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S.
PROF. DR. FREUD
WIEN. IX., BERGGASSE 19
Semmering, 10.IX.25.Lieber Herr Doktor!
Der Filmsturm ist also jetzt vorüber. Die
Sache war nicht schön. Vielleicht das einzig
Erfreuliche daran, muss ich nach meinen Berich-
ten urteilen, war Ihr konzilianter Verzicht,
der uns vor schweren Konflikten und eventuell
Verlusten bewahrt hat. Ich danke Ihnen für
dieses Benehmen und hoffe, es ist Ihnen nicht
allzu schwer geworden.Ich höre, dass Sie doch die Empfindung
haben, es sei Ihnen persönliches Unrecht ge-
schehen. Ich bitte Sie aber, in Betracht zu
ziehen, dass Ihre Sache durch den unvorsichti-
gen Schritt von Storfer hoffnungslos verdorben
wurde, so dass nichts anderes als ein solcher
Verzicht möglich blieb. Ich schätze Storfer
sehr wegen seines Eifers und seiner Fähigkeiten,
hätte seinen Verlust sehr bedauert, kann aber
nicht übersehen, dass er durch jene voreilige
Annonce den Schein grossen Unrechts auf sich
gezogen hat. Wenn dann die andere Seite sich -
S.
unfreundlich und intolerant benommen hat und
das Ergebnis wurde, dass wir mit Abrahams
Eigenheit, nicht Unrecht haben zu wollen, rech-
neten, so wollen Sie bedenken, dass diese
Rücksicht nicht so sehr ihm galt, als der
Vereinigung, die durch ihn repräsentiert wird
und die durch seinen Rücktritt bei solchem
Anlasse auf das Empfindlichste blossgestellt
worden wäre. Ich hoffe, Sie werden bei einiger
Distanz auch Ihre eigene
Empfindlichkeit in den Winkel stellen können.Indem ich Sie zum Erscheinen Ihres
Sisyphos beglückwünsche, herzlich
Ihr
Freud
Berggasse 19
Wien 1090
Österreich
Suppégasse 10
Wien 1130
Österreich
C17F18