• S.

    PROF. DR. FREUD 
    WIEN, IX. BERGGASSE 19.

    24. 5. 08

    Sehr geehrter Herr College

    Ihre Anwesenheit bei der Zusam̄enkunft von Salzburg 
    hat uns Alle, glaube ich, besonders erfreut. Sie waren 
    nicht nur persönlich eine Zierde der Gesellschaft, sondern 
    auch gleichsam eine Bürgschaft jener internationalen 
    Ausbreitung, die wir anstreben.  Ich weiß mich zu 
    erinnern, daß Sie mir plötzlich entschwunden 
    waren u danke Ihnen für den nachträglichen Ab-
    schiedsgruß.

    Gegen die ausführlichere Veröffentlichung meines Vortrages in Ihrem 
    Archiv spricht nur eines, daß 
    derselbe nämlich dazu bestimmt ist, einen der 
    ersten Beiträge zu unserem Jahrbuch zu bilden, dessen 
    erste Hälfte noch in diesem Jahre erscheinen soll. 
    Da geht es denn nicht gut an, daß der wesentliche 
    Inhalt der Arbeit schon vorher der Öffentlichkeit 
    übergeben wird.  Ich würde Sie im Gegentheile bitten, 
    den Bericht des Collegen Riklin erheblich zu kürzen 
    u auf eine Inhaltsangabe einzuschränken. Ein 
    anderer Gegengrund ist durch den Umstand gegeben, 
    daß der betreffende Patient seine Kur erst 
    im Juli beschließen wird, so daß eine endgiltige 
    Redaktion des Falles in diesem Moment unmöglich 
    wäre. Wenn Sie aber im Winter, gleichzeitig 
    mit dem Erscheinen des Aufsatzes im Jahrbuch, 
    eine ausführlichere Analyse desselben bringen wollen,

  • S.

    so werde ich natürlich sehr gerne bereit sein, eine 
    Correctur zu lesen u Zusätze anzubringen.

    Ich hoffe, daß es mir an Gelegenheiten nicht fehlen 
    wird, Wünsche, die Sie zu Gunsten Ihres Archivs 
    äußern, zu erfüllen, u bitte Sie, den dießmaligen 
    Bescheid nicht übel aufzunehmen.

    Mit herzlichen kollegialen Grüßen
    Ihr 
    Freud