• S.

    PROF. DR. FREUD 
    WIEN, IX., BERGGASSE 19

    5. 9. 1933

    Lieber Herr Professor

    Es war sehr schön, wieder 
    einmal von Ihnen zu 
    hören und sogar etwas 
    Gedrucktes zu erhalten. 
    Leider – so vertraut mir die 
    schöne spanische Sprache ist, so 
    fremdartig mutet mich 
    das doch verwandte Por-
    tugiesische an, und ich kann 
    nicht feststellen, welche 
    Modifikationen Sie an 
    Ihrem liebenswürdigen 
    Bericht vorgenom̄en haben, 
    ehe ich wieder zu Hause 
    bin und Ihr Büchlein 
    zum Vergleich heraus-
    gesucht habe. Ich lebe ja 
    gegenwärtig in einer 
    Landwohnung, aber im̄er 
    noch innerhalb von Wien.

    Die Dunkelheit und 
    Schwere der Zeiten lastet 
    auch bei uns auf jeder

  • S.

    Thätigkeit. – Der Umsturz in 
    Deutschland hat unsere Analyse 
    sehr geschädigt, aber wir 
    halten sie aufrecht unter 
    der Teilnahme anderer 
    Nationen.

    Ich schreibe Ihnen deutsch und 
    sogar in gothischer Schrift 
    in Erinnerung an die 
    blonde Frau aus Magde-
    burg, die Sie uns gezeigt 
    haben. Herzliche Grüße für 
    Sie Beide! Meine Frau 
    befindet sich wol und 
    läßt Ihnen danken.

    Ihr herzlich ergebener
    Freud