• S.

    Wien 14.3.87.

    Liebe Mama u Minna

    Die Post hat ja wieder an uns zu 
    verdienen, der Verkehr ist ein sehr lebhafter 
    bringt lauter schöne Sachen und hoffentlich 
    auch eitel gute Nachrichten.  Die 
    schöne Cravate wäre um ein Haar 
    zu spät gekom̄en, eben wollte ich mir 
    eine kaufen. Also jetzt schönsten Dank 
    für das rechtzeitige Geschenk.

    Wenn ich Euch das Bevorstehende ange-
    kündigt habe, geschah es nicht aus Stolz 
    oder aus Geschäftigkeit, sondern 
    weil ich zweifle, daß meine Frau 
    dazu zu bringen ist, Euch eine Nachricht 
    von der Bedeutung bis unmittelbar 
    vor dem Termin zu geben. Ob die 
    Nachricht eine officielle ist?  Das verstehe

  • S.

    ich eigentlich nicht. Für Dich u Minna 
    ist die Mittheilung officiell, 
    Fremde geht es noch lange nichts an. 
    Meine kleine Frau hat sich den Spaß 
    gemacht, eine Diphteritis qmcaute, .oe.. 
    nicht sehr unheimliche Erkrankung in 
    wenigen Tagen rasch zu überstehen, 
    während welcher Zeit Breuer trotz meiner 
    Bitten u Kassowitz ohne dieselben 
    ihr die Ehre eines Besuches geschenkt 
    haben.  Sie ist jetzt wieder ganz 
    wol, noch etwas zusam̄engerissen 
    und wird hoffentlich Mittwoch bereits 
    in der Gesellschaft wieder auftreten.

    Das Hauslaboratorium wird in 
    etwa 3 Wochen fertig sein. 
    Tisch und Kasten sind bestellt. Das 
    Mikrotom läßt Breuer noch herrichten, 
    eine prächtige Gaslampe bren̄t 
    bereits auf dem Schreibtisch. Minna 
    wird Augen machen, wen̄ Ssie 
    unsere Einrichtungen zu sehen bekom̄t. 
    Die gute Praxis hat heute wirklich 
    aufgehört, ohne Ersatz zu hinterlassen. 
    Doch scheinen wir auch für die nächsten 
    Wochen ja wohl wöchentlich gesichert. Unser 
    Minimal­bedarf ist allerdings 450 im 
    Monat (mit Zins, ohne Schulden).

    Jetzt weiß ich aber gar nichts mehr.  
    Lebt Beide recht wol und 
    seid herzlich gegrüßt von Eurem 
    Sigmund