• S.

    PROF. DR. FREUD 
    WIEN, IX., BERGGASSE 19.

    3. 1. 1937

    Liebe Frau

    Ich bin es gewohnt, mich in Ihren Mitteilungen über Vorgänge und Situationen nicht zurecht zu finden. Aber so ratlos wie diesmal war ich noch nie. Was ich aus dem Ensemble von Prozess, Triumph, Schlägen u Periostitiden machen soll, ahne ich nicht einmal. Aber Sie haben das Geheimnis offenbar gewollt u können es aufklären.

    Ihr schönes Relief eines Betenden 
    hat einen Ehrenplatz im ersten 
    Zim̄er erhalten, ich kon̄te es 
    dem ägyptischen Museumsdirektor 
    noch nicht zeigen. Den kleinen 
    Kopf hat er als saitisch begutachtet.

    Das Mnskr Ihres Mannes habe 
    ich aufmerksam gelesen. Gescheit 
    wie immer, aber vorwiegend 
    kritisch negativ; so hat man am 
    Ende wenig in der Hand. Die 
    Arbeit scheint von der Gestaltpsycho-
    logie beeinflußt. In der Erör-
    terung der Alexander’schen Funk-
    tionskategorien vermiße ich den 
    Gesichtspunkt, der diese Betrachtung 
    von der Analyse scheidet.

    Ich habe in letzten Wochen 
    viel an Schmerzen gelitten, 
    jetzt in Besserung.

    Mit herzl Gruß
    Ihr 
    Freud

  • S.

    Frau Suse Bernfeld
    3301 Broderickstr.
    S. Francisco, Cal.
    U. S. A