine zwangsneurotische Anlage vorwiegend ethisch
orientiert war, störte uns nur die Zumutung,
die Psychoanalyse an ein bestimmtes philosophisches
System anzuschließen und in den Dienst moral-
ischer Bestrebungen zu stellen. Auch eine
Zusammenkunft mit dem Philosophen William James
hinterließ mir einen bleibenden Eindruck. Ich
kann nicht die kleine Szene vergessen,
wie er auf einem Spaziergang plötzlich stehen
blieb, mir seine Handtasche übergab und
mich bat vorauszugehen, er werde nachkommen,
sobald er den herannahenden Anfall von
Angina pectoris abgemacht habe. Er starb
ein Jahr später am Herzen; ich habe mir seither
immer eine ähnliche Furchtlosigkeit ange-
sichts des nahen Lebensendes gewünscht. Da-
mals war ich erst 53 Jahre alt, fühlte mich
jugendlich und gesund, der kurze Aufenthalt
in der neuen Welt tat meinem Selbstgefühl
überhaupt wohl; in Europa fühlte ich mich wie
geächtet, hier sah ich mich von den Besten
wie ein Gleichwertiger aufgenommen. Es war
wie die Verwirklichung eines unglaubwürdigen
Tagtraumes, als ich in Worcester den Katheder
bestieg, um meine fünf Vorlesungen über
„Psychoanalyse“ abzuhalten. Die Psychoanalyse
war also kein Wahngebilde mehr, sie war
zu einem wertvollen Stück der Realität
geworden. Sie hat auch den Boden in Amerika
seit unserem Besuch nicht mehr verloren,
sie ist unter den Laien ungemein populär
und wird von vielen offiziellen Psychiatern
als wichtiger Bestandteil des medizinischen
Unterrichts anerkannt. Leider hat sie dort
auch viel Verwässerung erfahren. Mancher
Mißbrauch, der nichts mit ihr zu tun
hat, deckt sich mit ihrem Namen, es fehlt
an Gelegenheiten zu gründlicher Ausbildung
in Technik und Theorie. Auch stößt sie
in Amerika mit dem „Behaviourism“
zusammen, der sich in seiner Naivität
rühmt, das psychologische Problem über-
haupt ausgeschaltet zu haben.
In Europa vollzogen sich in den Jahren 1911-13
zwei Abfallsbewegungen von der Psychoanalyse,
eingeleitet von Personen, die bisher eine
ansehnliche Rolle in der jungen Wissenschaft
gespielt hatten, die von Alfred Adler und
von C. G. Jung. Beide sahen recht gefährlich
aus und gewannen rasch eine große An-
hängerschaft. Ihre Stärke dankten sieS.
44
aber nicht dem eigenen Gehalt sondern der
Verlockung, von den anstößig empfundenen
Resultaten der Psychoanalyse frei zu
kommen, auch wenn ihr tatsächliches Material
nicht mehr verleugnete. Jung versuchte eine
Umdeutung der analytischen Tatsachen in's
Abstrakte, Unpersönliche und Unhistorische,
wodurch er sich die Würdigung der infantilen
Sexualität und des Oedipuskomplexes sowie
die Notwendigkeit der Kindheitsanalyse
zu ersparen hoffte. Adler schien sich noch
weiter von der Psychoanalyse zu entfernen,
er verwarf die Bedeutung der Sexualität
überhaupt, führte Charakter- wie Neurosen-
bildung ausschließlich auf das Machtstreben
des Menschen und sein Bedürfnis nach
Kompensationihrerseiner konstitutionellen
Minderwertigkeiten zurück und schlug alle
psychologischen Neuerwerbungen der Psycho-
analyse in den Wind. Doch hat das
von ihm Verworfene sich unter geändertem
Namen die Aufnahme in sein geschlossenes
System erzwungen; sein „männlicher Protest“
ist nichts anderes als die zu Unrecht sexual-
isierte Verdrängung. Die Kritik begeg-
nete beiden Häretikern mit großer
Milde; ich konnte nur erreichen, daß
Adler wie Jung darauf verzichteten, ihre
Lehren „Psychoanalyse“ zu heißen. Man
kann heute, nach einem Jahrzehnt, fest-
stellen, daß beide Versuche an der
Psychoanalyse schadlos vorübergegangen
sind.
Wenn eine Gemeinschaft auf Übereinstimmung
in einigen kardinalen Punkten begründet
ist, wird es selbstverständlich, daß diejenigen
aus ihr ausscheiden, welche diesen gemeinsamen
Boden aufgegeben haben. Doch hat man häufig
den Abfall früherer Schüler als Zeichen
meiner Intoleranzoder dermir zur
Schuld angerechnet oder den Ausdruck eines
besonderen auf mir lastenden Verhängnisses
darin gesehen. Es genüge dagegen darauf
hinzuweisen, daß denen, die mich ver-
lassen haben, wie Jung, Adler, Stekel und
wenige andere, eine große Anzahl
von Personen gegenübersteht, wie
Abraham, Ferenczi, Rank, Jones, Brill,
Sachs, Pfarrer Pfister, van Emden, van
Ophuijsen, Oberholzer u.A., die seit etwa fünf-
zehn Jahren mir in treuer Mitarbeiterschaft,
meist auch in ungetrübter Freund-S.
45
schaft anhängen. Ich habe nur die ältesten meiner
Schüler hier genannt, die sich bereits einen
rühmlichen Namen in der Literatur der
Psychoanalyse geschaffen haben, die Über-
gehung anderer soll keine Zurücksetzung
bedeuten und gerade unter den Jungen u. spät hinzu-
gekommenen befinden sich Talente,
auf die man große Hoffnungen setzen darf.
Aber ich darf wohl für mich geltend machen,
daß ein intoleranter und vom Unfehlbar-
keitsdünkel beherrschter Mensch niemals
eine so große Schar geistig bedeutender
Personen an sich hätte fesseln können,
zumal wenn er über nicht mehr praktische Ver-
lockungen verfügte als ich.
Der Weltkrieg, der so viel andere Organ-
isationen zerstört hat, konnte unserer Inter-
nationalen nichts anhaben. Die erste Zuam-
menkunft fand 1920 im Haag statt, auf neutralem
Boden. Es war rührend, wie holländische Gastfreund-
schaft sich der verhungerten und verarmten
Mitteleuropäer annahm, es geschah auch meines
Wissens damals zum ersten Male in einer
zerstörten Welt, daß Engländer und Deutsche
sich wegen wissenschaftlicher Interessen freund-
schaftlich an denselben Tisch setzten. Der Krieg
hatte sogar in Deutschland wie in den
westlichen Ländern das Interesse an der
Psychoanalyse gesteigert. Die Beobachtung
der Kriegsneurotiker hatte den Ärzten endlich
die Augen über die Bedeutung der Psycho-
genese für neurotische Störungen geöffnet,
einige unserer psychologischen Konzeptionen, der
„Krankheitsgewinn“, die „Flucht in die Krank-
heit“ wurden rasch populär. Zum letzten
Kongreß vor dem Zusammenbruch, Budapest
1918, hatten die verbündeten Regierungen
der Mittelmächte offizielle Vertreter
geschickt, welche die Einrichtung psycho-
analytischer Stationen zur Behandlung
der Kriegsneurotiker zusagten. Es kam nicht
mehr dazu. Auch weitausgreifende Pläne eines
unserer besten Mitglieder, des Dr Anton
v. Freund, welche in Budapest eine Zentrale
für analytische Lehre und Therapie schaffen
wollten, scheiterten an den bald darauf
erfolgenden politischen Umwälzungen
und dem frühen Tode des unersetzlichen
Mannes.* Einen Teil seiner Anregungen verwirklichte
später Max Eitingon, indem er 1920 in Berlin eine
psychoanalytische Poliklinik schuf. Während der kurzen Dauer der
bolschewistischen Herrschaft in Ungarn konnte
Ferenczi noch eine erfolgreiche LehrtätigkeitS.
46
als offizieller Vertreter der Psychoanalyse
an der Universität entfalten. Nach dem
Krieg gefiel es unseren Gegnern zu ver-
künden, daß die Erfahrung ein schlagendes
Argument gegen die Richtigkeit der
analytischen Behauptungen ergeben habe.
Die Kriegsneurosen hätten den Beweis für
die Überflüssigkeit sexueller Momente
in derfür dieAetiologie neurotischer Affekt-
ionen geliefert. Allein das war einvoreiligerleichtfertiger undTriumphvoreiliger Tri-
umph.hatte NiemandDenn einerseits
hatte niemand die gründliche Analyse
eines Falles von Kriegsneurose durchführen
können, man wußte also einfach nichts Sicheres
über deren Motivierung und durfte
doch aus solcher Unwissenheit keinen
Schluß ziehen. Anderseits aber hatte die
Psychoanalyse längst den Begriff des
Narzißmus und der narzißtischen Neurose
gewonnen, der die Anheftung der
Libido an das eigene Ich an StelleeinesObj.eines Objekts zum Inhalt hatte. D. h. also, man
machte sonst der Psychoanalyse zum
Vorwurf, daß sie den Begriff der
Sexualität ungebührlich erweitert habe;
wenn man es aber in der Polemik bequem
fand, vergaß man an dieses ihr Ver-
gehen und hielt ihr wiederum die
Sexualität im engsten Sinne vor.
Die Geschichte der Psychoanalyse zerfällt
für mich in zwei Abschnitte, von der kathart-
ischen Vorgeschichte abgesehen. Im ersten
stand ich allein und hatte alle Arbeit selbst
zu tun. So war es von 1895/6 an bis 1906
oder 1907. Im zweiten Abschnitt von da an
bis zum heutigen Tage haben die Beiträge
meiner Schüler und Mitarbeiter immer
mehr an Bedeutung gewonnen, so daß
ich jetzt, durch schwere Erkrankung an das
nahe Ende gemahnt, mit innerer Ruhe
an das Aufhören meiner eigenen Leistung
denken kann. Gerade dadurch schließt es
sich aber aus, daß ich in dieser „Selbstdar-
stellung“ die Fortschritte der Psychoanalyse
im zweiten Zeitabschnitt mit solcher Aus-
führlichkeit behandle wie deren allmälichen
Aufbau im ersten, der allein von
meiner Tätigkeit ausgefüllt ist. Ich fühle
mich nur berechtigt, hier jene Neuerwerbungen
zu erwähnen, an denen ich noch einen
hervorragenden Anteil hatte, also vor allem
die auf dem Gebiet des Narzißmus, der Trieb-
lehre und der Anwendung auf die Psychosen.S.
47
Ich habe nachzutragen, daß mit zunehmender
Erfahrung der Oedipuskomplex sich immer deutlicher
als der Kern der Neurose herausstellte. Er war
sowohl der Höhepunkt des infantilen Sexual-
lebens wie auch der Knotenpunkt, von dem
alle späteren Entwicklungen ausgingen. Damit
schwand aber die Erwartung, durch die Analyse
ein für die Neurose spezifisches Moment
aufzudecken. Man mußte sich sagen, wie es
Jung in seiner analytischen Frühzeit treffend auszu-
drücken verstand, daß die Neurose keinen
besonderen, ihr ausschließlich eigenen Inhalt
habe, und daß die Neurotiker an den
nämlichen Dingen scheitern, welche von den
Normalen glücklich bewältigt werden. Diese Einsicht
bedeutete durchaus keine Enttäuschung, sie stand
im besten Einklang mit jener anderen, daß die
durch die Psychoanalyse gefundene Tiefenpsycho-
logie eben die Psychologie des normalen
Seelenlebens war. Es war uns ebenso ergangen
wie den Chemikern; die großen qualitativen
Verschiedenheiten der Produkte führten sich
auf quantitative Abänderungen in den
Kombinationsverhältnissen der nämlichen Elemente
zurück.
Im Oedipuskomplex zeigte sich die Libido an die
Vorstellung der elterlichen Personen gebunden.
Aber es hatte vorher eine Zeit ohne alle
solche Objekte gegeben. Daraus ergab sich die für
eine Libidotheorie grundlegende Konzeption
eines Zustandes, in dem die Libido das eigene
Ich erfüllt, dieses selbst zum Objekt genommen hat.
Diesen Zustand konnte man „Narzißmus“ oder
Selbstliebe nennen. Die nächsten Überlegungen sagten, daß er eig-
entlich nie völlig aufgehoben wird; für die
ganze Lebenszeit bleibt das Ich das große
Libidoreservoir, aus welchem Objektbesetzungen
ausgeschickt werden, in welches die Libido
von den Objekten wieder zurückströmen
kann. Narzißtische Libido setzt sich also
fortwährend in Objektlibido um und umge-
kehrt. Ein ausgezeichnetes Beispiel davon,
welches Ausmaß diese Umsetzung erreichen
kann, zeigt uns die bis zur Selbstaufopferung
reichende sexuelle oder sublim-
ierte Verliebtheit. Während man bisher
im Verdrängungsprozeß nur dem Ver-
drängten Aufmerksamkeit geschenkt
hatte, ermöglichten diese Vorstellungen,
auch das Verdrängende richtig zu würdigen.
Man hatte gesagt, die Verdrängung werde
von den im Ich wirksamen Selbsterhalt-S.
48
ungstrieben („Ichtrieben“) in's Werk gesetzt und an den
libidinösen Trieben vollzogen. Nun da
man die Selbsterhaltungstriebe auch als
libidinöser Natur, als narzißtische Libido,
erkannte, erschien der Verdrängungs-
vorgang als ein Prozeß innerhalb der
Libido selbst; narzißtische Libido stand
gegen Objektlibido, das Interesse der
Selbsterhaltung wehrte sich gegen den Anspruch
der Objektliebe, also auch gegen den der engeren
Sexualität.
Kein Bedürfnis wird in der Psychologie dringender
empfunden als nach einer tragfähigen Trieb-
lehre, auf welcher man weiter bauen kann.
Allein, nichts dergleichen ist vorhanden, die
Psychoanalyse muß sich in tastendenBemühungenVersuchen
um eine Trieblehre bemühen. Sie stellte
zuerst den Gegensatz von Ichtrieben (Selbsterhalt-
ung, Hunger) und von libidinösen Trieben
auf, (Liebe) ersetzte ihn dann durch den
neuen von narzißtischer und Objektlibido.
Damit war offenbar das letzte Wort nicht gesprochen;
biologische Erwägungen schienen zu verbieten,
daß man sich mit der Annahme nur
einer einzigen Art von Trieben begnüge.
+ In den Arbeiten meiner letzten Jahre habe
ich der lange niedergehaltenen Neigung
zur Spekulation freien Lauf gelassen
(„Jenseits des Lustprinzips“ – „Massenpsychologie
und Ich-Analyse“ – „Das Ich und das Es“) und
dort auch eine neue Lösung des Triebproblems
in's Auge gefaßt. Ich habe Selbst- und Arterhalt-
ung unter dem Begriff des Eros zusammenge-
faßt und ihm den geräuschlos arbeitenden
Todes- oder Destruktionstrieb gegenüber gestellt.
Der Trieb wird ganz allgemein erfaßt als eine
Art von Elasticität des Lebenden, als ein
Drang nach Wiederherstellung einer Situation,
die einmal bestanden hatte und durch
eine äußere Störung aufgehoben worden
war. Diese im Wesen konservative Natur
der Triebe wird durch die Erscheinungen
des Wiederholungszwanges erläutert.
Das Zusammen- und Gegeneinanderwirken
von Eros und Todestrieb ergiebt für
uns das Bild des Lebens.
Es steht dahin ob sich diese Konstruktion als
brauchbar erproben wird. Sie ist zwar
von dem Bestreben geleitet worden, einige
der wichtigsten theoretischen Vorstellungen
der Psychoanalyse zu fixieren, aber sie
geht weit über die Psychoanalyse hinaus.
Ich habe wiederholt die geringschätzige Äußerung
gehört, man könne nichts von einer Wissen-
schaft halten, deren oberste Begriffe so
unscharf wären wie die der Libido undS.
49
des Triebes in der Psychoanalyse. Aber diesem
Vorwurf liegt eine völlige Verkennung
des Sachverhalts zu Grunde. Klare Grundbe-
griffe und scharf umrissene Definitionen
sind nur in den Geisteswissenschaften möglich,
soweit diese ein Tatsachengebiet in den
Rahmen einer intellektuellen System-
bildung fassen wollen. In den Naturwissen-
schaften, zu denen die Psychologie gehört,
ist solche Klarheit der Oberbegriffe über-
flüssig, ja unmöglich. Zoologie und Botanik haben
nicht mit korrekten und zureichenden Defini-
tionen von Tier und Pflanze begonnen, die
Biologie weiß noch heute den Begriff des
Lebenden nicht mit sicherem Inhalt zu er-
füllen. Ja selbst die Physik hätte ihre
ganze Entwicklung versäumt, wenn sie hätte
abwarten müssen, bis ihre Begriffe von
Stoff, Kraft, Gravitation u. a. die wünschenswerte
Klarheit und Präzision erreichten.
Die Grundvorstellungen oder obersten Begriffe
der naturwissenschaftlichen Disziplinen werden
immer zunächst unbestimmt gelassen, vorläufig
nur durch den Hinweis auf das Erscheinungsgebiet
erläutert, dem sie entstammen, und können
erst durch die fortschreitende Analyse des
Beobachtungsmaterials klar, inhaltsreich und
widerspruchsfrei werden.
Ich habe schon in früheren Phasen meiner Produktion
den Versuch gemacht, von der psychoanalytischen
Beobachtung aus allgemeinere Gesichtspunkte
zu erreichen. 1911 betonte ich in einem kleinen
Aufsatz „Formulierungen über die zwei Prinzipien des psychischen
Geschehens“ in gewiß nicht origineller Weise
die Vorherrschaft des Lust- Unlustprinzips
für das Seelenleben und dessen Ablösung
durch das sogenannte „Realitätsprinzip“. Metapsychologie“
Später wagte ich den Versuch einer „Metapsychologie“.Metapsychologie“
Ich nannte so eine Weise der Betrachtung, in
der jeder seelische Vorgang nach den drei
Koordinaten der Dynamik, Topik und Oeko-
nomie gewürdigt wird, und sah in ihr das
äußerste Ziel, das der Psychologie erreichbar
ist. Der Versuch blieb ein Torso, ich brach nach
einigen wenigen Abhandlungen (Triebe und
Triebschicksale - Verdrängung - Das Unbewußte
- Trauer und Melancholie u. s. w.) ab und tat
gewiß wohl daran, denn die Zeit für solche
theoretische Festlegung war noch nicht ge-
kommen. In meinen letzten spekulativen
Arbeiten habe ich es unternommen, unseren
seelischen Apparat auf Grund analytischer Ver-
wertung der pathologischen Tatsachen zu
gliedern und habe ihn in ein Ich, ein Es und
ein Über-Ich zerlegt. (Das Ich und das Es, 1923.) DasS.
50
Über-Ich ist der Erbe des Oedipuskomplexes und
der Vertreter der ethischen Anforderungen des
Menschen.
Es soll nicht der Eindruck erweckt werden, als hätte ich
in dieser letzten Periode meiner Arbeit der
geduldigen Beobachtung den Rücken gewendet
und mich durchaus der Spekulation überlassen.
Ich bin vielmehr immer in inniger Berührung
mit dem analytischen Material geblieben und
habe die Bearbeitung spezieller, klinischer oder
technischer Themata nie eingestellt. Auch wo ich
mich von der Beobachtung entfernte, habe ich
die Annäherung an die eigentliche Philosophie
sorgfältig vermieden. Konstitutionelle Un-
fähigkeit hat mir solche Enthaltung sehr
erleichtert. Ich war immer für die Ideen G. Th.
Fechner's zugänglich und habe mich auch in
wichtigen Punkten an diesen Denker ange-
lehnt. Die weitgehenden Übereinstimmungen
der Psychoanalyse mit der Philosophie Schopen-
hauer's – er hat nicht nur den Primat der
Affektivität und die überragende Bedeutung
der Sexualität vertreten, sondern selbst den
Mechanismus der Verdrängung gekannt –
lassen sich nicht auf meine Bekanntschaft mit seiner
Lehre zurückführen. Ich habe Schopenhauer
sehr spät im Leben gelesen. Nietzsche, den
anderen Philosophen, dessen Ahnungen und Einsichten
sich oft in der erstaunlichsten Weise mit
den mühsamen Ergebnissen der Psychoanalyse
decken, habe ich gerade darum lange gemieden;
an der Priorität lag mir ja weniger als
an der Erhaltung meiner Unbefangenheit.
Die Neurosen waren das erste, lange
Zeit auch das einzige Objekt der Analyse gewesen.
Keinem Analytiker blieb es zweifelhaft, daß die
medizinische Praxis Unrecht hat, welche diese
Affektionen von den Psychosen fernhält und
an die organischen Nervenleiden anschließt.
Die Neurosenlehre gehört zur Psychiatrie, ist un-
entbehrlich zur Einführung in dieselbe. Nun
scheint das analytische Studium der Psychosen
durch die therapeutische Aussichtslosigkeit einer
solchen Bemühung ausgeschlossen. Den psychisch
Kranken fehlt im Allgemeinen die Fähig-
keit zurÜbertragungpositiven Übertragung, so daß das Haupt-
mittel der analytischen Technik unanwendbar
ist. Aber es ergeben sich doch mancherlei
Zugänge. Die Übertragung ist oft nicht so
völlig abwesend, daß man nicht ein Stück
weit mit ihr kommen könnte, bei cyklischen
Verstimmungen, leichter paranoischer Veränd-
erung, partieller Schizophrenie hat man
unzweifelhafte Erfolge mit der Analyse
erzielt. Es war auch wenigstens für dieS.
51
Wissenschaft ein Vorteil, daß in vielen Fällen
die Diagnose längere Zeit zwischen der Annahme
einer Psychoneurose und der einer Dementia
praecox schwankenkannmuß; der angestellte therapeut-
ische Versuch konnte so wichtige Aufschlüsse
bringen, ehe er abgebrochen werden mußte.
Am meisten kommt aber in Betracht, daß in den
Psychosen so vieles für Jedermann sichtbar
an die Oberfläche gebracht wird, was man
bei den Neurosen in mühsamer Arbeit
aus der Tiefe heraufholt. Für viele analytische
Behauptungen ergiebt darum die psychiatrische
Klinik die besten Demonstrationsobjekte. Es konnte
also nicht ausbleiben, daß die Analyse sehr bald
den Weg zu den Objekten der psychiatrischen
Beobachtung fand. Sehr frühzeitig (1896) habe ich
an einem Fall von paranoider Demenz die
gleichen aetiologischen Momente und das Vor-
handensein der nämlichen affektiven Kom-
plexe wie bei den Neurosen feststellen
können. Jung hat rätselhafte Stereotypien
(der Kranken) bei Dementen durch Rückbeziehung auf
die Lebensgeschichteder Krankenaufgeklärt; Bleuler
bei verschiedenen Psychosen Mechanismen
aufgezeigt, wie die durch Analyse bei den Neurotikern
eruierten. Seither haben die Bemühungen
der Analytiker um das Verständnis der
Psychosen nicht mehr aufgehört. Besonders
seitdem man mit dem Begriff des Narzißmus
arbeitete, gelang es bald an dieser, bald an
jener Stelle einen Blick über die
Mauer zu tun. Am weitesten hat es wohl
Abraham in der Aufklärung der Melan-
cholien gebracht. Auf diesem Gebiet setzt
sich zwar gegenwärtig nicht alles Wissen
in therapeutische Macht um, aber auch der
bloß theoretische Gewinn ist nicht gering anzu-
schlagen und mag gern auf seine praktische
Verwendung warten. Auf die Dauer können
auch die Psychiater der Beweiskraft
ihres Krankenmaterials nichtentgehenwider-
stehen. Es vollzieht sich jetzt in der deutschen
Psychiatrie eine Art von pénétration
pacifique mit analytischen Gesichtspunkten.
Unter unausgesetzten Beteuerungen, daß
sie keine Psychoanalytiker sein wollen, nicht
der „orthodoxen“ Schule angehören, deren Über-
treibungen nicht mitmachen, insbesondere
aber an das übermächtige sexuelle Moment
nicht glauben, machen doch die meisten
der jüngeren Forscher dies oder jenes Stück
der analytischen Lehre zu ihrem Eigen und
wenden es in ihrer Weise auf das Material
an. Alle Anzeichen deuten auf das Bevor-S.
52
stehen weiterer Entwicklungen nach dieser
Richtung.VI.
Ich verfolge jetzt aus der Ferne, unter welchen
Reaktionssymptomen sich der Einzug der
Psychoanalyse in das lange refraktäre
Frankreich vollzieht. Es wirkt wie eine Re-
produktion von früher Erlebtem, hat aber
doch auch seine besonderen Züge. Einwendungen
von unglaublicher Einfalt werden laut,
wie der, das französische Feingefühl nehme
Anstoß an der Pedanterie und Plumpheit
der psychoanalytischen Namengebungen.
(Man muß dabei an Lessing's unsterblichen Chevalier
Ricçaut de la Martinière denken). Ein anderes
Argument klingt ernsthafter. Es ist selbst einem
Professor der Psychologie an der Sorbonne
nicht unwürdig erschienen: das génie latin ver-
trage sich überhaupt nicht mit der Denkungsart der
Psychoanalyse. Dabei werden die angelsächsischen
Allierten, die als ihre Anhänger gelten, aus-
drücklich ausgenommen. Wer das hört, muß
natürlich glauben, das génie teutonique
habe die Psychoanalyse gleich nach ihrer Geburt
als sein liebes Kind an's Herz gedrückt.
In Frankreich ist das Interesse an der Psycho-
analyse von den Männern der schönen Literat-
ur ausgegangen. Um das zu verstehen, muß
man sich erinnern, daß die Psychoanalyse
mit der Traumdeutung die Grenzen einer
rein ärztlichen Angelegenheit überschritten
hatte. Zwischen ihrem Auftreten in Deutschland
und nun in Frankreich liegen ihre mannig-
fachen Anwendungen auf Gebiete der Liter-
atur und Kunstwissenschaft, Religionsgeschichte
(Pädagogik usw.) und Vorgeschichte, Mythologie, Volkskunde,
Alle diese Dinge haben mit der Medizin
wenig zu tun, sind, lehre ich, eben nur durch
die Vermittlung der Psychoanalyse verständlich.
Ich habe darum keine Ursache, sie an dieser Stelle
eingehend zu behandeln. Ich kann sie aber auch
nicht ganz vernachlässigen, denn einerseits sind
sie unerläßlich, um die richtige Vorstellung
von Art und Wesen der Psychoanalyse
zu geben, anderseits habe ich mich ja der Auf-
gabe unterzogen, einige dieser Neben-
werk-Arbeit darzustellen. Von den meisten dieser
Anwendungen gehen die Anfänge auf
meine Arbeiten zurück. Hier und da habe
ich wol auf einem Gebiete den Weg gewiesen
um ein solches außerordentliches Interesse zu
befriedigen. Andere, nicht nur Ärzte sondern
auch Fachmänner sind dann meiner Wegspur
nachgefolgt und weit in die betreffenden
Gebiete eingedrungen. Da ich mich aber meiner
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Sigmund Freud1925-041/1924.01