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S.
Dr. Sigm. Freud
Docent für Nervenkrankheiten
a. d. Universität.
Wien, ...................
IX., Berggasse 19.27.Sept 22
Theurer WilhelmAufzeichnungen: 11. Sept. - unerklärlicher Grant
12/9 Herzschwäche mit etwas Kopfweh,
14-18 schlechte Tage, Stim̄g, Herz
müdigkeit.
Dienstag219 Sept Kopfweh ohne Herzweh (Reise)
seither recht gute Tage
heute 27 Sept zuerst Spur von Kopfweh ohne
sonstige Erscheinungen.Was Du beanständet hast, heißt: die Ver-
beugung vor dem Vorgesetzten sei immer
Rest jener alten Darstellung.
Ich bin unklar, ob Du den letzten Satz,
die Schlußtirade streichen oder durch
den Druck hervorheben willst. Er
entspricht einem Bedürfniß, es aus-
klingen zu lassen.Sonst finde ich es nicht unangenehm
jemanden zu haben, der doch, wo
es angeht, ein Wort des Lobes hat -
S.
anstatt einem regelmäßig die unange-
nehmsten Sachen zu sagen. Ich danke
Dir also dafür besonders.Ich beschleunige die Correcturen
weil ich erfahren habe, daß ein weitläufiger
Narr, ein Ch. Ruths, einigem auf der
Spur ist und schon 1898 eine Analyse der
Traumphänomene angekündigt hat
Ich hoffe, im Oktober ist alles erledigt.
Zu thun habe ich vorläufig fast nichts,
also habe ich Muße dafür.Deinen Sterberegistern folge ich aus
der Ferne mit großem Interesse.
Ich weiß, daß Deine Theorie sich
einstweilen nichts aus den Vätern
macht; sonst wäre es ja gewagt,
andere Kinder als die ältesten in
den Adelsfamilien der Berechnung
zu unterziehen. Seitdem Du mir
von Deinen Funden gar nichts mehr
schreibst, vermisse ich etwas in -
S.
Deinen Briefen. Vor meiner Wissenschaft
wirst Du jetzt eine Weile Ruhe haben.
Ich bin leer gebeutelt, selbst die
schöne Doppelwunschtheorie der Neurosen
habe ich für das Traumbuch hergegeben.
Jeder Lump wird davon bald soviel
wissen können wie ich.Meine Familie sitzt noch in B, klagt
nicht sehr über das Wetter, kom̄t
aber Ende dieser Woche hieher
zurück. In der Zeitung hast Du vielleicht
gestern (26 Sept) die Ankündigung
der Kurse Alexander's als Professor
der Tarifkunde an der Exportakademie
gelesen. Wen̄ er nur nichts von seiner
einstigen Infektion in der Zeiten
Schoße schlum̄ernd hat. Du hast sicher
errathen, welches Stück ich in der
Deutung von „Autodidasker" unter-
schlagen habe. -
S.
Der Goldfisch (Marie von Ferstl, eine
geb. Thorsch u als solche entfernte
Verwandte meiner Frau) ist eingefangen
aber bis Ende Oktober noch in halber
Freiheit, weil sie auf dem Lande
bleibt. Außerdem habe ich nur noch eine
die auch erst spät im Oktober anfängt.
Sonst bin ich bis auf das Zulaufende,
was nie reichlich ist, frei.Laß bald wieder von Dir hören. Vergiß
jetzt die Plackerei mit dem Traum-
buch, damit Du es noch einmal
wen̄ es Dir vorliegt, durchblättern
kannst.Mit herzlichstem Gruß für
Frau u Kinder
Dein Sigm
Berggasse 19
Wien 1090
Österreich
Von-der-Heydt-Straße 1
Berlin 10785
Deutschland
C27F12