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S.
Hamburg, 22. 9. 14.
Lieber Freund
Ich danke Ihnen herzlich für die Vorbereit-
ungen, die Sie zu meinem zweiten Aufent-
halt in Berlin zu machen beabsichtigen, besonders
für die gegen England gerichteten. Mit
Rücksicht darauf beabsichtige ich Freitag früh
von hier abzureisen und 1h10 in Berlin ein-
zutreffen, wo ich bis 6h abends bleiben kann.
Die Zeit ist wohl zu kurz, um eine Gruppensitzg
zu gestatten, soll lieber, wenn Sie können,
unserem Beisammensein erhalten bleiben.
Ihre Manifest-Einsendung, die uns sehr
gefallen hat, hoffe ich noch rechtzeitig
Rank zuzustellen.
Ich bin nicht zum ersten Mal in Hambg, aber
zum ersten Mal nicht wie in einer fremden
Stadt, wohne bei meinen Kindern, spreche
von dem Erfolg „unserer“ Anleihe und
diskutiere die Chancen „unserer“ Millionen-
schlacht. Mit einer leisen Erinnerung an
die Diskussion einer früheren Riesen-
schlacht, die nach einigen Teilerfolgen öde
auslief. Es ist so, wie man sich nach der
Seelenwanderungslehre an eine
frühere Existenz erinnert. -
S.
Mein Enkel ist ein liebenswürdiger kleiner
Kerl, der so gewinnend zu lachen versteht,
wenn man sich mit ihm beschäftigt, ein an-
ständiger, kultivierter Mensch, was in diesen
Zeiten der entfesselten Bestialität doppelt
zu schätzen ist. Die strenge Erziehung einer
verständigen, nach Hug-Hellmuth aufge-
klärten Mutter hat ihm sehr wohlgetan.
Mein Schwiegersohn hat gelegentlich
einen abrückenden Helden zu konter-
feien und einen gefallenen Helden
zu vergrößern, kann sich aber sonst seiner
Familie widmen, so daß der Tag in sehr
hübscher Weise verbracht wird.
Ich denke, ich komme von der Bahn gerade
zurecht zu Ihrem Mittagessen, wobei ich
die Gastlichkeit Ihres Hauses als konstante
Größe in Rechnung ziehe.
In der Hoffnung, daß dieser Brief
doch noch vor mir bei Ihnen ein-
trifft, grüße ich Sie, Ihre liebe Frau
u Ihre hoffentlich jetzt völlig herge-
stellte Kinderschar herzlich,
Ihr Freud
Rankestraße 24
Berlin 10789
Duitsland
C14F27