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S.
[Datum fehlt; zu datieren mit 22.8.1882, siehe dazu F-FBMa/1882-08-22]
Vorsicht, dieser Brief ist
nur der Deckmantel eines
anderen von
Sigm.[Der folgende Brief ist von Freuds Schwester Rosa, später verehelichte Graf]
Liebstes Minnchen
Ich muss es dir denn
doch sagen, daß Du mich durch
Dein beharrliches Schweigen
sehr erzürnt hast und daß
ich nie wieder gut werden,
wenn Du mich nicht gleich
nach Empfang, in einem
langen Brief um Verzeihung
bittest. Für heute nur noch
die herzlichsten Grüße und
die besten Wünsche für die
gute liebe Mama
von Deiner
Rosa -
S.
[auf der nächsten Seite von Freud fortgesetzt:]
Liebes Schwesterchen. Das war nur die Maske, jetzt erst sehen Sie das Gesicht Ihres Correspondenten, und den Anlass, der mich dazu macht, muss ich des kleinen Briefpapiers wegen in möglichster Kürze erzählen. Sie werden ungefähr wissen, wie ungeduldig ich auf Martha's Rückkehr aus Wandsbeck warte. Nun erhalte ich heute die Nachricht, dass Eli am 1 Sept hinreisen [?], 8 Tage dort bleiben u dann mit Martha zurückkommen wird. Ich erhalte sie von meinem kleinen Bruder, jetzt in intimen Beziehungen zu dem [...] Roth'schen [...], dazu weder Fritz noch Eli lassen mir Verlassenen u Kranken ihr Angesicht leuchten. Doch davon später.
Was Eli's Reise für mich bedeutet, ist leicht zu erkennen. Zunächst eine Verlängerung von Marthas Abwesenheit für weitere 14 Tage, sodann die bei Eli's leicht [...]glichem Sinn vielleicht nicht geringe Gefahr, dass er sie den Verwandten noch über die Feiertage überläßt; Sie wissen, Schwesterchen, dass man unsere Martha am liebsten dort behalten will, bis man sie verheiratet hat u das kann lange Zeit brauchen. Endlich die Gefahr der Entdeckung, wenn er sich zB. über eine [??] Briefe wundert, die sie von Wien mitgebracht haben will, wenn er gar sich nicht abhalten lässt, in dem Hôtel einzukehren, in dessen Fremdenbuch er den Beweis meiner Anwesenheit findet u diess Hôtel ist das nächste u beste udgl mehr.
Dazu kommt, dass Martha, die schon jetzt stets gehetzt u überwacht ist, so daß sie traurig flüchtige Briefe schreibt, während Eli's Anwesenheit offenbar gar nicht wird schreiben können und daß ich meine täglichen Briefe werde einstellen müssen, wenn ich ihm nicht, trotz seines glücklichen Mangels an Scharfsinn, die Augen öffnen will.
Es ist natürlich der reinste Eigennutz, wenn ich mir eine so peinliche Zeit zu ersparen suche, denn Martha wird das Zusammenleben mit Eli in Wandsbeck gewiss an u für sich angenehm sein, aber solcher Eigennutz gehört doch zur – Liebe.
Warum ich mich aber an Sie wende u was ich von Ihnen will, Schwesterchen? An Sie muss ich mich wenden, weil Sie und [?] in jeder Hinsicht die nächste sind. Schönberg braucht 2 Tage, um Sie etwas wissen zu lassen, ich nur einen. - Seien Sie ganz unbesorgt, er wird nicht bös werden wenn er hört, dass ich Ihnen geschrieben habe. - Mit Fritz mag ich nicht in Verkehr treten, am wenigstens, um etwas von ihm zu erbitten, obwol er gewiss in dieser Sache den grössten Einfluss haben dürfte. Die Wahrheit ist, ich bin so gut wie ausser Verkehr mit beiden, u es wird Sache der klugen Mädchen sein, mich irgendwie ins Haus zu schmuggeln, denn der Hausherr dürfte sich nicht sonderlich nach mir sehnen.
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S.
Endlich was ich will? Daß Sie mir sagen, ob Aussicht vorhanden, den Plan zu verwirklichen, etwa daß Mama darauf besteht, ihr Haus zu Anfang Sept. endlich beisammen zu sehen. Es heißt zwar, Eli habe eine Geschäftsreise nach Hamburg, aber das ist gewiss nicht richtig, die Hamburger Freunde, die unlängst hier waren, haben ihn auf den Gedanken einer Hambger Reise gebracht. Wenn Sie Eli's Reise nicht mehr verhüten können, bitte ich mindestens um die Zusicherung, daß Martha nicht über Mitte Sept. ausbleibt. Ich werde übrigens von Martha selbst verlangen, daß sie sich energisch gegen dieses [...] Projekt sträubt.
Vielleicht können Sie mir auch die frohe Nachricht geben, dass dieser Reiseplan den Weg aller früheren Reisepläne Eli's für 1882 gegangen ist . Das getraue ich mich kaum zu hoffen.
Wundern Sie sich nicht, dass dieser Brief so [...] ausgefallen ist. Ich bin kein Pedant, aber wer kann leidenschaftlich schreiben, wenn er so kleine Zeichen machen muss?[1] Antworten Sie mir brav unter derselben Marke [???] u fürchten Sie sich überhaupt weniger vor mir, wir werden doch vielleicht 14 Tage, wo Martha und Schönberg abwesend sind, auf einander angewiesen sein u sollten es doch zu einem erträglichen Verhältnis bringen? Nicht?
Endlich muss ich Ihnen ja auch schmeicheln, dass ich Ihnen so viel Einfluss zutraue. Vergessen Sie nicht einige Worte über Ihr Befinden hinzuzufügen.
Ihr Sigmund
C1F11