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S.
Dr. Sigm. Freud
Docent für Nervenkrankheiten
a.d. Universität.
Wien,
IX., Berggasse 19.25.1.1901
Theurer WilhelmJa Du bist jetzt ein großer Mann
geworden für Wien u die umlieg-
enden Dörfer. Arthur Schiff hat Dich
dazu gemacht u ist beinahe noch
größer als Du, denn er hat bereits
erklärt, was Du nur gefunden hast.
Ich war natürlich nicht in den Sitzunge
aber ich habe gehört u gelesen. Du weißt
aber um die Zeit schon alles von
anderer Seite. Deuticke hat die einst
geschmähten „Beziehungen“ in 7 Exemplaren
neben einander der in die Fenster
schauenden Lesewelt zur Erinnerung
gebracht.Wenn es 3 1/2 Jahre etwa gebraucht hat,
bis die Leute Dir den Cocainversuch
bei Dysmenorrhoe nachmachten, so hast
Du jetzt ein Einheitsmaß um zu
berechnen, wann sie Dir das
Produkt von 28 x 23 nachrechnen werden. -
S.
Bis dahin schreibe ich Dir keine Briefe
mehr, dh.ich meine, um die Zeit
bin ich der Verpflichtung bereits ent-
hoben.Minna's Krankheit hat einen Schleier
gelüftet. In voriger Woche stellten sich
im Anschlußnachan einerStrophantus-
Diarrhoe Magen- u Leibschmerzen ein,
dan̄ gab es einmal in der Nacht
einen besonders heftigen Anfall
von im Quer-Colon links lokalisirten
Schmerzen, so daß das Ganze mich an
einen garstigen Fall von Embolie der
A. mesaraica erin̄erte, die ich einmal
bei einem Herzkranken gesehen.
Am nächsten Tage u seither gab es
blutigen Stuhl, jetzt dazu Schleimpatzen
u was wie Gewebsfetzen aussieht. An
der Existenz eines Ulcus im Darm
ist kein Zweifel. Ob es wirklich ein
embolisches? Rie will die Tage über
Unreinheit an den Herztönen
bemerkt haben. Sie nim̄t nur Milch
zu sich, die Schmerzen beherrschen
den Tag. Ich habe allerlei Angst -
S.
vor dem, was nachkom̄en soll.
„Traum u Hysterie" ist gestern fertig
geworden, heute fehlt es mir bereits
an einer Betäubung. Es ist ein Bruch-
stück einer Hysterieanalyse, in der
sich die Aufklärungen um 2 Träume
gruppiren, also eigentlich eine Fort-
setzung des Traumbs. Außerdem sind
Auflösungen hyst. Symptome und
Ausblicke auf das sex-organische
Fundament des Ganzen. Es ist im̄erhin
das Subtilste, was ich bis jetzt geschrieben
und wird noch abschreckender als
gewöhnlich wirken. Immerhin, man
thut seine Pflicht u schreibt ja
nicht für den Tag. Die Arbeit ist schon
von Ziehen acceptirt der nicht ahnt, daß
ich bald ihm auch die Psychopath.
des Alltagslebens anhängen werde.
Wie lange Wernicke diese Kuckuckseier
vertragen will, ist seine Sache. -
S.
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